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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Vor ein paar Wochen habe ich ein Trauergespräch gehabt, das anders war als alle anderen. Der Mann, um den es ging, hat nämlich noch gelebt. „Ich möchte, dass Sie mich noch kennenlernen, solange ich lebe“, hat der Mann zu mir gesagt.
Er und seine Frau haben dann ganz bewusst über seinen Tod gesprochen. Aber vor allem vom Leben. Der Mann hat von seinem Weg berichtet und von seinem beruflichen Erfolg. Und ganz viel von den Menschen, die ihn geprägt haben. Er hat erzählt, was ihm im Leben gut gelungen ist, was ihn herausgefordert hat und wo es Schwierigkeiten gab. Wir haben öfter lachen müssen über manche Anekdote. Es war ein Gespräch voller Leben.
Am Ende hat er gesagt, dass zwei Worte für ihn wichtig sind im Rückblick auf sein Leben: Dankbarkeit und Demut. Nicht, weil alles perfekt gewesen wäre, sondern weil er erkannt hat, wie erfüllt sein Leben ist. Jeder Mensch ist mehr als sein Körper. Mehr als ein Datum. Was er geliebt hat, was er gegeben hat, was er anderen Menschen hinterlassen hat, verschwindet nicht. Beziehung bleibt - über den Tod hinaus. Das hat Jesus immer wieder deutlich gemacht.
Ein paar Tage später ist der Mann überraschend schnell gestorben. „Er konnte ganz leicht gehen“, hat mir seine Frau gesagt. Die Begegnung mit dem Mann hat mich noch lange beschäftigt. Dankbarkeit und Demut – das waren seine Worte am Ende. Mir hat das den Impuls gegeben, öfter mal unter diesen Aspekten auf mein eigenes Leben zu schauen. Für was oder für welche Menschen kann ich heute dankbar sein?
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„Besitzen Sie eigentlich eine Marmeladendose?“, hat mich vor kurzem eine Frau nach dem Gottesdienst gefragt. Ich kenne die Frau aus unserer Gemeinde gut und habe mich über die Frage gewundert. „Ich möchte Ihnen eine Marmeladendose schenken“, hat die Frau da gesagt und mir eine kunstvoll gemachte Porzellandose mit Blumenmuster überreicht.
Die Frau hat dann erzählt: „Die Dose hat einmal einer jüdischen Lehrerin aus Lorsch gehört. Nach der Machtergreifung Hitlers durfte sie nicht mehr als Lehrerin tätig sein. Sie hat dann Obst und Gemüse angebaut, um Geld zu verdienen und Blumen. Die Blumen hat sie zu kleinen Sträußen gebunden und ist damit von Tür zu Tür gegangen, um sie den Leuten zu verkaufen. Viele hatten aber Angst, der Frau etwas abzukaufen. Sie fürchteten, angezeigt zu werden. Aber meine Großmutter hat immer ein Sträußchen gekauft, auch wenn sie nicht viel Geld hatte“, hat die Frau ganz stolz berichtet. „Und bestimmt hatte sie auch Angst vor den Nazis. Eines Tages ist dann die jüdische Frau mit der Marmeladendose an die Tür meiner Großmutter gekommen und hat gesagt: „Ich weiß nicht, wie lange ich noch hier bin. Sie haben mir immer Blumen abgekauft. Dafür möchte ich mich bedanken“. „Seither“, so berichtete die Frau weiter, „ist die Dose in unserem Besitz“.
Die Marmeladendose mit ihrer Geschichte hat mich sehr berührt. Ich habe das Geschenk angenommen. Seitdem steht sie immer auf meinem Frühstückstisch. Ich schaue die Dose an wie einen großen Schatz und frage mich, was aus der jüdischen Frau geworden ist. Die Dose ist für mich aber auch zum Zeichen geworden, wie Menschen gut miteinander umgehen können. Sie erinnert mich an mutige Menschen wie die Großmutter der Frau, die aus ihrer christlichen Überzeugung heraus zutiefst menschlich gehandelt hat. Und sie erinnert mich daran, mich auch heute fair zu verhalten gegenüber jedem, dem ich begegne. Einfach menschlich.
