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SWR3 Gedanken
Kia orana! „ein langes und erfülltes Leben Dir“. Kia orana - dieser Gruß ist in vielen Kirchen im Land heute zu hören. Immer am ersten Freitag im März werden rund um die Welt Gottesdienste gefeiert – von Frauen ökumenisch gestaltet und offen für alle! Dieses Jahr kommt der Entwurf für die Feier von den Cook-Inseln. Und dort – mitten im Pazifik, zwischen Australien und Südamerika – begrüßen sich die Leute mit „Kia orana“!
Tatsächlich sind die Cook-Inseln eine Gegend, wo ich gerne lange leben würde. Kokospalmen, Drachenfrüchte, Oleander und überall sichtbar: das Meer! Kein Wunder, dass über dem Gottesdienst heute das Motto „wunderbar geschaffen“ steht. Die Bilder, die ich von den Inseln gesehen habe, zeigen ein Paradies. Doch die Frauen dort erleben auch, wie die Klimakrise das Leben auf der Insel unsicher macht. Die Abhängigkeit vom Festland macht das Leben teuer. Und sexualisierte Gewalt gibt es auch dort. Kraft zusammenzuhalten, die Freude am Leben weiterzugeben, haben die Frauen trotzdem. Denn sie sehen und spüren jeden Tag, wie sie und alles „wunderbar geschaffen“ sind. Sie erfahren, dass es sich lohnt, sich für andere einzusetzen.
Deswegen veranstalten sie Workshops gegen Gewalt, sie wehren sich gegen die Ausbeutung des Meeres und sie haben ein Programm für nachhaltigen Tourismus aufgelegt. Und deswegen beginnt der Gottesdienst heute Abend auch mit dem herzlichen Gruß Kia Orana – „ich wünsche dir ein langes und erfülltes Leben.“ Und eine der Frauen von den Cookinseln übersetzt es noch schöner, und das ist mein Gruß an alle für heute: „Ich wünsche dir, dass du lange und gut lebst, dass du leuchtest wie die Sonne und mit den Wellen tanzt.» Kia Orana!
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Tja, wie nenne ich das jetzt am besten? ‘Trotzverhoffnisierung’ vielleicht?
Aber von vorne: Billal Aloge ist Syrer. Bis vor kurzem hat der Muslim zwei arabische Restaurants in Freiburg betrieben. Weil er seinen Gästen die Vielfalt der Levante-Küche präsentieren wollte, hat er vor einem Jahr auch das Gericht Baba Ganoush mit auf die Speisekarte genommen. Die Auberginencreme Baba Ganoush ist vor allem aus der israelischen Küche bekannt. Und kaum stand das Gericht auf der Speisekarte, haben Billal Aloge, seine Mitarbeitenden und seine Familie einen Shitstorm erlebt. Die bisherigen Gäste haben sie beschimpft und bedroht. Und sie haben dafür gesorgt, dass seine beiden Restaurants plötzlich leer blieben. Billal Aloge war bestürzt über so viel Hass nur wegen einer israelischen Auberginencreme. Und er hat versucht, sich vorzustellen, was Juden in diesen Zeiten alles auszuhalten haben. Gleichzeitig sind die Restauranttische nicht lange leer geblieben. Nach kurzer Zeit hat Alloge andere Leute zum Essen begrüßen können. Menschen, die mit ihrer Mahlzeit bei ihm einen Akzent für Versöhnung in Deutschland setzen wollten. Und natürlich auch Leute aus der jüdischen Community in Freiburg.
Dadurch ermutigt, hat der Syrer einen Entschluss gefasst: Er hat ein israelisches Restaurant in Freiburg eröffnet. Billal nennt sein neu eröffnetes Restaurant Jaffa ein „Zeichen gegen Hass und für Vielfalt und Toleranz“. Und deswegen gibt es jetzt im ‘Jaffa’ nicht nur Baba Ganoush, sondern auch Hummus, Shakshuka, Falafel und viele weitere Köstlichkeiten aus Israel.
Billal Aloge ist die Trotzverhoffnisierung gelungen – und sie schmeckt auch noch gut!
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In der Mittagszeit picknicke ich mit Kolleginnen unter den riesigen schattenspendenden Bäumen. Wir brauchen die Äpfel und Gurken nicht zu waschen. Pestizide werden schon lange nicht mehr verwendet. Am Park führt eine Straße entlang, aber die Fahrzeuge machen keinen Lärm. Wir teilen, was zwei von uns mitgebracht haben – es ist mehr als genug für uns alle da. Ganz so sieht meine Mittagspause noch nicht aus. Aber so hätte ich es gerne. Und da kommt mir die diesjährige Fastenaktion deutscher Kirchen und Organisationen gerade recht!
