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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20JUL2019
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Wo ist Gott? Darüber haben sich schon Viele Gedanken gemacht.

Ich habe dazu ein Gebet gefunden, dass Jugendliche über Facebook gesammelt und ausgetauscht haben:

 

Gott – ?

Die einen sagen, Du seist in der Kirche zu finden, denn sie ist das Haus Gottes – Dein Haus.

Andere sagen, Du seist in der Natur zu finden, denn sie ist Deine Schöpfung.

Wieder andere betonen, Du seist bei den Armen und Schwachen.

Einige erklären, man könne Dich finden in einem vertrauten Gespräch, in gemeinsamer Arbeit, im gemeinsamen Gebet.

Manche sagen, Du bist immer da.

 

Das Gebet der Jugendlichen erinnert mich daran, dass Menschen zu jeder Zeit erfahren haben, dass Gott für sie und die Welt da ist. Sei es in der Kirche, in der Natur oder beim Zusammensein mit anderen. Gott verspricht sogar, dass er auch in Zukunft da sein wird. Und Jesus selbst sagt: „Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ 

Gleichzeitig bin ich mir aber sicher, dass die Frage, wo Gott ist, nie abschließend beantwortet werden kann. Das ist auch gut so. Gott ist immer größer, als ich ihn mir vorstellen kann. 

Gott ist nah und im nächsten Moment wieder ganz fern. Deshalb kann ich auch Gott nicht finden, wenn ich einfach dies oder das tue oder einem bestimmten Plan folge. Aber ich kann die Voraussetzung dafür schaffen. Wie, das beschreibt das Gebet im zweiten Teil:

 

Schenk mir die Ruhe, Dich in der Kirche zu finden. Gib mir die Aufmerksamkeit, Dich in der Natur zu suchen. Lass mich Dich im Mit-Leid mit Armen und Schwachen entdecken. Hilf mir, im Gespräch die richtigen Worte zu finden, um Dir zu begegnen. Sende uns „Team-Geist“ für unsere Arbeit. Lass mich im Gebet innehalten und still werden vor Dir, um Dir nahe zu sein.

Denn so bist Du bei uns alle Tage.

 

(Martina Schrott; „Auf der Suche“; in: Echt ich! Gebete junger Menschen, S.32f.)

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19JUL2019
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„Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist grün.“ Mein Patenkind liebt dieses Spiel. Und es ist gar nicht so einfach den Gegenstand zu finden, der gemeint ist. 

Das Spiel passt für mich super zu den biblischen Propheten. Auch sie sehen, was andere nicht sehen. Das sind natürlich keine roten, blauen oder grünen Sachen. Diese Menschen sehen etwas von Gott, was Anderen verborgen bleibt. Oft sehen sie auch eine neue Welt, in der alles anders und vor allem besser ist.

Einer dieser Propheten nennt sich Johannes. Im letzten Buch der Bibel steht, wie für ihn diese neue Welt aussieht. Da gibt es keinen Tod, kein Leid und keine Schmerzen mehr. Es ist eine Welt, in der Gott bei den Menschen ist, mitten unter ihnen. (Offb 21,3f.)

Ich sehe diese Welt noch nicht, von der Johannes erzählt. Sowohl in den Nachrichten, als auch direkt vor meiner Haustür gibt es Leid, Schmerz und Trauer. Da ist eine Mutter, die mit 35 Krebs bekommen hat und gegen den Tod kämpft. Ich sehe einen Mann, der sein Leben lang gearbeitet und sich auf den Ruhestand gefreut hat. Und dann erlebt er ihn nicht mehr. Ich sehe eine Frau, die einsam in ihrem Zimmer um ihren toten Mann weint und deren Schmerz auch nach Jahren einfach nicht weniger wird. 

