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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

07MRZ2026
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Heute ist Samstag. Da kann ich mir beim Frühstück mehr Zeit lassen als sonst. Das passt zu dem etwas kuriosen Tag, den wir heute in Deutschland haben. Heute ist der „Tag der gesunden Ernährung“. Da soll es darum gehen, „wie wichtig es ist, gesund zu essen und bewusst zu genießen“[1]. Dass ich mich gesund ernähren soll, ist für mich nichts Neues.

Aber dass es an diesem Tag auch darum geht, dass ich „bewusst genieße“, darüber bin ich gestolpert. Bloß, was heißt eigentlich „genießen“?

Genießen heißt für mich, dass ich zunächst mal ganz da bin mit all meinen Sinnen. Dass ich die nötige Ruhe habe und nicht in Eile bin. Dass ich den herrlichen Duft von meinem frisch gekochten Kaffee wahrnehme. Ganz bewusst. Genießen, das heißt für mich das Besondere wahrzunehmen an dem, was ich da gerade schmecke oder rieche.

„Bewusst genießen“ - das hat für mich persönlich damit zu tun, dass ich ganz bewusst wahrnehme. Nicht nur das Essen, sondern alles, was um mich herum ist: Die Vögel, die jetzt schon so munter zwitschern. Das Leben draußen auf der Straße und die frische Luft, die den Frühling ankündigt.

Bei geistlichen Tagen, die ich im Schweigen verbracht habe, hat der Leiter mir am Anfang gesagt: „Machen Sie einfach mal gar nichts. Seien Sie präsent und nehmen Sie einfach mal alles um sich herum wahr. Und wenn Sie das tun, wenn Sie präsent sind, dann begegnen Sie auch dem, der immer da ist.“ Ich habe tatsächlich gespürt: Gott ist auch da. Mitten im Leben. Und ich erkenne seine Handschrift in meiner Umgebung, in der Natur und in meinen Mitmenschen, die mir heute begegnen. All das kann ich heute ganz bewusst genießen. Und mit dem duftenden Kaffee fange ich jetzt an.

 

[1]https://www.aok.de/pp/unser-engagement/gesundheitstage/tag-der-gesunden-ernaehrung/ (aufgerufen  am 18.02.2026)

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

06MRZ2026
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Heute, am ersten Freitag im Monat, gehe ich die älteren Menschen unserer Kirchengemeinde besuchen. Es ist immer ein großes Hallo, wenn ich zu einer bestimmten Frau im Dorf komme. Sie hat mal eine Bäckerei geführt und hilft immer noch ein bisschen mit. Wenn ich bei ihr bin, lachen wir viel zusammen über Anekdoten aus dem Ort. Dann beten wir und singen die alten Kirchenlieder. Und das meistens sehr lautstark. Oft auch mit offenem Fenster. Manche Nachbarn haben, denke ich, auch ihre Freude daran.

Jedes Mal, wenn ich von dort weggehe, ruft mich ihr Sohn noch einmal in die Backstube rein. Er packt mir dann eine duftende, warme Brezel oder eine Laugenstange in eine Tüte: „Das ist für Sie“, sagt er und lacht mich an. Ich freue mich darüber. Aber es ist mir auch etwas peinlich. Eigentlich komme ich ja nicht wegen der Brezel. Die Hausbesuche gehören zu meinem Dienst als Seelsorger. „Das ist schon in Ordnung so“, sagt er dann jedes Mal.

Bei meinem letzten Besuch war er nicht da. Als ich mittags nach Hause gekommen bin, lag eine Bäckertüte vor meiner Tür. Mit drei frischen großen Berlinern drin. „Unglaublich“, habe ich gedacht. Der Mann hat sich die Mühe gemacht, extra noch zu mir zu fahren. Ich war gerührt und auch etwas beschämt. Aber er wollte mir einfach Danke sagen. Das war ihm wichtig.

Ich habe durch ihn gelernt, wie wichtig es ist, ein Danke auch anzunehmen. Und wenn ich mich über das Dankeschön noch freue, tut es auch dem anderen gut. Wo Menschen sich gegenseitig Gutes tun und auch danken, spüre ich: Da ist Gott mit im Spiel. Der Gott, der uns Menschen immer wieder beschenkt und auch miteinander verbindet, wenn wir uns mal Danke sagen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

05MRZ2026
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„Sie konnte nicht „Nein“ sagen. Sie war für alle da, nur für sich selbst nicht.“ Als ich das in der Ansprache bei einer Trauerfeier erwähnt habe, haben manche Trauergäste genickt.

