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SWR2 Wort zum Tag

24MRZ2022
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Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Das ist eine alte Journalistenweisheit. Denn schlechte Nachrichten erregen mehr Aufmerksamkeit. Und verkaufen sich besser. Ich weiß das von mir selber. Wenn ich morgens erst einmal die Schlagzeilen der großen Tageszeitungen durchsehe, dann bleibe ich an solchen Überschriften hängen:

Erdrutsche, Überschwemmungen, Unfälle. Das Neueste von den Schrecken des Krieges. Und der Pandemie. Aber ich fühle mich nach so viel negativen Nachrichten auch ziemlich hilflos. Und merke, wie sie mich lähmen.

Die Journalistin Ronja von Wurmb-Seibel hat darüber ein, wie ich finde, wichtiges Buch geschrieben. Sie sagt: "Die meisten von uns glauben, die Welt ist viel schlechter als sie tatsächlich ist." Sie will darum Geschichten erzählen, die Hoffnung machen und Auswege aufzeigen.

Als Theologe fällt mir sofort ein, dass das auf griechisch verfasste Neue Testament, übersetzt, „die gute Nachricht“ heißt. Lässt sich mit wenigen Worten sagen, worin diese gute Nachricht besteht? Vermutlich schwierig, denn beide Teile der Bibel sind voller guter Nachrichten.

Aber vielleicht lässt sie sich doch in zwei Namen fassen. Im Alten Testament ist es der Name Gottes, den Mose in der Szene am brennenden Dornbusch erfährt. Wie heißt du?, fragt er die im Feuer aufleuchtende Erscheinung. Die Antwort lautet: Ich bin der „Ich bin da“.

Die zweite gute Nachricht steckt im Namen Jesus von Nazareth. Übersetzt bedeutet der: „Gott hilft“ oder „Gott rettet“.

Ich finde, es lohnt, das eigene Leben einmal daraufhin zu befragen, was sich für mich ändert, wenn ich nicht nur von mir behaupte: Ich bin da. Sondern wenn es, über mich hinaus, noch diese anderen Namen und die Wirklichkeit dahinter gibt.

Ich glaube, damit ändert sich das Vorzeichen vor allem, mit dem ich täglich umgehen muss. Das Bedrückende, Unbegreifliche, Schreckliche, was mich in den Nachrichten erreicht, werde ich nicht ausklammern. 

Aber ich will darüber die Geschichten nicht vergessen, die Mut machen und Hoffnung. Und die mir helfen, mitzudenken und mitzulenken, wo Lösungen in Aussicht sind und Auswege möglich werden. Ich weiß dann auch, das Bedrückende und Unbegreifliche ist umschlossen von der guten Nachricht, die im Gottesnamen verborgen ist. Und die heißt, was auch immer geschieht: „Ich bin da“.

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