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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

22JUN2019
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„Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst!“ - Ich liebe diesen Kindervers zum Geburtstag. Er rührt auch Erwachsenen ans Herz.

„Was gibt es denn heute an deinem Geburtstag zu feiern“, will die Erzieherin wissen. „Dass mich der liebe Gott erfunden hat“, antwortet der vierjährige Knirps. - Ich möchte noch hinzufügen, dass Gott dieses einmalige Exemplar sicher gleich patentieren ließ – als eine Sonderausgabe ohne weiteres Copyright! Das ist übrigens ganz im Sinne der Bibel: „Du selbst hast mein Inneres geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir Gott, dass du mich so wunderbar gestaltet hast“, heißt es in einem Psalm (139,13-14).

Aber ist solche Geburtstags-Euphorie nicht doch etwas übertrieben? Mit einem Schrei purzeln wir – abgetrennt von der Mutter und mit einem Klaps auf den Hintern – nackt und bloß hinaus in die Kälte und hinein in ein ungewisses Leben. Angelus Silesius, der schlesische Dichter aus dem 17. Jahrhundert, bringt es recht drastisch auf den Punkt: „Sobald der Mensch geboren ist, ist er alt genug, um zu sterben.“ Das „Herstellungsdatum“ deutet unweigerlich auf ein „Verfallsdatum“ hin, das wir gar nicht kennen. Das klingt nicht gerade lyrisch!

Wer jedoch daran glauben kann, dass er sein Leben Gott verdankt, sieht es in einem neuen Licht. Da schimmert schon ein wenig die Verheißung auf ein ewiges Leben durch, auf das wir Christen vertrauen. Denn wir glauben, dass wir wie Christus leben werden – über den Tod hinaus. Dass wir einer letzten „Entbindung“ entgegengehen, in der wir aus diesem Erdendasein heraus- und ganz in Gott hineinfallen werden.

Ich empfinde diese Hoffnung als ungemein tröstlich. Gerade, weil mir jeder Geburtstag auch die Vergänglichkeit spiegelt und das Zerrinnen meiner Zeit.

Allen, die heute in ein neues Lebensjahr eintreten oder ihr nächstes Lebensjahrzehnt beginnen, wünsche ich von Herzen Gottes Segen.

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21JUN2019
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„Worauf vertraust du denn, dass du dich so sicher fühlst“ - so fragen im „Zweiten Buch der Könige“ im Alten Testament (Kap. 18) assyrische Unterhändler Hiskia, den jungen König von Juda. Der saß damals schwer in der Klemme, eingequetscht zwischen den beiden feindlichen Großmächten Assur und Ägypten. Doch der König weigert sich, zu kapitulieren. Er vertraut dem Gott Israels. Verblüfft fragen die Assyrer: „Was ist das für ein Vertrauen“?

 „Was für ein Vertrauen“ - so lautet in diesem Jahr das Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Dortmund. Da möchte man am liebsten erst mal ein dickes Fragezeichen dahinter setzen. Ist denn der Kirche noch zu trauen, die so viel Vertrauen verspielt hat? Und überhaupt: Kann man Gott trauen? Warum fällt er den blindwütigen Attentätern nicht in den Arm, wenn sie gläubige Menschen in Synagogen, Moscheen und Kirchen ermorden? Lässt es ihn kalt, dass immer noch mehr krankhafte Egozentriker, Rassisten und Populisten an die Macht kommen und Nationen und Völker gegeneinander aufwiegeln? -  Ist das etwa ein persönlicher Vertrauensbeweis, wenn uns schwere Krankheit niederdrückt oder eine Partnerschaft auseinanderkracht? Nein – danke! Ich glaube, in Dortmund werden sich Tausende wandelnder Fragezeichen ein Stelldichein geben.

Die Menschen werden beim Kirchentag miteinander ringen und suchen, hadern und streiten, beten, singen und feiern. Und vielleicht, so hoffe ich, verwandelt sich dann doch so manches Fragezeichen in ein Ausrufezeichen. „Was für ein Vertrauen“, dass Menschen in Freud und Leid verlässlich beieinander bleiben. Dass ein kleines Kind nach meiner Hand greift und geführt werden will. Dass junge Menschen uns zutrauen, dem Klimawandel endlich Einhalt zu gebieten. Was für ein Vertrauen, dass wir uns trotz vieler Widerwärtigkeiten immer noch von Gott gehalten fühlen und daran glauben, nach dem Tod bei ihm zum vollen Leben zu kommen.