Viele der Anwesenden hatten auf ganz unterschiedliche Weise erlebt, wie engagiert die verstorbene Frau war. Beim Gespräch mit der Familie haben wir gemeinsam überlegt, was wir von der Frau lernen könnten: „Eigentlich ist es doch gut, Ja zu sagen, wenn man gefragt wird, ob man helfen kann. Aber sich selbst sollte man nicht dabei vergessen. Und dann vielleicht auch mal ‚Nein‘ sagen“, hat die Enkelin gesagt.

Bewusst auch mal „Nein“ sagen heißt ja, dass ich mir darüber klar bin, was ich kann und was ich nicht kann. Was mich vielleicht überfordert. Da darf ich ganz getrost auch mal „Nein“ sagen: „Das kann ich nicht, das ist mir zu viel“. Umgekehrt heißt das aber auch, dass ich ganz bewusst „Ja“ sagen kann, wenn ich spüre: „Hier bin ich gefragt und das kann ich auch machen!“ Es geht jedenfalls immer um eine klare Entscheidung: „Euer Ja sein ein Ja, euer Nein sei ein Nein“ (Mt 17, 37). So sagt es Jesus.

Ich denke, dass Gott jedem und jeder von uns ganz bestimmte Talente und Kräfte geschenkt hat. Wenn ich gefragt werde und spüre, dass ich etwas kann und es mir sogar Freude macht, sage ich ganz bewusst „Ja, das mache ich!“. Ich darf mir aber auch mal gönnen, „Nein“ zu sagen, wenn es mir zu viel wird. So bleibe ich „Ich selbst“. Ich nehme die anderen und auch mich selbst ernst. Und letztlich auch Gott, der alles in mich hineingelegt hat.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

26NOV2025
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„Kannst Du heute auch mal lachen?“. Das hat mich eine von den jüngeren Messdienerinnen vor dem diesjährigen Totengedenken gefragt.

Und dann habe ich den Gottesdienstbesuchern die Geschichte vom „Brandner Kaspar“ erzählt, die Franz von Kobell vor etwa 150 Jahren geschrieben hat. Für den Brandner Kaspar ist die Lebensuhr abgelaufen und der Tod kommt als leibhaftige Person bei ihm vorbei, um ihn mitzunehmen. Kaspar macht den Tod mit Kirschgeist betrunken und luchst ihm beim Kartenspiel noch ein paar Lebensjahre ab. Der Tod geht ohne Kaspar wieder in den Himmel zurück. Aber irgendwann fliegt der Schwindel im Himmel auf und der Tod kommt wieder auf die Erde. Es gelingt ihm, Kaspar zu überreden, mit ihm zu gehen und wenigstens einmal einen Blick in den Himmel zu werfen. Was er dort sieht, ist alles wunderschön. Sogar seine alte Hütte. Die sieht im Himmel aus wie ein Palast. Und im bayerischen Himmel füllen sich sogar die Bierkrüge ganz von selbst! Als Kaspar wieder zurückkommt und gefragt wird, wie es da oben gewesen ist, sagt er nur: „Wie daheim, nur viel, viel schöner“.

Für mich hat Kaspar im Theaterstück damit sagen wollen: Himmel ist irgendwie wie daheim. Wo ich mich wohlfühle. Und dieses Zuhause, sagt Kaspar, ist „viel, viel schöner“ als hier auf der Erde. Schöner, als ich es mit meinen Worten ausdrücken kann. Es ist ganz neu und ganz anders. Und das glaube ich auch!

Als ich die Geschichte im Gottesdienst erzählt habe, mussten einige herzlich lachen. Für mich war dieses Lachen schon ein kleiner Vorgeschmack davon, wie es im Himmel sein kann. Und wenn es dort genauso heiter zugehen sollte, freue ich mich schon ein bisschen auf dieses neue, und „viel, viel schönere“ Zuhause.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

25NOV2025
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Ab und zu bin ich vormittags bei meiner Nachbarin auf einen Espresso. Wir sprechen miteinander, was uns den Tag über so erwartet, wir lachen auch über manches und nach einer Viertelstunde geht jeder wieder an sein Tagewerk.

