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SWR3 Gedanken

22SEP2022
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Ich bin abhängig. Abhängig von meinem Smartphone. Das ist mir im Sommer wieder ganz bewusstgeworden. Das Handy ist immer dabei. Ich checke Nachrichten und teile schöne Momente mit Freunden und Freundinnen, die nicht dabei sein können. Ich mache Fotos damit. Ich verfolge das Weltgeschehen, schaue meine Lieblingsserie oder höre Musik. Das Handy ist auch mein Wecker – das heißt, das erste was ich morgens sehe, ist sein Display und das letzte, was ich abends anschaue, ist auch mein Handy.

Ganz schön krass. Dabei gibt es in meinem Umfeld so viel Schönes, auf das ich stattdessen schauen könnte. Die Gesichter meiner Kinder zum Beispiel. Oder auch nur die Aussicht aus dem Fenster. Jetzt habe ich einen Satz gelesen, der das auf den Punkt bringt: „Das Handy bringt dich den Menschen näher, die fern von dir sind, aber es entfernt dich auch von denen, die neben dir stehen.“ Aber ich frage mich, muss das so sein? Mit meinen Kindern habe ich Bildschirmzeiten vereinbart. Nach einer verabredeten Zeit schaltet sich deren Handy einfach selber aus. Das hab ich jetzt auch in meinem Handy eingerichtet. Ab 21.00 Uhr bleibt das Display schwarz. Und einen alten Wecker habe ich auch noch gefunden. Ich merke, die Auszeit tut mir gut. Ganz ohne smartphone geht es nicht. Soll es auch gar nicht, denn es ist toll, mein Leben wenigstens ein bisschen mit meinen Freunden und Freundinnen, die weit entfernt wohnen, teilen zu können.  Aber reduzieren möchte ich es. Denn die Menschen in meiner Nähe sollen mir weiter nah sein. Und spüren, dass ich ganz da bin.

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