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Vor ein paar Wochen musste ich mal wieder mit meinem Auto zum TÜV. Für mich ist das immer ein lästiger Termin. Ich muss warten, bis ich an der Reihe bin. Ich hoffe, dass das Auto die Prüfung besteht und ich die Plakette bekomme. Sonst muss ich in die Werkstatt und das Ganze geht von vorne los. „Und im schlimmsten Fall habe ich auch noch einen schlecht gelaunten Prüfer vor mir“, so habe ich vorher gedacht.
Aber dieses Mal war es ganz anders. Die Angestellte am Empfang hat mich ganz freundlich angelacht: „Herzlich willkommen, was kann ich für Sie tun?“ Ich habe ihr gesagt, warum ich da bin. „Es dauert noch einen kleinen Moment, aber Ihr Auto ist gleich dran“, hat sie gesagt. „Setzen Sie sich doch und nehmen Sie sich gerne einen Kaffee – er kostet nichts“.
Ich war echt platt über so viel Freundlichkeit. Als ich den duftenden Kaffee genossen habe, habe ich darüber nachgedacht, wie schön es wäre, wenn Menschen immer so miteinander umgehen würden. So hat es Jesus auch vorgelebt. Ich habe mich nicht wie eine Nummer gefühlt, sondern echt willkommen und wertgeschätzt.
Schnell bin ich aus meinen Gedanken gerissen worden: „Ihr Auto ist fertig. Bestanden!“, hat die Frau mir zugerufen. Bevor ich gegangen bin, habe ich mich bei ihr bedankt, dass sie so freundlich und zuvorkommend war. „Für uns hier ist das selbstverständlich“, hat sie gesagt. „Und außerdem haben Sie mich ja auch angelächelt, als Sie gekommen sind“.
Als ich mein Auto in Empfang genommen habe, ist die Frau noch einmal in die Halle rausgekommen. „Vielleicht können Sie uns eine positive Bewertung schreiben“, hat sie gemeint. „Klar“, habe ich ihr geantwortet, „es kann aber auch sein, dass ich einen kleinen Radiobeitrag von Ihnen mache“.
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Heute ist Samstag. Da kann ich mir beim Frühstück mehr Zeit lassen als sonst. Das passt zu dem etwas kuriosen Tag, den wir heute in Deutschland haben. Heute ist der „Tag der gesunden Ernährung“. Da soll es darum gehen, „wie wichtig es ist, gesund zu essen und bewusst zu genießen“[1]. Dass ich mich gesund ernähren soll, ist für mich nichts Neues.
Aber dass es an diesem Tag auch darum geht, dass ich „bewusst genieße“, darüber bin ich gestolpert. Bloß, was heißt eigentlich „genießen“?
Genießen heißt für mich, dass ich zunächst mal ganz da bin mit all meinen Sinnen. Dass ich die nötige Ruhe habe und nicht in Eile bin. Dass ich den herrlichen Duft von meinem frisch gekochten Kaffee wahrnehme. Ganz bewusst. Genießen, das heißt für mich das Besondere wahrzunehmen an dem, was ich da gerade schmecke oder rieche.
„Bewusst genießen“ - das hat für mich persönlich damit zu tun, dass ich ganz bewusst wahrnehme. Nicht nur das Essen, sondern alles, was um mich herum ist: Die Vögel, die jetzt schon so munter zwitschern. Das Leben draußen auf der Straße und die frische Luft, die den Frühling ankündigt.
Bei geistlichen Tagen, die ich im Schweigen verbracht habe, hat der Leiter mir am Anfang gesagt: „Machen Sie einfach mal gar nichts. Seien Sie präsent und nehmen Sie einfach mal alles um sich herum wahr. Und wenn Sie das tun, wenn Sie präsent sind, dann begegnen Sie auch dem, der immer da ist.“ Ich habe tatsächlich gespürt: Gott ist auch da. Mitten im Leben. Und ich erkenne seine Handschrift in meiner Umgebung, in der Natur und in meinen Mitmenschen, die mir heute begegnen. All das kann ich heute ganz bewusst genießen. Und mit dem duftenden Kaffee fange ich jetzt an.
