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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

24FEB2024
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Ein entspannter, freier Tag – vielleicht haben Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, den heute vor sich. Zumindest mein Kalender gibt mir heute kein großes Pensum vor. So ist viel Zeit, etwas zu unternehmen, das sonst zu kurz kommt. Ich gehe gerne mit meiner Familie auf eine Wanderung. Oder ich mache Musik. Manchmal baue ich auch an meiner Modelleisenbahn.

Am liebsten gehe ich jedoch auf Reisen. Nicht mit dem Auto, nicht mit dem Zug. Und doch weit weg. In Gedanken.

So begleite ich Winnetou und Old Shatterhand auf ihren Abenteuern im Wilden Westen. In Island breche ich mit Professor Lidenbrock zum Mittelpunkt der Erde auf. Oder lerne gemeinsam mit Robinson Crusoe auf einer Insel Freitag kennen.

Sie haben es längst bemerkt, ich nehme mir ein Buch und bin mit den Figuren unterwegs auf Reisen. Von mir zu Hause aus, in der warmen Stube. Oft geht es mir sogar so, dass ich alles um mich herum vergesse. Manchmal muss ich mich wieder orientieren, und erst feststellen, dass ich zu Hause bin.

Das Schöne bei diesen Reisen in Büchern ist, dass jeder etwas anderes erlebt.

Als Pfarrer gehe ich oft auch auf biblische Reisen. Ja, auch das klappt. So erlebe ich die biblischen Erzählungen lebendig und habe das Gefühl, mittendrin und dabei zu sein. Und beim nächsten Mal kann ich die gleiche Erzählung wieder ganz anders erleben. Die Fantasie ist eben nicht festgelegt, es können immer wieder neue Bilder entstehen. Meine eigenen Bilder. Das fasziniert mich besonders an diesen Reisen.

Heute nehme ich mir wieder die Zeit und gehe auf eine Reise. Wohin sie mich führt, weiß ich jetzt noch nicht, aber ich bin schon sehr gespannt.

Und wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, heute arbeiten müssen, dann wünsche ich Ihnen, dass Sie nach der Arbeit Zeit finden für sich. Und vielleicht gehen Sie ja auch noch auf eine Reise. Denn die schönsten Reisen sind manchmal aus Papier.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

22FEB2024
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Zahlen sind wichtig. Große Zahlen klingen nach Erfolg, wenn der Wert der Aktien steigt oder die Einschaltquoten einer Sendung steigen. Auf Zahlen kann ich zählen, zum Beispiel wenn ich ein Quiz spiele und 100% der Fragen richtig beantworte und weiß, ich hab es geschafft. Zahlen sind zuverlässig und aussagekräftig, an ihnen kann ich mich scheinbar gut festhalten.

Auch in der Bibel kommen Zahlen vor. Sie öffnen mir manchmal einen anderen Blickwinkel.

So erzählt die Bibel, dass sich einmal fünftausend Leute von Jesus und seinen Worten begeistern lassen. Sie hören ihm einen ganzen Tag lang zu. Am Abend will Jesus die Menschen nicht ohne Essen nach Hause schicken. Aber nur fünf Brote und zwei Fische sind in der Nähe. Jesus lässt das Wenige, was da ist, unter den Leuten verteilen. Die sitzen in Gruppen zu fünfzig zusammen und --- werden alle satt. Und am Ende bleiben sogar zwölf Körbe voller Essen übrig.

Ist das eine wunderbare Brotvermehrung? Oder haben die Menschen das bisschen, was sie hatten, miteinander geteilt? Doch wie kommt es dann, dass so viel übrigbleibt, ganze zwölf Körbe? Ich könnte nun wild rechnen, die 5000 Menschen durch die Zahl der Körbe, Fische und Brote teilen. Aber das Ergebnis würde nicht überzeugen. Vielmehr überzeugt mich an dieser Geschichte:

Ich kann mit Gott rechnen, denn Gott rechnet anders. Ich kann auf Gott vertrauen. Und ich bin froh, dass ich es kann. Auch wenn ich in meinem Leben mal enttäuscht wurde. Trotzdem lohnt es sich für mich, auf Gott zu vertrauen. Denn immer wieder erfahre ich, dass Gott sich durch viele kleine Dinge in meinem Leben zeigt: Es fällt mir eine Lösung für ein Problem ein, die nicht nur gut, sondern perfekt zu sein scheint. Ein überraschender Anruf eines Freundes gibt mir so viel Freude, dass mein Tag heller wird. Ich gebe einer Frau eine kleine Hilfe und ihr Dank macht auch mich froh. Da erfahre ich immer wieder, Gott schenkt mir noch etwas darüber hinaus. Mehr, als ich im Gepäck habe und so viel, dass ich mir nicht erklären kann, woher all dieser Segen gekommen ist. Und ich spüre: Ich muss mich nicht von Zahlen abhängig machen, denn ich kann auf Gott zählen.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