Die Begegnungen mitten im Alltag sind mir wichtig geworden. Ich freue mich, kleine Pausen einzulegen und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. So wie mit meiner Nachbarin. Mir ist das wichtig und es tut mir gut.

Einmal hat mir meine Nachbarin eine Karte in die Hand gedrückt, als ich gegangen bin. „Wie schön, dass wir gleichzeitig leben“, war darauf zu lesen. Mit der Karte wollte meine Nachbarin mir sagen: Die vermeintlich einfachen und kleinen Dinge im Leben, die Begegnungen und Gespräche, sind nicht selbstverständlich. Sie machen jeden Tag zu einem ganz besonderen.

Dass es diese lieben Mitmenschen genau hier und jetzt an meiner Seite gibt, ist eben nicht selbstverständlich. Die könnten auch ganz woanders leben oder zu einer anderen Zeit. Dann hätte ich sie nie kennengelernt. Das wahrzunehmen war ein neuer Aspekt für mich.

Und irgendwie erkenne ich darin auch die Handschrift Gottes, der vieles so zusammenfügt, dass es am Ende passt. Ich glaube daran, dass es eben kein Zufall ist, dass Menschen in Beziehung miteinander sind. Und dass sie sich zur selben Zeit und am selben Ort begegnen. Dafür bin ich dankbar.

Die Karte erinnert mich auch heute Morgen daran, immer mal wieder zu danken: Gott, der alles zusammenfügt. Aber ganz konkret auch einem lieben Menschen heute zu sagen: „Wie schön, dass wir gleichzeitig leben“.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

24NOV2025
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Beim ersten Satz der alten Dame am Telefon musste ich erstmal schmunzeln: „Ich bin 88 Jahre alt, aber ich habe mir das Denken noch nicht abgewöhnt“. Die Lebensweisheit der Frau habe ich bei diesem Satz direkt spüren können. „Warum beten wir eigentlich für die Toten?“, hat sie mich gefragt.

Die Frau hat immer für ihren Mann gebetet, der vor einigen Jahren verstorben war. Aber sie wollte von mir wissen, was ihr Gebet bewirkt oder was passiert, wenn sie es einmal vergisst. Im Gespräch sind wir schnell zum eigentlichen Knackpunkt gekommen.

Wenn ich für die Verstorbenen bete macht zunächst etwas mit mir selbst: Ich werde mir bewusst, dass meine Lieben mit mir verbunden sind. Vielleicht spüre ich sogar die Nähe eines geliebten Menschen, obwohl er nicht mehr körperlich da ist. Und ich werde bei aller Trauer vielleicht auch dankbar für all das, was ich mit ihm erleben durfte.

Beziehungen unter uns Menschen sind stark. Was uns verbindet, das durchbricht Raum und Zeit. Im Gebet fühle ich mich verbunden mit allen, an die ich dabei denke. Mit den Lebenden und den Verstorbenen. Und ich bin überzeugt, dass auch sie das auf irgendeine Weise spüren.

Ich weiß, dass ich mit meinem Gebet Gottes Willen nicht ändern kann. Das muss ich auch gar nicht. Denn Gott ist reine Liebe, sagt mir Jesus ganz klar. Das Gebet hilft mir, das zu begreifen und Gott einfach zu vertrauen. Darauf sind wir dann am Ende unseres Gesprächs auch gekommen und die alte Dame hat sich gefreut, dass es so ist.

Gott ist Liebe und ich darf ihm vertrauen. Gott sei Dank.

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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

23NOV2025
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In den evangelischen Kirchen wird heute der Totensonntag begangen. Dass der heutige Sonntag auch „Ewigkeitssonntag“ heißt, gefällt mir sehr gut. Der Name verbindet mich auch mit dem Fest, das ich heute als katholischer Christ mit meiner Gemeinde feiere. „Ewigkeit“ - das heißt auch: Wer ist Gott denn eigentlich für mich?

Eine Antwort auf die Frage gibt der so genannte Christkönigssonntag. Das Fest Christkönig feiern wir heute in der katholischen Kirche. Der Name ist zwar etwas aus der Zeit gefallen, er hat aber trotzdem eine ganz aktuelle Bedeutung. Das Fest wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Damals hat Papst Pius XI das Fest eingeführt. Ganz bewusst, denke ich.

