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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

01OKT2022
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Plötzlich war ich krank. Einfach so über Nacht, aus heiterem Himmel. Gar keine schlimme Sache, bald wieder vorbei. Aber für den Moment ging gar nichts mehr.

Krank sein – das ist ja an sich schon ärgerlich genug. Und dann noch ausgerechnet jetzt! Das Schuljahr ging gerade los, an einem neuen Ort, nebenbei noch die Umzugs-Reste – jede Menge zu erledigen also …

 „Na ja“, habe ich spontan gedacht, „schreibe ich halt stattdessen ein paar E-Mails oder sortiere Unterlagen und so. Das geht ja auch im Bett.“ Falsch gedacht – auch das ging nicht. Ich war eben so richtig krank.

Das zu akzeptieren, mich damit abzufinden – das ist mir richtig schwergefallen. Dauernd war ich gedanklich beim früher geplanten Tagesprogramm. Oder bei meiner Frau und den Kindern – für die waren die Tage jetzt natürlich um so voller. Und mich mussten sie auch noch ertragen.

Prompt habe ich zu früh wieder losgelegt. Oder wollte es. Mein Körper hat mir rasch gezeigt, dass er noch Zeit braucht.

Erst nach und nach habe ich gelernt, ganz bei mir zu sein. Und mich so zu akzeptieren, wie ich gerade eben war – krank und lahmgelegt. Vielleicht war ja genau das meine eigentliche Aufgabe in diesen Tagen. Auch wenn ich nichts tue oder leiste, bin ich nicht nur hinderliche Last. Ich bin schon wer! Einfach so. Es ergibt Sinn, dass es mich gibt, jetzt und hier. Und ich habe unendlichen Wert. Für die Menschen um mich herum – und für Gott sowieso. Darüber habe ich schon oft gepredigt. Aber es auch selbst zu glauben und zu spüren, das ist ein langer Weg …

Und das neue Schuljahr? Das ging trotzdem los. Vielleicht eben ein bisschen anders als geplant. So, wie das Leben eben läuft. Auch mit dem Umzug konnten wir dann wieder weitermachen. Wir werden trotzdem fertig werden damit.

Wie geht’s eigentlich Ihnen heute? Glückwunsch, wenn Sie sich fit fühlen. Und wenn nicht – Glückwunsch, wenn Sie das so akzeptieren und sich ausreichend Ruhe gönnen. Ich wünsche Ihnen die nötige Geduld dazu.

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