21FEB2024
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Tosend und mächtig braust der Schlussakkord des großen Orchesters; überzeugt hält der Chor seinen letzten Ton. Jetzt winkt der Dirigent ab --- nur noch der Nachhall füllt den Konzertsaal. Und dann bricht er los. Fast genauso tosend und fast ohne Ende erfüllt der Beifall der Zuhörer die Halle; einige Male kommt der Dirigent auf die Bühne zurück, lässt das Orchester und den Chor aufstehen und immer brandet eine neue Welle des Beifalls auf, manchmal sogar stehend.

Spätestens jetzt wissen jeder Chorsänger und jede Orchestermusikerin, weshalb man die Proben und Mühen der letzten Tage und Wochen auf sich genommen hat.

Beifall macht süchtig. Denn Beifall macht glücklich. Er zeigt den Künstlerinnen und Künstlern, dass ihnen wieder einmal etwas Tolles gelungen ist, für das sie lange geübt haben. Vom Beifall können sie zwar keine Miete bezahlen und nichts zu essen kaufen, aber er wird doch gerne das Brot der Künstler genannt. Denn davon ernährt sich ihre Künstlerseele bei jedem Auftritt: von dem Gefühl, dass sie mit ihrer Kunst das Publikum erreicht haben. Das spüren sie, wenn der Beifall besonders groß ist. Auch ich freue mich, dass ich als Chorsänger immer wieder Beifall erleben kann.

Der englische Essayist und Aphoristiker Charles Caleb Colton, der von 1780 bis 1832 gelebt hat, hat zu dieser Erfahrung den Satz geprägt: „Der Beifall ist der Ansporn vornehmer Geister, das Ende und Ziel der kleinen.“

Damit meint er: Wer nur wegen des Beifalls etwas tut, der hat zwar sein Ziel erreicht am Ende einer Vorstellung. Er bekommt Beifall. Aber es bringt ihn nicht wirklich weiter.

Ich will mich ja immer weiter entwickeln. Besser werden. Dazu spornt mich die Anerkennung des Publikums an. Sie tut gut und ist wichtig.

Genauso wichtig ist aber auch, mich selbst zu fragen, ob ich mit dem Erreichten schon zufrieden bin.

Wenn wir mit unserem Chor und Orchester den Beifall bekommen, dann ist für uns klar: Das nächste Mal wollen wir noch besser sein. Dafür proben wir heute wieder, weil wir uns auf den Auftritt und dann auch den Beifall freuen.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20FEB2024
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Plötzlich scheint alles anders zu sein. Ich sehe Dinge anders als noch Minuten zuvor. So eine Verwandlung habe ich an mir selbst erlebt.

Vor einigen Jahren ist in Furtwangen über Nacht wahnsinnig viel Schnee gefallen. Eine fast ein Meter hohe Schneedecke hat sich auf den Wegen breit gemacht. Es ist Sonntag. Mein Sohn und ich machen uns also an die Arbeit und schippen massenweise Schnee weg. Der Weg zur Kirche muss frei gemacht werden für den Gottesdienst. Über eine Stunde sind wir damit beschäftigt und hinterher ordentlich k.o.

Wenn viel Schnee fällt, macht sich das meistens auch in der Zahl der Gottesdienstbesucher bemerkbar: Viele Gemeindemitglieder müssen erstmal selbst ihre Wege räumen oder kommen nicht weg, bevor der Schneepflug durchgefahren ist. So kommt an diesem Sonntag nur eine einzige Frau zum Gottesdienst. Ich ertappe mich da bei dem Gedanken, ob sie nicht auch hätte zu Hause bleiben können. Der Gottesdienst würde einfach ausfallen, schließlich bin ich ja müde und erschöpft von der Schipperei.