[1]https://www.aok.de/pp/unser-engagement/gesundheitstage/tag-der-gesunden-ernaehrung/ (aufgerufen am 18.02.2026)
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Heute, am ersten Freitag im Monat, gehe ich die älteren Menschen unserer Kirchengemeinde besuchen. Es ist immer ein großes Hallo, wenn ich zu einer bestimmten Frau im Dorf komme. Sie hat mal eine Bäckerei geführt und hilft immer noch ein bisschen mit. Wenn ich bei ihr bin, lachen wir viel zusammen über Anekdoten aus dem Ort. Dann beten wir und singen die alten Kirchenlieder. Und das meistens sehr lautstark. Oft auch mit offenem Fenster. Manche Nachbarn haben, denke ich, auch ihre Freude daran.
Jedes Mal, wenn ich von dort weggehe, ruft mich ihr Sohn noch einmal in die Backstube rein. Er packt mir dann eine duftende, warme Brezel oder eine Laugenstange in eine Tüte: „Das ist für Sie“, sagt er und lacht mich an. Ich freue mich darüber. Aber es ist mir auch etwas peinlich. Eigentlich komme ich ja nicht wegen der Brezel. Die Hausbesuche gehören zu meinem Dienst als Seelsorger. „Das ist schon in Ordnung so“, sagt er dann jedes Mal.
Bei meinem letzten Besuch war er nicht da. Als ich mittags nach Hause gekommen bin, lag eine Bäckertüte vor meiner Tür. Mit drei frischen großen Berlinern drin. „Unglaublich“, habe ich gedacht. Der Mann hat sich die Mühe gemacht, extra noch zu mir zu fahren. Ich war gerührt und auch etwas beschämt. Aber er wollte mir einfach Danke sagen. Das war ihm wichtig.
Ich habe durch ihn gelernt, wie wichtig es ist, ein Danke auch anzunehmen. Und wenn ich mich über das Dankeschön noch freue, tut es auch dem anderen gut. Wo Menschen sich gegenseitig Gutes tun und auch danken, spüre ich: Da ist Gott mit im Spiel. Der Gott, der uns Menschen immer wieder beschenkt und auch miteinander verbindet, wenn wir uns mal Danke sagen.
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„Sie konnte nicht „Nein“ sagen. Sie war für alle da, nur für sich selbst nicht.“ Als ich das in der Ansprache bei einer Trauerfeier erwähnt habe, haben manche Trauergäste genickt.
Viele der Anwesenden hatten auf ganz unterschiedliche Weise erlebt, wie engagiert die verstorbene Frau war. Beim Gespräch mit der Familie haben wir gemeinsam überlegt, was wir von der Frau lernen könnten: „Eigentlich ist es doch gut, Ja zu sagen, wenn man gefragt wird, ob man helfen kann. Aber sich selbst sollte man nicht dabei vergessen. Und dann vielleicht auch mal ‚Nein‘ sagen“, hat die Enkelin gesagt.
Bewusst auch mal „Nein“ sagen heißt ja, dass ich mir darüber klar bin, was ich kann und was ich nicht kann. Was mich vielleicht überfordert. Da darf ich ganz getrost auch mal „Nein“ sagen: „Das kann ich nicht, das ist mir zu viel“. Umgekehrt heißt das aber auch, dass ich ganz bewusst „Ja“ sagen kann, wenn ich spüre: „Hier bin ich gefragt und das kann ich auch machen!“ Es geht jedenfalls immer um eine klare Entscheidung: „Euer Ja sein ein Ja, euer Nein sei ein Nein“ (Mt 17, 37). So sagt es Jesus.
Ich denke, dass Gott jedem und jeder von uns ganz bestimmte Talente und Kräfte geschenkt hat. Wenn ich gefragt werde und spüre, dass ich etwas kann und es mir sogar Freude macht, sage ich ganz bewusst „Ja, das mache ich!“. Ich darf mir aber auch mal gönnen, „Nein“ zu sagen, wenn es mir zu viel wird. So bleibe ich „Ich selbst“. Ich nehme die anderen und auch mich selbst ernst. Und letztlich auch Gott, der alles in mich hineingelegt hat.