“So viel du brauchst ...” heißt die nämlich und bietet mir jetzt sieben Wochen lang Anregungen, wie ich Zukunft selber positiv mitgestalten kann.
„So viel du brauchst“ ist ein Satz aus einer biblischen Erzählung. Darin geht es um eine spezielle Erfahrung: Eine Gemeinschaft kommt besser klar, wenn sie sich auf das beschränkt, was ihre Mitglieder wirklich brauchen. Die Aktion „so viel du brauchst“ macht Mut, sich mit anderen zusammenzutun. Und zu entdecken, dass Teilen mehr Spaß macht als ganz alleine was zu besitzen. Und sie gibt mir Hoffnung, dass wir zusammen doch noch einiges rumreißen können.
(www.klimafasten.de)
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In den Wald gehen und laut schreien – das ist das beste Gebet. Diesen Tipp habe ich neulich im Instagramkanal einer Kollegin gelesen. Und – ja, manchmal ist laut schreien vielleicht wirklich passender als sorgsam überlegte Sätze in andächtiger Stille. Oft genug fehlen mir sowieso die Worte für all die Gewalt, die von uns Menschen ausgeht. Es gibt so vieles, das ich kaum aushalte in dieser Welt. Darum hab ich das mit dem Gebet und dem Schreien im Wald einfach mal ausprobiert. Und dann?
Dann habe ich erlebt, welche Kraft da in mir steckt. Wie viel Volumen meine Lunge hat. Wie weit meine Stimme reicht. Da geht doch noch mehr als nur im Wald zu schreien. Wenn ich so viel Kraft zur Verfügung habe, dann könnte ich die ja auch anders einsetzen. Indem ich den Mund aufmache, wenn nächstes Mal jemand neben mir beleidigt wird. Indem ich mit anderen laut werde, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden. In den Wald gehen kann ich dann immer noch zum Aufatmen. Und um zu spüren, dass Gott mir Kraft gibt, nicht nur zum Schreien, sondern auch zum Handeln.
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Nina ist schwanger. In ihrem Bauch wächst nun 40 Wochen lang ein kleiner Mensch heran. Bald wird der Embryo erste Geräusche hören können, und bis zur Geburt ist das Hörorgan ausgewachsen. Ninas Stimme wird dem Baby dann bereits vertraut sein. Von Anfang an reagieren wir Menschen auf Geräusche, Melodien, Worte. Unser Gehör begleitet uns durch unser Leben, bis zum Tod.
Ich glaube, es ist kein Zufall, dass die Bibel dem gesprochenen Wort so viel Bedeutung zumisst. Im ersten Buch der Bibel erschafft Gott die Welt durch Worte; Gott spricht und die Welt entsteht. Und im Neuen Testament schreibt der Evangelist Johannes vom Wort, das vor aller Zeit bei Gott ist. Sozusagen als Ursprung allen Lebens.
Wie Gottes Worte Leben bringen, kann sich in unseren Worten zueinander spiegeln. Ninas Baby wird in den ersten Wochen sanfte, freundliche Worte hören, wird mit Liedern in den Schlaf gewiegt und mit Reimen geweckt. Wenn das Kind heranwächst, wird es hoffentlich erleben, dass ihm Missgeschicke verziehen werden, wenn es Worte dafür findet. Und als erwachsene Person wird es dann anderen Mut machen oder Trost spenden und leben helfen. In solchen Worten schwingt Gottes Wort als Echo mit Ninas Kind und uns allen wünsche ich solche Worte. Lebendige Worte. Unser ganzes Leben lang.
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Die Genschere Crispr Cas, der Exoplanet Hd 223633b, die Entschlüsselung des menschlichen Genoms – Meilensteine der Wissenschaft! Und alle sind auch ein Ergebnis von geteiltem Wissen. Kurz von: open access. Dieser freie Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat die Menschheit in den letzten Jahren ziemlich vorangebracht. Wichtiges zu teilen, anstelle es für sich zu behalten, das ist die Grundidee von open access. Und natürlich ist die Idee dahinter viel älter als das Internet.
Eine historische Person, die open access gelebt hat, ist für mich tatsächlich Jesus – für ihn war es wichtig, dass alle, die wollen, Zugang zu Gott haben. Der soziale Status oder der Lebenswandel haben für Jesus keine Rolle gespielt.
Vor 500 Jahren waren es dann die Männer und Frauen der Reformation, die sich für die Gleichheit aller Menschen vor Gott starkgemacht haben. Alle sollten die Bibel selber lesen können. Priester sollten keinen Heiligkeits-Bonus mehr genießen, weil doch alle Menschen Gott gleich nahe sind.