Da erinnere ich mich an eine Geschichte. Sie geht so: Ein Pfarrer will den Gottesdienst beginnen. Als er in die Kirche kommt, sieht er nur einen einzigen Mann, einen Landwirt, in der Bank sitzen. Darauf fragt der Pfarrer, ob sie den Gottesdienst nicht ausfallen lassen sollen. Der Bauer antwortet: Ich habe zu Hause eine Kuh im Stall stehen und ich müsste doch verrückt sein, wenn ich ihr kein Futter gebe, bloß weil sie die einzige ist.

Die Geschichte verwandelt mich, und für mich ist klar, dass der Gottesdienst stattfindet, mit dem Organisten, der Frau und mir. Freudig ziehe ich in die Kirche und wir feiern, singen und beten gemeinsam. Kurz und intensiv. Nach einer halben Stunde ist der Gottesdienst vorbei und die Frau geht beschwingt nach Hause. Ich bin auch glücklich, es hat Freude gemacht.

Nun will ich Ihnen aber auch das Ende der Geschichte nicht vorenthalten.

Der Pfarrer hat scheinbar verstanden und beginnt mit dem großen feierlichen Hochamt. Am Ende fragt er den Bauern, ob es denn so recht war. Und der Bauer antwortet: Ich habe zu Hause eine Kuh im Stall und ich müsste ja verrückt sein, wenn ich ihr Futter für zehn vorlege.

Wenn Sie jetzt schmunzeln, dann haben Sie der Freude und dem Lachen in sich Raum gegeben. Und mit diesem Lachen kann dieser neue Tag auch für Sie beschwingt werden.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

19FEB2024
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„Ich geh fischen!“ … einer meiner Lieblingssätze aus der Bibel.

Petrus versteht die Welt nicht mehr: Erst ist Jesus gestorben, dann soll genau dieser Jesus doch wieder leben, heißt es. Wer soll denn das verstehen? Und da wird es dem Petrus zu viel. Er guckt seine Freunde an und sagt: „Ich geh erstmal fischen!“ Ich schmunzele jedes Mal, wenn ich das lese. Ich meine: Gerade wurde ihm gesagt: Sein Freund Jesus lebt doch! Der Tod hat also nicht das letzte Wort. Es gibt ein Leben danach! Und er? Geht erstmal fischen!

Andererseits: Das ist ja naheliegend, für einen Fischer. Petrus ist von dieser Info überfordert …. und deshalb macht er das, was er am besten kann. Er geht Fischen. Was dem Petrus das Fischen ist, ist Mutter Beimer in der Lindenstraße das Spiegeleierbraten gewesen und bei mir ist es die Musik. Wenn ich die Welt nicht mehr verstehe, wenn mir alles zu viel wird im Kopf und überhaupt – dann setze ich mich in der Kirche an die Orgel und mache Musik. Das tut mir gut. Ich spüre, wie der Druck nachlässt und mein Gedankenkarussell anhält oder zumindest langsamer wird: Als würde meine Seele erkennen: Okay, wir können den Panikmodus beenden. Mit ein bisschen Abstand auf die Dinge gucken, die mich so umtreiben.

Ich glaube, dass es gut ist, sowas zu haben: Etwas, das mir hilft, wieder zu mir zu kommen. Das mir Zeit zum Nachdenken gibt. Allerdings sollte dieses "Erstmal“ unbedingt etwas sein, das weder mir noch anderen schadet.

Das ist manchen Menschen aber offensichtlich egal. Besonders das Internet scheinen sie für Ihren Angelteich oder ihre Spiegeleierpfanne zu halten, wenn sie sich über etwas ärgern – sie reagieren sich ab, laden dort ihren Frust ab.

Sie gehen auf Politiker, Presse, Kirche, Ausländer und was noch alles los – anonym, aber massiv.

Es müsste im Netz auch so eine „Erstmal-Funktion“ geben.

Also, wenn man etwas schreibt und auf „posten“ klickt, dann müsste die Plattform sagen: „Willst du nicht erstmal fischen gehen, bevor du das in die Welt sendest? Wenn du dann immer noch genauso denkst, dann sende es.“

Instagram, Facebook und Co werden diese Funktion wohl nicht einführen. Wer also raus will aus dem Gefühls- und Gedankenchaos, der muss sie eben selbst für sich finden, seine eigene „Erstmal-Funktion“ mit Zeit zum Nachdenken.

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Anstöße sonn- und feiertags

18FEB2024
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„Möge der neue Tag dir den Blick für die Schönheit der Welt schärfen!“

Mit diesem Segenswort aus Irland möchte ich Sie in diesen Sonntag begleiten.

