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SWR3 Gedanken

24SEP2025
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„Ooooh“ macht mein eineinhalbjähriger Sohn – und zeigt auf den Boden unseres Balkons. Ich gucke kurz von meinem Buch auf, stimme ihm schnell zu: „Ja, da sitzt eine Hummel“. Und lese weiter. Aber mein Sohn lässt nicht locker: „oooh“. Also schaue ich nochmal hin. Die Hummel sitzt immer noch dort. Vielleicht ein paar Millimeter weiter rechts. Aber so richtig kommt sie nicht vom Fleck. Wenn ich sie mir genau anschaue, scheint sie ziemlich geschwächt. Und so starten mein Sohn und ich gemeinsam eine Hummelrettungsaktion: Mischen Zuckerwasser zusammen und tröpfeln es vor die Hummel auf den Boden. Wir schauen zu, wie die Hummel trinkt. Und tatsächlich: Nach kurzer Zeit schafft sie es, weiterzufliegen. Rettung geglückt! An was hat mich das jetzt erinnert? Daran, dass die Großstadt wenig insektenfreundlich ist, ja. Aber da ist noch was anderes. Mein Sohn hat ganz genau hingeschaut. In seinem Alter laufen Kinder ja mit dem Forscherblick durch die Welt. Alles wird genau inspiziert. Ich bin mit meinen Gedanken schnell wieder woanders. Aber er nicht. Und deshalb hätte ich ohne ihn wahrscheinlich übersehen, dass die Hummel Hilfe braucht. Mein Sohn und die Hummel haben mich an etwas erinnert, das mir wichtig ist: Genau hinzuschauen. Damit ich mitbekomme, wenn es anderen nicht gut geht. Auch wenn auf den ersten Blick alles in Ordnung scheint. Erst wenn ich richtig hinschaue, kann ich auch bemerken, ob jemand meine Hilfe braucht. Mit einer Umarmung, einer Tasse Kaffee, einem guten Gespräch. Oder mit ein paar Tropfen Zuckerwasser.

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SWR3 Gedanken

23SEP2025
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Vor jedem Grab dasselbe: Ein bisschen Weihwasser verspritzen und ein Kreuzzeichen machen. Das ist Opa Max‘ festes Ritual. Bei jedem Spaziergang durch den Ort dreht er seine „Gräberrunde“ über den Friedhof. Immer in der gleichen Reihenfolge. Und dabei besucht er alle seine Freunde und Verwandten, die schon verstorben sind. Wie viele seiner Generation hat auch Opa Max sein ganzes Leben in diesem Ort gewohnt. Auf dem Friedhof sind deshalb viele Menschen begraben, die er kannte und die ihm wichtig waren. Und ihm wichtig geblieben sind - auch über den Tod hinaus. Indem er immer wieder ihre Gräber besucht hat, sind sie Teil seines Lebens geblieben. So eine Gräberrunde wie die von Opa Max können heute viele gar nicht mehr machen – ich jedenfalls nicht. In der Stadt, in der ich wohne, ist kein einziger meiner verstorbenen Verwandten begraben. Trotzdem will auch ich, dass die Verstorbenen Teil meines Lebens bleiben. Deshalb sorge ich anders dafür, dass ich im Alltag immer wieder an sie erinnert werde. An meinen Opa Günter zum Beispiel. In meinem Notizbuch steckt ein Bild von ihm. Wenn ich es aufschlage, lächelt er mich an. Darüber freue ich mich jedes Mal. Es tut mir gut, weiter an die Menschen zu denken, die mir wichtig waren. Und denen ich wichtig war. Ich spüre dann immer noch die Liebe, die uns verbindet. Auch wenn sie schon vor Jahren gestorben sind.
Vor ein paar Wochen ist auch Opa Max verstorben. Auch sein Grab ist weit weg. Ich werde mich anders an ihn erinnern müssen.  Aber wenn ich doch mal wieder in der Gegend bin, ist klar, was ich mache: Eine Runde über den Friedhof gehen. Ein bisschen Weihwasser, ein Kreuzzeichen. Und viele schöne Erinnerungen.

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SWR3 Gedanken

22SEP2025
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Da ist ein richtig tiefer Abdruck in meiner Hand. Von meinem kleinen Holzkreuz. So fest habe ich es eben in der Prüfung mit meiner Hand umklammert.
Das Kreuz habe ich mal geschenkt bekommen – um mir durch genau solche schwierigen Situationen zu helfen. Ich habe nämlich Prüfungsangst: Wenn ich kurz vor einer Prüfung oder einem unangenehmen Gespräch stehe, wird mir ganz schlecht. Und ich hab das Gefühl, mich an nichts mehr erinnern zu können; alles wabert unverbunden in meinem Kopf umher.

