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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Heute Mittag gehe ich zur Demo. Unter dem Motto „halt!zusammen“ findet um 11:00 hier in Stuttgart auf dem Schlossplatz eine Kundgebung gegen Rassismus und Gewalt statt. Gewerkschaften sind dabei, Arbeitgeber, die Kirchen, Parteien und Sozialverbände, Sportler machen mit und Naturschützer und politische Stiftungen. Die katholischen und evangelischen Bischöfe in Baden-Württemberg laden ausdrücklich ein, zusammen mit anderen dort zu zeigen: „Wir sind die Vielen, die zusammenhalten gegen Rassismus und Gewalt in unserem Land“
Was so eine Demo nützen soll, fragen sie jetzt vielleicht. Und ob den Flüchtlingen und Ausländern bei uns mit praktischer Hilfe nicht viel mehr geholfen ist als mit einer Demo?
Natürlich brauchen die Menschen praktische Hilfe. Und da wird ja auch eine Menge getan. Wenn irgendwo um Kleiderspenden gebeten wird, sind nach wenigen Tagen die Lager übervoll. Ehrenamtliche bauen Betten auf, organisieren Deutschkurse, kümmern sich um die Betreuung der Kinder. Wir sind ein reiches Land mit vielen wohlhabenden engagierten Bürgern. Wir können helfen und viele helfen. Gott sei Dank. Gerade Kirchengemeinden und Christen engagieren sich in hohem Maß. Der Landtagspräsident Wilfried Klenk hat vor kurzem gesagt: „Seien wir doch – vor allem anderen – einfach stolz auf die humanitäre Kraft unseres Landes und bedenken wir dabei, wie sehr sie im christlichen Glauben wurzelt.“
Aber ich glaube, so eine – möglichst große –Demonstration ist trotzdem wichtig. Es geht darum, zu zeigen: Wir sind viele. Viele, die keine Angst haben und sich keine Angst machen lassen. Wir halten zusammen und fürchten uns nicht vor Islamisierung – wir wissen, was wir glauben und worauf wir vertrauen. Wir haben keine Angst vor Terror. Freundlichkeit gegenüber den Fremden macht die unglaubwürdig, die mit Terror drohen. Wir haben keine Angst um unseren Wohlstand. Die allermeisten, die zu uns kommen, wollen arbeiten und für ihre Familien sorgen. Es wird uns allen hier im Land besser gehen, wenn wir ihnen die Chance dazu geben.
„Fürchte dich nicht!“ heißt es in der Bibel immer, wenn sich etwas zum Guten wenden soll. Und wenn Menschen sich nicht fürchten, wendet Gott die Geschichte zum Guten. Ich finde: Gerade wir Christen sollten zeigen, dass wir der Angst unser Gottvertrauen entgegen setzen. Deshalb gehe ich heute Mittag zur Demo.

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„Glücklich zu sein ist einfach. Aber vielen fällt es schwer, so einfach zu sein!“ Das hat der Entertainer Eckehard von Hirschhausen schon öfter gesagt.
„Glücklich zu sein ist einfach!“ Ob er Recht hat? Was meinen Sie?
Man soll im einfachen Leben das Glück finden – das ist ja ein alter Rat. Schon das Märchen vom Hans im Glück erzählt davon, dass nicht Geld und Gut glücklich machen, sondern das Heimkommen zu Menschen, die man liebt. Und die Weihnachtsgeschichte, die wir vor knapp drei Wochen gehört haben, die kann man auch so verstehen. Da sind junge Leute unterwegs, mittellos in einem Notquartier und bekommen ein Kind – und sind glücklich: das himmlische Kind in der Krippe, Maria und Josef betrachten es froh. Davon singen die Weihnachtslieder und viele stimmen gern ein in dieses Lob des einfachen Lebens. Vielleicht hören viele die Weihnachtsgeschichte auch deshalb so gern, weil man sie so verstehen kann: Es ist einfach, glücklich zu sein, wenn man sich auf das Entscheidende konzentriert.
Obwohl: Das könnte ja auch eine Beschwichtigung sein für die kleinen Leute und die Armen: Findet euch ab! Seid zufrieden! Dann werdet ihr auch glücklich sein. Bloß: so bleiben die Armen arm in ihren Hütten und die in den Palästen erzählen Geschichten vom Glück. Das einfache Leben fühlt sich anders an, je nachdem, auf welcher Seite man steht.
Ganz einfach könnte es aber eigentlich sein, dem Rat Jesu zu folgen. Der hat zu ganz verschiedenen Leuten vom Glück gesprochen. Glücklich sind die Barmherzigen, hat er zum Beispiel gesagt. Die gut sind zu anderen und nicht fragen: Wie komme ich denn dazu und hat der das auch verdient? Glücklich sind, die ein reines Herz haben, hat Jesus gesagt. Die nicht allem und jedem misstrauen und die nicht Hintergedanken haben bei dem, was sie tun. Die nicht am Ende bloß ein gutes Geschäft machen wollen mit der Hilfe für andere. Glücklich sind, die Frieden stiften und manchmal auch darauf verzichten, das letzte Wort zu haben. Ohne Frieden ist es schwer, glücklich zu sein. Glücklich sind, die sanftmütig versuchen, ohne Gewalt durchs Leben zu kommen. Glücklich sind die nach Gerechtigkeit streben und tun, was sie können, damit alle zu ihrem Recht kommen.
Das hat Jesus Menschen geraten, die glücklich sein wollen. Die müssen sich nicht abfinden mit ihrer Situation und sich zufrieden geben. Wer glücklich sein will, sollte sich einsetzen für das Glück der anderen. Dann ist das private Glück nicht eine Insel im Meer von bedrohlichem Unheil. Sondern es breitet sich aus, das Glück. Und ergreift viele andere. Eigentlich ganz einfach. Aber es fällt schwer, so einfach zu sein.
Trotzdem: Lassen Sie uns damit anfangen!

