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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Die Angebote der Woche, heute gebrüllt von…“, diese Werbung eines Discounters höre ich gelegentlich im Radio. Da will mir jemand ins Ohr brüllen, was ich in den nächsten Tagen am besten kaufen soll, um am meisten Geld zu sparen. Ich bekomme es förmlich in den Kopf gehämmert. Sonderangebote überall. Schrill, leuchtend, nicht zu übersehen. Jeder will ja nur unser Bestes, meistens also unser Geld.

Wie wohltuend ist es da doch, wenn es auch Angebote gibt, die nicht so aufdringlich daher kommen. Wenn die Türe einer Kirche offen steht, kann ich ganz in Stille in die Kirche hineingehen und darin verweilen. In großen Kirchen, wie dem Freiburger oder dem Ulmer Münster gibt es viel zu entdecken, aber auch in den kleineren Kirchen wie etwa St. Peter im Schwarzwald gibt es viel zu sehen und zu staunen. Zu betrachten, wie durch eines der Fenster die Sonne einbricht und seine Farben zum Leuchten bringt, das bringt tiefe Freude in mich. Von den hohen Säulen, der tollen Architektur bin ich fasziniert, die Bilder begeistern mich. Gerne setze ich mich dann in eine Bank und lasse die Kirche auf mich wirken. Ich genieße die Stille. Meinen Gedanken lasse ich freien Lauf. Ich bin dankbar, dass ich das erleben darf. Ich habe das Gefühl, in dieser Situation ganz bei mir und Gott ganz besonders nahe zu sein.

Viele Gemeinden in den Innenstädten laden etwa zu einem Innehalten zur Mittagszeit ein. Da erklingt dann Orgelmusik, manchmal wird auch ein Text vorgelesen. Es ist ein Angebot für jeden der vorbeikommt.

In der Winterzeit gibt es das Angebot der Vesperkirche. Dabei wird die Kirche zum Essenstreff für Menschen, die sich sonst kein warmes Essen leisten könnten. Genauso dürfen auch alle kommen, die Gemeinschaft suchen. Viele Gemeindemitglieder engagieren sich dann, damit alle satt werden. Die Erfahrung zeigt, dass viele kommen.

Ordensgemeinschaften, bieten „Kloster auf Zeit“ an. Für manchen ist das eine einmalige Erfahrung. Ein paar Tage im Kloster leben, ohne Kontakt nach außen, sich auf ein ganz anderes Leben einlassen, zu sich selbst finden. Und vielleicht zu spüren, Gott ist da. Denn er braucht keine laute, schrille Werbung.

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Vor ein paar Tagen bin ich mit meiner Familie und mit Freunden durch die Fußgängerzone in Stuttgart gelaufen. Immer wieder sind uns Menschen begegnet, die am Straßenrand Musik gemacht haben. Meinen Freunden aus Berlin hat das sehr gut gefallen. „Bei uns erlebt man das so gut wie gar nicht, weil es in Berlin keine Fußgängerzone gibt,“ haben sie mir gesagt. „Da ist der Verkehr so laut, da würde man von der Musik sowieso nichts hören.“

Bin ich froh, dass ich auch in Freiburg immer mal wieder in der Fußgängerzone von toller Straßenmusik begleitet werde. Ab und zu sind es wahre Konzerte, die den Passanten dargeboten werden. Musik in Perfektion. Und nebenan stehen auch gleich die CDs, die die Künstler aufgenommen haben. Das ist mir dann schon fast zu viel Perfektion.

Trotzdem bleibe ich manchmal stehen und höre zu. Ich spüre, wie die Musik meine Gedanken mitnimmt und die Unruhe und der Stress so ein wenig von mir abfallen.

Dann gibt es aber noch die Straßenmusiker, bei denen fast niemand stehen bleibt, weil sie keine große Show zu bieten haben, sondern nur sich selbst und ihr Musikinstrument und ihre Musik. Besonders beeindruckt hat mich dabei ein Jugendlicher, der keine Popsongs oder Schlager gespielt hat, sondern Kirchenlieder. „Großer Gott, wir loben Dich“ und „Lobe den Herren“ und viele andere. Auf diese Weise hat er die Botschaft von Gott in die Fußgängerzone gebracht. Das Leuchten in seinen Augen hat mir die Freude gezeigt, die er an seinem Glauben hat und diese Freude hat er mit seiner Musik weitergegeben.

