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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

24SEP2021
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Heute werden viele von ihnen wieder auf die Straße gehen: von den jungen Leuten von „Fridays for Future“, den „Freitagen für die Zukunft“. Es geht ihnen um die Zukunft unseres Planeten, die sehen sie bedroht durch die Klimakrise. Die Wissenschaft gibt ihnen recht: Unsere Erde erwärmt sich so stark, dass das Leben der Menschen auf ihr immer schwieriger und gefährlicher wird. In diesem Jahr haben wir das schon besonders erleben müssen: Furchtbare Brände gab es in Griechenland und der Türkei, in Afrika werden die Dürrekatastrophen immer schlimmer, und nicht zuletzt waren da die schrecklichen Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und bei uns in Rheinland-Pfalz. Ganze Häuser, die einfach weggerissen werden, Krater in der Erde, überflutete Straßen und zig Tote: So etwas kannten wir bisher nur aus fernen Ländern. Und jetzt passiert das mitten unter uns. Die Klimakrise ist längst in Deutschland angekommen.

In Europa, hab ich vor kurzem gehört, steigen die Temperaturen sogar dreimal so schnell wie im Rest der Welt. Es wird also sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir unter der Klimakrise zu leiden haben. Und nicht nur die jungen Leute müssen sich Sorgen machen. Vor kurzem hat eine Gruppe von älteren Leuten darauf aufmerksam gemacht: Ältere Menschen sind in den nächsten Jahren noch viel stärker von der Erderwärmung betroffen. Denn wer älter ist, kann die Hitze schlechter verkraften. Die Gefahr, dass der Kreislauf zusammenbricht, wenn die Temperaturen auf fast 40 Grad klettern, ist groß.

Ich bin dankbar dafür, dass die jungen Leute gegen die Klimakrise auf die Straße gehen. Dass sie uns Ältere aufrütteln. Für mich ist ihr Engagement nicht nur ein Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung, sondern auch für die Nächstenliebe. Vielleicht geh ich heute sogar mit ihnen auf die Straße. Sicher aber werde ich die jungen Leute von „Fridays for future“ und die Klimakrise im Kopf haben, wenn ich am Sonntag mein Wahlkreuzchen mache. Denn auch dabei entscheiden wir über unsere Zukunft.

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23SEP2021
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In meine Morgen- und Abendgebete ist in den letzten Wochen ein neuer Satz hinzugekommen. Immer wieder kommt er mir flehentlich über die Lippen: „Ach Gott, lass doch bitte das Impfen weiter vorankommen!“ Morgens und abends schau ich auf die Nachrichten und seit Corona auch auf die Inzidenz-Zahlen und die Zahlen der Coronakranken. Und die machen mir in diesem September wieder Sorgen. Viele Menschen infizieren sich wieder mit dem Coronavirus. Und etliche landen in den Krankenhäusern, auch immer mehr jüngere. Erschöpfte Intensivärzte sagen: Wir hatten gehofft, dass es so schlimm nicht noch mal werden würde. Und jetzt haben wir wieder Menschen, die an der Beatmung hängen, und sie sind noch so viel jünger als letztes Jahr.

Ich muss dabei auch an einen Studienfreund von mir denken: Er hat sich letztes Jahr gleich am Anfang der Coronakrise mit dem Virus infiziert. Vier Wochen lang lag er im künstlichen Koma und an der Beatmung. Es war eine sehr schwere Zeit für ihn und seine Familie und auch für uns Freundinnen. Wir waren so froh, als es ihm endlich besser ging. Aber gut geht es ihm nach eineinhalb Jahren noch immer nicht. Ich bete für ihn – und ich bete dafür, dass wenige Menschen so etwas erleben müssen.

Das Virus ist gefährlich und heimtückisch, und es ist sogar noch ansteckender und gefährlicher geworden in den letzten 18 Monaten. Wer nicht geimpft ist, riskiert einen schweren Verlauf und sogar den Tod.

Seit dem Sommer hab ich den vollständigen Impfschutz und bin sehr froh darüber. Es geht ja nicht nur darum, dass ich selbst geschützt bin. Es geht auch darum, dass ich andere schütze. Geimpfte sind weniger ansteckend als Ungeimpfte. Papst Franziskus sagt: Impfen ist ein Akt der Liebe, "für sich, für die Familie und Freunde, sowie für alle Völker".

Ich bete immer wieder zu Gott, dass wir alle gut durch diese Pandemie kommen, dass möglichst wenige erkranken – und dass viele Menschen sich impfen lassen.

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22SEP2021
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„Versag dir nicht das Glück des heutigen Tages“!* Ein toller Satz aus der Bibel! Darin steckt: Dieser Tag heute hält eine Portion Glück für mich bereit. Das ist einfach so. Davon kann ich ausgehen. „Versag dir nicht das Glück des heutigen Tages“! Ich höre darin aber auch: Gönn dir dieses Glück! Ja, such es! Sei aufmerksam, damit du es nicht verpasst. Genieße das Glück, das dir heute geschenkt wird.

Das klingt schön und gut. Aber manchmal entdecke ich das Glück des Tages nicht ganz so einfach und offensichtlich. Gerade, wenn viele Sorgen den Alltag trüben, so viele schlechte Nachrichten sich breitmachen. Oder zu viel Arbeit im Nacken sitzt.

