Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


27AUG2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Für die Redakteurin Linda Giering ist das Herz lebenswichtiges Organ und Tor zu Gott gleichzeitig:

„Im Innern des Hohlraums ist es voll bis zum Platzen: Gut und Böse treffen sich dort, an tiefe Gefühle denk ich sofort, doch auch der Verstand wird gerade hier offenbar. Die Erkenntnis einer göttlichen Offenbarung.
Ich trage sein Wort hier immer mit mir und aller Friede hat da seine Quelle, wo sich nichts beruhigt und nichts verzagt. Das Allerheiligste ist dort, wo mein Schatz ist, mein Haus mit zwei Kammern.
Sie teilen sich in arm und reich, aber nur bezogen auf den Sauerstoff und niemals auf die Liebe. Wenn Dein Blick und mein Blick sich einmal nicht unterbrechen, mal drei Minuten niemand spricht, geschieht Magie und jeder deiner Schläge wird synchron mit meinen, Dein ist mein ganzes Herz.

andere zeiten. Magazin zum Kirchenjahr. 2_2022

https://www.kirche-im-swr.de/?m=36058
26AUG2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Hab’ neulich einen Witz gelesen. Vielleicht ist es aber auch kein Witz …

„Zwei Männer sitzen auf einer Bank im Park. Fragt der eine: „Wenn Du Gott eine Frage stellen könntest, was würdest du ihn fragen?“
Sagt der andere: „Warum Gott all das Leid auf der Welt zulässt!“
Darauf der Erste: „Und warum machst du es nicht?“
„Weil ich Angst habe, dass Gott mich das Gleiche fragt!“

Andere Zeiten e.V. (Hg.): Andere Zeiten – Magazin zum Kirchenjahr, 1/2022

https://www.kirche-im-swr.de/?m=36057
25AUG2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Musik ist eine Krisenmanagerin – davon ist die Musikprofessorin Elisabeth Holmer fest überzeugt:

„Ich hoffe nicht, ich glaube daran, dass die Musik eine mächtige, ja göttliche Kraft in sich trägt, die sich – durch welche Krise auch immer – ihren Weg bahnt.
Wer in diesem Glauben lebt, darf auch hoffen.

Stiftung Frauenkirche Dresden (Hg.), Leben in der Frauenkirche Sep- Dez 2021

https://www.kirche-im-swr.de/?m=36056
24AUG2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Noch eine Woche, dann beginnt in Karlsruhe die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen. Die badische Bischöfin Heike Springhart freut sich darauf:

„Ideen für die ökumenische Gemeinschaft wahrzunehmen und mit anderen zu teilen (…) gibt (…) meiner Hoffnung immer wieder neue Nahrung, (…) Dadurch eröffnet sich mir ein Blickwinkel auf eine wesentlich größere Vielfalt an Möglichkeiten, als Kirche zu leben und das Leben zu gestalten. Rund um die Welt gibt es so viele verschiedene lebendige Kirchen. (…)
Was mir wirklich Hoffnung macht, ist, dass nicht wir es sind, die sicherstellen, dass es eine Zukunft geben wird — sondern das ist die Sache Gottes und der Liebe Gottes. Wir müssen die Zukunft zwar gestalten, aber wir müssen sie nicht erschaffen und verwirklichen. Das bringt uns Freiheit und Inspiration.“

https://www.oikoumene.org/de/news/rev-prof-dr-heike-springhart-we-as-churches-are-strong-when-we-keep-the-horizon-open

https://www.kirche-im-swr.de/?m=36055
23AUG2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Kirche – braucht es das eigentlich noch?  Mir gefällt, wie der Journalist Heribert Prantl die Institution Kirche beschreibt:

„Kirche ist das, was es ohne sie nicht gäbe. Die Kirche ist der Ort, an dem der Himmel offen ist - nicht nur für die, die sich in der angeblich richtigen und wahren Kirche wähnen, sondern für alle, die an Gott glauben, und für alle, denen der offene Himmel lebenswichtig ist.“

https://www.sueddeutsche.de/politik/oekumene-was-kirche-war-ist-und-sein-kann-1.941173

https://www.kirche-im-swr.de/?m=36054
22AUG2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Desmond Tutu, lange Jahre Bischof in Südafrika, hatte eine klare Vorstellung davon, was Gott mit den Zuständen auf der Welt zu tun hat. Sein Appell:

„Gott sagt: ‚Könnt ihr mir helfen, meinen Traum zu verwirklichen?
Den Traum von einer Welt, wo man stärker auf das Wohl des anderen bedacht ist, wo es mehr Mitgefühl gibt, wo Menschen mehr zählen als Dinge, wo sie wichtiger sind als der Profit. Das ist mein Traum‘, sagt Gott.
‚Wollt ihr mir helfen, ihn zu verwirklichen? Ich habe niemand anderes. Ich habe nur euch.‘“

Günter Stolzenberger (Hg.), Mit Bloch geht’s doch

https://www.kirche-im-swr.de/?m=36053
21AUG2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Die Bloggerin Susanne Niemeyer schlägt vor, das Warten auf den Himmel abzukürzen:  

Wer immer auf Erfüllung wartet, könnte am Ende mit leeren Händen dastehen.
Ich möchte mich erinnern an ein paar spontane Ausflüge ans Meer, an das Lachen meiner kleinen Nachbarin, an Bring-was-du-hast-Abende, an Küsse im Nieselregen, an den Geruch von Waldmeister im Mai.
Ich möchte mich daran erinnern, dass ich schon jetzt mehr Erinnerungen habe, als ich mir träumen ließe.
Rette mich, Gott, vor der Vorstellung, dass immer noch was Größeres kommen muss.
Der Himmel beginnt hier, mit einem halben Fuß steh ich schon drin.

https://www.freudenwort.de/engelimbiss/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=36052
02JUL2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Nach zehn Uhr gibt es nichts mehr zu essen in dem kleinen französischen Lokal „chez Laurent“. Es ist Viertel nach zehn, schade. Ich hatte mich so gefreut, überhaupt noch ein offenes Restaurant zu finden. Aber das Schild an der Türe ist deutlich.