Heute ist wieder eine Open-Access-Bewegung im Bereich der Kirchen am Entstehen: Immer mehr Menschen kommen mit anderen ins Gespräch über ihren Glauben und unterstützen sich gegenseitig. Vor Ort oder über die sozialen Medien. Und das ist gut so. Denn die Hauptamtlichen in den großen Kirchen werden weniger. Prima, wenn auch Leute ohne Theologiestudium ihren Glauben mit anderen und für andere teilen und feiern. Open Access – freier Zugang zum Glauben, zum vertrauensvollen Handeln, zu Gott! Da gibt es noch viel zu entdecken.
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Wie können wir hoffen in Zeiten voller Angst und Hass? Der Holocaustüberlebende Gidon Lev sagt wie es geht:
“Sie sollten sich selbst fragen: Will ich wirklich, dass es besser wird?
Zu oft hängen Menschen in düsterer Stimmung fest – sind süchtig danach.
Gerade auch durch Social Media. Sie tauschen Visionen gegen Bedürfnisse. Und die sollen möglichst schnell erfüllt werden. Aber wir müssen starrköpfiger sein.
Uns immer wieder bewusst gegen die Hoffnungslosigkeit entscheiden; gegen das Bedürfnis, der Angst, der Wut und dem Hass nachzugeben.
Auf Social Media heißt das beispielsweise, immer und immer wieder zu hinterfragen, was wir da sehen, was es eigentlich mit uns und unseren Gefühlen macht.
Quelle: wochentaz 28.11.2024, S. 13, J. Guggenberger: “Anfangs liebten alle Gidon”
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Der Soziologe Hartmut Rosa hat ein Buch darübergeschrieben, warum Religion für die Demokratie wichtig ist. Er fasst es so zusammen:
„Religion lebt von dieser Notwendigkeit, sich zu öffnen und zu hören.
Das ist eine Welthaltung, sich zu öffnen für etwas anderes, das ich nicht völlig verstehe, das ich nicht sehen kann und schon gar nicht beherrschen kann.
Ich denke da an so etwas wie das Gebet:
Es ist der Versuch, eine Verbindung zwischen dem Innersten und einem umgreifenden Äußeren darzustellen, bei dem ich nicht einfach aktiv Kontrolle oder Beherrschung suche, sondern ich bin gleichermaßen aktiv wie passiv.
Ich bin ganz lauschend, aber auch ganz konzentriert.
Das war der Punkt, warum ich am Ende geschrieben habe, dass Demokratie vielleicht sogar Religion braucht, weil sie diese Haltung der Anrufbarkeit hat: einem anderen ganz zugewandt sein in der Bereitschaft, sich berühren zu lassen – und sich dadurch in ein Gemeinsames hin zu verwandeln.“
Quelle: https://www.ndr.de/kultur/buch/Demokratie-braucht-Religion-Gespraech-mit-Hartmut-Rosa,rosa170.html
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Eva Jung hat eine Designagentur gegründet. Ihre Kreativität schöpft sie aus ihrem Glauben. Sie erklärt das so:
„Ich liebe Kreativität.
Jede Person wurde von Gott mit einer gehörigen Portion Kreativität ausgestattet. Jede! Denn Gott selbst ist die Kreativität in Person.
(...) Das Erste, was wir über Gottes Wesen in der Bibel erfahren, ist seine/ihre Schöpferkraft. Und diese Kraft endete nicht nach dem siebten Tag. Sie ist täglich zu spüren. (...)
Und das Leben machte ohne sie keinen Sinn.
(...) Gottes Kreativität ist vielen Menschen überhaupt nicht bewusst.
Diese Tatsache in unserer Gesellschaft bekannter zu machen, das sehe ich als meine Lebensaufgabe.“
Quelle: https://www.jesus.de/nachrichten-themen/personen/eva-jung-ich-liebe-es-von-gott-ueberrascht-zu-werden/
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Joana Mallwitz ist eine international bekannte Dirigentin. Musik ist nicht nur ihr Beruf. Sie findet in der Musik immer wieder Göttlichkeit. Sie erzählt:
„Ich glaube an Gott. Ich glaube an die Wissenschaft. Und ich glaube an die Idee der Nächstenliebe, sie ist die Antwort auf alles im Leben.
Tut jemand etwas Böses, dann frage ich mich vor allem: Was müssen wir als Gesellschaft tun, damit diese Person zur Nächstenliebe findet?
Manchmal habe ich eine Idee von Göttlichkeit, wenn ich Meisterwerke (der Musik) studiere. Dann habe ich oft das Gefühl: Das hat sich der Komponist nicht ausgedacht, der hat etwas am Universum freigekratzt und rausgeholt.
Man spürt es, wenn ein Stück größer ist als man selbst.“
Quelle: https://chrismon.de/artikel/56397/joana-mallwitz-chefdirigentin-des-konzerthausorchesters-berlin
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41444