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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Wenn ich als Kind mit meinen Geschwistern oder Nachbarskindern nachmittags draußen gespielt habe, dann gab es eine Regel: Wenn draußen die Straßenlaternen angehen, dann gibt es Abendbrot und wir müssen nach Hause kommen. Oft hat uns das herausgerissen aus unserem Spiel und unserem Miteinander. Denn es war klar: Nach dem Abendessen geht es ins Bett und der Tag ist vorbei. Das Licht der Straßenlaternen war eine ganz eigene Zeitansage.
Menschen, die wie ich in Mainz um die große Christuskirche herum leben, kennen noch einen anderen Zeitgeber: Denn drei Mal am Tag erklingt das Glockenspiel vom Turm der Christuskirche: morgens um viertel vor 8, mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr. Die 25 kleinen Glocken hängen ganz oben im Kirchturm. Schaut man genau hinauf, kann man sie über der Kuppel der Kirche gut erkennen. Gestiftet wurden sie von der Stadt Mainz Anfang der 1950er Jahre, als die im Krieg zerstörte Christuskirche wieder aufgebaut wurde. Seitdem hängen sie dort oben und spielen jedes Mal ein bekanntes Kirchenlied. Alle paar Wochen wechseln die Lieder, so passen sie immer zur Jahreszeit. Seit über 70 Jahren hat sich nichts daran verändert – die Technik, die Lieder, die Uhrzeiten sind gleichgeblieben. Nur manche Glocken haben sich inzwischen etwas verstimmt.
Immer wieder erzählen mir Menschen, wie wichtig das Glockenspiel für sie als Zeitansage ist. Hört man morgens die Glocken – dann ist es höchste Zeit aufzustehen.. Oder man muss sich schnell auf dem Weg zur Schule machen, damit man nicht zu spät kommt. Und abends ist es wie bei mir früher: Wenn die Glocken spielen, dann ist es Zeit fürs Abendbrot.
Mein Tagesablauf ist inzwischen oft anders, so dass mich das abendliche Glockenspiel nicht nach Hause zum Essen ruft. Aber die Glocken machen dennoch etwas mit mir: Sie rufen mich heraus aus meinen Gedanken und aus dem, was ich gerade tue. Ich merke dann: Oh, so spät ist es schon! Und meistens überlege ich: Was brauche ich jetzt? Weitermachen oder doch lieber eine Pause? So ist mir das Glockenspiel zu meiner ganz eigenen Zeitansage geworden.
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Vor einigen Tagen saß ich bei meiner Ärztin im Wartezimmer. Und da ist mir ein Lied eingefallen. Der Sänger Bosse singt es und es heißt „Wartesaal“. „Wir sitzen im Wartesaal zum Glücklich sein“ singt er da. Er meint kein Wartezimmer in einer Arztpraxis, wie das, in dem ich gesessen habe. Sondern er singt vom großen Ganzen. Der Sänger Bosse singt davon, dass wir Träume haben, aber uns manchmal nicht trauen, sie wahr werden zu lassen. Dass wir Pläne nicht angehen, sondern sie aufschieben. Und dass wir immer darauf warten, dass wir später irgendwann glücklich sind. „Und so bleiben wir im Wartesaal zum Glücklichsein und warten mal und warten mal“ singt er weiter.
So wie Bosse vom Warten singt, meint er kein unbeschwertes Warten. Sondern ein Warten, das uns nicht guttut.
Jetzt im Advent warten wir darauf, dass es Weihnachten wird. Ab heute verkürzen uns Adventskalender die Wartezeit. Jeden Tag öffnen wir ein Türchen, freuen uns über ein Stück Schokolade, eine kleine Überraschung oder eine Geschichte. Sich jeden Tag über eine Kleinigkeit freuen, macht das Warten deutlich schöner. Und es lässt uns fast aus dem Blick verlieren, dass wir überhaupt warten.
Ich glaube, der Advent ist eine gute Zeit zum Warten. Dieses Jahr nehme ich mir vor, mir mehr Zeit für das Warten zu nehmen und mich weniger mit allen Vorbereitungen und Terminen zu stressen. Ich will das Genießen nicht aufschieben, sondern jetzt schon spüren. Und mir die Wartezeit schön machen.