Dann hilft mir mein Hosentaschenkreuz. Es ist wie ein Fixpunkt, auf den ich mich konzentrieren kann. Ich halte mich daran fest. Und schaffe es so, ruhig zu werden und meine Gedanken zu ordnen.

Bestimmt funktioniert diese Technik auch mit einem anderen Gegenstand; einem kleinen Stein vielleicht. Aber für mich passt es gut, dass es ein Kreuz ist. Das Kreuz ist ein Symbol für meinen Glauben. Und genau der hilft mir in diesen Situationen auch. Weil ich glaube, dass ich mit allem, was mir Angst macht, nicht allein bin. Dass Gott da ist, wenn es schwierig wird. Und dass er mich liebt – egal, wie gut oder schlecht die Prüfung läuft. Daran zu denken, lässt mich ruhig werden. Ich kann mich daran festhalten.

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SWR3 Gedanken

21SEP2025
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„Ich habe eigentlich keine Freunde.“ Das sagt mir ein Bekannter vor Kurzem. Und dass er sich ein bisschen einsam damit fühlt. Ich find´s krass, dass er das so offen zugibt. Einsam zu sein, darüber spricht man ja eher nicht. Ich weiß noch früher in der Schule – da ist es super wichtig gewesen, viele Freunde zu haben. Wer die nicht hatte, galt als seltsam. Und hatte es dann natürlich noch schwerer, Anschluss zu finden. Aber auch für Erwachsene bleibt Einsamkeit ein riesiges Thema. Über 10% der Deutschen in meinem Alter fühlen sich einsam. Und zwar nicht, weil sie seltsam sind, sondern weil sie zum Beispiel den ganzen Tag im Homeoffice sitzen – so wie mein Bekannter auch. Oder weil sie für Ausbildung und Job in eine fremde Stadt ziehen und sich schwertun, neue Leute kennenzulernen. Das habe ich selbst schon erlebt. Und klar kann man heute auch mit alten Freunden über Social Media in Kontakt bleiben. Aber damit ich mich wirklich mit anderen verbunden und eben nicht einsam fühle, brauche ich mehr als ab und zu eine Whatsapp-Nachricht. Ein Herz-Emoji kann eine echte Umarmung nicht ersetzen.
Einsamsein macht aber nicht nur traurig. Auf Dauer kann es auch krank machen. Deshalb finde ich es super stark, dass mein Bekannter mir so offen erzählt hat, dass er sich einsam fühlt. Er will was dagegen unternehmen. Und ich will ihm dabei helfen. Gemeinsam wollen wir schauen, was er machen kann, um Leute kennen zu lernen. Welche Gruppen oder Vereine es in seiner Nähe gibt. Nächste Woche treffen wir uns dafür auf ein Feierabendbier. Und wer weiß: Vielleicht wird mein Bekannter ja so auch für mich zu einem neuen Freund.

https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/engagement-und-gesellschaft/strategie-gegen-einsamkeit/wissen-zu-einsamkeit-vertiefen-228600

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SWR3 Gedanken

07JUN2025
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Mein Kollege Christian spricht Polnisch. In dem Video, das er auf Instagram hochgeladen hat. Aber eigentlich kann er gar kein Polnisch. Ich kanns erst kaum glauben, weil es so echt aussieht. Aber er erklärt mir, dass er das Video mit einer KI gemacht hat. Die künstliche Intelligenz hat das, was er sagt, ins Polnische übersetzt und gibt es jetzt mit seiner Stimme wieder. Sogar die Lippenbewegungen wurden angepasst. Ein Wunder der Technik. In der Bibel gibt´s ne Geschichte, die erzählt auch von einem Sprachwunder. Da sitzen die Freunde von Jesus zusammen, nachdem der nicht mehr da ist. Plötzlich spüren sie eine Kraft in sich, den Heiligen Geist. Und die macht, dass sie in den verschiedensten Sprachen sprechen können. Sie erzählen von dem, was sie mit Jesus erlebt haben. Und alle Menschen verstehen, was sie sagen.
Ich hab immer gedacht: So ein Sprachwunder sein wie die Jünger an Pfingsten – das wär´s doch! Wenn sich einfach alle verstehen könnten, dann wäre die Welt ein besserer Ort. Und jetzt gibt´s also Künstliche Intelligenzen, die genau das möglich machen. Schon Wahnsinn! Trotzdem glaube ich, dass es für ein echtes Pfingstwunder noch mehr braucht als eine krasse KI. Damit sich Menschen wirklich verstehen, braucht es ja mehr als eine Übersetzung. Mehr als ein Sprachwunder. Pfingsten ist vor allem auch ein Herzenswunder: Die Freunde Jesu brennen für das, was sie da erzählen. Sie wollen unbedingt, dass es bei den Menschen ankommt. Dass sie verstehen, warum sie so begeistert sind. Und über die Menschen, zu denen sie sprechen, steht da: „es traf sie mitten ins Herz“. Sie haben zugehört; nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen.
Und das kann uns auch die krasseste KI nicht abnehmen: Dass Menschen sich füreinander interessieren und aufeinander einlassen. Dass wir uns verstehen wollen.