Und trotzdem gilt Johannes Vision schon jetzt. Er will mich nicht auf irgendwann oder gar auf die Zeit nach dem Tod vertrösten, obwohl er weiß, dass nicht immer alles gut ist. Denn die Gemeinden, an die er damals sein Hoffnungsbild schreibt, werden verfolgt und unterdrückt, weil sie an Jesus glauben. Und trotzdem ist Johannes überzeugt, dass die neue Welt schon da ist. Er hat sie gesehen. Nämlich überall da, wo Jesus kranken, ängstlichen oder traurigen Menschen begegnet ist. Durch die Begegnung haben die Menschen etwas von Gottes Nähe gespürt. Damit hat sich für sie die Welt verändert. 

So gesehen, zeigt sich mir von dieser neuen Welt also immer dann etwas, wenn ich sehe wie Freunde gemeinsam Angst aushalten, miteinander um jemanden weinen oder sich Geschichten von früher erzählen. Wenn ich sehe, wie Trauernde von ihrer Familie ermutigt werden: Ich vermisse ihn auch. Aber komm, lass uns gemeinsam etwas machen. Ich sehe wie das Leben neu beginnen kann – mitten in der Trauer, mitten im Tod. Dann bricht die neue Welt, von der Johannes erzählt, schon an. Sie blitzt irgendwie so durch.

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18JUL2019
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Ein Berg von Wäsche türmt sich im Wäschekorb. Das war heute Morgen das Erste, was ich im Bad gesehen habe. Doch dann kam mir der Gedanke, dass das ja auch ein Zeichen dafür ist, dass ich auf jeden Fall genug zum Anziehen habe.

In der Psychologie nennt man das Reframing. Das heißt übersetzt, etwas „neu umrahmen“ oder auch umdeuten. Also: Dinge mal in einem anderen Zusammenhang sehen. 

Ich weiß von mir, dass ich manchmal nur einen bestimmten Ausschnitt sehe, den ich – bildlich gesprochen – einrahme. Sei es das Chaos in der Wohnung oder der Berg von Arbeit, der sich auf meinem Schreibtisch türmt. Sich auf eine Sache zu konzentrieren ist zwar oft hilfreich, damit ich mich in der komplexen Welt irgendwie zurechtfinde. Doch manchmal sehe ich dann eben nur die negativen Aspekte. Was um den Rahmen herum ist, blende ich einfach aus. Aber ich weiß, dass es dabei nicht bleiben muss. Ich kann diesen Rahmen verschieben und so mehr von dem Leben sehen, das es auch gibt. Eine Geschichte bringt das ganz wunderbar auf den Punkt. 

Eines Tages kam ein Professor in die Klasse und schlug einen Test vor. (…) Zur Überraschung aller gab es keine Fragen – nur einen schwarzen Punkt in der Mitte der Seite (…) und die Aufgabe: „Ich möchte Sie bitten, das aufzuschreiben, was Sie dort sehen.“ (…)

Am Ende der Stunde sammelte der Professor alle Antworten ein und begann sie laut vorzulesen. Alle Schüler (…) hatten den schwarzen Punkt beschrieben – seine Position, (…) sein Größenverhältnis zum Papier usw.

Nun lächelte der Professor und sagte: „(…) Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder hat sich auf den schwarzen Punkt konzentriert – und das gleiche geschieht in unserem Leben. Wir haben ein weißes Papier erhalten, um es zu nutzen und zu genießen, aber wir konzentrieren uns immer auf die dunklen Flecken.“  

Ich habe gemerkt, dass es manchmal ganz leicht ist, den Rahmen ein wenig zu verschieben und nicht nur die schwarzen Punkte einzurahmen. Denn das Chaos in der Wohnung heißt ja auch, dass ich ein Dach über dem Kopf habe und der Arbeitsberg auf meinem Schreibtisch, dass es mir heute nicht langweilig wird. 

Natürlich lässt sich nicht alles einfach umdeuten. Ich bin traurig, wenn ein Mensch stirbt. Krieg bleibt Krieg und ungerechtes Verhalten wird durch einen größeren Rahmen auch selten gerechter. Und doch gibt es neben den schwarzen Punkten in meinem Leben noch viel Anderes, viel weiße Fläche, die meinen Blick verdient und wofür ich dankbar sein kann.

