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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

24JAN2023
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Biber sind possierliche Tiere. In der Natur konnte ich zwar noch nie einen beobachten, aber wie so ein Biber aussieht, das weiß ich doch ganz gut. Auf den Gedanken, dass dieses Nagetier aber ein Fisch sein könnte, darauf muss man wirklich erst mal kommen. Die Mönche im Mittelalter sind darauf gekommen. Aber nicht, weil sie dumm oder ungebildet waren, sondern eher im Gegenteil, auf eine listige Weise clever. Mönche mussten damals nämlich viele Fastentage einhalten. Und fasten hieß eben auch: kein Fleisch auf dem Tisch. Unfreiwillige Veggie-Tage also. Weil sich offenbar viele der frommen Brüder aber schwer damit taten, wurde man erfinderisch. Fisch war nämlich auch an den Fastentagen erlaubt und so erklärte man den Biber einfach kurzerhand zum Fisch. Schließlich lebt der ja am Wasser und hat sogar einen breiten, geschuppten Schwanz. Gewissen beruhigt, Biber auf dem Teller. Den Tieren, die es damals noch zahlreich bei uns gab, ist das natürlich nicht gut bekommen. Irgendwann galten sie als ausgerottet, freilich nicht nur wegen der Mönche.

Deren listiger Findigkeit sollen wir übrigens auch die schwäbische Maultasche verdanken, in der sich bekanntlich kleingehacktes Fleisch gnädig in einer Teigtasche verstecken lässt. Noch heute heißt sie deshalb im Schwäbischen auch das „Herrgottsbescheißerle“.

Ich glaube allerdings kaum, dass man Gott hinters Licht führen kann. Nur sich selbst. Für Gott dürfte es nämlich ziemlich egal sein, ob ich am Freitag Fleisch esse oder nicht. Ob ich in der bevorstehenden Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern nun faste oder es bleiben lasse. Aber vielleicht ist es für mich ja nicht egal. Viele der Fastenvorschriften haben zwar einen Ursprung in der Bibel. Doch letztlich sind sie nicht dazu da, um Gott einen Gefallen zu tun, sondern uns Menschen. Damit wir uns durch einen bewussten Bruch in unserm Alltag besser konzentrieren und vorbereiten können. Auf einen besonderen Tag, ein Fest, einen Einschnitt im Lebensweg. Letztlich also ein Gewinn für mich selbst. Und wenn ich das nicht will? Dann sollte ich es lassen und nicht versuchen, Gott hinters Licht führen. Auch wenn es, zugegeben, jammerschade wäre um die Maultasche, die dann vielleicht nie erfunden worden wäre.

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