Ich will mir auch Zeit nehmen, um bei mir das große Ganze in den Blick zu nehmen. Das, wovon der Sänger Bosse gesungen hat. Worauf warte ich eigentlich? Welche Träume, welche Pläne habe ich noch? Was brauche ich, dass ich das eine oder andere endlich angehe? Und ich will mich fragen: Sitze ich noch, wie der Sänger Bosse gesungen hat, im Wartesaal zum Glücklichsein? Oder bin ich jetzt schon glücklich?
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43422SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
Heute ist der erste Advent. Und ganz ehrlich: Ich bin noch nicht in Adventsstimmung: Mir ist gar nicht nach Weihnachtsmarkt und Glühwein zumute. Zu Hause habe ich auch noch nichts dekoriert und vorbereitet: Ich habe bis jetzt noch nicht mal einen Adventskranz besorgt.
Zuerst hat mich das geärgert: Am ersten Advent dastehen ohne Adventskranz– wie blöd ist das denn! Dann habe ich überlegt: Wie könnte ich es hinkriegen, doch noch einen Adventskranz zu besorgen? Oder könnte ich noch irgendwie einen basteln? Aber diese Überlegungen habe ich ganz schnell wieder verworfen – der Stress wäre zu groß.
Und nun stehe ich da ohne Adventskranz am ersten Advent. Je länger ich mir das bewusst mache, desto mehr finde ich mich damit ab. Vielleicht besorge ich einfach später noch einen.
Während ich darüber nachdenke, erinnere ich mich auch daran, was Advent eigentlich bedeutet. Der Advent ist eine „Wartezeit“. Im Advent warten wir auf das, was noch kommt. Wir zählen die Tage herunter und üben uns in Geduld. Es ist die Zeit, um sich auf Weihnachten vorzubereiten.
Also muss auch nicht am ersten Advent alles schon perfekt sein. Mit vielem können wir uns Zeit lassen. Schließlich ist Weihnachten erst am 24. Dezember – bis dahin ist Zeit für Vorbereitungen.
Eins meiner Lieblingslieder im Advent fragt: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir?“ Mir gefällt diese Frage: Wie soll ich dich empfangen? Im Lied ist Gott gemeint – schließlich feiern wir an Weihnachten, dass Jesus geboren und Gott Mensch wird. Gott kommt in unsere Welt. Und ich habe jetzt Zeit, mich darauf vorzubereiten und frage mich: Wie möchte ich mich dieses Jahr auf Weihnachten einstimmen? Was brauche ich in diesem Advent, damit es für mich Weihnachten werden kann? Brauche ich mehr gemütliche Auszeiten zu Hause am Adventskranz? Mehr Zeit zum Innehalten? Oder brauche ich in diesem Jahr eher viel fröhliches Beisammensein auf dem Weihnachtsmarkt und beim Plätzchenbacken?
So schön ein Adventskranz auch ist – dieses Jahr verzichte ich wohl auf ihn. Ich belasse es bei einer Kerze und freue mich an ihrem Licht. Denn ich merke, dass ich dieses Jahr vor allem mehr den Moment genießen möchte, damit es bei mir so richtig Weihnachten werden kann.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43421Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Mit dem Blick zurück geht es vorwärts. Klingt komisch? Ist aber so - zumindest beim Rudern. Wer schon einmal in einem Ruderboot gesessen hat, kennt es vielleicht: Das ungewohnte Gefühl, nicht zu sehen, wohin man steuert und fährt.
Als Jugendliche habe ich für einige Zeit viel gerudert. In großen, breiten Booten, sogenannten Zweiern oder Vierern, mit mehreren anderen zusammen. Und in ganz leichten, schmalen Ruderbooten, den Skiffs, in denen man allein oder zu zweit sehr schnell vorankommt. Ich erinnere mich gut daran. Wie leicht und lautlos das Boot über das Wasser gleitet. Auf der Wasseroberfläche hinterlassen die Ruderschläge und das Boot Abdrücke. Besonders schön ist das frühmorgens oder abends. Dann sind das Licht und die Stimmung auf dem Wasser so besonders. Oft habe ich dann gestaunt, wie schön diese Welt sein kann.
