SWR1 Begegnungen

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29OKT2023
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Weiss_Mira Foto: Joel Weiss

Mira Weiss ist Studentin, Unternehmerin und Influencerin. Ich treffe sie zum Interview am Institut für Medienwissenschaften in Tübingen, wo sie studiert. Mira Weiss hat vor 5 Jahren den Instagram-Kanal „herzstärkend“ gegründet, aus dem mittlerweile auch ein kleines Unternehmen erwachsen ist. Und Mira Weiss erzählt mir, wie es dazu kam:

Herzstärkend ist tatsächlich aus dieser Motivation geboren, dass ich sehr viel darüber nachgedacht habe, was Instagram für ein Einfluss auf mich und meinen Selbstwert hat und ich eben Instagram oft als Ort wahrnehme, der negativen Einfluss auf den eigenen Selbstwert hat und dann dachte ich: Ich möchte einen Ort schaffen auf Instagram, der den Selbstwert bestärkt, der junge Frauen ermutigt und auch empowered, dass sie sich stark fühlen und Dinge reißen können.

Ein Jahr nach Start holte Mira Weiss ihre Schwester Luka und ihre Freundinnen Hanna, Lea und Josefine ins Projekt dazu. Auch wenn Sie sehen, dass Sie mit ihrer Arbeit Einfluss auf junge Menschen haben, wollen sie weniger belehren, sondern vor allem ermutigen.

Uns ist wichtig, dass wir keine keinen dogmatischen Glauben vermitteln, sondern in erster Linie Glaube vermitteln als Zusagen und Sprüche, die wir aus der Bibel lesen oder in der Beziehung mit Gott quasi erleben, dass wir diese Zusprüche weitergeben. Und das hat wenig damit zu tun, dass wir konkret sagen, wie der Glaube gestaltet werden soll.

Wenn Gott im eigenen Leben vorkommt, dann ist das für Mira und ihre Mitstreiterinnen bereichernd, vielleicht sogar befreiend. Auf ihrem Instagram-Kanal kann man das miterleben.

Herzstärkend ist auf der einen Seite ein Instagram-Kanal, auf dem wir Inhalte teilen rund um die Themen christliche Spiritualität und Kreativität und auch Nachhaltigkeit und die Dinge, die uns so politisch, gesellschaftspolitisch beschäftigen und auf der anderen Seite ein Unternehmen. Und wir entwickeln und verkaufen und vertreiben Produkte rund ums Thema Spiritualität und Kreativität. Wir haben Production-Partner in Indien und verstehen uns als Social-Business. Wir wollen Produkte entwickeln, die einen Mehrwert für diejenigen haben, die die Produkte produzieren und für unsere Kundinnen.

Produkte rund ums Thema Spiritualität und Kreativität – das sind zum einen Stifte zum kunstvollen Schreiben, Postkarten, Plakate, Notizbücher und Kalender. Fair produziert und gehandelt. Gerecht eben, mit Respekt vor dem Wert der Arbeit. Ein Weg, ihre christlichen Überzeugungen zu leben.

Mich hat an herzstärkend fasziniert, wie offen und transparent die jungen Frauen arbeiten. Auch als sie im Team um Glauben und Meinungen intensiv diskutieren, sprechen sie darüber in den sozialen Medien. Von Beginn an waren sich die fünf jungen Frauen bewusst, dass sie sehr unterschiedlich sind und das schwierig werden könnte.

Wir hatten dann so unterschiedliche theologische Meinungen und uns waren so unterschiedliche Themen wichtig, dass unsere gegenseitigen Grenzen so groß waren und so stark waren, dass wir uns eigentlich nur noch ausgebremst haben. Also am Ende hat keiner mehr irgendwas gesagt, weil wir uns in dem Team nicht mehr wohlgefühlt haben. Und gleichzeitig war es uns immer ein riesen Anliegen. Das auszuhalten und diese Spannung auch zu leben und das gemeinsam zu schaffen.

Nach einem langen Prozess und intensiven Gesprächen trennen sich Lea und Josefine, zwei der Mitglieder von herzstärkend vom Projekt. Ein Scheitern?

Es fühlt sich immer mal wieder ein bisschen nach Scheitern an, gerade weil mein Ideal so hoch ist, dass wir das doch schaffen, gemeinsam. Und ich sehe immer irgendwie so uns als Gesellschaft, dann als großes Ganze, dann denken wir ja, wenn, wenn wir es im Kleinen nicht schaffen, zusammenzuarbeiten, dann schaffen wir es auch nicht im Großen. Und das müssen wir üben und das kostet was.

Andererseits war die neue Entwicklung aber auch ein notwendiger Schritt und die richtige Lösung. Trennung ja – aber trotzdem bleiben die jungen Frauen freundschaftlich verbunden. Die Trennung lässt Mira Weiss nicht aufgeben, am Ideal der Einheit festzuhalten.

Weil wir das hinbekommen haben, in Freundlichkeit, in Respekt miteinander und vor allem mit sehr viel Empathie uns zu trennen. Deswegen würde ich auch sagen Einheit funktioniert, weil wir immer noch eine Einheit sind und wir im Privaten diese Spannung aushalten können, wenn wir miteinander im Gespräch sind. Wir hatten, so große Diskussionen, aber das hat funktioniert, weil wir so diesen menschlichen Blick aufeinander hatten und immer wussten und diese Grundannahme hatten, dass mein Gegenüber die Dinge in Liebe tut und vor allem positive Absichten hat.

Ob das auch ein Modell für den Umgang mit Spannungen unserer Gesellschaft sein kann. Mira Weiss will es auf jeden Fall versuchen. Und positiv und mutmachend auf ihrem Kanal „herzstaerkend“ davon erzählen. Trotz aller Probleme und trotz allem Streit in der Gesellschaft. Mira Weiss hält an ihrem positiven Menschenbild fest. Auf meine Frage, ob sie Krieg und Gewalt nicht daran zweifeln lassen, antwortet sie. 

Ich weiß auch, dass der Mensch böse ist und schlecht ist. Aber es ist auch für mich ein bisschen eine Coping-Strategie und ein Trotzen, dass ich sage: Nein, der Mensch ist gut und ich habe die Hoffnung, dass er gut ist, und ich glaube an das Gute im Menschen. Diese Glaubenssätze - sich das einfach zuzusagen, dass der Mensch gut ist - ist konstruktiver als alles andere.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=38667
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