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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

In Japan fallen immer mehr Senioren durch schwere Straftaten auf. Grauhaarige Gangster mit Krückstock und Rollator? Ist nicht so lustig, wie es klingt. Man ist der Sache nämlich auf den Grund gegangen: Viele Alte wollen ins Gefängnis. Sie glauben, im Knast für den Rest ihres Lebens ausgesorgt zu haben und gut aufgehoben zu sein. Denn auch in Japan purzeln die Renten im freien Fall. Auch in dieser noch jungen Industrienation reißen die familiären Bande, leiden und sterben immer mehr alte Menschen in den kalten Kammern der Einsamkeit. 

Bei einer Rentenerwartung von grade mal noch 43 % des vorherigen Brutto-Lohnes wird auch bei uns die jüngere Generation im Alter nicht auf Rosen gebettet sein. Vor allem jene nicht, die nur skandalöse Niedriglöhne beziehen, und das sind inzwischen 25 % aller Beschäftigten. Mit mickrigen Beiträgen ist kein ausreichendes Altersruhegeld  zu erzielen. Und private Vorsorge? Daran ist natürlich erst recht nicht zu denken!  

Schon heute zappeln viele Rentnerinnen und Rentner in der staatlich finanzierten  Grundsicherung, die allenfalls ein Existenzminimum garantiert und alte Menschen an den Rand der Armut bringt. Dabei hat man im Alter doch genug damit zu tun, dass die Kräfte schwinden, die Gesundheit Sorge macht, die Beweglichkeit nachlässt. Von den seelischen Herausforderungen ganz zu schweigen, wenn Beziehungsnetze reißen, Kinder ihre Eltern hängen lassen und immer mehr Abschiede zu bewältigen sind. 

Im Alter dürfen nicht auch noch materielle Sorgen drücken! Es ist eigentlich die Zeit der Ernte, in der man die Früchte seiner Arbeit genießen soll. Um die fühlen sich aber die armen Alten betrogen, und das tut weh! 

Altersarmut ist nicht Schicksal, sondern ein politischer Skandal! Ein gesetzlicher Mindestlohn müsste längst für ausreichende Rentenbeiträge sorgen. Über eine große Rentenreform wären endlich alle Einkommen, nicht nur die aus Arbeit, sondern auch  satte Erträge aus privatem Vermögen zur Finanzierung der Renten heranzuziehen.

 Doch auch das entbindet uns nicht davon, uns um die alten Eltern zu kümmern und familiäre Netze tragfähig zu machen. 

„Verweile gern im Kreis der Alten", so lautet eine Weisheitsregel aus dem Alten Testament der Bibel (Jesus Sirach 6,34). Sie zu befolgen, verspricht Gewinn - für Alt und Jung.

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