An die Blickrichtung beim Rudern musste ich mich erst gewöhnen. Denn man sitzt genau andersrum als sonst. Normalerweise gehe ich vorwärts durchs Leben und sehe, wohin ich gehe. Beim Rudern ist es genau umgekehrt: Ich sehe nach hinten: Die Landschaft zieht an mir vorbei und ich weiß nicht genau, was vor mir liegt. Bin ich allein im Boot unterwegs, muss ich mich immer mal wieder umdrehen, um zu sehen, was vor mir liegt oder um den Kurs zu korrigieren. Mit der Zeit entwickelt man ein gutes Gespür dafür. Im Vierer ist daher der Steuermann wichtig. Ihm kann man vertrauen, denn er sitzt als Einziger im Boot mit Blick nach vorn.
Die Bibel erzählt davon, dass Jesus zu ähnlichem Vertrauen aufgefordert hat. „Fahr hinaus, wo es tief ist!“ (Lukas 5,4) hat er zu Simon, einem Fischer am See Genezareth, gesagt. Das bedeutet so viel wie: Fahr so weit hinaus auf den See, bis zu der Stelle, an der du nicht mehr bis auf den Grund sehen kannst. Bis zu dem Ort, an dem du nicht weißt, was kommt und was dich erwartet.
„Vertrau mir“, sagt Jesus, „Lass dich darauf ein – und fahr los.“
Was für eine Ansage! Simon hat es gewagt. Er hat Jesus vertraut und ist aufgebrochen ins Unbekannte. Und er ist mit einem Netz voller Fische belohnt worden.
„Fahr hinaus, wo es tief ist.“ Jesu Worte fordern mich auch heraus: Lass dich darauf ein, dass du nicht wissen und sehen kannst, was die Zukunft bringt. Hab Vertrauen, dass der Steuermann richtig steuert. Und sei gewiss: Es kann gut werden.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43008Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Es ist Zeit für ein bisschen Gartenarbeit. Meine Blumen und Pflanzen auf dem Balkon müssen jetzt versorgt werden, damit sie gut durch den Winter kommen. So schaue ich: Wo muss eine Pflanze nur ein bisschen gestutzt werden, wo sind radikalere Rückschnitte nötig?
Da, wo Krankheiten oder Schädlinge einer Pflanze zugesetzt haben, kürze ich die Äste. Auch dünne Äste, die unter der Last der Blüten gelitten haben, schneide ich ab. In der Hoffnung, dass die Pflanze im nächsten Jahr mit voller Kraft nachwächst und noch buschiger und schöner wird. Besonders bei meinem Oleander ist das dieses Jahr richtig nötig.
Letztes Jahr habe ich diesen Zeitpunkt nämlich verpasst. Und alle meine Pflanzen einfach wachsen lassen. Das hat wahrscheinlich die Vögel auf meinem Balkon gefreut. Aber dieses Jahr möchte ich es anders machen und die Pflanzen besser versorgen. Durch diese Arbeit nehme ich auch den Wechsel der Jahreszeiten bewusster wahr.
Denn ich denke dann daran, wie ich mich über das Aufblühen der Pflanzen im Frühjahr gefreut habe. Ich erinnere mich an die Sommerabende, die ich in diesem Jahr auf dem Balkon verbracht habe. Wie oft habe ich mich da über das Blühen und Wachsen in den Kübeln gefreut! Mir fällt auch wieder ein, wie oft ich ans Gießen oder Düngen denken musste. Jetzt dürfen die Pflanzen den Winter über ruhen – und ich freue mich schon darauf, wenn ich im nächsten Frühjahr die ersten grünen Blättchen und Knospen entdecke.
„Alles hat seine Zeit“, wussten schon die Menschen zur Zeit der Bibel. (Prediger 3)
Und so versuche ich, nicht in Gedanken schon beim nächsten Frühjahr zu sein. Sondern dem Rückschnitt auch etwas abzugewinnen. Bei meinen Pflanzen geht das ganz einfach – einfach ein paar Äste kürzen. Und falls ich mal zu viel abschneide, wird es schon wieder nachwachsen mit der Zeit.
Mit Blick auf mein Leben ist das schon schwieriger. Wo müsste ich da ein bisschen was kürzen? Wovon brauche ich weniger? Weniger Bequemlichkeit? Oder weniger Zeit vor dem Fernseher oder dem Handy? Oder wie könnte es gelingen – etwas weniger Stress?
Alles hat seine Zeit. Und vielleicht ist jetzt die Zeit, mit der Gartenschere in der Hand genau das mal in den Blick zu nehmen.
Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Ich habe das Schaukeln für mich entdeckt. Denn in der Nähe meiner Wohnung gibt es seit Neuestem drei Schaukeln. Keine Baby- oder Kinderschaukeln, sondern Schaukeln für Erwachsene. Sie stehen direkt am Rheinufer. Wenn man darauf schaukelt, hat man einen wunderbaren Blick auf den Rhein. Fast immer, wenn ich dort vorbeikomme, lege ich eine kurze Schaukelpause ein. Ich lasse meinen Blick schweifen über die Bäume am anderen Ufer, die Schiffe auf dem Rhein und in den Himmel. Für ein paar Minuten durch die Luft fliegen – herrlich! Wenn ich schaukele, fühle ich mich leicht und frei. Voller Kraft hole ich Schwung, um noch höher hinauszukommen. Schon als Kind habe ich es geliebt, richtig hochzuschaukeln. Bis zu dem Punkt, an dem man selbst einen kleinen Hopser macht.
Und beim Schaukeln kommt mir wie von selbst ein Satz aus der Bibel zugeflogen: „Alle, die auf Gott hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler.“ (Jes 40,31)
So geht es mir beim Schaukeln: Als ob ich mich mit Flügeln durch die Luft fliege. Voller Kraft, die ich nicht ganz allein aufbringe.
Menschen, die auf Gott hoffen, bekommen von ihm neue Kraft. Das verspricht dieser Satz aus der Bibel. Das passt zum Schaukeln. Denn auch beim Schaukeln besteht nur ein Teil daraus, schwungvoll durch die Luft zu fliegen. Das Schaukeln lebt vom Wechsel: Es geht vor und zurück. Und wieder vor und zurück. Beim Schaukeln braucht es beide Richtungen. Ich finde es heilsam, dass mich das Schaukeln daran erinnert: Es geht nicht immer nur vorwärts. Denn das ist nicht nur beim Schaukeln so. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich auch sonst dann und wann mal einen Schritt zurück machen oder eine Weile warten muss, bevor ich wieder mit neuer Kraft weitergehen kann.
Vielleicht tun mir die Schaukelpausen auch deshalb so gut. Ganz leicht und spielerisch erinnert mich das Schaukeln daran, dass Warten genauso zum Leben gehört, wie einen Schritt zurück zu machen. „Alle, die auf Gott hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler.“
In diesem Satz aus der Bibel steckt auch eine große Portion Gottvertrauen. Die Kraft kommt nicht von irgendwo – Gott schenkt sie uns. Damit immer wieder ein Schritt nach vorne folgen kann. Und ich freue mich, wenn mir das beim Schaukeln bewusst wird.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43006Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
„Du bist nicht allein allein“. Unter diesem Motto setzt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau in diesen Wochen ein Zeichen gegen die Einsamkeit. Wenn ich mich einsam fühle, dann habe ich den Eindruck: Ich bin die Einzige, der es so geht. Es fühlt sich an, als ob nur ich einsam wäre. Dabei stimmt das gar nicht: Umfragen zeigen, dass weit mehr als die Hälfte aller Erwachsenen Einsamkeit erleben. In den letzten Jahren geben besonders junge Menschen an, sich einsam zu fühlen.
Einsam kann man in jeder Lebenslage sein, ganz gleich wie alt man ist, ob man berufstätig ist und viel Geld hat oder mitten in der Ausbildung steckt und aufs Geld achten muss. Auch wer verheiratet ist oder gute Freundinnen und Freunde hat, kann sich einsam fühlen.
Einsamkeit betrifft viel mehr Menschen als gedacht. Daher heißt die Aktion der evangelischen Kirche: „Du bist nicht allein allein“.
Dahinter steht die Überzeugung: Wenn wir uns als Gesellschaft zusammentun, können wir viel gegen die Einsamkeit unternehmen. Manchmal hilft es schon, über das Thema zu reden. Und zu merken: Einsamkeit kennen viel mehr Menschen, als ich gedacht habe. Vielen geht es nicht gut damit. Es hilft aber, darüber zu reden.
Mit der Aktion möchte die evangelische Kirche genau dazu anregen: Über Einsamkeit ins Gespräch zu kommen. Wann mache ich das schon – jemanden fragen, wann er oder sie sich einsam fühlt. Oder was ihr hilft gegen die Einsamkeit?