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17JUL2019
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Gina Schöler ist Glücksministerin. Diesen Titel hat sie sich selbst gegeben. Ihr kleines „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ wurde 2012 als Projekt an der Mannheimer Hochschule für Gestaltung gegründet. Gina war damals selbst eine der Studentinnen, die von Anfang an dabei waren. Und bis heute bringt sie als Glücksministerin spielerisch und humorvoll in Vorträgen und Workshops die Themen Glück und Lebensfreude ins Gespräch und motiviert damit andere umzudenken und mitzumachen.

Um dem eigenen Glück Schritt für Schritt näher zu kommen, bietet das Ministerium kleine Aktionen an. Der Dauerbrenner ist das „Konfetti to go“ – eine kleine Streichholzschachtel mit jeder Menge buntem Konfetti, um das Leben zu feiern.

Es gibt aber auch sogenannte Glückskarten mit Ideen wie: „Bring anderen etwas bei, was Du besonders gut kannst.“ „Genieße ein großes Eis.“ Oder – auch wenn es nicht so leicht ist – „Sei heute einige Zeit offline und nicht erreichbar und beobachte dabei deine Gedanken“.

Für Gina Schöler besteht das Glück aus vielen kleinen Dingen des Alltags. Wenn sie zum Beispiel morgens mit ihrem Hund am Neckar spazieren geht und ein paar Störche im Morgennebel sieht, dann macht sie sich ein Foto davon. Nicht mit der Kamera oder dem Smartphone, sondern nur für den Kopf. Sie selbst ist fest überzeugt: „Man muss das Glück nur wahrnehmen“.

Dass das Glück schon da ist, davon bin auch ich überzeugt. Als Christin glaube ich, dass Gott viel daran liegt, dass wir glücklich werden. Für mich wird das zum Beispiel darin deutlich, dass Jesus den Menschen ein „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) verspricht. Gott will ein Leben für mich mit allem, was ich dazu brauche. Er will, dass ich mich bei ihm geborgen und aufgehoben fühle. Und ich glaube auch, dass dieses Leben in Fülle sogar nach dem Tod weitergeht.

Ich glaube, wenn ich glücklich bin, dann spüre ich auch etwas von Gott. Und deshalb ermutigt mich ein Text von Susanne Niemeyer. Sie ist eine christliche Bloggerin und kennt sich, wie Gina Schöler, mit dem Glück aus. Sie hat sogar einen „Plan vom Glück“ geschrieben und darin listet sie ganz alltägliche Dinge auf, die glücklich machen können. Und so geht er:

„Morgens: aufstehen. Gucken, ob Himmel ist. Blumen gießen. (…) ein paar Atemzüge nehmen. Zuversichtlich sein. Regelmäßig was erfinden, lieben, spielen. Abends den größtmöglichen Frieden schließen. Zähneputzen und den Mond machen lassen.“

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16JUL2019
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Zielorientiert und hartnäckig. Aber auf keinen Fall stur. Das ist wohl die beste Beschreibung für die Frau, die mit Jesus verhandelt.

Jesus ist in Galiläa. Eigentlich möchte er unentdeckt bleiben, aber es spricht sich schnell herum, dass er in der Gegend ist. Und so fällt die Frau sprichwörtlich mit der Tür ins Haus. Sie wirft sich Jesus zu Füßen und bittet ihn, ihrer kranken Tochter zu helfen. Doch Jesus wehrt ab. Er ist schroff und zurückweisend. So ganz anders, als ich ihn mir oft vorstelle.

Jesus fühlt sich für die Frau nicht zuständig, weil sie nicht zu seinem Volk gehört und will sie so schnell wie möglich abwimmeln. Doch die Frau bleibt dran. Und sie ändert ihre Haltung. Am Anfang der Begegnung war sie noch unterwürfig, doch jetzt beginnt sie ein Gespräch auf Augenhöhe.

