Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Kann man Menschen immer gleich gut behandeln — unabhängig von ihrer Leistung? Mit meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden habe ich über Paul gesprochen. Paul ist ungefähr 16 Jahre alt und eine Figur in einem Filmprojekt von Jugendlichen über den ganz normalen Alltag.

Paul hat es nicht leicht mit seinem Vater. Der legt großen Wert darauf, dass sein Sohn Leistung bringt. Aber als Paul dann eine gute 2 + aus der Deutsch-Klassenarbeit präsentiert, geht der Vater gar nicht groß darauf ein. „Nicht schlecht“, sagt er. Und: „Hätt’ ich nicht gedacht.“ Vor allem aber erinnert er Paul an die Mathe-Klassenarbeit einen Tag später. Als die dann mit einer 4 - gründlich daneben geht, explodiert der Vater förmlich. Die Ferien sind vorerst gestrichen, da muss Paul lernen.

Egal, welche Leistung Paul auch bringt – der Vater behandelt ihn immer gleich. Gleich schlecht. Und deshalb, haben die Konfis schnell gemerkt, fühlt Paul sich bei beiden Begegnungen mit seinem Vater unter Druck.

Geht es auch anders? Jesus hat dazu mal eine Geschichte erzählt (vgl. Matthäus 20,1-16): Ein Weingärtner stellt Arbeiter in seinem Weinberg an. Ein paar fangen gleich ganz früh am Morgen an. Ein paar kommen erst im Lauf des Tages mit dazu. Ihre Leistung ist also geringer. Aber auch sie bekommen am Schluss den vollen Lohn. Von dem können sie leben, sie und ihre Familien. Darauf kommt es dem Weingärtner an. Nicht auf das, was jemand genau einbringen konnte. Der Weingärtner forscht auch nicht groß nach, warum manche Arbeiter später gekommen sind. Und als einer von den Zuerstgekommenen sich beschwert, fragt er zurück: „[B]ist du neidisch, weil ich so großzügig bin?“ (Matthäus 20,15b; BasisBibel)

„So müsste es auch in Wirklichkeit laufen“, haben die Konfirmandinnen und Konfirmanden gesagt. „Der Vater müsste seinen Sohn unterstützen, anstatt ihn unter Druck zu setzen.“ Dann haben die Konfis überlegt, wie sie sich die Begegnungen zwischen Paul und seinem Vater wünschen würden. Und dazu kleine Szenen eingeübt und vorgespielt. Auch da hat die 4 - natürlich keine Begeisterungsstürme hervorgerufen. Aber es wurde deutlich: Der Vater steht nun zu seinem Sohn. Er mag ihn, traut ihm was zu. Er behandelt ihn immer gleich. Gleich gut. Egal, welche Leistung Paul bringt. Und das ändert sich auch nicht.

Menschen immer gleich gut behandeln – geht das? Meine Konfis haben gemeint: Ja, das geht. Sie hatten auch keine Angst, dass die Sache nach hinten losgeht, also ausgenützt wird. Und auch ich glaube: Jesus, der wollte uns aktiv herausfordern mit seiner kleinen Geschichte. Also: Probieren Sie es doch einfach mal aus. Als Vater – oder überhaupt als Mensch.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27562