SWR4 Abendgedanken

29NOV2023
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Im November beginnt die Mützenzeit. Als Kind habe ich mich immer geweigert, eine Mütze zu tragen. Oder ich habe sie mir von meiner Mutter aufsetzen lassen, bin los zur Schule und habe das ungeliebte Ding hinter der nächsten Ecke wieder abgenommen und in den Ranzen gestopft. Mütze zu tragen, habe ich damals als uncool und unnötig empfunden.

November ist Mützenzeit – zumindest für mich. Denn inzwischen trage ich gerne Mützen. Nicht nur, weil sie eben doch angenehm warmhalten. Sondern auch, weil es mir gefällt. Und alle meine Mützen haben einen ganz besonderen Chic!

Denn meine Mützen habe ich mir nicht selbst gekauft, ich habe sie geschenkt bekommen. Von meiner Freundin, von einer Frau aus dem Dorf, von Freunden während des Studiums. Alle haben sie mir mit den Mützen etwas gewünscht: Nämlich, dass ich gut durch die kalte Jahreszeit komme. Und wenn ich eine davon über die Ohren ziehe, dann ist es, als würde ich ihre guten Segenswünsche anziehen: „Bleib gesund“ und „Sei gut behütet!“

Somit sind die Mützen für mich mehr als nur eine Kopfbedeckung. Sie sind ein Stück Segen, den mir Menschen mit auf den Weg geben. Mir soll nichts passieren, ich soll mich nicht erkälten

Meine Mützen wärmen meinen Kopf und meine Seele. Durch sie spüre ich die Wärme der Menschen, die sich um mich sorgen, die sich Gedanken um mich machen. Meine Gesundheit liegt ihnen am Herzen, beziehungsweise bedecken die guten Wünsche meine Ohren. Und das erinnert mich an meine Mutter, die es damals ja auch gut mit mir gemeint hat, die mir ihre Fürsorge gezeigt hat, indem sie mir die Mütze aufgesetzt hat.

Behütet durch das Leben zu gehen – das ist ein guter Wunsch, den man anderen mitgibt. Ein Segen. Mich erinnert das an die Zusage Gottes, dass er mit uns Menschen durch das Leben geht und uns für unsere Wege seinen Segen gibt. „Siehe, ich bin mit dir und werde dich behüten, wohin du auch ziehst“. So sagt Gott zu Jakob und verspricht ihm, ihn zu begleiten. Mit Wohlwollen und Fürsorge, auch wenn Jakob schon einige Fehler im Leben gemacht hat.

Daran erinnern mich meine Mützen. Dass Gott mir Fürsorge schenkt und Menschen, denen es wichtig ist, dass ich gut durch den Winter komme, egal wohin mich meine Wege führen. Bemützt und behütet geht es sich besser. Bleiben Sie auch behütet – ob mit oder ohne Mütze.

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