Die Frau verhandelt, um das Leben ihrer Tochter zu retten. Und zwar ganz im Stil der Verhandlungen, wie es sie auch heute noch im Orient gibt. Da geht es nicht nur darum, das beste Ergebnis rauszuschlagen, sondern auch darum, eine Beziehung zwischen den Verhandlungspartnern herzustellen. 

Die Frau in dieser Erzählung zeigt mir: Es lohnt sich, einen langen Atem zu haben und dranzubleiben: An einer Sache, an einer Idee oder an einer Beziehung.

Die Frau bleibt dran, bringt ein überzeugendes Argument und schafft es, dass Jesus sich ihr zuwendet. Sie hätte ja auch beleidigt oder pampig reagieren können und das Ganze wäre eskaliert.

Aber dass sie Jesus ihren ernst gemeinten Respekt zeigt, verändert die ganze Situation. Denn daraufhin wendet sich Jesus nicht ab, sondern bleibt mit ihr im Gespräch. Er korrigiert seine Position und sagt sinngemäß: „Weil du das gesagt hast, gehe nach Hause. Deine Tochter ist gesund.“ (vgl. Mk 7, 24-30) 

Hartnäckig dranbleiben, aber nicht stur werden. Denn letzteres macht mein Herz eng. Wenn ich stur werde, habe ich keine Chance mehr, es anders zu sehen und die Fronten verhärten sich. Der Unterschied besteht für mich darin, dass ich dem anderen auf Augenhöhe begegne und ihn mit seiner Sichtweise ernstnehme. Dann bleibt die Beziehung zwischen dem anderen Menschen und mir bestehen und dann ist vielleicht mehr möglich, als ich es mir erträumt hätte.

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15JUL2019
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Heute empfehlen wir: „Sommersalat mit frischen Gartenkräutern und gebackenem Ziegenkäse“. Das steht am Eingang des Restaurants auf einer großen Tafel. Und schnell ist mir klar: die große Speisekarte brauche ich heute nicht. Ich nehme, was mir empfohlen wird. 

Wie schön wäre es, wenn morgens nach dem Aufstehen jemand so eine Art Tagesempfehlung für mich hätte. Um den Tag gut zu beginnen, heute bitte das Fenster weit aufmachen und fünf tiefe Atemzüge nehmen.

Aber die eine Empfehlung am Morgen gibt es nicht. Stattdessen sind Zeitschriften und Internetartikel voll mit Vorschlägen, wie man optimal in den Tag startet: eine halbe Stunde Yoga, Tautreten im feuchten Gras, 15 Minuten Stille, ein ausgiebiges Frühstück, … die Liste ist lang. Und immer wieder der Hinweis, dass es am wichtigsten ist, selbst herauszufinden, was man braucht, um gut in den Tag zu starten.

Klar, andere können mich inspirieren und Vorschläge liefern. Aber letztlich bleibt es dann doch dabei, dass ich selbst entscheiden muss. Das kann mir auch eine Empfehlung nicht abnehmen. 

Ich habe gemerkt, dass es mir hilft, wenn ich nicht jeden Morgen ganz neu nachdenken muss, was mir heute wohl gut tut. Es eine gewisse Routine gibt. Doch wichtiger ist mir geworden, dass ich auf jeden Fall einen Moment brauche, um mich auf Gott auszurichten. Um mir klar zu machen, dass er da ist und mit mir durch diesen Tag geht. Das kann ein Lied auf dem Klavier sein oder ein kurzes Gebet während der PC hochfährt und mein eMail-Postfach lädt. 

Die eine Tagesempfehlung, die für alle gilt, gibt es nicht. Aber meine Tagesempfehlung habe ich wohl doch schon gefunden: Egal, was heute alles zu tun ist und welchen Menschen Du begegnest, sei Dir sicher, Judith, Gott ist dabei! 

Das ist eine Empfehlung, die mir Lust aufs Leben macht und die mir dabei hilft, dass der Tag gut wird. Und so eine Empfehlung ist übrigens nicht nur was für den Morgen, sondern macht den ganzen Tag über immer wieder Appetit

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29029