„Bene dicere“ ist das lateinische Wort für segnen. Übersetzt heißt es „Gutes sagen“. Und genau das ist der Sinn eines Segens: Mir etwas Gutes zuzusagen.

Ich glaube, dass diese schöne Tradition im Lauf der Zeit ein bisschen in Vergessenheit geraten ist. Wenn ich in die Schule gegangen bin, hat mir meine Mutter öfter mal mit dem Finger ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Das ist auch eine Form des Segens. Gott begleite und behüte dich, bedeutet es.

Hier bei uns im Schwarzwald ist es noch üblich, „ade“ zu sagen, wenn jemand sich verabschiedet. Auch das ist eigentlich ein Segen. Sei „mit Gott“ unterwegs. Deutlich wird das in der längeren Form „adieu“. Übrigens: Die gleiche Bedeutung hat auch das vielerorts bekannte „tschüß“.

Mich stimmen Segensworte positiv. Sie sprechen mir Mut zu. Das macht es mir leichter, in den Tag hinein zu gehen. Wie oft stelle ich fest, dass ich einfach nur so in den Tag hineinstolpere. „Möge der neue Tag dir den Blick für die Schönheit der Welt schärfen!“ öffnet meine Augen für das, was ich sonst gar nicht sehe: Die Welt ist schön. Es ist ein neuer Tag. Ich darf neu anfangen.

Aus Irland kenne ich viele Segensworte, eine sehr alte Tradition dort. Die irischen Segensworte sind sehr bildhaft. Sie lassen sich gut verstehen. In Irland hat der Glaube an Gott sich intensiv entwickelt. Viele Klöster sind entstanden. Vor 1.500 Jahren verlassen irische Mönche die Insel, um ihren Glauben weiterzugeben. So sind sie nach Mitteleuropa gekommen. Mit ihrer bildhaften Sprache haben sie sich schnell die Sympathien erobert. Sie haben mit ihrer naturverbundenen, weltoffenen Art deutliche Spuren hinterlassen. Sie haben viele Klöster gegründet und so die Germanen und die Alemannen zum Glauben gebracht.

Die irischen Segensworte haben in den letzten Jahren viele Freunde gefunden. Am Beginn einer Reise werde ich immer wieder einmal gebeten, einen Reisesegen zu sprechen. Da nutze ich gerne ein irisches Segenswort.

Und so wünsche ich Ihnen auch heute für diesen Tag: „Möge der neue Tag dir den Blick für die Schönheit der Welt schärfen!“

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SWR4 Abendgedanken

22DEZ2023
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Heute am Vormittag habe ich mit 100 Schülerinnen und Schülern Adventssingen gefeiert – in der Grundschule hier in Furtwangen. Ja, ich sage bewusst feiern, weil die Kinder es sehr gerne tun. Es ist für sie ein großes Fest – und für mich auch. Der Schulalltag wird unterbrochen und wir stimmen uns gemeinsam auf Weihnachten ein. Jeden Freitag im Advent haben wir das gemacht. Und es hat mich immer begeistert und angerührt, wenn alle Kinder freudig und kräftig mitsingen mit ihren hellen Stimmen.

Miteinander singen ist etwas, was zu Hause in vielen Familien nur noch selten gemacht wird. Umso wichtiger ist es, bei anderen Gelegenheiten miteinander zu singen. Der Advent bietet sich dazu ganz besonders an, denn die Advents- und Weihnachtslieder sind schön und gehen ans Herz.

Adventssingen hat eine lange Tradition. In vielen Kirchen, ja sogar in großen Sälen oder Theatern wird Adventssingen angeboten. Ein bisschen der Hektik des Alltags entfliehen, sich gemeinsam auf die Ankunft Jesu vorbereiten. Es geht dabei nicht um eine Konzertveranstaltung, bei der man nur zuhört. Beim gemeinsamen Singen kann jeder die Lieder viel intensiver wahrnehmen und viele rührt das Singen emotional stark an.

„Freut euch Weihnachtskinder, die schönste Zeit ist da“ ein Lied von Detlef Jöcker, ist in der Schule jedes Mal der Beginn des Adventssingens gewesen. Von der Sehnsucht und der Vorfreude auf Weihnachten sprechen die Lieder, die ich mit den Kindern singe, vom Spielen im Schnee und der Weihnachtsbäckerei. Wir singen von dicken, roten Kerzen, die angezündet werden, von der Spannung des Geschenkeverpackens. Besonders gerne singen die Kinder von den dunkelgrünen Tannenzweigen, die helle Kerzen tragen und unsere Herzen öffnen, denn das Lied singen wir mit Bewegungen. Und jedes Mal habe ich auch eine weihnachtliche Geschichte erzählt.

