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SWR2 Wort zum Tag

23JAN2023
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Steine in Brot verwandeln – das klingt nach einer teuflisch guten Idee! Wenn das ginge, wäre doch auf einen Schlag eines der ganz großen Probleme der Menschheit gelöst. Doch wie so oft steckt auch hier der Teufel im Detail: In der Bibel wird davon erzählt, dass es der Teufel ist, der ausgerechnet Jesus diesen Vorschlag unterbreitet. Er sagt zu ihm: „Nur ein Wort von dir und diese Steine werden zu Brot!“ Diese Einladung kommt übrigens, nachdem Jesus 40 Tage in der Wüste gehungert hat. Da muss er doch eigentlich hungrig genug sein, um Steine in Brot zu verwandeln. Ein verführerischer Vorschlag, des Teufels würdig. Jesus wäre satt. Und der Hunger in der Welt wäre zumindest für einen Tag kein Thema mehr. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ antwortet Jesus. Was für eine Antwort mit 40 Tagen Hunger im Bauch. Aber der Mensch braucht mehr! Nämlich gerechte Verhältnisse, die verhindern, dass Menschen noch nicht einmal das tägliche Brot haben.

Mit einem Tag Brot für alle sind die ungerechten Verhältnisse nämlich nicht aus der Welt zu schaffen, das weiß der Teufel genau. So wie er auch weiß, dass es Menschen gibt, die zwar genug zu essen haben, aber nach dem Sinn des Lebens hungern, nach Glauben, Hoffnung und Liebe. Für sie ist Jesus in die Welt gekommen, und diese Lebensaufgabe gibt er nicht auf für einen Tag Brot. Da sind so viele, die mehr brauchen. Die noch die Sehnsucht kennen nach Liebe. Die sich nicht vertrösten lassen wollen. Jesus speist sie nicht ab, stopft ihnen nicht den Mund, wiewohl es ihm ein Leichtes gewesen wäre, für einen Tag ein gefeierter Held zu sein. Und das ist ja gerade das Teuflische an dieser Versuchung: Es wäre doch wunderbar, wenn einen die Menschen anhimmeln, wie grandios, von allen geliebt zu werden. Und sei es nur für einen Tag. Leider fallen bis heute Menschen immer wieder auf diese teuflische Versuchung herein. Weil sie sich so danach sehnen, angebetet zu werden. Mag der Teufel es auch anders versprechen: Liebe kann man nicht kaufen. Liebe verschenkt sich.

Ich finde es im Grunde tröstlich, dass man so etwas Kostbares wie die Liebe nicht kaufen kann. Es wäre doch schrecklich, wenn die Mächtigen dieser Welt auch nach Lust und Laune über diese Gottesgabe verfügen könnten. So aber ist der ärmste Mensch, der aufrichtig geliebt wird, reicher als sie.

Allerdings hoffe ich auch, dass denen, die das Glück der Liebe erleben, das Elend derjenigen nicht gleichgültig ist, die um das tägliche Brot und um ein Leben in Würde bangen.

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