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SWR2 / SWR Kultur

 

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SWR3 Gedanken

17JUL2026
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Ich bin in der Innenstadt und sehe an der Ecke wieder diesen einen Obdachlosen sitzen. Er sitzt da meistens mit seinem Kaffeebecher. Und fünfzig Meter weiter sitzt immer die ältere Frau mit den beiden Hunden. Auch sie bettelt.

Die beiden sind mir irgendwie vertraut, aber trotzdem: immer, wenn ich an ihnen vorbeikomme, fange ich wieder neu an zu überlegen: Soll ich etwas geben? Fünfzig Cent oder ein, zwei Euro? Eigentlich könnte es ja auch mal mehr sein. Aber wer weiß, was mit dem Geld passiert… Letzten Endes entscheide ich dann spontan, ob ich was gebe.

Jetzt habe ich im Netz „Dreizehn Tipps für den Umgang mit bettelnden Menschen“ gefunden. Ein informativer Text von Leuten, die sich professionell in der Obdachlosenhilfe engagieren. Er hat mir geholfen, denn ich will da nicht immer einfach so vorbeigehen. Das ist mir auch von meinem Glauben her wichtig.

Gerade zu der Frage, ob man Geld geben soll oder nicht, heißt es von den Profis ganz klar: „Warum nicht? Auch auf die Gefahr hin, dass das Geld für Alkohol oder andere Drogen draufgeht. Menschen, die auf der Straße leben, haben oft Suchtprobleme. Und ein kalter Entzug auf der Straße kann lebensbedrohlich sein.“

Und was ist, wenn ich kein Geld geben möchte? Da empfehlen die Profis, dass ich direkt nachfrage, was derjenige, der bettelt, gerade brauchen kann. Vielleicht ist es ein Einwegrasierer oder vielleicht sind es ein Paar Socken, vielleicht sogar neue Schuhe.

Und wem das alles nicht zusagt, der kann ja auch etwas Geld spenden. Am besten direkt an Vereine oder Verbände, die sich für Obdachlose und Arme einsetzen. Gebraucht wird das Geld immer

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SWR3 Gedanken

16JUL2026
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Diese Geschichte handelt von einer bemerkenswerten Frau, ich hab sie aus der Bibel. Die Frau heißt Mirjam und sie hat ein richtig gutes Gespür dafür, was sie selbst und andere brauchen. Und Mirjam weiß, was hilft, wenn etwas Großes überstanden ist.

Die Geschichte beginnt in einem verrückten Moment, der ist fast schon unheimlich. Miriam steht da und weiß gar nicht, was sie denken soll. Eben wäre sie fast gestorben. Mirjam hat sich mit letzter Kraft durch ein Meer gekämpft und sie hat es tatsächlich geschafft, zusammen mit ihrer ganzen Großfamilie. Hinter Mirjam das Rote Meer, neben ihr ihre beiden Brüder. Der eine heißt Mose, der andere Aaron. Ihre Frauen und Kinder sind auch dabei. Sie sind richtig viele, alle nass bis auf die Knochen. Die Kinder weinen vor Erschöpfung und den Erwachsenen steckt der Schrecken von eben noch in den Knochen. Was ihnen durch den Kopf geht, liegt greifbar in der Luft: „Haben wir das wirklich geschafft? Diese schwierige Etappe, ist es wirklich vorbei?“

Mirjams Bruder Mose fängt in dem Moment an, eine ellenlange Erklärung abzugeben, darüber, warum sie es durch dieses Meer geschafft haben. Dass Gott mitgeholfen hat und dass er sie da eben gerettet hat. Mose redet und redet, ohne Punkt und Komma. Aber Mirjam merkt, was sie alle jetzt eigentlich brauchen. Also traut sich Mirjam. Sie fängt an zu singen, erst ganz leise und dann immer lauter. Und dann tanzt Mirjam auch noch dazu. Sie singt und tanzt sich ihre ganze Anstrengung vom Leib, auch ihre Angst. Die anderen schauen erst irritiert, aber dann lassen sie sich von Mirjam anstecken. Erst machen die Kinder mit, dann die Erwachsenen. Am Schluss singen und tanzen alle, denn das hilft, wenn etwas so Großes überstanden ist.