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SWR3 Gedanken

06JUN2025
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Pinker Rauch. Der hat bei der Papstwahl letzten Monat für eine Überraschung gesorgt. Denn erwartet haben alle entweder weißen oder schwarzen Rauch. Als Zeichen dafür, dass sich die Kardinäle auf einen Papst geeinigt haben oder eben nicht.
Der pinke Rauch kam aber auch gar nicht von den Kardinälen aus der Konklave des Vatikans. Sondern von Frauen. Frauen auf einem der Hügel Roms – und das als Zeichen. Sie wollten darauf aufmerksam machen, was bei dieser Wahl fehlt: Die Stimme der Frauen.

Ich bin Katholikin. Der neu gewählte Papst Leo XIV ist also auch mein Papst. Aber die Bilder der Kardinäle, die in die Sixtinische Kapelle einziehen und beim ersten Auftritt des neuen Papstes hinter und neben ihm stehen – sie haben bei mir auch das Gefühl ausgelöst, dass mir das alles irgendwie fremd ist. Weil dort oben keine einzige Frau steht. Wir gehören einfach nicht dazu. Wir dürfen zuschauen, aber nicht mitspielen. Echt diskriminierend…

Ich mochte den ersten Auftritt von Papst Leo. Er hat davon gesprochen, dass Gott will, dass wir Menschen in Frieden und Gerechtigkeit zusammenleben. Zur Gerechtigkeit gehört für mich ganz klar auch die Geschlechtergerechtigkeit. Dass Männer und Frauen und alle Geschlechter die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben. Wie die Frauen auf dem Hügel bei Rom mit dem pinken Rauch, hoffe auch ich, dass sich das irgendwann ganz erfüllt. In der Welt und in meiner Kirche.

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SWR3 Gedanken

05JUN2025
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Mir platzt fast der Kopf. Das Zugabteil, in dem ich seit einer Stunde stehe, ist völlig überfüllt. Um mich herum feiert ein Junggesellenabschied mit lauter Musik. Es ist heiß und stickig und riecht nach Bier. Ich hab schlecht geschlafen und will nur noch raus. An meinem Zwischenstopp habe ich jetzt eine Stunde Zeit. Ich laufe los und finde – eine Kirche.

Schon als ich die Tür öffne, merke ich, wie ich innerlich ganz ruhig werde. Ich setze mich in eine Bank und schließe die Augen. Ich bin noch nie hier gewesen. Aber da ist dieser vertraute Geruch nach Weihrauch und alten Mauern. Und ab und an ein Klimpern, wenn jemand eine Münze in die Spendenkasse für die Kerzen wirft.
Kirchen sind für mich schon immer Orte gewesen, an die ich mich zurückziehen kann, wenn es mir zu laut wird. Um mich herum oder in mir drin.
Egal, wo ich gerade bin, eine Kirche finde ich fast immer. Und obwohl sie natürlich alle unterschiedlich sind, funktionieren sie doch überall gleich. Ich weiß, dass ich hier einfach sein darf, ohne dass jemand etwas von mir will. Ich muss keinen Eintritt zahlen und keinen Kaffee kaufen. Ich kann mich zurückziehen, den Kopf frei kriegen und dann weiterziehen.