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„Kannst Du heute auch mal lachen?“. Das hat mich eine von den jüngeren Messdienerinnen vor dem diesjährigen Totengedenken gefragt.
Und dann habe ich den Gottesdienstbesuchern die Geschichte vom „Brandner Kaspar“ erzählt, die Franz von Kobell vor etwa 150 Jahren geschrieben hat. Für den Brandner Kaspar ist die Lebensuhr abgelaufen und der Tod kommt als leibhaftige Person bei ihm vorbei, um ihn mitzunehmen. Kaspar macht den Tod mit Kirschgeist betrunken und luchst ihm beim Kartenspiel noch ein paar Lebensjahre ab. Der Tod geht ohne Kaspar wieder in den Himmel zurück. Aber irgendwann fliegt der Schwindel im Himmel auf und der Tod kommt wieder auf die Erde. Es gelingt ihm, Kaspar zu überreden, mit ihm zu gehen und wenigstens einmal einen Blick in den Himmel zu werfen. Was er dort sieht, ist alles wunderschön. Sogar seine alte Hütte. Die sieht im Himmel aus wie ein Palast. Und im bayerischen Himmel füllen sich sogar die Bierkrüge ganz von selbst! Als Kaspar wieder zurückkommt und gefragt wird, wie es da oben gewesen ist, sagt er nur: „Wie daheim, nur viel, viel schöner“.
Für mich hat Kaspar im Theaterstück damit sagen wollen: Himmel ist irgendwie wie daheim. Wo ich mich wohlfühle. Und dieses Zuhause, sagt Kaspar, ist „viel, viel schöner“ als hier auf der Erde. Schöner, als ich es mit meinen Worten ausdrücken kann. Es ist ganz neu und ganz anders. Und das glaube ich auch!
Als ich die Geschichte im Gottesdienst erzählt habe, mussten einige herzlich lachen. Für mich war dieses Lachen schon ein kleiner Vorgeschmack davon, wie es im Himmel sein kann. Und wenn es dort genauso heiter zugehen sollte, freue ich mich schon ein bisschen auf dieses neue, und „viel, viel schönere“ Zuhause.
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Ab und zu bin ich vormittags bei meiner Nachbarin auf einen Espresso. Wir sprechen miteinander, was uns den Tag über so erwartet, wir lachen auch über manches und nach einer Viertelstunde geht jeder wieder an sein Tagewerk.
Die Begegnungen mitten im Alltag sind mir wichtig geworden. Ich freue mich, kleine Pausen einzulegen und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. So wie mit meiner Nachbarin. Mir ist das wichtig und es tut mir gut.
Einmal hat mir meine Nachbarin eine Karte in die Hand gedrückt, als ich gegangen bin. „Wie schön, dass wir gleichzeitig leben“, war darauf zu lesen. Mit der Karte wollte meine Nachbarin mir sagen: Die vermeintlich einfachen und kleinen Dinge im Leben, die Begegnungen und Gespräche, sind nicht selbstverständlich. Sie machen jeden Tag zu einem ganz besonderen.
Dass es diese lieben Mitmenschen genau hier und jetzt an meiner Seite gibt, ist eben nicht selbstverständlich. Die könnten auch ganz woanders leben oder zu einer anderen Zeit. Dann hätte ich sie nie kennengelernt. Das wahrzunehmen war ein neuer Aspekt für mich.
Und irgendwie erkenne ich darin auch die Handschrift Gottes, der vieles so zusammenfügt, dass es am Ende passt. Ich glaube daran, dass es eben kein Zufall ist, dass Menschen in Beziehung miteinander sind. Und dass sie sich zur selben Zeit und am selben Ort begegnen. Dafür bin ich dankbar.
Die Karte erinnert mich auch heute Morgen daran, immer mal wieder zu danken: Gott, der alles zusammenfügt. Aber ganz konkret auch einem lieben Menschen heute zu sagen: „Wie schön, dass wir gleichzeitig leben“.