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SWR3 Gedanken

15JUL2026
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Mein Freund Klaus hat einen Satz zu mir gesagt, den hab ich erstmal gar nicht verstanden. Er hat gesagt: „Wenn jemand zu dir: Du bist doch nicht ganz dicht! - dann freu dich.“

Ich darauf hin: „Wie bitte? Ich soll mich freuen, wenn mir jemand sagt: Du bist nicht ganz dicht.“ „Ja, genau.“ Klaus erklärt weiter: „Du bist doch Christin. Christen dürfen nie ganz dicht sein.“ Und dann holt er aus und erzählt mir von seinem letzten Städtetrip nach Rom. Dass er dort eine Kirche besichtigt hat, die war früher mal ein Tempel. Das sogenannte Pantheon. Das Pantheon hat oben in der Decke ein Riesenloch. Richtig schön groß und rund, so dass man tatsächlich auch innen nass wird, wenn es draußen regnet. Klaus hat sich direkt drunter gestellt und hoch in den Himmel geschaut. Er hat  überlegt, was das Loch in der Decke bedeuten könnte. Vielleicht: Die, die unten in der Kirche stehen, sollen einen direkten Draht zum Himmel haben. Oder: Luft soll in die Kirche reinkommen und viel Licht.

Wie Klaus so von seiner Lieblingskirche in Rom schwärmt, ahne ich langsam was er mit seinem Satz meinen könnte: „Christen dürfen nie ganz dicht sein.“ Für mich heißt das, dass es schon passt, wenn ich manchmal „nicht ganz dicht bin“, also ein bisschen verrückt. Wenn ich mit Gott spreche und damit rechne, dass er in mein Leben reinkommt. Und der Satz könnte auch bedeuten, dass ich mich nicht „ganz dicht mache“. Nicht ganz dicht mit Terminen und Plänen und nicht ganz dicht mit festen Vorstellungen, von dem wie alles zu laufen hat. Wenn ich also ab und zu nicht ganz dicht bin, kann es sein, dass ich den Himmel sehe.

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SWR3 Gedanken

14JUL2026
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Heute beame ich mich mal direkt 2000 Jahre zurück. Mitten rein in eine Szene aus der Bibel.

Da sind Philipp und Thomas beteiligt, zwei Freunde von Jesus. 

Die beiden diskutieren gerade heftig mit Jesus. Es geht darum, wie es nach dem Tod weitergeht und sie verstehen Jesus erst nicht richtig.

Erstmal vergleicht Jesus den Himmel mit einem riesigen Haus. Wer stirbt, kann in diesem Haus eine eigene Wohnung finden. Die ist sogar von Gott speziell eingerichtet. Er hat sozusagen die Möbel ausgesucht. Das verstehen Philipp und Thomas: „Klar, meint Jesus kein echtes Haus aus Steinen oder Wolken. Er meint seine Heimat, da wo er herkommt.“

Aber dann erklärt Jesus weiter: „Das Haus gehört meinem Vater, Gott. Der wohnt auch dort. Ach so, und wie ihr dorthin kommt, da braucht ihr kein Google-Maps. Den Weg kennt ihr.“ Jetzt wird´s kompliziert. Und deshalb hakt Thomas nach: „Wie, den Weg kennen wir? Ich war da noch nie!“ Da sagt Jesus: „Mensch, Thomas, ich bin genau dieser Weg zu Gott.“ Und dann kommt aber gleich noch ein Einwand: „Dann zeig uns doch gleich Gott direkt! Das mit dem Weg, das braucht doch keiner.“

Die Antwort von Jesus: „Nein, an mir führt kein Weg vorbei. Ich und Gott wir sind nämlich total eins. Deswegen: wenn du Gott sehen willst, schau auf mich. Am besten du bleibst einfach in meiner Nähe. Dann bist du auch schon ziemlich nah bei Gott und wir gehen ganz automatisch auf ihn zu.“

Philipp und Thomas schauen sich an. Sie ahnen, wie sie auch nach dem Tod noch bei Jesus sein können. Einfach hier und jetzt schon bei ihm bleiben: so leben wie er.