Der erste Weltkrieg war vorbei. Viele sind in diesem Krieg gestorben, Königreiche sind danach untergegangen. Und hier in Deutschland wurde langsam der Nationalsozialismus stärker mit all seinen menschenverachtenden Ideologien. Es ging wieder einmal darum, wer der Stärkste und Mächtigste in der Welt ist. „Wer ist der wirkliche König?“ - das war damals die Frage. Und sie ist es eigentlich auch heute noch.

Da sagt mir das Fest Christkönig: Jesus ist der eigentliche König. Aber keiner, wie ich ihn mir in der Welt vorstelle. Er ist kein König, der die Menschen klein macht und sich bedienen lässt. Jesus sagt mir mit seiner Botschaft vielmehr, dass Gott bedingungslos liebt. Und das hat Jesus selbst auch vorgelebt: Er hat den Menschen geholfen, er hat die Kranken geheilt. Er war bei den Armen und Einsamen und bei denen, die von anderen ausgegrenzt und verachtet worden sind. Und er hat auch angeprangert, wenn einer sogar im Namen Gottes kleingemacht und ausgegrenzt worden ist. Ich denke da zum Beispiel an die arme Witwe, die Jesus einmal gesehen hat. Sie hat ihr letztes Geld noch für den Tempel gespendet und hat damit auf ihr Brot an diesem Tag verzichtet. „Sowas geht gar nicht!“, hat Jesus da laut gesagt. Jesus hat seine Lebenseinstellung durchgehalten und am Ende sogar mit seinem Leben dafür bezahlt. Das finde ich echt königlich!

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

23AUG2025
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„Haben Sie schon ihr Testament geschrieben?“ Das habe ich die Leute beim Gottesdienst vor kurzem gefragt. Eigentlich nur, um eine geschickte Einleitung in meine Predigt zu bekommen. Ich wollte meine Zuhörer fragen: Was ist Ihnen wichtig im Leben? Was zählt wirklich für Sie? Was bleibt?

Ein paar Tage später habe ich von einer Frau einen sehr persönlichen Brief bekommen. Sie musste innerhalb kürzester Zeit ihr Testament verfassen: „Nach meiner Krebsdiagnose hatte ich bis zur OP vier Tage Zeit“, schreibt sie. Es hat etwas gegeben, was sie beim Schreiben total überrascht hat: „Beim Testament merkte ich“, so schreibt sie, „dass mir nicht mehr wichtig war, wer was bekommt. Mein Wunsch, dass etwas von dem weitergegeben und weitergelebt wird, was für mich wichtig und wertvoll war, war viel präsenter“. Am Ende des Briefes schreibt sie auch, was genau ihr seitdem so wichtig geworden ist: „Seither lebe ich sehr viel intensiver und bin achtsamer und dankbar. Und auch kritisch, wenn es darum geht, Dinge über mich ergehen zu lassen, die mir zuwider sind. Ich genieße die Zeit […] sehr viel bewusster.“

Als ich den Brief gelesen habe, habe ich gedacht: Der Frau geht es im Letzten darum, ganz sie selbst zu sein. Sie will an jedem Tag ihres Lebens so oft wie eben möglich das tun, was ihr guttut. Ihr ist bewusst geworden, wie kostbar und zerbrechlich das Leben ist und will sich nichts mehr aufzwingen lassen, was nicht zu ihr gehört.

Und damit sind wir bei dem, was Jesus immer wieder sagt: Auch ihm geht es ja darum, dass ich „Ich“ bin. Und dass ich so sein soll und darf, wie Gott mich gedacht hat. Für mich ist das wie ein geistliches Testament von Jesus. Ich versuche es in meinem Leben umzusetzen, so gut es geht. Auch heute wieder!

