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SWR3 Gedanken

15SEP2022
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Seit zwei Wochen ist das Neun-Euro-Ticket Geschichte. Jammerschade, sagen jetzt viele. Ich kann sie irgendwo sogar verstehen. Ein erschwingliches Ticket, das deutschlandweit gilt, wäre echt ein Segen.

Trotzdem, ich bin erstmal froh. Viele Züge waren einfach brutal überfüllt und verspätet. Ganz schön nervend, wenn man damit jeden Tag zur Arbeit fahren muss. Kein Sitzplatz in Sicht und der Anschlusszug mal wieder weg ist. An Arbeiten im Zug war da eh nicht zu denken. Und so hab ich meine Bahnfahrten ins Büro in den letzten drei Monaten halt öfter mal als ungewollte Übung in christlicher Demut und Gelassenheit gesehen. Habe versucht, mich nicht aufzuregen, auch wenn ich wieder doppelt so lange unterwegs war. Hab versucht, mich ehrlich mit denen zu freuen, die ihre Freizeit im Zug genießen konnten. Mit Familien, die für wenig Geld Ausflüge mit ihren Kindern gemacht haben. Denen hab ich es wirklich gegönnt.

Und wenn dann doch der Frust in mir hochstieg, dann habe ich mich bemüht, mir diesen wunderbaren Satz zu Herzen zu nehmen, der mich schon öfter wieder auf den Boden der Tatsachen geholt hat: „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

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