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SWR3 Gedanken

13JUL2026
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Verpfuschte Tattoos haben zwei entscheidende Nachteile: erstens sehen sie nicht gut aus. Und zweitens sind sie sehr haltbar. Ich habe schon mal welche gesehen: Sterne, bei denen zwei drei Zacken zu klein geraten sind oder einen Namenszug mit verschmierten Buchstaben. Manches im Leben, das fühlt sich auch an wie ein verpfuschtes Tattoo. Es gibt Spuren, die sind so tief in die Seele eingegraben, ähnlich wie die Spur von einer Tattoo-Nadel auf der Haut.

Wer schon mal verletzt wurde, weiß was ich meine. Oder wer früh einen geliebten Menschen verloren hat. Der wird vielleicht sagen: „Diese Erfahrung hat sich ganz schön tief eingeritzt. Irgendwie kriege ich das nicht los.“

Tattoos kann man mittlerweile wieder entfernen lassen. Das kostet eine Menge Geld und ist auch ziemlich schmerzhaft. Es braucht Zeit und in den allermeisten Fällen bleiben Narben zurück.

Ich glaube, dass es mit den schlimmen Erfahrungen, ähnlich ist. Der Schmerz wird vielleicht bleiben und auch Narben. Aber niemand muss dem, was sich da eingezeichnet hat, auf Gedeih und Verderb ausgeliefert bleiben. Es ist möglich, an die heikle Stelle ranzugehen, sie langsam abzutragen. Das geht nur behutsam und dadurch, dass ich bereit bin darüber zu reden. Und natürlich muss ich jemanden haben, der zuhört und der mich sehr ernst nimmt.

Natürlich ist das keine Garantie dafür, dass ich einfach ausradieren kann, was mal passiert ist. Aber es ist auf jeden Fall eine Chance.  Und wenn ich die nutze, dann kann ich am Ende vielleicht sagen: „Ich bin nicht mehr nur ausgeliefert. Ich kenne meine wunden Stellen und ich passe gut drauf auf.“

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SWR3 Gedanken

12JUL2026
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Zwei Freundinnen von mir sind so richtige Perfektionistinnen. Ich mag sie gern. Und weil sie versuchen immer alles perfekt zu machen, sind sie auf ihre Weise auch echt gut. Aber trotzdem mache ich mir Sorgen.

Meine Freundin Leni ist die typische Allround-Perfektionistin. Sie trägt immer den perfekten Style, sie managt ihre Zeit super und sie ist bei der Arbeit toll.

Und Marga ist eine „soziale Perfektionistin“. Für andere macht sie alles möglich, egal ob es um selbstgebastelte Geschenke geht oder um das tolle Menü, wenn Gäste kommen. Ich habe das Gefühl, dass sie da manchmal ganz schön über die eigenen Kräfte geht.

Wenn man immer nur und überall perfekt sein will, dann, glaube ich, wird das auf Dauer zu anstrengend. Weil Ruhepausen fehlen oder weil man vor lauter Rumrödeln keinen Schlusspunkt findet. Und dazu kommt, dass man was wert ist, ganz unabhängig davon, was man alles schafft.

In einer jüdischen Geschichte, da geht es genau darum, dass mal Schluss sein muss mit dem Immer-Perfekt-Sein-Wollen. Die Geschichte geht so:

Ein Mann ging durch seinen Weinberg. Da fand er eine kaputte Stelle in dem Zaun, der um seine Reben gezogen war. Gleich hat er angefangen daran rumzudoktern und den Zaun wieder ganz zu machen. Dann fiel ihm aber plötzlich was ein: Es ist ja heute Sabbat! Am Sabbat sollte man laut jüdischem Gesetz so etwas wie das Loch im Zaun gar nicht reparieren. Also beschloss er: Ich lasse das, und zwar für immer. Dieses Loch im Zaun werde ich nie ausbessern.