Ich setze mich trotzdem an einen Tisch und schaue in die Karte. Ein Fehler: die vielen leckeren Gerichte lassen meinen Magen knurren.

Der Gastwirt kommt an meinen Tisch. Er heißt tatsächlich Laurent. Ich bestelle ein Glas Hauswein und schaue Laurent hungrig an. Ob es nicht doch noch … Nein, sagt er mit freundlichem Bedauern, die Küche ist schon zu. Ob vielleicht noch ein Stück Baguette übrig ist, frage ich schüchtern. Laurent lächelt: Ah, Baguette – und vielleicht noch etwas Käse dazu? Ich strahle ihm ein Ja entgegen.

Etwas später kommt der Teller: knuspriges Baguette, drei verschiedene Käsesorten und Oliven, alles sehr ansprechend serviert. Ein Genuss!

Ob Laurent weiß, dass er gerade ein biblisches Gleichnis für mich umgesetzt hat?
„Wer würde, wenn ihn sein Sohn um Brot bittet, ihm einen Stein geben?“ fragt Jesus einmal.

Er wollte damit deutlich machen, dass Gott sich wie ein Vater oder eine Mutter kümmert. Oder so wie Laurent in seinem französischen Restaurant um einen verspäteten Gast!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35663
01JUL2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Sie haben doch bestimmt Verwendung dafür.“
Schon wieder hat jemand eine Tüte mit alten Bibeln und Gesangbüchern im Pfarramt abgegeben. Sachen, die man beim Umziehen nicht wegwerfen, aber eben auch nicht mitnehmen will.

Aber hey – Nein! Ich habe keine Verwendung dafür!
Nicht für Gesangbücher der letzten 200 Jahre und nicht für alte Bibeln in Frakturschrift, selbst wenn sie einen Goldschnitt haben und mit Kupferstichen illustriert sind.

Ich sammle keine Bibeln, und die Nachfrage nach gebrauchten Bibeln strebt gegen Null. Es werden ja ständig neue Bibeln gedruckt. In verständlicherer Sprache, mit ansprechenderem Layout und mit Erklärungen. Und dann gibt es ja auch noch Apps zum Runterladen. Wer seinen Alltag mit der Bibel bestreiten will, kann sie auf diese Weise platz- und raumsparend immer bei sich auf dem Smartphone haben.

Deswegen bin ich überzeugt: Auch Bibeln dürfen in die Papiertonne oder auf den Recyclinghof!

Wem das schwer fällt, empfehle ich den jüdischen Ritus des Torarollenbestattens. Wenn die Schriftrollen, aus denen im Synagogen-Gottesdienst gelesen wird, schadhaft werden, wird die Rolle feierlich bestattet. Das Wort Gottes wird so also der Erde Gottes übergeben.

Das ist für Bibeln natürlich auch denkbar. Aber die grüne Tonne ist auch ok. Das Papier darin wird ja recycelt. Eine Bibel ist nicht per se heilig.
Heilig werden biblische Worte, wenn sie für jemanden wichtig werden. Und dann neu erzählt und gelebt werden. Im Heute. Für heute. So bleibt das Wort Gottes lebendig. Für immer.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35662
30JUN2022
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Aha, Michi war in den Dolomiten wandern. Spektakulär dieser Klettersteig. Edi stellt Abend für Abend Bilder von ihrer Reise nach Usbekistan ein – eine andere Welt. Und ich weiß, was Max sich jeden Tag zu Mittag kocht. Die Statusbilder auf Whatsapp machen’s möglich. Ich nehme gerne Anteil an den besonderen Momenten anderer Menschen. Es berührt mich zu sehen, was sie berührt.

Welche Bilder würde wohl Gott täglich in den Status stellen? Was bekäme ich unter dem Kontakt Gott jeweils 24 Stunden zu sehen? Gottes Lieblingsbilder … welche könnten das sein?

Vielleicht solche, die erst einmal ganz banal wirken. Eine Blumenwiese. Und wenn ich genauer hinschaue erkenne ich eine Gottesanbeterin an der gelbblühenden Blume. Oder eine Erdgrube, die ein umgestürzter Baum hinterlassen hat. Und am tiefsten Punkt sind neue Pflanzensprosse zu erkennen. Oder ein lachendes Kind. Es tanzt in einem Regen aus Kirschbaumblütenblättern. Oder eine Gruppe von Menschen, die Arm in Arm einen Weg entlangkommen. Und dann sieht man: Sie tragen Uniformen verfeindeter Länder.

Große Wunder, kleine Glücksmomente – ich glaube, Gott lässt sich von vielem berühren.
Und ich hoffe, dass wir Gott darin immer noch gleichen. Dass wir uns berühren lassen, von dem, was andere berührt. Damit wir verbunden bleiben. Als Menschen Gottes dieser Erde.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=35661