Zeige Beiträge 1 bis 10 von 603 »
SWR3 Gedanken
Es geht um die Steinzeit, um die schwäbische Alb und um die vielen Frauenfiguren aus der Steinzeit. Es ist ein Sachbuch, aber es ist auch ein Comic. Und ich finde, es ist einer der coolsten Comics ever. So macht Wissen Spaß und so taucht man ein in das Leben am Anfang, von vor 30 000 Jahren. Die Frau als Mensch, so heißt der Comic. Und jetzt ist der zweite Band herausgekommen: Schamaninnen.
Im zweiten Band geht es um Fragen, die auch für mich als Pfarrerin spannend sind: Was haben die ersten Menschen geglaubt, wie haben sie sich die Welt erklärt, welche Antwort hatten sie auf die Frage: warum?
Wenn man sich so mit dem Glauben in der Steinzeit beschäftigt, kommt ja auch die Frage auf: Was hat das mit mir heute zu tun? Mit meinem Glauben?
Auch die Autorin des Comics Ulli Lust hat diese Frage beschäftigt. Während sie den Comic geschrieben und gezeichnet hat, ist ihre Mutter gestorben. Kurz vor ihrem Tod unterhalten die Autorin und ihre Mutter sich über Glaube und Kirche und Gott. Und Ulli Lust, die Autorin will nichts wissen, von Kirche und alten weißen Männern mit Bart: Wie soll er denn aussehen, dein Gott, wie stellt du ihn dir überhaupt vor?, fragt sie provokant ihre Mutter. Und ihre Mutter guckt sie an und antwortet ganz ruhig: Gott ist die Liebe.
– Und ich glaube, die Mutter hat durch und durch recht: Das ist es, was trägt, das Leben, früher und heute. Das ist Glaube auf den Punkt gebracht, der Glaube, der die Steinzeit mit dem Heute verbindet: Gott ist Liebe.
------------------------------
à Ulli Lust, Die Frau als Mensch, Schamaninnen, 2026.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44730SWR3 Gedanken
Ein neuer Job – das ist auch so eine Sache. Ein beruflicher Neuanfang, neue Möglichkeiten, Weiterentwicklung, klar. Ich persönlich lieb‘s. Neue Erfahrungen und Entdeckungen – voll spannend.
Ich unterscheide mich da sehr von meiner Schwester. Die sagt: Das, was sich bewährt hat, ist doch gut. Wird es wirklich besser, wenn ich was neues anfange? Darum lieber alles so lassen, wie es ist.
Egal welcher Typ-Mensch wir sind: Um manche Abbrüche und Anfänge kommt man nicht herum, persönlich oder auch auf der größeren Weltbühne: Pandemie, Krieg und Inflation, klar, aber auch Geburten und Todesfälle, Schulanfang und Schulabschluss, Ausbildungen und Berufswechsel, Umzüge… Das Leben gibt es nicht ohne Veränderungen. Und dafür braucht es jedes Mal wieder Mut.
Interessanterweise ist der christliche Gott eher ein „let’s go“-Typ. Interessanterweise, weil die christlichen Kirchen ja eher die Bewahrer-Typen sind. Aber die Bibel ist voll von Neuanfängen. In der Bibel gibt es immer wieder Menschen, die – oft von Gott dazu aufgefordert – komplett ins Ungewisse starten. Im Vertrauen auf Gottes Versprechen, dass Gott, dieser Let’s-Go-Typ, mitgeht.
„Hab keine Angst, ich bin bei dir und begleite dich!“ Das sagt Gott in der Bibel Menschen, die aufbrechen.
Und so ist für meine eher auf Beständigkeit setzende Schwester UND für mich der Glaube an diesen „to go“-Gott Trost und Kraftquelle, die Mut macht! Mit Gott in der Hinterhand kann man gut neue Anfänge wagen!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44729SWR3 Gedanken
Eigentlich bin ich ein selbstbewusster Mensch. Von außen wirke ich zuversichtlich und selbstsicher. Wenn da nicht diese kleine, fiese Stimme in mir wäre. Diese Stimme, die alle infrage stellt, aber vor allem: die MICH infrage stellt. Die Sachen sagt wie: Du kannst nichts; Du bist nichts wert; das schaffst Du nie…
Viele Menschen, nein, ich würde sogar sagen: die meisten Menschen kennen diese kleine, fiese Stimme in sich. Sie kann mehr oder weniger da sein. Bei dem einen lauter, bei der anderen leiser. Sie kann sich anhören, wie der Vater damals: „Aus Dir wird nie was.“ Oder wie die anderen Kinder in der Schule: „Boa, bist Du blöd.“ Oder wie auf Socialmedia: „Oh my God, was für ein Loser!“
Diese Stimme ganz abzuschalten – ich glaube, das wird nie gelingen. Das Einzige ist, mit dieser Stimme leben zu lernen. Nur, wie?