Vielleicht war dieser Mann auch Perfektionist. Und das Loch im Zaun ist sein selbstgemachter Denkzettel. Auf dem steht: Perfektionismus okay, aber irgendwo muss auch mal Schluss sein.

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SWR3 Gedanken

20JUN2026
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Maria ist knapp dreißig und hat gerade den Bauernhofbetrieb ihrer Eltern übernommen. In der Zeit von April bis August steht sie immer wieder morgens früh um drei auf.

Wenn der Jäger sie braucht, dann ziehen sie zusammen los und suchen Rehkitze. Die verstecken sich gerne im hohen Gras am Waldrand. Wenn die Bauern im Ort ihre Felder mähen möchten, dann kommen die beiden mit der Drohne samt Wärmebildkamera. Denn kein Bauer möchte ein kleines Rehkitz in seine Mähmaschine bringen.

Bei Maria mache ich mit meiner Familie schon seit Jahren Urlaub. Als sie mir erzählt, wie oft sie dieses Jahr schon für die Rehkitzrettung unterwegs war, strahlen ihre Augen. Sie erzählt, wie sie ins meterhohe Gras steigt und sich vom Jäger zum kleinen Kitz navigieren lässt. Vor wenigen Wochen hat sie ein Kitz gefunden, das war keine drei Tage alt.

Warum ich das erzähle?

Weil ich fasziniert davon bin, was Menschen alles Gutes tun! Und wie kreativ und einsatzbereit sie dabei sind.

Natürlich macht Helfen auch einfach Spaß, und viele brennen so richtig für eine Sache.

Und genau deswegen nehmen sie so große Unannehmlichkeiten dafür in Kauf. Sie stehen mitten in der Nacht auf oder nehmen eine Menge Geld in die Hand, manche werden auch blöd angeschaut oder sogar beleidigt.

Wenn sie vielleicht Demos organisieren oder im Repair-Café an kaputten Toastern basteln. Manche lassen sich auch zum Rettungsschwimmer ausbilden oder gründen eine Stiftung. Andere chatten mit Jugendlichen, um ihnen aus der Einsamkeit zu helfen. Und Maria steigt frühmorgens in meterhohe Wiesen und rettet kleine Rehkitze.

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SWR3 Gedanken

19JUN2026
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Schwester Lorena rettet Leben, immer wieder! Und jedes Mal könnte sie selbst dabei sterben. Schon über 350 Mal hat sie das gemacht und Frauen aus lebensgefährlichen Situationen rausgeholt. Sie lebt am anderen Ende der Welt, in Papua-Neuguinea, und ich kann nicht fassen, wie mutig diese Frau ist!

Und jetzt kommt leider das Grausame, das Schwester Lorena immer wieder miterlebt. Sie holt völlig unschuldige Menschen, meistens sind es Frauen, vom Scheiterhaufen. Ja, richtig gehört. Es ist unglaublich, aber in Papua-Neuguinea, gibt es noch Scheiterhaufen. Weil ganz viele dort noch immer an Hexen glauben. Sie werden wahllos ausgesucht und sollen schuld sein, wenn jemand krank geworden ist oder unerwartet stirbt, wenn ein Haus einstürzt oder ein plötzlicher Streit ausbricht.

Ich weiß, dass gerade die Kirche bei diesem Thema unendlich viel Schuld auf sich geladen hat. Heute kämpft Schwester Lorena als katholische Ordensschwester gegen den Hexenwahnsinn.

Sie kann diejenigen stoppen, die andere quälen. Lorena sagt dann: „Nein, hört auf! Sie nicht! Ich nehme sie mit.“

Die Ordensschwester kann so vielen Menschen das Leben retten, weil sie voll und ganz integriert ist, denn sie spricht auch die komplizierte Sprache der indigenen Völker Papua-Neuguineas. Sie Alle haben Respekt vor ihr, auch die Männer in den vielen Dörfern.

