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Wie das Land, so die Mannschaft. So hatte ein User im Netz das WM-Aus der deutschen Fußballer kommentiert. Ehrlich gesagt: Inzwischen kann ich es kaum noch hören. Das tägliche Lied vom Niedergang. Dass unser Land angeblich am Abgrund steht. Dass uns alles unter den Füßen wegbröselt. Von der Bahn ganz zu schweigen. Und jetzt auch die Fußball-Nationalmannschaft. So oder ähnlich ist das fast täglich zu hören. Und meine Stimmung, die sinkt jedes Mal ein Stückchen tiefer. Und dann gibt’s da auch noch Parteien und Politiker, die die miese Laune befeuern, weil sie sich Vorteile davon versprechen.
Es stimmt ja: Da läuft vieles nicht, wie es laufen könnte. Aber wer sich dauernd im Untergang suhlt, hat auch nur noch miese Laune. Und das raubt die Hoffnung, die ich brauche. Wenn ich hoffe, rede ich mir die Welt ja nicht einfach schön. Ich sehe schon, was ist. Aber ich vertraue darauf, dass es am Ende gut ausgehen kann – trotz allem. Für Christen ist Hoffen deshalb auch ein anderes Wort für Glauben. Glauben daran, dass mit Gott immer noch was geht – für die Welt und auch für mich.
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Neben der Kathedrale von Baguio, einer Großstadt auf den Philippinen, betreibt Schwester Corazon einen Bioladen. „Mountain Grown Natural Food“ heißt er. Es gibt dort Tomaten, Auberginen, Pfefferschoten und noch vieles mehr. So weit, so normal. Das Tolle daran ist aber, dass es Sr. Corazon mit ihrem Laden auch gelungen ist, über 100 Kleinbauern aus der Umgebung zu einem Umstieg zu motivieren. Weg von gefährlichen Pestiziden und synthetischen Düngemitteln. Hin zu einem biologischen Anbau, der Natur und Menschen guttut. In vielen Entwicklungsländern sind Böden und Menschen durch hohen Pestizideinsatz nämlich schlimm belastet, und die Bauern abhängig von Agrarkonzernen. Im Laden neben der Kathedrale können sie ihr gesundes Gemüse nun direkt verkaufen. Und das läuft richtig gut. Oft, so berichtet die Ordensfrau, sei mittags schon alles weg. Und das, obwohl Bio auch auf den Philippinen deutlich teurer ist.
Markus Wolter, der für das Hilfswerk Misereor gerade dort lebt und arbeitet, hat mir von Sr. Corazon berichtet. Klar, der Laden ist noch ein kleines Projekt. Aber er zeigt, dass es anders gehen kann. Lebensfreundlicher für alle. Und dass Sr. Corazon ihn betreibt, ist sicher auch kein Zufall. Die Schöpfung zu bewahren. Mit der Natur zu leben, nicht gegen sie. Das ist inzwischen eine Überlebensfrage. Und seit vielen Jahren schon Thema der Kirchen. Ihr Projekt jedenfalls ist schon jetzt ein echter Segen. Für die Menschen und die Natur, in der sie leben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45014Rund 400-mal am Tag lachen Kinder, lese ich und frage mich gleich, wie das eigentlich bei mir ist. Wir Erwachsene, so haben die Wissenschaftler nämlich auch rausgefunden, lachen im Schnitt nur noch rund 20-mal täglich. Und dann gibt es auch noch diese Tage, an denen selbst das noch nicht gelingt. Scheint so, als ob wir als Erwachsene nicht mehr viel zu lachen hätten. Schade eigentlich.
Als Kirchen hatten wir es leider auch nie so mit der Fröhlichkeit. Ich erinnere mich noch gut daran, dass uns als Kindern strikt verboten war, in der Kirche zu lachen. Das machte man nicht. Glauben war eine viel zu ernste Sache. Fast so, wie im Bestseller „Der Name der Rose“ von Umberto Eco. Da wird ein alter, verbiesterter Mönch in einem mittelalterlichen Kloster sogar zum Mörder, weil er das Lachen nicht ertragen kann. Heiterkeit, so meint er, macht letztlich den Glauben kaputt, lässt ihn lächerlich erscheinen.
