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SWR3 Gedanken

24SEP2022
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Von Schafen wird erzählt: sie werden schwermütig, wenn sie alleine sind. Wenn sie aber Artgenossen um sich haben oder wenigstens andere Schafe in Sichtweite, dann beruhigen sie sich. Herzschlag und Puls werden normal. Und die Tiere sind wieder zufrieden.

In der Bibel werden Menschen oft mit Schafen verglichen. Jesus sagt: ich bin der gute Hirte und ihr seid die Schafe. Lange habe ich das als Beleidigung empfunden – aber in einem Punkt bin ich tatsächlich sehr schafsähnlich: auch ich werde schwermütig, wenn ich zulange alleine bin. Ich brauche andere Menschen, um mich wohlzufühlen. Und erstaunlicherweise müssen das noch nicht einmal enge Freunde sein oder Familie. Mir reicht es schon, genau wie dem Schaf, andere Menschen um mich zu haben.

Im Supermarkt zum Beispiel: zu sehen, wie sie ratlos vor der Käsetheke stehen. Oder leicht genervt am Pfandautomaten. Eltern, die ihren Kindern klarmachen, dass die Süßigkeiten nicht gekauft werden. Und Jugendliche, die rumalbern und froh sind, dass Ihnen niemand mehr verbiete, Energydrinks und Chips zu kaufen. Das ist keine heile Welt da im Supermarkt. Und nicht alle Menschen, denen ich da begegne, sind mir sympathisch. Aber selbst an Tagen, an denen das alles anstrengend ist: unterm Strich geht es mir danach besser. Weil ich sehe: da sind andere – genau wie ich. Die versuchen, durchs Leben zu kommen. Die machen, was getan werden muss: Einkaufen, z.B. und Kinder erziehen. Sich orientieren, in einer Erwachsenenwelt. Und die teilen auch die Sorgen, die ich habe: über steigende Preise zum Beispiel. Damit nicht alleine  zu sein, das beruhigt mich – wie ein Schaf. Und ja, dann wünsche ich mir für uns alle wirklich einen guten Hirten, der Acht gibt und uns beschützt.   

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