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SWR3 Gedanken

28MRZ2022
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Diana liegt in ihrem Pflegebett. Sie ist 77 Jahre alt. Sie hört nicht mehr gut. Aber seit einem Monat hört sie immer wieder laute, furchtbare Geräusche: Bomben und Raketen. Diana lebt im siebten Stock eines Hochhauses in Kiew, Ukraine. Sie kann nicht die Treppen runter in den Luftschutzbunker. Sie gehört zur „vulnerablen Gruppe“, wie Fachleute sagen. Zu denen, die am Verletzlichsten sind. Wie wichtig, dass die Caritas Ukraine hier in den letzten Jahren eine Hauskrankenpflege aufgebaut hat und nun weiß, wo Diana lebt.

Verletzlich ist auch Maksym, 12 Jahre alt. Er sitzt im Rollstuhl und hat eine geistige Behinderung. Kinder wie Maksym wurden in Iwano-Frankiwsk lange Zeit komplett zu Hause versteckt, aus Scham. Bis die Caritas Ukraine vor zehn Jahren hier Integration, Reha und Lernwerkstätten eröffnet hat. Wie gut, dass die Caritas-Mitarbeiter wissen, was Maksym braucht und wo er wohnt. Er ist einer von 2,7 Millionen Menschen mit Behinderung in der Ukraine.

Im Krieg sind Menschen mit Behinderung, Kinder und alte Menschen oft die ersten, die vergessen werden.  Als Christ und als Mensch finde ich: sie dürfen aber nicht vergessen werden.  Caritas ist Latein und bedeutet nichts anderes als „Nächstenliebe“. Jesus bringt diese seine Botschaft in der Bibel so auf den Punkt: Was ihr den Hungrigen, den Kranken, den Verletzlichsten getan habt, das habt ihr mir getan (vgl. Mt 25). Ich kann also Gott auch heute begegnen – im Gesicht meines Nächsten, besonders im Gesicht derer, die am Verletzlichsten sind.

Wie gut, dass es Organisationen wie die Caritas gibt, die den Menschen jetzt vor Ort helfen können. Die wissen, wo Diana und Maksym wohnen. Wo Brot, Medikamente und psychologische Hilfe jetzt am meisten helfen. Und die dafür auch weiterhin unsere Hilfe brauchen.

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