König Hiskias Vertrauen wurde damals übrigens nicht enttäuscht – im Gegenteil: Die Assyrer kehrten unverrichteter Dinge in ihr Land zurück. Möge auch unser Vertrauen belohnt werden. 

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19JUN2019
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„Feind – Todfeind – Parteifreund“  - eine makabre Steigerungsformel, die Konrad Adenauer zugeschrieben wird. Sie gilt parteiübergreifend. Auch in der SPD hat man sich wohl ordentlich mit Dreck beworfen. Wen wundert´s, dass sich kaum noch jemand traut, geschweige denn Lust verspürt, den Vorsitz zu übernehmen?  Die Menschen haben diese Schlammschlachten so was von satt! Da geht es um das Überleben der Menschheit angesichts des Klima-Wandels, da klaffen Arm und Reich auch in unserem Lande immer noch brutaler auseinander, da finden Menschen keine bezahlbare Wohnung. Und weltweit wird aufgerüstet und gedroht – nun müsste endlich  politisch gehandelt werden. Statt dessen zermürben sich die Akteure. Das führt zu einer kolossalen Politik- und vor allem Parteien-Verdrossenheit. Pures Gift für die Demokratie! Politiker sind keine Übermenschen und keine Lichtgestalten, also darf und muss man sie kritisieren. Als Wählerinnen und Wähler haben wir sie unter Vertrag genommen. Wer nicht liefert, verliert sein Mandat. So knallhart gestaltet sich das politische Geschäft. Das ist die eine Seite. Die andere: Auch Politikerinnen und Politiker sind Menschen wie du und ich. Liebeshungrige, bedürftige Wesen, voller Sehnsucht nach einem Quäntchen Dank und Anerkennung und einem guten Wort. Ohne Zuwendung verkümmern sie, bringen nichts mehr richtig voran oder fallen auch noch übereinander her. Das geht gar nicht!

Der „Souverän“ in der Demokratie ist das Volk. Wir bestimmen, wo es lang geht. Daher dulden wir keine Selbstzerfleischung – weder in Regierungsämtern noch in den Parteien. Wir erwarten, dass die Verantwortlichen sachlich und fair miteinander streiten, dabei aber ihre Würde bewahren und einander respektieren. „Rote Karte“ daher für alle Intriganten, Selbstdarsteller und Wichtigtuer! 

Mein Rat: Nehmen wir doch die Politiker ins Gebet. Im doppelten Sinn: Stellen wir sie auf offener Szene! Sie sind uns Antwort schuldig. Zum andern aber: Ich nehme jene wirklich ins Gebet, die ich gewählt habe. Ich bete für sie, dass sie Politik im Sinne Jesu begreifen und leben, der gesagt hat: „Wer der Größte unter euch sein will, der sei euer Diener.“ (Markusevangelium 10,43). 

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18JUN2019
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Schon vor Stunden sind sie aus ihren Kojen gekrochen, haben sich schnell eine Tasse Kaffee aufgebrüht und sich dann auf den Bock geschwungen: Die Brummifahrer. Nun quälen sie sich mit ihren schweren Trucks in langen Kolonnen über die Straßen. Ein neuer Kampftag hat begonnen: Der Kampf gegen den Uhrzeiger im viel zu knappen Zeitfenster. Kilometerlange Staus oder Baustellen sind darin nicht vorgesehen. Tempolimits auch nicht! Das bedeutet, stets die Tachonadel im Augenwinkel zu behalten, denn die Blitzer kennen kein Pardon. Manchen Fahrern sitzen die Disponenten im Genick. Die verfolgen ihre Trucks per GPS auf Schritt und Tritt und mahnen, endlich einen Zahn zuzulegen. Denn die Ladung muss pünktlich, „just in time“, angeliefert werden.