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SWR3 Gedanken

04JUN2025
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Manchmal weiß ich gar nicht mehr, wann wir uns das letzte Mal umarmt haben. Mein Mann und ich sind vor einem Jahr Eltern geworden. Und so wunderschön dieses erste Jahr mit unserem Sohn war – für unsere Beziehung ist es eine Belastungsprobe. Zwischen Windeln wechseln, Einschlafbegleitung und Tränen trocknen bleibt einfach kaum noch Zeit für uns. Wenn es mal wieder richtig krass ist, schaue ich auf meinen Ehering. Im Alltag bemerke ich den eigentlich gar nicht mehr. Aber in diesen Momenten schaue ich ganz bewusst darauf. Ich drehe ihn um meinen Finger und denke an den Tag unserer Hochzeit – vor fast vier Jahren. Damals habe ich mir gar nicht so richtig vorstellen können, was eine Hochzeit für einen Unterschied machen könnte. Dass wir zusammenbleiben wollen, ist uns auch ohne Hochzeit klar gewesen. Aber jetzt merke ich: So ein Ritual macht tatsächlich einen Unterschied. In Zeiten, in denen ich das Gefühl habe, dass wir uns irgendwie verlieren und nur noch funktionieren müssen. Da hilft es mir, an diesen Moment zu denken, in dem wir uns versprochen haben, immer füreinander da zu sein – auch wenn es mal schwer wird. Unsere Beziehung zu pflegen, auch wenn anderes gerade wichtiger scheint. Ich erinnere mich an das warme Gefühl damals, an unserem Hochzeitstag. Weil ich mich bei meinem Mann so sicher und geliebt fühle.
Ich drehe meinen Ring um den Finger und überlege, was ich tun kann, damit wir das – in all dem Stress – auch jetzt wieder spüren können. Heute Abend auf dem Sofa gemeinsam eine Tasse Kakao trinken. Und uns mal wieder ganz lang in den Arm nehmen.

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SWR3 Gedanken

03JUN2025
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„Kopf hoch, Du findest schon noch was.“ So reagiert meine Freundin, als ich ihr erzähle, dass ich die Stelle, die ich so gerne wollte, nicht bekomme. Ich bin mega enttäuscht und sie will mich einfach aufmuntern. Sie meint es also total lieb, weil sie nicht will, dass ich traurig bin. Trotzdem merke ich: Ich brauche in dem Moment erstmal was anderes. Denn so habe ich das Gefühl, dass ich nicht ernst genommen werde. Dass es nicht okay ist, dass ich grad enttäuscht bin... Oder ich das zumindest nicht zeigen soll. Ich bin aber einfach noch nicht so weit, dass ich wieder positiv in die Zukunft schauen will. Ich will in dem Moment keinen Rat, sondern einfach meine Gefühle teilen und mich verstanden fühlen.

Ich kann es auch nicht gut aushalten, wenn Menschen, die ich mag, traurig sind. Und ich kenne den Impuls, dass ich dann ganz schnell aufmuntern will. Aber diese Situation erinnert mich daran, dass das nicht immer die beste Reaktion ist. Manchmal geht es nicht darum, gute Ratschläge zu verteilen, sondern erstmal mitauszuhalten, dass es gerade eben nicht gut ist. Das ist nicht leicht, aber ich find’s wichtig, dass auch negative Gefühle sein dürfen. Dass auch diese Gefühle ihren Raum bekommen. Denn nur dann fühle ich mich als Person, die diese Gefühle hat, auch ernst genommen. Klar, wäre es schön, wenn ein „Kopf hoch!“ reichen würde, damit ich wieder nach vorne schauen kann. Aber so ist es nicht und das ist auch ok. Und genauso ok ist es, wenn ich als Freundin nicht weiß, was ich darauf sagen soll. Es reicht, in dem Moment da zu sein. Und die Enttäuschung oder den Schmerz mitzutragen.

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SWR3 Gedanken

02JUN2025
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Neben meinem Bett auf dem Nachttisch steht mein Aquarellgebet. Ein kleines Bild aus Aquarellfarben, das ich gemalt habe, als ich schwanger war. Es ist ein Bild, aber auch ein Gebet. Ich hab damals so vieles auf einmal gefühlt – ich war dankbar und hoffnungsvoll, aber ich hab mir auch Sorgen gemacht, ob alles gut wird. Beim Malen kann ich meine Gefühle ausdrücken, ohne dass ich erst Worte dafür finden muss. Und damals ist es mir besonders schwergefallen, dieses Gefühlschaos in Worte zu fassen. Beim Malen hab ich mir dann vorgestellt, dass ich all diese Gefühle abgebe – an Gott. Und so nicht mehr alleine damit bin.

Ich glaube, dass Gott mich auch ohne Worte versteht. Ich muss mich nicht mit gefalteten Händen irgendwo hinknien und Gott in Gedanken alles erklären, was mich beschäftigt. Manchmal mach ich das, aber meistens sieht unsere Beziehung anders aus. Und funktioniert ohne viele Worte. Oft hab ich im Alltag nur einen Satz im Kopf. „Gott, bitte sei jetzt bei mir.“ Oder einfach „Danke, Gott!“. Und manchmal braucht es nicht einmal das, um in Verbindung zu sein – wie bei meinem Aquarellgebet.

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