Vielleicht hatte Jesus da einfach mehr Sinn für Humor, als er den Leuten gesagt hat: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wenn das so ist, dann dürfte im Himmelreich jedenfalls ziemlich viel gelacht werden.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45013Manchmal hilft nur noch Beten! In Italien hat die Katholische Kirche dazu aufgerufen. Zum Beten um Regen. Denn inzwischen ist es da so trocken, dass Flüsse verschwinden und das Wasser knapp wird. Der liebe Gott soll es nun richten.
Ich musste an eine Ausstellung denken, die ich vor kurzem in Bonn gesehen habe. Es ging um indigene Kulturen in Südamerika. Die Menschen, die dort in den riesigen Urwäldern leben, haben Tänze und Rituale, mit denen sie ihre Götter und Geister um Regen bitten. Ich weiß, mit einem Gebet zum Gott der Christen hat das scheinbar wenig zu tun. Doch etwas anderes finde ich entscheidender: Die Menschen im Urwald leben nämlich ganz eng mit der Natur. Fühlen sich eins mit allem, was sie umgibt. Mit der Erde, mit Bäumen, Tieren, der Luft, die sie atmen. Und mit den Göttern, die in ihrem Empfinden dort wohnen. Ganz anders bei uns. Für die Allermeisten ist Natur eher irgendwas da draußen. Etwas, das wir umkrempeln können, wie es uns am besten passt. Aber eine echte Beziehung? Das Gefühl, eins zu sein mit der Natur. Fehlanzeige. Die Folgen dieser Spaltung spüren wir vielleicht gerade jetzt.
Gott um Regen zu bitten kann nie verkehrt sein. Aber ein Gebet ist kein Bestellzettel. Im Idealfall verändert Beten nämlich nicht nur irgendwas da draußen, sondern mich selbst. Und vielleicht wäre es genau das, was wir jetzt dringend brauchen. Eine andere Beziehung zur Schöpfung.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45012Vor kurzem musste mein Auto zur Inspektion. 13 Jahre hat es jetzt auf dem Blech. Probleme haben sie in der Werkstatt nicht gefunden, der Wagen ist für sein Alter ganz gut in Schuss. Dass trotzdem bald Reparaturen kommen könnten - nicht unwahrscheinlich. Normaler Verschleiß halt.
Auf der Rückfahrt von der Werkstatt hab ich dann gedacht: Ich habe ja auch selbst schon ein paar Jahre hinter mir und bin bis jetzt zumindest von größeren Problemen verschont geblieben. Hab wohl Glück gehabt. Bloß, ob das so bleibt? Denn wenn ich ehrlich bin, fängt das mit dem Verschleiß ja schon weit vor 60 an. Wenn die Kraft nicht mehr so ist wie früher. Es mit dem Sehen nicht mehr so dolle klappt. Krankheiten sich länger hinziehen. Ich merke: Was ich beim Auto hinnehme, fällt mir selbst doch schwer: Normalen Verschleiß zu akzeptieren. Das Leben sei halt nichts für Feiglinge, meint ein Bekannter hin und wieder. Recht hat er.
Die Kunst im Leben ist es wohl, da immer wieder die richtige Balance zu finden. Ganz so, wie es ein bekannter Satz sinngemäß sagt: Die Dinge möglichst gelassen hinzunehmen, die ich nun mal beim besten Willen nicht ändern kann. Aber eben auch immer wieder energisch das anzupacken, was ich selbst in der Hand habe und verändern kann.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45011Wer sich äußert, muss sich auch mal kritisieren lassen. Lob will natürlich jeder, klar. Aber da gibt’s eben auch das, was man nicht so gerne hören will. Das geht Politikern so, Journalisten, Bloggern und auch uns, wenn wir hier im Radio reden. Und ja, schön ist das nie, wenn man kritisiert wird. Mitunter kann das ganz schön weh tun.
Insofern wundert es mich nicht, wenn angeblich immer mehr Leute lieber mit einer KI reden als mit echten Menschen. Vor allem die jungen. So ein Chatbot wird halt weder müde noch ungeduldig. Der hat Tag und Nacht Zeit, ist immer gut drauf und gibt keine lästigen Widerworte. Und Kritik, die unangenehm sein kann, gibt’s schon gar nicht. Einer KI kann ich halt alles erzählen. Auch den größten Unsinn. Eigentlich perfekt für Leute, die jedes kritische Widerwort für eine Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit halten. Aber auch gefährlich, weil sie mir vor allem das bestätigt, was ich gerne hören will.
