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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Aus aktuellem Anlass hat den Morgengruß auf SWR 4 Rh-Pf heute Beate Hirt gesprochen, dasManuskript "Ein Mensch voller Zuversicht" finden Sie am Ende des Anstoßtextes von Martin Wolf "Zuversicht aus dem Glauben":

Der Kardinal. So haben sie ihn in Mainz genannt. Ein bisschen Ehrfurcht schwang da immer mit und auch Respekt vor einem großen Menschen. Über drei Jahrzehnte lang war Karl Lehmann der Bischof von Mainz. Mehr als 20 Jahre hat er die Deutsche Bischofskonferenz geleitet. Sein Tod berührt auch mich. Für mich und viele andere war er in diesen Jahren das Gesicht der Katholischen Kirche in Deutschland. Es war ein freundliches Gesicht. Nicht nur, weil Kardinal Lehmann oft und gern gelacht hat, auch wenn ihm nicht immer zum Lachen zumute war. Wenn ihm etwas wichtig war, hat er auch mit sich und seiner Kirche gerungen. So wie bei der kirchlichen Konfliktberatung für Schwangere. Diese Auseinandersetzung hat ihm auch persönlich zugesetzt. Seine Zuversicht und sein herzhaftes Lachen, das unverwechselbar war, hat er aber auch damals nicht verloren.

Für mich, den damals jungen Theologen, war er darum auch ein Hoffnungsträger. Das Gesicht einer Kirche, die weltoffen ist und sich für die konkreten Sorgen der Menschen interessiert. Einer katholischen Kirche im allerbesten Sinn. Meiner Kirche. Er war einer, der aber auch die Menschen in seiner Umgebung nie vergessen hat. Der seinen Fahrer schon mal einen Umweg fahren ließ, um eine Kollegin abends nach Hause zu bringen. Der den Mitarbeitern in seinem Büro immer wieder ausdrücklich „Danke“ sagte. Auch für Arbeiten, die eigentlich selbstverständlich erschienen. Für Kardinal Lehmann waren sie das nicht.  Seinen Dank und seine Wertschätzung hat er die Menschen in seiner Umgebung immer wieder spüren lassen. Sie waren ihm wichtig.

Seine Zuversicht und sein Interesse an den Menschen hingen eng mit seinem Glauben zusammen. An einen Gott, der viel größer ist als wir und der einmal alles zum Guten führen wird. An einen Gott, der jeden Menschen in sein Herz geschlossen hat. Auf ihn hat er vertraut. In einer seiner Radioansprachen hat Kardinal Lehmann einmal gesagt: Wer die Fülle des Lebens nach seinem Tod erwartet, der lebt gelassener.

Ich hoffe darauf, dass er diese Fülle jetzt genießen darf. Ganz nah bei dem Gott, auf den er Zeit seines Lebens gebaut hat.

 

Zum Tod von Karl Kardinal Lehmann Morgengruß von Beate Hirt  

Ein Mensch voller Zuversicht  

Er war mein erster Chef: Karl Kardinal Lehmann. Damals noch
nicht Kardinal, sondern erst mal nur: Bischof von Mainz. Ich war seine persönliche Referentin, fast sechs Jahre lang.
Und sein Tod berührt mich sehr. Ich erinnere mich an vieles, was mich an diesem Menschen beeindruckt hat.

Da war zum Beispiel seine wunderbare Weise, Dank und Wertschätzung auszudrücken. Vielen Dank! Das hat er am Abend gesagt oder tagsüber immer wieder auf kleine Klebezettel geschrieben, gelbe Post-its, mit denen Unterlagen zu mir zurückkamen. Erst später im Arbeitsleben ist mir klar geworden: Das ist ja nicht selbstverständlich. Dass jemand sich immer wieder bedankt. Auch für scheinbar Selbstverständliches.

Kardinal Lehmann war ein dankbarer Mensch – und vielleicht auch deswegen: ein sehr zuversichtlicher. Er hat immer daran geglaubt, dass sich die Dinge zum Positiven verändern können. Und er hat sich für das eingesetzt, wovon er überzeugt war, mit ganzer Kraft. Auch in Zeiten, in denen das schwierig war.  Etwa in den Jahren, in denen die katholische Kirche um die Schwangerschaftskonfliktberatung gerungen hat. Vielleicht hätte jemand, der weniger zuversichtlich gewesen wäre als er, irgendwann alles hingeworfen. Für ihn kam das nie in Frage. „Zuversicht“: Das war auch eines seiner Lieblingswörter

Und diese Zuversicht: Die konnte man auch sehen und hören. Er hat gerne und laut gelacht. Aus einer großen Menge konnte man ihn heraushören mit diesem Lachen. Auch daran erinnere ich mich heute.

Seine Zuversicht: Die war für Kardinal Lehmann natürlich auch eine Sache des Glaubens. Sein Glaube hat ihm die Kraft gegeben, an das Gute und an die Zukunft zu glauben. Die Kraft, sich zu engagieren und in allem Engagement trotzdem auch gelassen zu bleiben. Denn Gott, das hat er immer wieder gesagt: Gott ist derjenige, der die Dinge vollenden kann. Er ist so viel größer als der Mensch.

Ich habe die Zuversicht: Jetzt wird auch das Leben von Kardinal Lehmann vollendet, jetzt gelangt er in eine gute, paradiesische Zukunft. Er war ein Mensch voller Zuversicht. Vielleicht wird man ihn jetzt auch im Himmel mit seinem Lachen heraushören.

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