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SWR3 Gedanken

27JUN2022
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Ich bin zu einem Termin in einer Behörde. Beim Rausgehen schaue ich mir die Bilder an, die an den Bürotüren kleben.

An einem bleibe ich stehen. Darauf sind Suppennudelbuchstaben. Oben links hat einer die Worte „Dear Jesus“ damit gelegt und unten rechts „Amen“. Und dazwischen sind die Buchstabennudeln ausgekippt – ein Chaos! Ich schmunzle: Ja, genau so ist es manchmal! Da türmt sich so viel auf in meinem Herz und in meinem Kopf, dass ich es überhaupt nicht mehr sortiert bekomme.

Ich denke, beten wäre gut, und fange an. Aber dann kann ich mich nicht konzentrieren und mir gehen alle Gedanken durcheinander. Als ob mein Denken in einzelne Wörter und Buchstaben zerfällt, die ich selbst nicht mehr verstehe.

Das Foto mit den Buchstabennudeln bringt mich aber auf eine Idee. Wenn ich Zeit hätte, könnte ich auf dem Foto bestimmt viele Wörter zusammensuchen. Und mit noch mehr Zeit könnte ich sie zu einer sinnvollen Aussage verbinden. Dafür habe ich nun gerade keine Zeit. Aber: Zum Glück hat Jesus Zeit. Zeit, aus meinem Gebetschaos herauszufiltern, was mich bewegt. Zeit aus den vielstimmigen Stoßgebeten so vieler Menschen herauszuhören, was sie belastet.

Ich bin überzeugt, dass Jesus mit unserem Gedankenchaos klarkommt. Und deswegen genügt es manchmal auch, wenn ich mit „Dear Jesus“ anfange und dann nur noch ein „Amen“ hinterher schiebe. Also so: Dear Jesus – äh… mhm… – keine Ahnung. Aber: Amen!

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