Schwester Lorena bekommt meine Spende für ihr „Haus der Hoffnung“, in dem sie zehn gerettete Frauen für eine Zeit lang aufnehmen kann. Damit ihre Wunden heilen, und sie hören, was Schwester Lorena immer wieder zu ihnen sagt: „Ihr seid stark, wertvoll und richtig. Ihr lebt!“

 

Weitere Infos unter: https://www.missio-hilft.de/online-spenden/projekte-foerdern/ozeanien/papua-neuguinea/sichere-zuflucht-fuer-als-hexen-verfolgte-frauen/

 

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SWR3 Gedanken

18JUN2026
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Annette hat mir eine „Würdetafel“ geschenkt. Das ist eine kleine Holztafel in quadratischer Form, und in das Holz sind mit einem Lötkolben zwei Worte reingeschrieben: „Würde“ und „unantastbar“: in der Mitte ist noch eine kleine Krone ins Holz eingebrannt.

Meine Tochter Miriam nimmt die Tafel sofort in die Hand und fragt: „Mama, was ist Würde?“ Meine Antwort: „Würde heißt, dass jeder Mensch ganz wertvoll ist, einfach weil er Mensch ist.“

Solche kleinen Holztafeln gibt es zu tausenden in Deutschland. Sie werden bei Ausstellungen verteilt, bei Vorträgen oder in Kirchengemeinden, und manchmal werden sie auch einfach so verschenkt.

Sechs engagierte Frauen und Männer aus Bonn haben einen Verein für Menschenwürde und Demokratie gegründet, und diese „Würdetafeln“ erfunden.

Alle, die so eine Tafel in die Hand bekommen, sollen neu begreifen, wie wichtig Würde ist. Erstmal für sich selbst: Wer bewusst würdevoll lebt, sorgt sich um sich selbst, steht aber genauso für die Würde anderer ein. Wenn sie mit Füßen getreten wird, weil Menschen sich respektlos behandeln, wenn sie unter schlimmen Bedingungen arbeiten müssen oder wenn Rechte fehlen!

Meine Tochter hat mich dann auch noch was Zweites gefragt: „Und warum haben die Leute das mit so einem komischen Stift in das Holz reingeschrieben?“

„Weil Würde wie eingebrannt ist. Für immer und in jedem Menschen. Würde kann man nicht wegradieren, sie ist und bleibt unantastbar.“

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SWR3 Gedanken

17JUN2026
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Unkrautrupfen im Garten oder es zwischen den Pflastersteinen rauskratzen. Das ist ja wirklich der letzte Job, trotzdem muss es ab und zu sein, finde ich.

Und genau in dem Moment kommt meine Cousine vorbei und sagt: „Hey, der Löwenzahn hat doch so viel Power, lass ihn stehen!“ Sie liebt alles, was mit Pflanzen zu tun hat, und kennt sich super aus. Deswegen hat sie mir gleich erklärt, was so ein Löwenzahn leistet, damit er durch zwei Pflastersteine durchkommt. Und dass er das nur dank dem „Turgoreffekt“ schafft. Turgor kommt vom lateinischen „turgere“, was so viel heißt wie „prall sein“. Viele Pflanzen können in ihren Zellen einen so hohen Druck aufbauen, dass sie noch durch die engsten Stellen durchkommen und dann auch noch aufrecht ihre Blütenstängel nach oben strecken.

Seit ich das weiß lasse ich den Löwenzahn manchmal ein bisschen länger stehen, freue ich mich am Turgor-Effekt, und weiß genau: so eine Kraft brauche ich auch!

Wenn es mich schier zwischen zwei Streithähnen zerreibt und ich doch versuche ein bisschen Platz zwischen den beiden zu schaffen. Oder wenn in meinem eigenen Kopf eine festgefahrene Meinung scheinbar alles zubetoniert. Wenn mich dann jemand davon überzeugt, dass es anders ist als ich dachte.

Was für ein Gottesgeschenk, dieser Turgor-Effekt! Ich sehe darin Gottes Power, wenn sich das Leben noch durch die schmalsten Ritzen zwängt. Wenn ein Löwenzahn, ein ganzer Mensch oder ein neuer Gedanke sich Platz schafft, und dann aufrecht dasteht und blühen kann.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44612
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