Mir persönlich hilft mein Glaube an Gott. Ich glaube an einen Gott, der – wie auch immer – mich und das Leben geschaffen hat. Und der möchte, dass ich ein gutes Leben lebe. Gott sagt Sachen wie: „Du bist kostbar und wertvoll für mich, und ich habe dich lieb!“ (Jesaja 43,4) Solche Sätze sage ich mir, wenn diese kleine, fiese Stimme gerade mal wieder in mir zu laut wird.
Und besonders gut tut es, wenn jemand anders einem so etwas sagt. Als Pfarrerin mache ich das manchmal in Segnungsgottesdiensten – kann ich nur empfehlen. Von jemandem gesagt zu bekommen: Gott segnet dich, Gott hat dich lieb, so wie du bist – das hilft gegen diese kleine, fiese Stimme.
Was noch hilft? Sich mit guten Leuten umgeben. Freunde, Familie, die sagen: „Du bist gut so, wie Du bist! Es ist schön, dass Du da bist!“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44728SWR3 Gedanken
Was macht einen Menschen aus? Was gibt mir Wert? Ne riesige Frage – für die es wohl ganz unterschiedliche Antworten gibt. Und die in meinen Augen für viele Menschen einen lebenslangen Struggle darstellt.
Wir leben in einer Gesellschaft, die es uns nicht einfach macht, die uns permanent unter Druck setzt: man muss wer sein, was können, was leisten, dabei gut aussehen und Geld haben natürlich auch.
Dieser Druck hilft einem gesunden Selbstwertgefühl nicht wirklich. Zumal es sich anfühlt wie in einem Hamsterrad: Denn auch Menschen, die schön, reich und begabt sind, leiden mitunter an einem schlechten Selbstwertgefühl.
Mein Eindruck ist, dass die Menschen sich dann wertvoll fühlen, wenn sie ihren Wert nicht von äußeren Dingen abhängig machen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Freundinnen und Freunde da ganz wichtig sind. Menschen, die uns sagen: Für mich bist du gut so, wie du bist. Für mich bist du immer wertvoll.
ICH fühle mich noch durch etwas anderes wertvoll: Durch GOTT. Ich - und viele Christinnen und Christen - glauben, dass es einen Gott gibt, der jeden einzelnen Menschen liebt - unabhängig davon, was dieser Mensch kann, was sie ist, was er leistet, wie gut sie aussieht. Dieser Gott will, dass es dich gibt. Genau so, wie du bist. Für Gott bist du immer wertvoll!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44727SWR3 Gedanken
Mein Pferd ist ein besonderes Pferd, sagt meine Kollegin. Es ist ein Quarterhorse. Diese Pferde wurden im Wilden Westen gezüchtet, um ihre Herde zusammenzuhalten und ggf. zu verteidigen.
Wie ein Wachhund, staune ich und denke an den Hund meiner Kindheit: ein großer, schwarzer Setter. Meine Schwester und ich konnten mit ihm alles mache: verkleiden, stylen… aber wehe, jemand kam uns quer oder machte uns an, dann war der Hund kaum noch zu halten.
Ein bisschen wie meine Freundin Ina. Die kämpft für ihre Schwester. Ist für sie da und passt auf sie auf. Ihre Schwester braucht das manchmal, weil sie alleine nicht so gut zurecht kommt.
Egal ob Hund, Pferd oder Mensch – für mich sind das alles Engel.
Engel müssen nicht perfekt sein, manchmal sind sie noch nicht einmal sympathisch. Und leider erkennt man sie oft nicht als Engel – oder erst im Nachhinein. Engel sind einfach zur rechten Zeit am rechten Ort und verteidigen, schützen, kämpfen, wenn man selbst in Not ist.
Und so wünsche ich es allen: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dich zu beschützen, wohin du auch gehst. Auf ihren Händen sollen sie dich tragen,damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44726SWR3 Gedanken
Es hat ganz nett angefangen: mit einem Foto auf Instagram. Jessica hatte von sich ein Urlaubsfoto gepostet. Was dann passierte, lässt sich kaum in Worte fassen und wiederholen kann man nicht, was da geschrieben wurde. Eine Welle böswilliger Kommentare fegte über Jessica hinweg: es fing damit an, dass sie „gefragt“ wurde, wie hässlich sie doch sei, es ging damit weiter, dass über ihre Figur geätzt wurde: fett, und endete mit Affenlauten wegen ihrer dunklen Hautfarbe.