Auch die Bibel erzählt von Menschen, die sich einsam fühlen – und aus der Einsamkeit herausfinden. Da ist zum Beispiel einer, der wegen seiner Krankheit von der Gesellschaft ausgeschlossen ist. Jesus sieht ihn und erkennt, wie es um ihn steht. Jesus gibt ihm weder Ratschläge noch bemitleidet er ihn ungefragt. Stattdessen sieht er ihn an und fragt ihn: „Was willst du, dass ich für dich tue?“ (Lukas 18,41). Jesus nimmt sein Gegenüber wahr mit allen Gefühlen und Erfahrungen, auch mit seiner Einsamkeit. „Was willst du, dass ich für dich tue?“, fragt er ihn und ermöglicht es seinem Gegenüber, sich mitzuteilen. Und das ist der erste Schritt. Ich muss nicht die Lösung für die Probleme anderer haben. Aber ich kann etwas tun: Ich kann das Gespräch suchen und fragen: „Was willst du, dass ich für dich tue?“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42235Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Ein Meer aus weißen Kreuzen, soweit das Auge reicht. Für jeden gestorbenen Soldaten ist ein weißes Kreuz errichtet. Auf manchen steht ein Name und darunter die Angaben, wann und wo dieser Mensch geboren wurde und gestorben ist. Auf anderen Kreuzen fehlen diese Angaben. Sie erinnern an die vielen getöteten Soldaten, deren Leichen nicht gefunden oder identifiziert werden konnten.
In diesem Jahr denken wir daran, dass der Zweite Weltkrieg vor 80 Jahren beendet wurde. Die Befreiung hat mit dem sogenannten D-Day am 6. Juni 1944 begonnen. An diesem Tag landeten die Schiffe der alliierten Truppen an der nordfranzösischen Küste. Unzählige amerikanische und kanadische Soldaten sind gestorben, kurz nachdem sie an Land gingen. Es waren fast alles waren junge Männer. Sie sind gestorben, um Europa zu befreien.
Als Jugendliche war ich einmal im Urlaub in der Normandie. Wir haben damals viele dieser Soldatenfriedhöfe besucht. An die unzähligen weißen Kreuze erinnere ich mich noch sehr genau. Und ebenso an das bedrückende Gefühl bei diesem Anblick. Denn das unermessliche Leid, das der Zweite Weltkrieg über Europa gebracht hat, übersteigt meine Vorstellungskraft.
Zwar konnte ich auf den Informationstafeln lesen, wie viele Gräber es hier gibt, wie viele Soldaten und wie viele Zivilisten hier ums Leben gekommen sind. Und auch, an wie viele Vermisste erinnert wird. Aber allein diese Zahlen sind schwer zu begreifen. Die weißen Kreuze haben mir geholfen, eine Ahnung zu bekommen. Jedes Kreuz steht für ein Menschenleben. Und um jedes dieser Menschenleben hat jemand getrauert - Eltern, Geschwister, Freunde, Geliebte und Kameraden.
Das Meer aus weißen Kreuzen auf den Soldatenfriedhöfen in der Normandie hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Heute, 81 Jahre nach diesem D-Day, gilt für mich einmal mehr: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ So hat es der Weltkirchenrat nach Kriegsende festgehalten. Für mich ist das heute genau so aktuell wie vor 80 Jahren: Krieg soll nicht sein – wir Menschen sollen in Frieden miteinander leben. Schließlich sind wir doch alle Menschen, alle von Gott geliebte und nach seinem Bild geschaffene Menschen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42234Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Mit ausgestreckter Hand steht meine Nachbarin auf dem Balkon. Sie blickt hinauf in die grauen Regenwolken und dann auf die Regentropfen auf ihrer Hand. Dabei strahlt sie und ich kann von meiner Wohnung direkt gegenüber sehen, wie sie sich freut. Mit ihr bestaunen ihre beiden kleinen Kinder, wie die Regentropfen auf das Balkongeländer und auf ihre Hände prasseln. Lange stehen sie nicht da, aber es ist jedes Mal so: Wenn es regnet, gehen sie raus, spüren kurz den Regen auf ihren Händen und freuen sich. Ich habe sie leider noch nie gefragt, warum sie das tun. Ob sie in einer Gegend aufgewachsen sind, in der es fast nie geregnet hat? Oder ob sie etwas Besonderes mit dem Regen verbinden?
