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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Man kann mit einem Hirtenstab in der Hand heilig werden, aber ebenso mit einem Besen...“ Der, dem wir dieses Wort verdanken, hat selber als Bauernbub lange genug Stall und Scheune ausgefegt, bevor er den Hirtenstab in Rom überreicht bekam: Guiseppe Roncalli, der liebenswürdige Papst Johannes XXIII., an den sich die Älteren von uns noch gerne erinnern.

Mit dem Besen heilig zu werden – gute Aussichten für die Frauen und Männer der besenschwingenden Zunft. Allerdings erst auf ferne Zukunft hin! Auf Erden hienieden haben sie nämlich Mühe, einigermaßen über die Runden zu kommen. Die „Reinigungskräfte“ sind die Aschenputtel der Nation: Miserable Bezahlung zumeist in ungesicherten Arbeitsverhältnissen, ohne Aussicht auf Rente und Arbeitslosengeld. In vielen Privathaushalten werden sie nicht einmal ordnungsgemäß angemeldet. Die Putzkolonnen sind oft auch die ersten, die in Unternehmen, Verwaltungen und leider auch bei den Kirchen in tariffreie Zonen ausgelagert werden.  

Geht man so mit Arbeit um, vor der man sich gerne drückt, ohne die man aber im Dreck ersticken würde? Es ist schwere Arbeit mit extremen Arbeitszeiten abends, morgens oder in der Nacht. Und dazu ein enormer Zeit- und Leistungsdruck! Ein paar lächerliche Minuten für ein komplettes Hotel- oder Patientenzimmer. Wenn sich dann in den Krankenhäusern resistente Keime breit machen – wen wundert´s?

Was die Leute in den Reinigungsdiensten aber am meisten bedrückt, ist ihre Erniedrigung, die Geringschätzung ihrer Arbeit. Verächtlich redet manch gut situierter Zeitgenosse von „seiner Putze“. Aber der denkt ja, wenn er „Besen“ hört auch eher an ein zünftiges Weinlokal als an einen Besenstiel. 

Müssten wir nicht gerade diese Menschen besonders hoch schätzen, die unseren Dreck wegräumen, damit wir es – zuhause und bei der Arbeit – behaglich und gemütlich haben? Sie hätten doch in besonderem Maße Anspruch auf einen sicheren Arbeitsplatz, auf gute Bezahlung und humane Arbeitsbedingungen.

Warum dieser Papst Johannes damals Bischofsstab und Besenstiel gleichsetzte, hat einen biblischen Hintergrund. Im „Reich Gottes“, das bei Jesus schon hier und heute in einem neuen, geschwisterlichen Miteinander beginnen soll, sind die Kleinsten die Größten. Wir glauben an einen Gott, der die Mächtigen vom Sockel holt und die Erniedrigten erhöht (Lukas 1,52).

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