Ich frage meinen Freund Felix, der sich mit Computern auskennt: Sag mal, ist das Internet nicht auch gefährlich? So viel Hass? So viel Frauenfeindlichkeit? So viel Rassismus?
Tja, meinte Felix, der Hass im Internet hat viele Gesichter. Manchmal versteckt er sich hinter Humor. Manches ist aber auch einfach nur rassistisch und menschenverachtend. Hasskommentare, wie sie Jessica erlebt hat und viele Menschen erleben. Falschnachrichten auf Internetseiten – die fördern Hass – wenn sie gezielt Situationen falsch darstellen, um gegen Menschengruppen aufzuhetzen. Nicht zu vergessen die Algorithmen, auf denen das Internet und künstliche Intelligenz aufbauen. Die produzieren nicht direkt Hass, sind aber an vielen Stellen rassistisch.
Vor Gott sind alle Menschen gleich. Das ist christliche Grundüberzeugung. Nicht immer gelebte Realität im Leben von Christinnen und Christen, aber immer Mahnung und Maßstab.
Vor Gott sind alle Menschen gleich.
Wenn alle Menschen gleich sind, dann ist kein Platz für Diskriminierung jeglicher Art, weder in unserem Alltag, in der Politik, im Internet, in der Welt.
Alle Menschen sind gleich – dieser Satz sollte uns Mahnung und Maßstab sein. Auch im Internet.
à Siehe auch: Rassismus im Internet: Ursachen und Wege dagegen — HateAid
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44725SWR3 Gedanken
Meine Freundin Sabine hasst es, Geschenke zu bekommen. Sie mag es auch nicht eingeladen zu werden. Das ist ihr furchtbar unangenehm. Dann murmelt sie verschämt: „Ist schon ok, ist doch nicht nötig…“
Ich weiß nicht, warum. Vielleicht fühlt sie sich sofort in der Schuld. Als müsse sie sich eine Einladung oder ein Geschenk erst verdienen, um es annehmen zu können.
Und genau da liegt das Problem, das wir oft auch im Glauben haben. Denn das, was Christinnen und Christen christlich macht, sind zwei unscheinbare Worte: geschenkte Gnade. Und es widerspricht vielem, wie unsere Gesellschaft tickt.
Gnade, das ist, wenn einem alle Schuld abgenommen wird, wenn man Vergebung erlebt, wenn einen jemand liebevoll in den Arm nimmt und flüstert „Alles wird gut!“ – das ist Gnade.
Christinnen und Christen glauben, dass Gott uns Menschen diese Gnade schenkt. Einfach, weil ich ich bin und du du. Einfach weil Gott will, dass wir unser Leben gut leben.
Und das bekommt man nicht nur einmal im Leben, sondern immer wieder neu.
Und manchmal kann man das im Leben richtig spüren. Wenn ich mich zum Beispiel zusammen mit dem Elend der Welt im Bett verkrieche und dann mein Hund kommt und sich an mich kuscheln. Diese Liebe und die Wärme – das ist geschenkte Gnade. Und wenn Sabine dann anruft und sagt: Komm vorbei, ich koche, es gibt sogar Nachtisch. Freunde – das ist auch ein bisschen geschenkte Gnade.
Man kann Gottes Gnade erleben in der Liebe, die wir leben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44724SWR3 Gedanken
Die stärkste Pfarrerin. In aller Bescheidenheit darf ich sagen: Die stärkste Pfarrerin ist meine Kollegin. Meine Pfarrkollegin kam in dieses Alter. Dieses Alter, vor dem alle Welt uns Frauen warnt: Mit 50 fängt das Schwitzen an, die Knochendichte lässt nach. Es wird gesagt, man bzw. hier nur frau werde nun unattraktiv. Meine Pfarrkollegin hat die Herausforderung angenommen und sich ein neues Hobby gesucht: Gewichtheben. Und es hat funktioniert: sie stemmt Gewichte und hat Spaß, sie ist gesund und gut drauf, ihre Knochendichte ist der Hammer – und sie hat Erfolg! Es gibt nicht viele Frauen in ihrem Alter, die Gewichte stemmen, und so eilt sie von Wettkampf zu Wettkampf, von Medaille zu Medaille. Ich sag ja: die stärkste Pfarrerin!
Ich habe sie dann mal gefragt: Hat das Gewichtheben auch etwas mit Deinem Pfarrerinnensein, mit Deinem Glauben zu tun?
