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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

War das nicht bedrückend mitanzusehen? Menschenmassen zu Fuß auf Bahngleisen und Schnellstrassen, mit Kleinkindern auf dem Arm und den paar Habseligkeiten, die sie noch retten konnten. Hunderttausende verlassen ihre Heimat. Sie bietet ihnen und ihren Kindern keine Perspektive für eine sichere und menschenwürdige Zukunft. 

Das war in der Geschichte noch nie anders: Wo Menschen verfolgt und unterdrückt werden, aber auch wo sie Not und Elend erleiden, suchen sie ihr Heil in der Flucht. Auch wir in diesem Lande sind ja eigentlich "Zugereiste", "Wirtschaftsflüchtlinge" aus früheren Jahrhunderten. 

Dennoch macht diese neue "Völkerwanderung" vielen von uns Angst. Wie soll das gehen? Unterkunft, Arbeit, Integration? Wird es denn für alle reichen oder müssen wir enger zusammenrücken und teilen, was wir mühsam erarbeitet haben? 

Fachleute sind sich sicher: Bis zu zwölf Milliarden Menschen könnten auf diesem Planeten nicht nur überleben, sondern gut und gerne leben. Aber natürlich nicht, solange zum Beispiel einhundert Menschen soviel besitzen wie die Hälfte der Menschheit insgesamt, und ein Fünftel der Menschen vier Fünftel aller Ressourcen verbraten. Würden alle so leben wollen wie wir, bräuchte man vier Erdbälle, aber wir haben nur den einen. 

Mahathma Ghandi verdanken wir das weise Wort: "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier". Daher gilt es, durch eine Politik der Gerechtigkeit der Gier das Wasser abzugraben. 

Gierhälse müssten aber auch begreifen, dass sie eigentlich arme Schlucker sind. Sie meinen, in der Einbahnstrasse ihrer Gier käme ihnen das Glück entgegen. Das begegnet aber nur dem, der teilt, was er hat, der Anteil nimmt an seinen Mitmenschen und sein Wissen, sein Können und seine Erfahrungen nicht für sich behält. 

Gerne gucke ich zu, wenn kleine Kinder angehalten werden, ein Ripple Schokolade mit anderen zu teilen. Hergeben und verzichten - das passt dem kleinen Fratz zunächst gar nicht in den Kram. Dann aber sieht das Kind das Leuchten in den Augen der Beschenkten und erlebt, dass Teilen glücklich macht.

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