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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

24NOV2022
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Der Sohn einer Freundin wird Uhrmacher. Mal etwas anderes, denke ich. Nach der Lehre hatte er noch studieren wollen, aber an der Uni hat er schnell gemerkt – nein, das ist es nicht.

Die Uhrmacherlehre in der Tasche hat er dann überlegt: Warum eigentlich nicht? Ich werde einfach das, was ich gelernt habe.  Und jetzt ist er eben Uhrmacher. Natürlich fragen ihn manche: Wer wird denn heute Uhrmacher?  Digitales Zeitalter: Die Leute haben Handys und Schrittezähler, aber Armbanduhren werden doch immer weniger. Aber es gibt sie noch! Und ich finde seine Entscheidung einfach klasse. Mutig und authentisch. Nicht nach der Kurzlebigkeit unserer Zeit gehen. Nicht nur fragen, was verdiene ich oder wo ist es am Leichtesten, sondern sich ein seltenes Handwerk aussuchen und einen buchstäblich uralten Beruf ausüben. Etwas machen, wozu man sich berufen fühlt, was mit Zeit zu tun hat und nicht mit Zeitgeist. Und was geistvoll und kunstvoll ist.

Wir brauchen überall Fachkräfte, heißt es. Die Pflege und andere soziale Berufe suchen dringend Nachwuchs. Wir als Gesellschaft müssen umdenken und da ist vieles, was sich verändern muss. Und es braucht Mut. Wie toll, wenn junge Menschen uns das vormachen. Solchen Mut: eine Berufung zu finden und der nachzugehen. In der Bibel gibt es alle möglichen Berufe und Berufungen. Jesus hat vor allem gepredigt, aber sein Vater, Joseph, ist Zimmermann gewesen und so wird auch Jesus diesen Beruf gelernt haben, bodenständig und handfest.

Wir brauchen die Handfesten und die Denkenden, die Rechner und die Visionäre, die politisch Aktiven und die an der Seite von Hilfsbedürftigen. Und auch die Uhrmacher. Ich bin überzeugt: jeder und jede von uns hat eine ganz eigene Begabung und Berufung. Wie wunderbar ist es, wenn Menschen etwas wagen und wenn davon etwas in die Welt getragen wird. Und wenn am Ende dann noch zwei beschenkt werden: der Berufene und der glückliche Besitzer einer funktionierenden Armbanduhr.

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