Nur bringt mich das nicht weiter. Denn als Mensch wachse ich ja nicht daran, dass mir einer nach dem Mund redet. Mich immer in meinen Ansichten bestätigt. Mir dauernd sagt, wie toll ich doch bin. Am meisten wachse ich an meinen Fehlern. Da, wo ich falsch gelegen habe. Wo mir was misslungen ist. Und an Menschen, die mir das auch ehrlich sagen. Am besten freundlich und wohlwollend. Aber eben auch klar und deutlich.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45010Longevity. Übersetzt heißt das: Langlebigkeit. Gemeint ist damit aber oft ein Trend, bei dem Menschen alles daransetzen, möglichst lange zu leben. Manche machen da echt seltsame Dinge. Stopfen etwa jeden Tag Pillen in sich rein. Andere schwören auf Kältekammern und manches mehr.
Eine viel einfachere Möglichkeit, zumindest für uns Männer, wäre es, Mönch zu werden. Na ja, für die meisten von uns vielleicht nicht ganz so einfach. Aber es lohnt sich trotzdem, mal genauer hinzusehen. Eine Studie zeigt nämlich: Ordensmänner sind klar im Vorteil – was das lange Leben angeht. Sie werden deutlich älter als der Durchschnittsmann. Bei Frauen ist der Effekt geringer. Offenbar tut ein geregeltes Leben uns Männern gut, mit klar strukturiertem Tagesablauf. Auch ein Leben in Gemeinschaft ist nachweislich gesünder. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, heißt es schon in der Bibel. Denn wer sich im Kloster jeden Tag begegnet, merkt einfach schneller, wenn es dem anderen nicht gut geht. Und dann ist da auch noch das geistliche Leben. Regelmäßiges Beten und Meditieren also. Weil es einfach guttut, wenn ich weiß, dass ich getragen bin. Von anderen Menschen und von Gott. Egal was kommt. Klar, das schützt nicht vor Krankheiten oder Sorgen. Aber es kann helfen, anders damit umzugehen. Gelassener, hoffnungsvoller. Und dafür muss ich nicht mal im Kloster leben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45009Sollen Menschen Tiere essen oder nicht? Dieses Gespräch habe ich mit einem jungen Mann geführt. Und ich fand es anstrengend und spannend gleichzeitig.
Anstrengend fand ich unser Gespräch, weil ich gemerkt habe, dass der junge Mann sehr klare Ansichten hat und ich innerlich immer ungeduldiger geworden bin. Vielleicht auch deshalb, weil ich zwischen seinen Worten immer wieder Vorwürfe gehört habe. Statt ihm wirklich zuzuhören, bin ich dann auf Abstand gegangen,
Erst im Laufe des Gesprächs habe ich verstanden, worum es ihm eigentlich ging. Er hat sich gewünscht, dass die Kirche eine stärkere Verbündete für die Anliegen des Veganismus ist. Und er war enttäuscht, dass sie seiner Meinung nach nicht eindeutig genug Stellung bezieht.
Als mir das klar geworden ist, wurde auch das Gespräch interessanter. Denn für mich ist Kirche kein Ort mit fertigen Antworten für jede Frage. Sie lebt vom gemeinsamen Nachdenken und Diskutieren. Und das entdecke ich auch in der Bibel:
Dort finden sich Texte, die Tiere als Mitgeschöpfe Gottes ernst nehmen. Jesus sagt sogar, dass Gott den kleinen Spatz im Blick hat. Zugleich wird in der Bibel Fleisch gegessen, ohne dass dies grundsätzlich infrage gestellt wird. Gerade am Anfang der Bibel sind Texte, die diese Spannung aufzeigen, aber nicht auflösen. Man könnte auch sagen: Die Bibel selbst ringt um eine Antwort. Dabei war die Welt damals eine ganz andere als unsere. Tiere gehörten zum Alltag. Fleisch war etwas Besonderes und kam deutlich seltener auf den Tisch als heute in Zeiten industrieller Tierhaltung.
Mich beeindruckt, dass Menschen schon vor Jahrtausenden bereit waren, über ihr Handeln nachzudenken und darüber zu streiten, wie ein verantwortliches Leben aussieht.