Im Cockpit sitzt eine ungebetene Begleiterin, die Angst. Angst, den Vorgaben nicht zu genügen, im Verkehr straffällig zu werden, den Führerschein zu verlieren oder gar einen Unfall zu verursachen. Kaum ein Tag, an dem es nicht irgendwo kracht und Tote und Verletzte zu beklagen sind. Oft sind Übermüdung oder der gefürchtete  Sekundenschlaf die Ursachen.

An den Abenden ist die Hölle los. Es fehlt überall an Stellplätzen für die Nacht. Einfach weiterfahren? Geht nicht, weil die Lenkzeit überschritten ist. Parken in einsamen Industriegebieten? Eigentlich verboten.

Am Sonntag hängen die Fahrer auf öden Park- oder Rastplätzen herum und schlagen die Zeit tot. Die hygienischen Bedingungen - manchmal verheerend. Die Fahrer im Fernverkehr sind die Nomaden von heute. Viele sehen ihre Familien oft nur noch über Skype oder WhatsApp.

Wenn wir von der Betriebsseelsorge immer mal wieder das Gespräch mit den Fahrern suchen, ist die Überraschung groß. Dankbar nehmen manche unsere Fernfahrer-Bibel als Buch oder CD entgegen, oder auch das kleine, schlichte Holzkreuz, das dann am Rückspiegel baumelt. Gerne würden wir bundesweit eine spezialisierte Fahrer-Seelsorge aufbauen, könnten wir nur die Bischöfe davon überzeugen!

Den Fahrerinnen und Fahrern, die heute wieder unter diesen Bedingungen für uns unterwegs sind, rufen wir Betriebsseelsorger zu: Wir denken an Euch! „Gute Fahrt“. Und: „Bleibt behütet und bewahrt!“

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17JUN2019
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Es ist eingetreten, was zu befürchten war: Der Iran hat aufgrund vertragswidriger Sanktionen gegen ihn das mühsam ausgehandelte Atomabkommen teilweise ausgesetzt. Ein Meisterstück diplomatischer Kunst ist jetzt im Eimer! Nun rattert wieder die alte, rostige Mechanik, die wir zur Genüge kennen: Schuldzuweisungen, Drohung und Gegendrohung. So schaukelt sich die Spirale der Gewalt hoch bis zum großen Knall.

Donald Trump hat einmal mehr Politik mit seinem Geschäftsmodell verwechselt und will sein Gegenüber erpressen. Doch mit einem dumm-dreisten Dealer ist kein Friede zu machen, denn Friede geht anders! Friede setzt auf Vertrauen. Wird dieses missbraucht, muss hart und geduldig nachverhandelt werden. Einfach mit Flugzeugträgern aufzukreuzen, ist keine politische Option.

Angesichts des Waffengeklirrs in aller Welt wird es höchste Zeit für einen Aufstand gegen Gewalt, Rüstung und Krieg. Denn Rüstung tötet auch ohne Krieg! Sie bedeutet Mord an den Bedürftigsten dieser Welt. Ohne die Militärausgaben könnte man Armut und Not, Seuchen und Krankheiten, Analphabetismus und Unterentwicklung schrittweise überwinden. Kein Kind müsste mehr Hungers sterben, kein Flüchtling mehr im Mittelmeer ertrinken, würden wir Brot liefern statt Waffen, Lebensmittel statt Raketen, Decken statt Bombenteppiche.

Als Christen sind wir auf den Frieden hin getauft. „Meinen Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“, sagt Jesus in seinen Abschiedsreden und ergänzt: „Mein Friede ist nicht, wie die Welt ihn gibt“. Nicht die sogenannte „Pax Romana“, der römische Imperialismus von damals, der den gesamten Mittelmeer-Raum unterjochte und die Völker auspresste bis aufs Blut. Jesu Friede gründet in Gewaltlosigkeit und Liebe.

Wo immer Machthaber und Warlords mit dem Feuer spielen, sollten sie auf eine universale Abwehrfront treffen: Krieg? Nicht mit uns! „Frieden schaffen ohne Waffen!“ Das fordern die Friedens-Initiativen der Kirchen wie „Pax Christi“ oder „Ohne Rüstung leben“ schon seit langem. Sich ihnen anzuschließen, heißt für den Weltfrieden zu beten und für den Frieden zu demonstrieren.

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