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SWR4 Abendgedanken

29APR2022
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Je älter ich werde, desto mehr schätze ich die Heilkraft der Natur. Ich meine damit keine Hausmittelchen, also Kräuter oder Salben. Ich denke eher an die Erlebnisse, die ich in der Natur habe. Ich mache zum Beispiel regelmäßig große Spaziergänge, meistens sogar dieselbe Tour. Und das ist für mich gerade das Schöne. Wenn ich mehrmals pro Woche an denselben Stellen vorbeikomme, kann ich die Veränderung durch die Jahreszeiten mitverfolgen. Besonders jetzt, wenn die Wiesen langsam gelb werden vom Löwenzahn und wenn die Bäume langsam das zarte Grün bekommen, dass in ein bis zwei Monaten kräftig dunkelgrün wird. Und ich weiß, dass alles dazugehört zum Kreislauf der Natur: Wenn die ersten Knospen sprießen, wenn sich die Blütenpracht entfaltet, wenn eine Frucht reift und wenn die Pflanze sich auf die Winterpause vorbereitet, in der sie neue Kräfte sammelt für das neue Wachsen.

Jetzt, im Frühling ist das besonders schön, wenn die Sonne scheint. Aber ich mag es inzwischen genauso gerne bei schlechtem Wetter, wenn es regnet oder im Winter, wenn es richtig kalt ist. Mir ist es im Gegenteil beinahe schon mulmig geworden, als es vor einem Monat zu trocken war und nur noch die Sonne geschienen hat. So schön das ist, ohne Regen geht alles ein und die Warnungen vor Waldbränden oder Ernteausfällen schmälern den Genuss doch gewaltig. Deshalb genieße ich das Regenwetter und die Kälte genauso wie den Sonnenschein. Richtig eingepackt, warm angezogen, kann ich ja auch dann hinaus in die Natur, wenn es nicht gerade hagelt oder gewittert.

Als Christ bin ich dankbar für diese Momente, weil ich immer mehr entdecke, wieviel Phantasie Gott in seine Schöpfung gesteckt hat.

Aber es ist nicht nur die Vielfalt, die mich freut. Ich schöpfe selbst Kraft und Motivation aus den Naturerlebnissen, weil ich diese Kraft entdecke, die alles immer wieder neu zum Wachsen, Blühen und Reifen bringt. Wenn ich müde und erschöpft bin, oder wenn ich mich von einer Krankheit erholen muss, wirkt die Natur so fast wie ein Spiegelbild, in dem ich die Kraft sehe, die Gott auch in mich gelegt hat und in jeden einzelnen Menschen. Für mich kann das zu einem Gottesdienst werden, wenn ich so mit offenen Augen in der Natur bin: Eine Zeit, in der Gott mir dient und mir Kraft schenkt, und eine Zeit, in der ich mich an seiner Schöpfung freue und ihm dankbar bin. Dieses Geschenk will ich mit allen Kräften schützen!

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