Und vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses Gesprächs: Wichtige Fragen werden nicht dadurch gelöst, dass alle sofort derselben Meinung sind. Sie brauchen Menschen, die sich gemeinsam auf die Suche nach Antworten machen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44958Tobi hat sich für diesen Montag extra Urlaub genommen. Nicht, weil er wegfahren will. Oder ausspannen. Er nutzt seinen Urlaubstag, um gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen große Zelte für jeweils zehn Menschen und ein großes Festzelt abzubauen, zu reinigen, einzulagern und für den nächsten Einsatz vorzubereiten.
Dabei ist der Montag ja nur der Abschluss. Das ganze Wochenende hat Tobi bereits auf einem Konfi-Camp mitgearbeitet. Ein Konfi-Camp ist ein großes Zeltlager für fast 300 Konfirmandinnen und Konfirmanden. Tobias war dabei Ansprechpartner für Jugendliche, hat kleine Verletzungen versorgt, Essen ausgegeben, Teller gespült und dort geholfen, wo Hilfe gebraucht wurde.
Für all das bekommt er kein Geld. Im Gegenteil: Er investiert sogar einen Urlaubstag. Und das machen Menschen zum Glück immer wieder in ihrem Ehrenamt. Ohne diese Investition würde bei uns so viel nicht funktionieren:
Die Jugendgruppen in den Vereinen. Die Feuerwehr. Das Rote Kreuz. Die Kirchengemeinden. Die Sportvereine. Viele Freizeiten und Ferienangebote.
Die Ehrenamtlichen fragen nicht zuerst: Was habe ich davon? sondern: Was kann ich beitragen? Ich finde, was sie da mitbringen, das ist nicht nur effektive Arbeit, sondern auch ein besonderer Geist. Sie erinnern uns daran, dass nicht alles einen Preis haben muss. Dass Gemeinschaft davon lebt, dass Menschen mehr geben, als sie müssten.
Darum bin ich dankbar für Menschen wie Tobi. Sie zeigen mir, dass Zusammenhalt dort entsteht, wo Menschen bereit sind, Zeit, Kraft und Herzblut zu investieren.
Deshalb: Herzlichen Dank an alle, die sich, ihre Zeit und ihren Urlaub investieren. Ich finde ja, dass dadurch sogar etwas von Gottes Geist spürbar wird, weil Menschen zusammengebracht und Gemeinschaft möglich gemacht wird.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44957Mein Freund Christian hat mir erzählt, dass er als Kind eine ganze Sammlung von Schlümpfen hatte. Die mussten immer ganz genau in der richtigen Reihenfolge stehen. Wenn jemand einen Schlumpf verschoben hat, konnte Christian nicht schlafen gehen, bevor nicht wieder alles ordentlich sortiert war.
Bis heute ist ihm diese Liebe zur Ordnung geblieben. Er kennt Regeln und Vorschriften oft erstaunlich genau. Und wenn etwas nicht so läuft, wie es vorgesehen ist, kann er leidenschaftlich darüber diskutieren. Manchmal sagen andere dann: „Nun sei doch nicht päpstlicher als der Papst.“
Als Christian mir von seinen Schlümpfen erzählt hat, habe ich ihm geantwortet: „Vielleicht geht es dir gar nicht in erster Linie um Regeln. Vielleicht magst du einfach Ordnung.“
Da musste er lachen und hat zugestimmt. Seitdem denke ich öfter darüber nach. Denn vieles von dem, was uns wichtig ist, halten wir zunächst für objektiv richtig. Wir glauben, dass es vernünftig ist. Oder logisch. Oder selbstverständlich. Dabei hat es oft damit zu tun, dass es uns selbst wichtig ist.
Der eine liebt Ordnung. Die andere schätzt Spontaneität. Der eine achtet auf Traditionen. Die andere freut sich über Veränderungen. Und oft wundern wir uns, warum die anderen das nicht genauso sehen wie wir.
Mit meinen Kindern habe ich oft dieses Spiel gespielt: „Ich sehe was, was du nicht siehst.“ Und ich finde, das ist ein erstaunlich kluger Satz. Denn er erinnert daran, dass jeder Mensch die Welt ein wenig anders wahrnimmt. Jeder entdeckt etwas, das dem anderen verborgen bleibt.
Deshalb, finde ich, sind Gespräche so wichtig. Nicht damit am Ende alle dieselbe Meinung haben. Sondern damit wir verstehen, warum dem anderen etwas wichtig ist: und sei es nur die richtige Reihenfolge von Schlümpfen.
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