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

22AUG2025
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Manchmal kann eine Schale Brombeeren deutlich machen, worauf es ankommt im Leben. In einer Bibelgruppe haben wir über eine Geschichte gesprochen, die Jesus erzählt. Da wird von einem reichen Mann berichtet, der sieht, dass die Ernte auf seinen Feldern viel viel größer ist, als er gedacht hat. Seine Speicher reichen gar nicht, um so viel Getreide aufzunehmen. Angestrengt denkt er darüber nach, wie er die Ernte unterbringen kann. Und kommt schließlich zu dem Ergebnis: Er muss alle Speicher abreißen und neue bauen. Und dann, denkt er sich, „habe ich endlich ausgesorgt und kann mich ausruhen“. „Du Narr!“, sagt Gott da zu ihm, „noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was Du angehäuft hast?“ (Lk 12,20).

Die Geschichte hat uns beschäftigt. Wir haben uns gefragt: Was macht denn ein Leben wirklich glücklich? Einer der älteren Teilnehmer hat gesagt: „Der reiche Mann in der Geschichte hat eigentlich gar nicht richtig gelebt. Der war nicht glücklich. Hat das Leben nicht genießen können. Hat immer nur gedacht, wie er seinen Besitz noch größer machen kann“. Und eine Frau ergänzt: „Weil er nicht den Moment gelebt hat, hat er auch seine Mitmenschen nicht sehen können, die vielleicht gerade Hunger gelitten haben. Mit denen hätte er seinen Überfluss teilen können und hätte trotzdem noch genug gehabt.“

Und da erzählt eine weitere Frau, wie ihre Cousine ihr frische Brombeeren gebracht hat. „Sie hätte sie auch für sich behalten können“, sagt sie, „aber sie hat gewusst, wie sehr ich Brombeeren mag und hat gerne mit mir ihre Ernte geteilt. Jetzt sehe ich die Brombeeren in meinem Kühlschrank mit ganz anderen Augen“!

Die Brombeeren sind für die Frau zum Zeichen geworden, wie gut es tun kann, Dinge miteinander zu teilen. Das hat sie froh gemacht und auch ihre Cousine. Im Kleinen ist das ein schönes Bild für das, was Jesus mir mit seiner Geschichte sagen will: Leben heißt, jeden Moment bewusst erleben, und wach sein für meine Umwelt und meine Mitmenschen. Und für das, was sie vielleicht gerade brauchen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

21AUG2025
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„Wir haben unsere Oma im letzten Moment ihres Lebens nochmal glücklich gemacht“. Die Enkelin hat gestrahlt, als sie das gesagt hat.

Ich habe die verstorbene Frau von meinen Besuchen im Seniorenheim gekannt. Sie war bei den Gottesdiensten dabei. Ganz stolz hat sie immer von ihrer Familie erzählt. Von ihren Kindern und Enkeln, die sie immer besuchen kommen und sie auch mal abholen für eine Feier in der Familie. An einem Abend hat mein Telefon geklingelt. Eine Pflegerin vom Seniorenheim war dran. Ob ich schnell kommen könnte: Die alte Dame liege im Sterben. Als ich dort war, bin fast gar nicht in ihr Zimmer reingekommen, so viele Menschen waren schon vor der Tür und im Zimmer selbst. Die ganze Familie, Kinder, Enkel und Verwandte waren gekommen, um sich von ihr zu verabschieden.

Die Frau konnte nicht mehr sprechen, aber sie hat alles wahrgenommen. Ich habe der Frau die Krankensalbung gegeben und ihr den Segen Gottes zugesprochen. Früher hat man gesagt „die letzte Ölung“. Zusammen mit allen, die da waren, haben wir gebetet und gesungen. Als ich gegangen bin, habe ich der Familie noch gesagt: „Sagen Sie ihr nochmal alles, was Sie auf dem Herzen haben“. „Das haben wir schon gemacht“, hat ihre Tochter zu mir gesagt, „- wir haben nur noch auf Sie gewartet und auf den Segen“.

Beim Gespräch zuhause bei der Familie habe ich gefragt, wann die Dame gestorben ist. „Sie waren noch nicht unten zur Tür raus“, hat ihre Tochter da gesagt.

In diesem Moment habe ich verstanden, was ihre Enkelin gemeint hat mit dem Satz „Wir haben unsere Oma im letzten Moment ihres Lebens nochmal glücklich gemacht“. Alle waren da und haben sich verabschiedet. Und ihr Vertrauen auf Gott hat ihr die Kraft gegeben, ganz loszulassen. Für mich eine ganz bewegende Erfahrung. Eine Geschichte vom Glücklichsein - bis zum Schluss.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42802
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