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SWR4 Abendgedanken

09DEZ2022
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Heute Abend geht bei uns zuhause das Adventsfenster auf. So heißt nämlich die Aktion in unserem Dorf, bei der wir mitmachen, Adventsfenster. Was da genau passiert? Menschen treffen sich. Das kann unter einem geöffneten Fenster sein, vor der Haustüre oder in einer Garage. Wir öffnen heute Abend unsere Terrasse und sind Gastgeber. Wer die Gäste sein werden, wissen wir noch nicht so genau. Die großen Weckgläser mit den Kerzen stehen jedenfalls bereit, und weisen den Weg von der Straße hinauf in den Garten hinter das Haus. Dort steht ein großer Topf mit warmem Punsch und unsere Feuerschale. Liedblätter liegen parat und zwei Adventsgeschichten habe ich ausgesucht, die werde ich vorlesen.

Vom 1. bis zum 23. Dezember geht an fast jedem Abend in unserer Gemeinde irgendwo ein symbolisches Adventsfenster auf: Im Kindergarten, vor den Räumen der Jungschar, bei Familien, auf dem Schulhof oder vor dem Weltladen. Jeder Gastgeber macht, was er kann oder woran er Freude hat; und alles passiert draußen, unter freiem Himmel: die einen grillen Würstchen, die anderen musizieren. Das Ziel der ökumenischen Aktion ist: das Dorf in diesen Wochen zu einem adventlichen Ort werden zu lassen. Und zwar für so Viele wie möglich: Für Alteingesessene und neu Zugezogene, für Familien und für Menschen, die alleine leben. Das Angebot ist deshalb unkompliziert und lautet: einfach auf die Straße gehen und zum nächsten Adventsfenster dazukommen. Für mich ist ein adventlicher Ort dort, wo Menschen sich ohne große Umstände begegnen können, wo es mir ein bisschen warm ums Herz wird, am Feuer oder mit Punsch und wenn ich ins Gespräch komme.

Ich wünsche mir, dass das auch bei uns heute Abend möglich wird. Und ich bin gespannt, wer tatsächlich kommt. Denn wir sind vier Jahre nach unserem Umzug noch immer relativ neu in dieser Gemeinde, meine Kinder sind schon älter und viel unterwegs und während Corona ist man sich einfach wenig begegnet. Aber heute machen wir im Dorf mit und öffnen unseren Garten für die, die uns noch nicht kennen.

Solche Adventsfenster-Aktionen gibt es mittlerweile an zahlreichen Orten. Ich glaube, dass sich unter solchen Fenstern auf eine besondere Weise Segen ereignen kann. Denn Segen gibt es nicht nur in der Kirche. Segen passiert auch auf Terrassen im Winter. Wenn wir Punsch und Plätzchen und Geschichten teilen. Segen hat da eine Chance, wo Menschen ihre vier Wände verlassen, wo sie sich neugierig auf den Weg machen und sich begegnen. Auf den Straßen und Plätzen und vor fremden Türen.

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