SWR2 Wort zum Tag

13NOV2023
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Ich werde manchmal gefragt, wer Jesus Christus für mich ist. Ich finde das gar nicht so einfach, darauf kurz und bündig zu antworten. Zumal sich das in meinem Leben je nach Stimmung und Lebensthemen auch schon verändert hat. Gut, dass mich in Europa niemand zwingt, ein persönliches Bekenntnis abzugeben. Und wenn ich es tue, ist das meine Entscheidung und nicht gefährlich, wie zum Beispiel in Nordkorea, Nigeria, Jemen oder Somalia, wo autokratische Regierungen oder extremistische Gruppierungen Christinnen und Christen verfolgen und manchmal sogar töten. Problematisch ist so ein Bekenntnis auch schon zu biblischen Zeiten gewesen.

Jesus ist mit seinen Gefährten durch Galiläa gewandert, hat mit den Menschen gegessen, getrunken, gefeiert und einige von ihnen geheilt. Über ihn sind viele Gerüchte im Umlauf. Die einen sagen dies, die anderen das. Auch die Jünger wissen nicht so genau, was sie von ihm halten sollen. Und plötzlich konfrontiert Jesus sie mit der „Gretchenfrage“ und fragt: „Was glaubt ihr denn, was ich für einer bin?“
Einige antworten darauf: „Du bist ein Lehrer, Jesus!“ Andere halten ihn für einen Propheten oder einen Heiler (Mt 16,14).

Den meisten ist jedenfalls klar, dass Jesus irgendwie anders ist. Er ist nicht nur ein Mann, der sich bestens in der biblischen Tradition auskennt, sondern Jesus stellt das Wohlergehen der Menschen über das Gesetz und heilt, wenn es nötig ist, auch am Schabbat. Zugleich fordert er, dass das Gesetz bis zum letzten i-Tüpfelchen eingehalten wird.
Jesus hat die hebräische Bibel eher eigenwillig ausgelegt. Und er hat es nicht bei Worten belassen. Jesus war ein radikaler Praktiker, der die Sorgen der Leute gehört und ernst genommen hat. Er hat kranke Menschen geheilt und Außenseiter respektiert. Mit seinen ungewöhnlichen Ansichten und Verhaltensweisen hat er viele überrascht oder sogar vor den Kopf gestoßen. Wer war er also?

Petrus ist vorgeprescht: „Du bist Christus, der lebendige Sohn Gottes!“ (Mt 16,16). Petrus hat Jesus einen Titel verliehen. Nicht Kaiser, nicht König oder Oberbefehlshaber, sondern Christus. Wörtlich heißt das „der Gesalbte“. Das ist ein Hoheitstitel aus dem Alten Testament. Dort wird er Königen verliehen. Und er bezeichnet eine zukünftige Rettergestalt. Petrus hat sich getraut, Jesus mit dieser Zuschreibung als Sohn Gottes anzuerkennen.

Bis heute ist ein Bekenntnis zu Jesus Christus in einigen Teilen der Welt ein riskantes Glaubenszeugnis. In westlichen Ländern wird man dafür eher als naiv belächelt oder völlig verständnislos angesehen. Und so bleibt die Frage bis heute aktuell: Wer ist Jesus für Dich?

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