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SWR2 Wort zum Tag

14OKT2022
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„Teufel auch“ überschreibt das Bistum Trier einmal seine Einladung zur „Musik aus dem Schwalbennest“. „Schwalbennest“, weil die Trierer Domorgel hoch oben an der Wand hängt, wie solche Nester in Scheunen und Ställen. Und Teufel auch, weil nämlich immer der kleine Pan mitspielt, eine Figur dieses antiken Gottes Pan – der mit der gleichnamigen Flöte. Links unten lugt er aus der Domorgel heraus - zum Spaß der kleineren und der größeren Menschen im Orgel-Konzert. Und der kleine Pan hat große abstehende Ohren – oder vielleicht sind es ja tatsächlich Hörner. Aber jedenfalls heißt der Kleine in Trier „der Orgelteufel“.

Jeder Orgelbaumeister baut in jede Orgel, die er abliefert, einen kleinen Scherz ein – schließlich soll ja auch der Spaß seinen Platz haben – bei der Arbeit und in der Kirche. Und weil Orgelmusik an sich schon ernst genug ist. Und da haben sie eben im Trierer Dom den kleinen Pan eingebaut. Das ist ein sozusagen interaktiver Scherz. Der kann nämlich auch noch in Aktion treten, könnte dem Bischof und der Gemeinde eins pfeifen. Zumal die Panflöte ganz schön schräg klingt, auf der er bläst. Dabei dreht er den Kopf nach links und nach rechts.

Der Orgelteufel-Scherz sagt aber noch ein bisschen mehr: Alles spielt zusammen, wenn Musik zu Gottes Lob erklingt – da muss selbst der kleine heidnische Gott Pan mitmachen, das Orgelteufelchen; wenn auch ein wenig verstimmt. Na gut – das ist zumindest mal eine Hoffnung; könnte aber doch sein, dass alle dabei sind…

Fast greifbar ist dann aber ein dritter Aspekt: der kleine Orgelteufel ist kein Automat, keine Spieluhr, sozusagen. Erst muss der Domorganist ihm die Klappe öffnen und ihn mit Hebel und Drehknopf in Bewegung setzen, erst dann bläst der Pan seine kleinen Melodien. Ich sehe das als Hinweis und als Hoffnungszeichen für alle, die sich fürchten vor etwas „Bösem“ in sich selbst: Ich bin es doch, der sich falsch entscheidet oder eben richtig. Den Teufel in dir kannst du auch selbst an die Hand nehmen; und wenn du es ein wenig geübt hast, spielt er sogar die Lebens-Melodie, die du ihn pfeifen lassen willst.

Gelegentliche kleinere Fehler sind okay – kommt halt vor, dass manche Töne schon mal ein wenig schräg klingen.

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