Zwar ist kaum jemand länger stehen geblieben. Doch viele der Passanten haben ihm ein Geldstück in seinen Instrumentenkasten geworfen.

Vielleicht hat er mit seiner Musik die Menschen daran erinnert, dass es mehr gibt im Leben, als nur in die Einkaufstempel zu stürmen und den Terminen des Tages hinterher zu hetzen.

Vielleicht hat er bei den Menschen sogar mehr erreicht, als manche Predigt.

Ich habe ihn bewundert. Und mir im Stillen gewünscht, dass er noch oft als Musiker in der Fußgängerzone ist.

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Salome muss eine begeisternde junge Frau gewesen sein. Alle waren von ihr angetan. Salome, die Tochter des Königs Herodes, hatte auf einer Feier getanzt. Und ihr Vater hat ihr daraufhin versprochen, dass sie einen Wunsch frei habe - was auch immer es sei.

Salome berät sich kurz mit ihrer Mutter Herodias und wünscht sich den Kopf Johannes des Täufers. Weil Herodes es vor allen Leuten versprochen hat, schickt er Soldaten und lässt Johannes enthaupten.

Johannes hatte die Menschen auf die Ankunft des Messias vorbereitet. Selten hat er ein Blatt vor den Mund genommen und wies auf alles hin, was falsch lief. Unter anderem hat er auch König Herodes seine Fehler vorgehalten. Das hat ihm die Gefangennahme eingebracht. Er wurde einfach kaltgestellt.

Auch heute werden Menschen kaltgestellt, die nicht in das Schema passen. Ich denke da zum Beispiel an Liu Xiaobo aus China, der die Demonstrationen auf dem Platz des himmlischen Friedens erlebt und sich für Menschenrechte eingesetzt hat. Mehrfach wurde er inhaftiert. 2008 hat er die „Charta 08“ mitverfasst, eine Schrift, die zu Reformen und zur Demokratisierung in China aufruft. Daraufhin ist er 2009 zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. 2010 bekam er den Friedensnobelpreis, den er aber nie entgegennehmen konnte. Seine Frau, die den Preis entgegennehmen wollte, steht bis heute unter Hausarrest. Im vergangenen Jahr ist Liu Xiaobo verstorben.

In Russland geht die Justiz jetzt verstärkt gegen junge Menschen vor, die im Internet aktiv sind. So sind Anna Pawlikowa und Maria Dubowik, 18 und 19 Jahre alt, in Untersuchungshaft genommen worden. Ihnen wird Extremismus vorgeworfen.

Ich denke auch an den amerikanischen Pastor Andrew Brunson, der in der Türkei eingesperrt wurde, wie viele andere in der Folge des Putschversuchs.

Ebenso sind ungefähr 150 Journalisten in der Türkei in Haft.

Weil sie auf Missstände hinweisen, weil sie sich für die Menschenrechte einsetzen, werden Menschen bis heute aus dem Verkehr gezogen. Bis heute werden Menschen inhaftiert, die als Bürgerrechtler auftreten oder unliebsame Bücher schreiben.

Manche von ihnen tauchen nie mehr wieder auf. Vermutlich auch irgendwann hingerichtet.

Und doch, die Welt braucht Menschen, die den Finger in die Wunde legen, die sich nicht einschüchtern lassen. Heute mehr denn je.

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 „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Das ist wahr. Nur dann gelingt es, dass ein Funke überspringt.

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Der Satz geht zurück auf Augustinus, den Heiligen des heutigen Tages. Er ist Bischof in Hippo in Nordafrika gewesen und trägt den Titel Kirchenvater. Er hat viele Menschen auf den Weg zu Jesus Christus gebracht.