Als Weihnachtskind, so erlebe ich mich auch schon immer. Gerne erinnere ich mich daran, was meine Schwester, zwei Nachbarskinder und ich jedes Jahr in unserem Zehnfamilienhaus in Kassel gemacht haben. Am Heiligen Abend sind wir bei allen älteren Leuten im Haus vorbeigegangen und haben Advents- und Weihnachtslieder gesungen. Das ist so schön, haben sie uns immer wieder gesagt. Und wir hatten eine große Freude dabei.

Und ich habe gespürt: Weihnachtskinder, sie sind jung und alt.

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SWR4 Abendgedanken

21DEZ2023
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Heute ist der kürzeste Tag des Jahres. Es ist jeden Tag ein bisschen dunkler geworden, manchmal hat man das Gefühl, es wird gar nicht mehr richtig hell. Besonders hart wird es in dieser dunklen Zeit für Menschen, die an ihren Depressionen leiden. Und je nördlicher man kommt, desto früher dämmert es. In den skandinavischen Ländern verschmelzen die dunklen Tage sogar zu einer einzigen langen Nacht.

Kein Wunder, dass diese lange Dunkelheit unsere germanischen Vorfahren geprägt hat. Sie haben vermutet, dass zwielichtige Wesen in den Mittwinternächten wüten. Die Dunkelheit hat sie in Hab-Acht-Stellung versetzt. Sie haben versucht, sich mit allerlei Zauber vor dem zu schützen, was sie nicht sehen konnten.

Es ist, als hätten sie lange gewartet auf die Botschaft von einem Retter, der sich selbst als „Licht der Welt“ bezeichnet. Einer, der in der Nacht geboren wird, um die Welt zu erhellen. Die frühe Kirche hat folglich die Geburt Jesu geschickt als Lichterfest inszeniert. Damit ist auch klar, dass Weihnachten auf der nördlichen Halbkugel entstanden ist, denn auf der südlichen Halbkugel beginnt ja jetzt der Sommer und da ist es hell.

Mit Kerzen, Lichterketten und leuchtenden Sternen sehnen wir Weihnachten herbei - die Ankunft des Licht- und Lebensbringers.

Seit Jahrhunderten berührt es Menschen, dass Gott sich in Gestalt eines Kindes in diese Welt begeben hat. Er verlässt den hellen Himmel, um Licht in unsere Nacht zu bringen. „Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt“. So hat es Jochen Klepper in seinem Adventslied „Die Nacht ist vorgedrungen“ geschrieben.

Ich glaube, seit dem ersten Weihnachten gibt es keinen Ort mehr, der ganz und gar dunkel ist. Licht macht sichtbar, was verborgen ist. Licht hilft dem Vertrauen auf die Sprünge. Licht erlöst von ängstlicher Anspannung und

Hirngespinsten. Ich bin froh, dass ab jetzt die Tage wieder länger werden und das Licht wieder mehr wird. Selbst eine Kerze sorgt schon dafür, dass es nicht mehr dunkel ist. Und an Weihnachten die vielen Lichter erhellen alles, ich spüre immer, wie es dann hell wird im Herzen und warm. Auch durch die Nähe anderer Menschen. Denn Licht ermöglicht Vertrauen. Und Vertrauen brauchen wir, um Nähe zulassen zu können.

Gott erschleicht sich diese Nähe nicht. Er ermöglicht sie, indem er Licht ins Dunkel bringt. Nicht nur am dunkelsten Tag des Jahres.

