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SWR2 Lied zum Sonntag

06NOV2022
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Credo in unum deum – Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater – Wenn das „Credo“, das Glaubensbekenntnis, im Gottesdienst so angestimmt wird und die ganze Gemeinde dann mitsingt, fühlt sich das inzwischen für mich besonders an.  Früher habe ich geglaubt, ich müsste beim „Credo“ jeden einzelnen Satz auch unterschreiben können. Inzwischen geht es für mich aber nicht (zuerst) um einzelne Sätze, also ob Jesus körperlich in den Himmel aufgefahren ist oder ob ich an die Kirche glaube. Es geht vielmehr um das Gottvertrauen an sich. Alle bekennen sich in diesem Gesang zu Gott und werden dabei eine Gemeinschaft. Meine Stimme wird ein Teil eines großen Chores. Ich werde so getragen, auch in dem, was ich glaube. In der frühen Kirche hieß der Gesang „Symbolum“, was auf deutsch so viel heißt wie „Zusammengeworfenes“.

Der Begriff des Symbols spielt an auf eine alte griechische Geschichte: Zwei Freunde, die sich trennen müssen, ritzen zum Abschied ihren Namen in eine Tonscheibe. Sie zerteilen die Scheibe und jeder nimmt einen Teil davon mit. Solange sie getrennt sind, erinnert sie ihr Stückchen daran, dass ihnen der Freund fehlt und dass sie zusammengehören, auch wenn sie nicht zusammen sind. Ich denke, darum geht es im Credo: Es bringt mich mit den anderen Glaubenden zusammen und mit Gott, der sich in Jesus als unser Freund gezeigt hat und wie es im Text heißt, „zu unserem Heil“ geboren wurde, unter uns gelebt hat, gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist.

Manchmal zweifle ich und dann entferne ich mich von Gott. Zum Beispiel, wenn ich eine kritische Lebensphase durchlaufe. Das sind dann Momente, in denen ich wie in der griechischen Geschichte so ein Symbol brauche, wie diese Tonscherben oder eben das Credo. Die Scherbe mit ihren Bruchrändern zeigt mir dann nämlich, dass solche Risse oder Brüche uns nicht trennen. Ich kann mich darauf verlassen, dass Gott als mein Freund alles für mich zum Guten führen wird und mir das geben wird, was mir fehlt oder was ich nicht geschafft habe im Leben.

Darauf hoffe ich, auch wenn mein Leben manchmal sehr fragil erscheint. Schubert drückt das sehr schön aus in seinem „Credo“ in der G-Dur-Messe. Der schreitende Bass spiegelt das voranschreitende Leben. Darüber schweben die Streicherstimmen und bilden eine Sphäre, die diesen Lebenslauf begleitet und in eine andere Atmosphäre taucht wie in ein Licht. Und dazwischen verbindet der Chor mit dem „Credo“ diese Lichtsphäre mit demr irdischen Leben. Bis zum „Amen“. Und dieses „Amen“ am Ende des Credo heißt nichts anderes als „Amen – So ist es: Ich glaube an Gott, hoffe und verlasse mich auf ihn“.

 

Musikquellen

  • Musik 1, 2, 3: M0303474
  • Musik 4: Franz Schubert: Messe Nr. 2 in G-Dur; D 167, Hugo-Distler-Chor und die Wiener Akademie unter der Leitung von Martin Haselböck (LC08748)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=36484