Manchmal, so kommt es mir vor, spielt das Glück auch Verstecken mit mir. Weit und breit nicht zu sehen. Da muss ich suchen, genau schauen oder gut hinhören. Vielleicht draußen auf der Straße oder im Garten. In einem anderen Gesicht. Im Bus. Oder in der Warteschlange an der Kasse. An solchen Tagen muss ich mir die Zeit nehmen und regelrecht auf Glückssuche gehen. Und oft fällt mir erst im Nachhinein auf, wie viel Glück ich hatte. Denn Glück heißt: Ein freundliches Gespräch mit der Nachbarin. Eine tolle Idee, die weiterhilft. Ein paar wärmende Sonnenstrahlen. Oder der Schutzengel bei der Heimfahrt.

„Versag dir nicht das Glück des heutigen Tages“! So hoffe ich auch heute, meine kleine Portion Glück zu entdecken und zu genießen. Und vielleicht bleibt auch Zeit, danke zu sagen. Denn Glück geschieht einfach, ohne dass ich irgendetwas dazu tue. Ich erlebe das als Geschenk. Da sage ich gerne Gott danke für das, was mich -trotz allem- immer wieder froh und glücklich macht.

 

 

* (Sir 14,14), Die Bibel - Einheitsübersetzung, 1980

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21SEP2021
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Brot und Wasser. Diese zwei Lebensmittel bekommt Elija, als er nicht mehr weiter kann.  Elija, der Prophet aus der Bibel. Einer, der im Auftrag Gottes unterwegs ist. Der sich ganz und gar für seinen Gott einsetzt. Mit Leidenschaft und großem Eifer. Doch dann geht nichts mehr. Er legt sich unter einen Ginsterstrauch. Müde, erschöpft, am Ende. Er schläft ein. Und dann rührt ihn jemand an. Weckt ihn und bringt Brot und Wasser. „Steh auf und iss!“ (1Kön19,5.7), bittet er. Gleich zweimal hintereinander. So kommt Elija wieder zu Kräften und es reicht für die nächsten Schritte. Vielleicht zaghaft, aber es geht weiter.

An Elija musste ich denken, als im Fernsehen eine Reportage über die schreckliche Flutkatastrophe lief. Eine Hoteleigentümerin erzählt, wie sie ein Essen, das eigentlich für ein großes Fest vorgesehen war, den Helferinnen und Helfern im Ahrtal bringt. „Die müssen bei Kräften bleiben“, sagt sie. „Die müssen sich stärken inmitten des Chaos und der Müllberge.“

Es sind oft die kleinen, mitfühlenden Momente, die weiterhelfen. Das Essen, das gereicht wird. Der Kaffee, der gekocht wird. Die kalte Cola, die verteilt wird. Das Ohr, das zuhört. Der Arm, der um die Schulter gelegt wird. Gesten, die ermutigen, aufzustehen und zu essen, um Kraft zu bekommen für den nächsten Schritt. In der Fernsehsendung fällt das Wort Engel. „Wildfremde Leute, die hier geholfen haben. Sogar von weit her sind sie angereist. Wahre Engel“, sagt ein Mann.

Ein Engel ist es, der auch Elija am Leben hält, so heißt es in der Bibel. Und so erfährt Elija am Ginsterstrauch: Gott berührt. Gott richtet auf, stärkt und tröstet. Ob die Menschen im Ahrtal, die Momente der Solidarität und der Hilfe mit Gott in Verbindung bringen, weiß ich nicht. Oder ob vielmehr die Fragen, die Zweifel, die Ohnmacht vor Gott gebracht werden. Gut möglich. Beides hat bei Gott seinen Platz.

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20SEP2021
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Hupkonzerte. Meist am Freitag oder Samstag draußen auf den Straßen. Alle sollen mitbekommen: Es hat jemand geheiratet. Und die Freude darüber ist so groß, dass mal richtig Krach gemacht wird. Lange Zeit war das nicht zu hören. Denn viele Paare hatten ihre Hochzeit verschoben, gewartet und umgeplant. Jede Menge Ideen wurden da entwickelt, um trotz einiger Einschränkungen ein schönes Fest auf die Beine zu stellen.

Helena ist frisch verheiratet und sie erzählt mir von ihrer Hochzeit in der Pandemie. Und dann sagt sie: „Das gemeinsame Leben wird immer wieder neue Herausforderungen und Schwierigkeiten mit sich bringen. Aber vielleicht ist das auch so ein Punkt, wie unsere Beziehung stärker und größer werden kann.“ Helena hätte allen Grund zum Jammern. So oft musste sie Pläne verwerfen und neu planen. Aber dann sieht sie das Ganze als gemeinsame Herausforderung. Und ihr ist klar: Das werden nicht die einzigen Schwierigkeiten bleiben, die sie durchstehen müssen. Da kommt sicher noch mehr auf sie zu.

Für die Trauung in der Kirche hat sich das Hochzeitspaar die Erzählung vom Senfkorn (Mk 4,30-32) ausgesucht. Das passt. Jesus erzählt da von einem Senfkorn. Winzig klein. Aber wenn es ausgesät ist, wird es zu einem großen Baum, in dem die Vögel sich niederlassen und nisten können. Jesus sagt: „So ist das mit dem Reich Gottes.“

Wie ein Samenkorn fangen auch viele Beziehungen klein an, wachsen langsam. Müssen stürmische und laue Zeiten aushalten. Aber dann kann aus einem kleinen, vielleicht holprigen Anfang die Liebe füreinander wachsen und der Mut, das ganze Leben miteinander zu teilen. 

So zeigen auch die Paare etwas vom Reich Gottes, das Jesus mit dem Senfkorn vergleicht. Sie trauen ihrer Liebe und versprechen, füreinander da zu sein, einander zu achten, zu verzeihen.  Sie vertrauen darauf, dass ihre Beziehung weiterwächst und stark werden kann. Und: Sie können darauf vertrauen: Gott geht mit – egal was kommt.

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