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Beim ersten Satz der alten Dame am Telefon musste ich erstmal schmunzeln: „Ich bin 88 Jahre alt, aber ich habe mir das Denken noch nicht abgewöhnt“. Die Lebensweisheit der Frau habe ich bei diesem Satz direkt spüren können. „Warum beten wir eigentlich für die Toten?“, hat sie mich gefragt.
Die Frau hat immer für ihren Mann gebetet, der vor einigen Jahren verstorben war. Aber sie wollte von mir wissen, was ihr Gebet bewirkt oder was passiert, wenn sie es einmal vergisst. Im Gespräch sind wir schnell zum eigentlichen Knackpunkt gekommen.
Wenn ich für die Verstorbenen bete macht zunächst etwas mit mir selbst: Ich werde mir bewusst, dass meine Lieben mit mir verbunden sind. Vielleicht spüre ich sogar die Nähe eines geliebten Menschen, obwohl er nicht mehr körperlich da ist. Und ich werde bei aller Trauer vielleicht auch dankbar für all das, was ich mit ihm erleben durfte.
Beziehungen unter uns Menschen sind stark. Was uns verbindet, das durchbricht Raum und Zeit. Im Gebet fühle ich mich verbunden mit allen, an die ich dabei denke. Mit den Lebenden und den Verstorbenen. Und ich bin überzeugt, dass auch sie das auf irgendeine Weise spüren.
Ich weiß, dass ich mit meinem Gebet Gottes Willen nicht ändern kann. Das muss ich auch gar nicht. Denn Gott ist reine Liebe, sagt mir Jesus ganz klar. Das Gebet hilft mir, das zu begreifen und Gott einfach zu vertrauen. Darauf sind wir dann am Ende unseres Gesprächs auch gekommen und die alte Dame hat sich gefreut, dass es so ist.
Gott ist Liebe und ich darf ihm vertrauen. Gott sei Dank.
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In den evangelischen Kirchen wird heute der Totensonntag begangen. Dass der heutige Sonntag auch „Ewigkeitssonntag“ heißt, gefällt mir sehr gut. Der Name verbindet mich auch mit dem Fest, das ich heute als katholischer Christ mit meiner Gemeinde feiere. „Ewigkeit“ - das heißt auch: Wer ist Gott denn eigentlich für mich?
Eine Antwort auf die Frage gibt der so genannte Christkönigssonntag. Das Fest Christkönig feiern wir heute in der katholischen Kirche. Der Name ist zwar etwas aus der Zeit gefallen, er hat aber trotzdem eine ganz aktuelle Bedeutung. Das Fest wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Damals hat Papst Pius XI das Fest eingeführt. Ganz bewusst, denke ich.
Der erste Weltkrieg war vorbei. Viele sind in diesem Krieg gestorben, Königreiche sind danach untergegangen. Und hier in Deutschland wurde langsam der Nationalsozialismus stärker mit all seinen menschenverachtenden Ideologien. Es ging wieder einmal darum, wer der Stärkste und Mächtigste in der Welt ist. „Wer ist der wirkliche König?“ - das war damals die Frage. Und sie ist es eigentlich auch heute noch.
Da sagt mir das Fest Christkönig: Jesus ist der eigentliche König. Aber keiner, wie ich ihn mir in der Welt vorstelle. Er ist kein König, der die Menschen klein macht und sich bedienen lässt. Jesus sagt mir mit seiner Botschaft vielmehr, dass Gott bedingungslos liebt. Und das hat Jesus selbst auch vorgelebt: Er hat den Menschen geholfen, er hat die Kranken geheilt. Er war bei den Armen und Einsamen und bei denen, die von anderen ausgegrenzt und verachtet worden sind. Und er hat auch angeprangert, wenn einer sogar im Namen Gottes kleingemacht und ausgegrenzt worden ist. Ich denke da zum Beispiel an die arme Witwe, die Jesus einmal gesehen hat. Sie hat ihr letztes Geld noch für den Tempel gespendet und hat damit auf ihr Brot an diesem Tag verzichtet. „Sowas geht gar nicht!“, hat Jesus da laut gesagt. Jesus hat seine Lebenseinstellung durchgehalten und am Ende sogar mit seinem Leben dafür bezahlt. Das finde ich echt königlich!
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