Sie hat mir mit einem Spruch aus der Bibel geantwortet. Dort steht: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.” (2.Timotheus 1,7)
„Keine Angst, sagt sie, vor einem neuen Lebensabschnitt. Gott weht uns dieses kühlende Lüftchen, diesen Geist zu. Gott lässt uns mit Besonnenheit und Liebe unser Leben angucken und gibt uns enorme Kraft, das alles zu stemmen!“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44395SWR3 Gedanken
„Das wird schon wieder.“
Und: „Die Zeit heilt alle Wunden.“
Oder: „So ist das Leben.“
Das sind Sätze, die man so oder anders zu hören bekommt, wenn ein lieber, nahestehender Mensch gestorben ist. Phrasen, die einem in so einer Situation eher hohl vorkommen.
Wobei man auch sagen muss: Unsere Gesellschaft macht es uns nicht leicht, die richtigen Worte der Anteilnahme zu finden. Über Krankheit, Sterben, Tod reden wir kaum. Nur: Dem aus dem Weg zu gehen, ist auch nicht besser. Und so seltsam es klingen mag: Vielleicht ist manchmal Schweigen sogar die beste Lösung. Warum?
In der Bibel wird von einem Mann mit Namen Hiob erzählt. Hiobs Familie stirbt, er verliert all seinen Besitz, er wird krank. Interessant ist, wie seine Freunde reagieren:
„Drei Freunde Hiobs hören von all dem Unglück, das ihn so schlimm getroffen hatte. Sie kamen zu ihm. Sie wollten ihm ihr Mitgefühl zeigen und ihn trösten. Jeder von ihnen zerriss sein Gewand und streute sich Staub auf den Kopf. Dann setzten sie sich zu ihm auf die Erde. Sieben Tage und sieben Nächte saßen sie da und sprachen kein einziges Wort. Denn sie sahen, wie heftig sein Schmerz war.“ (Hiob 2,11ff)
Ich glaube, wir können von Hiobs Freunden eine Menge lernen.
Sie kommen zu ihm.
Sie trauern mit ihm und sind solidarisch.
Sie hocken sich zu Hiob in den Dreck und halten einfach mal den Mund, halten die schreckliche Situation aus. Keine Fragen, keine abgedroschenen Phrasen, keine Ratschläge. Sie nehmen Hiobs Leid ernst und halten ihre eigene Hilflosigkeit aus. Sie schweigen, aber gehen dem Tod nicht aus dem Weg. Vielleicht ist das der größte Trost.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44394SWR3 Gedanken

Vatertag ist auch so ein komischer Feiertag. Ich meine, Hallo?!?!: Männerhorden, die mit Bollerwagen durch die Gegend ziehen und sich betrinken an einem Tag, der diese Männer als Väter feiert??? Wobei es ja eigentlich eine gute Idee ist: Menschen – Männer wie Frauen, die sich um ein kleines Lebewesen kümmern, – gehören gefeiert. Mütter und Väter, die Verantwortung übernehmen, gucken, dass ein Kind gut aufwächst, die versuchen, Vorbild zu sein, zu dem das Kind aufgucken kann. Aber an so einem Tag wird halt auch klar: Väter sind halt auch nur Menschen. Und Vater sein ist nicht einfach. Anspruch und Wirklichkeit fallen schon mal auseinander.
Christi Himmelfahrt ist auch so ein komischer Feiertag. Jesus sagt Tschüß, ich bin dann jetzt mal endgültig weg, fahre auf in den Himmel zu Gott. Zu seinen Anhängerinnen und Anhängern sagt er: Habt keine Angst, ich bleibe mit meinem Geist bei euch: Haltet euch einfach daran, wie ich gelebt habe, versucht, die Liebe Gottes in eurem Leben zu leben. Tja, nun aber sind Christinnen und Christen halt auch nur Menschen. Und die Liebe Gottes zu leben ist nicht einfach. Anspruch und Wirklichkeit fallen schon mal auseinander.
Trotzdem ist es gut, diese komischen Feiertage zu feiern: Vatertag, Christi Himmelfahrt. Denn wir bemühen uns und wir versuchen immer wieder, gute Väter (und Mütter) zu sein, unseren Kindern gerecht zu werden, Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen. Und auch Christinnen und Christen bemühen sich, versuchen immer wieder, die Liebe Gottes zu leben, die Liebe Gottes hier auf Erden ganz konkret erfahrbar zu machen. Und das, dass wir als Väter, als Mütter, als Christinnen und Christen uns bemühen und uns immer wieder dran machen – das ändert alles.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44393Zeige Beiträge 1 bis 10 von 603 »