Allerdings hat es lange gedauert, bis dieser Funke des Glaubens auf ihn selbst übergesprungen ist. Augustinus war ein brillanter Redner und hat zunächst ein zügelloses und ausschweifendes Leben geführt. Obwohl seine Mutter Monika, die Christin war, ihn immer zum Glauben bringen wollte, spielte der zuerst keine Rolle für ihn. Mit der Zeit stellte sich Augustinus viele Fragen über den Sinn des Lebens und ob das Leben, wie er es lebte, wirklich alles war. Aber er fand für sich keine Antworten darauf. Eines Tages hat er sich verzweifelt und aufgewühlt in einem Garten niedergelassen, als ein Kind ihm zurief: „Nimm und lies!“

Darauf ist er in das Haus eines Freundes gestürmt und fand dort eine Abschrift vom Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom. Und er las die Worte „Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht! Vielmehr zieht den Herrn Jesus Christus an und sorgt nicht so für euren Leib, dass die Begierden erwachen.“ (Röm 13,13-14)

Da war ihm klar, dass er jetzt die Antwort gefunden hatte. Daraufhin änderte er sein Leben radikal und ließ sich taufen.

Als guter Redner ist ihm immer bewusst gewesen, wie leicht man Menschen von allem Möglichen überzeugen und sie damit in die falsche Richtung lenken kann.

Nachdem der Glaube an Jesus in ihm brannte, ist ihm das Predigen über Jesus, über Gott, am wichtigsten geworden.

Als Prediger habe auch ich mich intensiv mit der Bibel, der Heiligen Schrift auseinandergesetzt und so Gott und seine Liebe zu den Menschen gut kennen gelernt. Mir ist wichtig, dass mein Leben vom Glauben, von Gottes Liebe erfüllt ist. Nur so kann ich den Glauben in anderen wecken.

Denn: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“

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„Die Aquarius darf in Malta anlegen.“ Wenigstens ein bisschen Licht im Dunkel des Flüchtlingselends. 141 gerettete Flüchtlinge werden sicheren europäischen Boden erreichen, und verschiedene Länder nehmen sie auf.

Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee betreiben die Aquarius, ein Flüchtlingsschiff. Schiffe anderer Hilfsorganisationen werden immer noch in verschiedenen Häfen festgehalten, damit sie nicht auslaufen können. Und so sind in diesem Jahr bereits über 1400 Menschen im Mittelmeer ertrunken.

Was für den einen Teil unserer Gesellschaft eine Katastrophe ist, wird von den anderen mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen.

„Wenn man niemanden rettet, werden sie auch nicht mehr losfahren.“ So reden manche Politiker. Dass das nicht stimmt, wurde bereits Ende 2014 deutlich, als Italien die Operation „mare nostrum“ aufgegeben hat. Etwas mehr als ein Jahr lang hatte die italienische Marine Flüchtlinge aus Seenot gerettet. Danach sind die Flüchtlingsboote aber trotzdem von der afrikanischen Küste losgefahren.

Europa, einer der reichsten Kontinente macht dicht. Das lässt mich nicht in Ruhe.

Natürlich, jede Straftat ist eine zu viel. Aber es sind nicht alles Asylsuchende, die Straftaten begehen. Die werden jedoch zur Zeit besonders herausgestellt.

So wird Angst geschürt vor Menschen, deren Ziel es ist, in einem sicheren Land zu leben, ohne Angst um Leib und Leben. Die dafür ihr bisheriges Leben aufgeben und die Unsicherheit der Flucht in Kauf nehmen.

Und dieses Schüren scheint teilweise auf fruchtbaren Boden zu fallen.

Unsere Gesellschaft ist zerrissen und ich glaube, dass wir an einem Punkt angekommen sind, an dem es zählt, nicht mehr abzuwarten, sondern an dem ich mich und auch jeder einzelne sich positionieren muss.

Für mich ist klar, dass meine christliche Überzeugung für meine Position die Grundlage sein muss. Denn die Botschaft Jesu heißt, liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Das heißt auch, ihm zu helfen. Und hier brauchen Menschen unsere Hilfe. Ich möchte, dass ihre Hoffnung auf ein besseres Leben wahr wird.

Wir können ihnen dieses Leben geben.

Aber noch müssen sie darum kämpfen, im Mittelmeer.

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