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SWR4 Abendgedanken

20DEZ2023
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Weihnachten, was war das noch?
War Licht und Glockenklang. Geschenke unterm Tannenbaum, Gedichte und Gesang.
Weihnachten, was war das noch?
Denk schnell noch einmal nach! Bestimmt wird die Erinnerung in deinem Herzen wieder wach.“ So fragt Rolf Zuckowski in einem seiner Weihnachtslieder.
„Weihnachten, was war das noch?“ Ich verbinde viele Erinnerungen mit Advent und Weihnachten, etwa das Plätzchenbacken in den Adventswochen. Leider wurden die dann in Kisten verpackt. „Erst an Weihnachten“, hat meine Mutter immer gesagt.
Ich erinnere mich an den Duft nach Zimt und Mandarinen, das Flackern von vielen Kerzen. Und natürlich am Heiligen Abend das Warten mit meiner Schwester und meinen Großeltern, bis wir ins Wohnzimmer kommen durften. Im Wohnzimmer haben wir dann jedes Jahr zuerst die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium in der Bibel gelesen. Als ich klein war, hat sie mein Vater gelesen. Als ich größer geworden bin, durfte ich das Vorlesen übernehmen. Dann erst hat es die Geschenke gegeben.
Der Advent ist die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Innehalten und innerlich ausrichten. Ich setze mich im Advent gerne in die Kirche, wo ich Pfarrer bin, und zünde die Kerzen am Adventskranz an. Besonders beeindruckend finde ich, wie wenige Kerzen es braucht, damit die Kirche nicht mehr dunkel ist. Und mit jeder Kerze mehr wird es heller. Das ist die besinnliche und stille Seite des Advents. Denn als Pfarrer mache ich immer die Erfahrung, dass ich meiner Zeit voraus lebe, wenn ich zum Beispiel den Weihnachtsgottesdienst vorbereite.
Wenn wir in meiner Familie Plätzchen backen, dann werden sie nicht weggestellt. Auch im Advent schmecken sie sehr gut. Und ich genieße es, Advents- und Weihnachtslieder zu singen.
Und natürlich sind auch die „Dezemberträume“ von Rolf Zuckowski immer dabei mit der Frage „Weihnachten, was war das noch?“ Und ich höre schon das Klingen der Glocken. Auch wenn Geschenke nicht mehr das Wichtigste sind, als Erwachsener freue ich mich genauso, wenn auf einem „für Joachim“ oder „für Papa“ steht. Und schon ist sie wieder wach, die Erinnerung in meinem Herzen.

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SWR4 Abendgedanken

19DEZ2023
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24 Türchen – dieser kleine Hinweis reicht vermutlich, dass Sie schon ein Bild davon haben, um was es mir heute geht: Den Adventskalender. Er begleitet Kinder, Jugendliche, auch Erwachsene durch die Adventszeit.

Ja, ich habe auch einen Adventskalender. Und jeden Morgen freue ich mich darauf, ein Türchen aufzumachen.

Der Liedermacher Rolf Zuckowski hat darüber einmal ein Lied geschrieben. „Kleine Kinder, große Kinder“, hat er es genannt. Da singt er von den 24 Türchen, die den Weg zum Weihnachtsbaum begleiten. Von Kindern, die manchmal gar nicht abwarten können, bis das nächste Türchen dran ist und manchmal gleich alle öffnen. Und von großen Leuten, die auch leuchtende Augen bekommen, wenn sie vor ihrem Adventskalender stehen und die Türchen öffnen. So geht’s auch mir, wenn ich mein Adventstürchen öffne.

Manche Städte und Gemeinden lassen sogar Gebäude zu Adventskalendern werden. Das größte Adventskalenderhaus der Welt steht in Gengenbach im Kinzigtal, das ist im Schwarzwald in der Nähe von Offenburg. Das Rathaus dort hat genau 24 Fenster und die werden seit 1996 jedes Jahr zu einem riesigen Adventskalender. Hinter den Fenstern werden jedes Jahr Kunstwerke gezeigt, auf Folie gezogen und hinterleuchtet. Dieses Jahr sind es paradiesische Bilder von einem der renommiertesten deutschen Illustratoren der Gegenwart, Olaf Hajek.

Vor einer Stunde ist das neue Fenster geöffnet worden. Heute ist es ein farbenprächtiges Bild. Eine Frau ist dort zu sehen. In der einen Hand trägt sie einen Apfel, in der anderen wächst ein grüner Spross direkt aus ihrem Zeigefinger. Auf dem Kopf hat sie viele Früchte, unter anderem eine Melone und eine Papaya. Außerdem einige Tiere, etwa ein farbenprächtiger Pfau und ein herrlicher Schmetterling. Und wunderschöne Blumen, so zum Beispiel eine Sonnenblume. Paradiesisch eben.

Das zieht viele Menschen an. Rund 100.000 sind es, die im Laufe der Adventszeit Gengenbach besuchen, um den Adventskalender zu bestaunen.

Ob großer oder kleiner Kalender, ob Kind oder Erwachsener, fünf Türchen sind es noch, die wir öffnen können. Ich bin gespannt, was sich dahinter verbirgt.

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