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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Werde ich meinen Kindern gerecht? Mache ich alles richtig als Vater? Oder entgehen mir da wichtige Dinge? Solche Fragen schießen mir immer wieder mal durch den Kopf. Und wenn ich mit anderen Eltern unterwegs bin, merke ich: Viele stellen sich diese Fragen ganz ähnlich. Ob ich meinen Kindern gerecht werde, das scheint ein menschliches Grundthema zu sein.

Immer wieder bin ich auch mit Eltern im Gespräch, die ihr Kind taufen lassen möchten. Wir planen dann gemeinsam den Taufgottesdienst. In dem spielen an einer Stelle ebenfalls Fragen eine Rolle. Nämlich die Tauffragen. Im Gottesdienst werden die Eltern öffentlich gefragt, ob sie ihr Kind wirklich taufen lassen und ob sie es christlich erziehen wollen.

Manche denken, das sei so eine Art Prüfung. So nach dem Motto: „Jetzt will auch noch die Kirche wissen, ob ich meiner Erziehungsverantwortung gerecht werde …“ Aber meistens stellt sich dann im Taufgespräch heraus, wie entlastend die Tauffragen in Wahrheit sind. Da heißt es zum Beispiel: „Seid ihr bereit, das Eure dazu beizutragen, …“ – zur christlichen Erziehung nämlich. Das Eure sollt ihr beitragen. Also das, was eure persönliche Aufgabe ist. Das, was euch entspricht, das, was ihr gut könnt. Nichts anderes. Und schon gar nicht alles. Das ist keine Prüfung – sondern das entlastet einen, finde ich. Ganz anders als die fordernden Fragen, die mir selbst sonst so kommen.

„Seid ihr bereit, das Eure dazu beizutragen, dass euer Kind als Glied der Gemeinde Jesu Christi erzogen wird?“ So geht es weiter in dieser Tauffrage. Gemeindeglied werden, für mich heißt das: Andere Menschen kennenlernen, die ebenfalls auf Gott vertrauen. Nicht alleine bleiben und auf sich gestellt. Auch das hat doch was Entlastendes. Für die Kinder, die getauft werden, aber ganz genauso für ihre Eltern.

Entlastend ist dann auch noch die Antwort, die Eltern auf diese Tauffrage geben sollen. Die lautet nämlich: „Ja, mit Gottes Hilfe.“ Die Eltern sollen sich für ihre Kinder einsetzen und sie mit dem Glauben in Kontakt bringen. Dazu sollen sie ein „Ja“ finden. Aber sie müssen nicht alles selbst hinkriegen. Sie können auf Gottes Hilfe vertrauen. Sie sind also auch nicht allein verantwortlich für das Ergebnis ihrer Erziehung. Was genau da gelingt und was nicht, das steht auf einem anderen Blatt.

Werde ich meinen Kindern gerecht? Mache ich alles richtig als Vater? Diese bohrenden Fragen hören so bald nicht auf, vermute ich. Wenn die Kinder größer werden, wird das mit der Familie wird ja nicht einfacher. Inzwischen ist unsere Älteste frisch in der Schule – was da wieder alles zu beachten ist. Aber auch ich habe mal die Tauffragen gehört und beantwortet, bei der Taufe unserer Kinder. Darauf vertraue ich. Denn das entlastet mich.

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