Aber ich habe mir etwas von der Familie abgeschaut: Ich versuche auch darüber zu staunen, wenn es regnet. Eigentlich hat mich der Regen immer eher geärgert. Ich fahre viel Fahrrad und werde ungern nass. Mit Regenklamotten ist Fahrradfahren zwar problemlos möglich, aber längst nicht so schön wie bei Sonnenschein. Daher hoffe ich immer, dass es nicht genau dann regnet, wenn ich raus muss.
Inzwischen staune ich lieber. Denn Regen ist doch eigentlich etwas Wunderbares – gerade, wenn es eher tröpfelt oder ein kurzer Schauer vorüberzieht.
In diesem Frühjahr hat es wieder einmal viel zu wenig geregnet. Wir Menschen können das Klima nicht beherrschen und wir können auch keinen Regen künstlich erzeugen. Auch nicht im Jahr 2025. Wir sind – genau wie die Menschen zu früheren Zeiten auch – dem Wetter ausgeliefert. Schon früh wussten die Menschen: Gott es ist, der Sonne und Regen schickt und alles, was lebt, versorgt. Einer hat es in der Bibel so gesagt: „Bittet den HERRN, dass er zur rechten Zeit den ersehnten Regen sende! Denn der Herr ist es, der die Wetterwolken zusammenballt; er gibt Regen und lässt für alle etwas wachsen.“ (Sacharja 10,1)
Daran halte ich mich: Ich bitte Gott um ausreichend Regen. Für alle Menschen und Tiere und für alle Pflanzen. Und wenn es dann regnet – dann mache ich es wie die Nachbarsfamilie: Ich strecke meine Hand in den Regen, staune und freue mich. Und sage: „Danke, Gott! Du bist es, der die Wetterwolken zusammenballt und uns Regen gibt. Du lässt für alle etwas wachsen.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42236Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Mit ausgestreckter Hand steht meine Nachbarin auf dem Balkon. Sie blickt hinauf in die grauen Regenwolken und dann auf die Regentropfen auf ihrer Hand. Dabei strahlt sie und ich kann von meiner Wohnung direkt gegenüber sehen, wie sie sich freut. Mit ihr bestaunen ihre beiden kleinen Kinder, wie die Regentropfen auf das Balkongeländer und auf ihre Hände prasseln. Lange stehen sie nicht da, aber es ist jedes Mal so: Wenn es regnet, gehen sie raus, spüren kurz den Regen auf ihren Händen und freuen sich. Ich habe sie leider noch nie gefragt, warum sie das tun. Ob sie in einer Gegend aufgewachsen sind, in der es fast nie geregnet hat? Oder ob sie etwas Besonderes mit dem Regen verbinden?
Aber ich habe mir etwas von der Familie abgeschaut: Ich versuche auch darüber zu staunen, wenn es regnet. Eigentlich hat mich der Regen immer eher geärgert. Ich fahre viel Fahrrad und werde ungern nass. Mit Regenklamotten ist Fahrradfahren zwar problemlos möglich, aber längst nicht so schön wie bei Sonnenschein. Daher hoffe ich immer, dass es nicht genau dann regnet, wenn ich raus muss.
Inzwischen staune ich lieber. Denn Regen ist doch eigentlich etwas Wunderbares – gerade, wenn es eher tröpfelt oder ein kurzer Schauer vorüberzieht.
In diesem Frühjahr hat es wieder einmal viel zu wenig geregnet. Wir Menschen können das Klima nicht beherrschen und wir können auch keinen Regen künstlich erzeugen. Auch nicht im Jahr 2025. Wir sind – genau wie die Menschen zu früheren Zeiten auch – dem Wetter ausgeliefert. Schon früh wussten die Menschen: Gott es ist, der Sonne und Regen schickt und alles, was lebt, versorgt. Einer hat es in der Bibel so gesagt: „Bittet den HERRN, dass er zur rechten Zeit den ersehnten Regen sende! Denn der Herr ist es, der die Wetterwolken zusammenballt; er gibt Regen und lässt für alle etwas wachsen.“ (Sacharja 10,1)
Daran halte ich mich: Ich bitte Gott um ausreichend Regen. Für alle Menschen und Tiere und für alle Pflanzen. Und wenn es dann regnet – dann mache ich es wie die Nachbarsfamilie: Ich strecke meine Hand in den Regen, staune und freue mich. Und sage: „Danke, Gott! Du bist es, der die Wetterwolken zusammenballt und uns Regen gibt. Du lässt für alle etwas wachsen.“
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