SWR3 Gedanken

07OKT2023
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Henni ist tot. Nach 12 familienintensiven Jahren ist sie an einem Tumor gestorben. Henni war eine Labradorhündin. Henni war ein Familienmitglied. Sie hatte drei menschliche Geschwister.
„Ist Henni jetzt im Himmel?“, fragt mich Marie mit ihren 9 Jahren. Sie ist die jüngste der drei. „Was denkst Du?“, frage ich zurück. Sie überlegt eine Weile, dann sagt sie vorsichtig:
„Im Frühjahr ist Mamas Onkel Bene gestorben. Die Pfarrerin hat gesagt, er sei jetzt bei Gott. Weil er ja getauft war. Aber Onkel Bene war oft gemein zu Mama. Und Henni war nie gemein. Wenn Onkel Bene im Himmel ist, dann muss Henni da erst recht sein. Und zwar eine Wolke höher als Bene.“

„Ja“, gebe ich zu, „wenn Bene im Himmel ist, gehört da Henni auf jeden Fall auch hin.“ „Auch ohne Taufe?“, Marie ist skeptisch.

„Die Taufe ist für uns Menschen. Weil wir eben immer mal wieder gemein sein können. So wie Bene. Tiere können aggressiv werden. Manchmal verletzen sie auch Menschen oder andere Tiere. Aber sie wollen andere nicht beschämen oder ausnutzen. In der biblischen Paradiesgeschichte fliegt nur der Mensch raus. Die Tiere können bleiben. Die Taufe ist dann vielleicht so was wie die Wiedereintrittskarte für uns Menschen ins himmlische Paradies.“

„Meinst Du?“ „Ja, meine ich“
Marie überlegt, dann leuchten ihre Augen und sie sagt: „Dann muss Mamas Onkel Bene jetzt im Himmel bestimmt immer mit Henni Gassi gehen. Und dann lernt er, nett zu sein.“ „Ja“, sage ich, „das kann gut sein.“

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