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Frauen mit Kopftüchern saßen seit den 1980er Jahren der Kirche immer ganz hinten, in der drittletzten Reihe. Es waren alte Frauen, ihre Kopftücher bunt, Aussiedlerinnen aus Kasachstan oder aus Siebenbürgen.
Jetzt sind mir beim Familiengottesdienst auch ganz vorne junge Frauen mit Kopftuch aufgefallen. Muslimische Frauen, ich habe sie noch nicht gefragt, woher sie kommen. Ihre Kinder gehen in den evangelischen Kindergarten und die Mütter und Väter und Geschwister waren gekommen, um ihnen zuzuschauen. Die Kindergartenkinder haben vorne gestanden und die Lieder gesungen, die sie geübt hatten: „Gott hält die ganze Welt in seiner Hand…“ und „Gott hat alle Kinder lieb…“ und dann noch ein Lied vom Nikolaus, der auch die Kinder liebt. Die Frauen mit den Kopftüchern waren genauso stolz auf ihre Kinder da vorne wie die deutschen und haben am Ende des Gottesdienstes fotografiert. Manche sind hinterher noch zum Essen im Gemeindesaal geblieben. Ich hatte den Eindruck, dass das alles ok war für sie. Sicher kommen sie beim nächsten Familiengottesdienst wieder, wenn der Kindergarten dabei ist.
Mir ist in dem Gottesdienst eingefallen, dass so viele Menschen Angst haben vor der Islamisierung unseres Landes. Heinrich Bedford-Strohm, der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat dazu gesagt: „Trauen wir unserem Glauben so wenig zu, dass wir befürchten müssen, bei 50 Millionen Christen könnte durch ein, zwei oder drei Millionen Muslime in Deutschland die christliche Kultur verschwinden? Wie kleingläubig ist das denn?“
Seit dem Familiengottesdienst am Nikolaustag finde ich: Er hat wirklich recht. Und wir ängstlichen Christen sollten uns vielleicht einfach neu interessieren für die Kirchengemeinde, in die Gottesdienste gehen und die Bibel wieder mehr lesen. Wenn wir selbst unseren Glauben neu entdecken, dann müssen wir nicht befürchten, ihn zu verlieren.
Ich meine deshalb, wir Christen sollten mehr zeigen und davon sprechen, was wir glauben. Das respektieren die meisten Muslime nämlich. Viele von ihnen aber meinen, wir Deutschen glauben überhaupt nichts. Weil die Kirchen so leer sind und wir nicht von dem reden, was wir glauben. Das verstehen sie nicht.
Jesus hat gesagt: „Seid barmherzig, wie auch euer himmlischer Vater barmherzig ist.“ Und auch: „Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben – was tut ihr da Besonderes? Das tun doch alle!“ (Mt 5, 46) Ich finde, davon sollten wir reden. Und mit unserem Verhalten zeigen, dass wir das ernst nehmen. Ich glaube, das werden die Fremden respektieren. Wahrscheinlich werden sie sogar zustimmen.

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Soll die Kirche, dürfen Christen sich äußern zu Fragen, die uns alle umtreiben? Wie kann man gut leben und was hilft, um gut zu sterben? Wie gehen wir mit den vielen Flüchtlingen um, die in unserem Land Schutz suchen? Ist Krieg die einzige Antwort auf den Terror, der uns in Angst und Schrecken versetzt?
Manche sagen in solchen Situationen: Warum sagt die Kirche denn nichts dazu? Wenn sie zu solchen drängenden Fragen unseres Lebens nichts sagt, dann ist sie eigentlich überflüssig.
Aber andere sagen: Moralapostel! Lasst uns in Ruhe mit eurer Besserwisserei. Was ich tue, geht niemanden etwas an und ich lasse mir da auch von niemandem hineinreden.
Und noch andere finden: Die Kirche soll sich um die Seele der Menschen kümmern, ihnen Trost geben in Trauer und Leid und Hoffnung für den Tod. Etwas anderes wollen wir von den Christen nicht hören.
Ich finde wir Christinnen und Christen sollten nicht nur dann reden, wenn es Opfer zu beklagen gibt und dann die Hinterbliebenen trösten. Wir sollten auch reden und tun, was wir können, damit es nicht so viele Opfer gibt.
Ich weiß, und das sagen ja auch viele: Im Namen der Religion, auch der christlichen, gab und gibt es Opfer. Und es ist wahr: Religion kann missbraucht werden um Machtansprüche durchzusetzen. So wie sie jetzt von manchen Terroristen missbraucht wird. Auch die Kirchen haben solche Schuld auf sich geladen. Aber ich finde: Das ist kein Grund, warum Christen heute schweigen müssten. Gott sei Dank kann man bei uns ja kritisch hinterfragen, was Christen sagen und warum. Da kann jeder sich dann selber ein Urteil bilden.
Darum geht es, glaube ich. Dass Christen und Christinnen ihre Stimme einbringen in die Meinungsfindung in unserer Gesellschaft. An Jesus erinnern und seine Vorstellung von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Der Prozess der Meinungsbildung ist ein Gespräch. Und in diesem Gespräch darf die Stimme der Christinnen und Christen nicht fehlen. Und deshalb darf sie auch nicht nur in den Kirchen und für die Christen laut werden. Sie darf auch öffentlich zu hören sein.
Jesus hat sich übrigens auch nicht beschränkt auf die Fragen des innerlichen Glaubens: In aller Öffentlichkeit hat ihn mal jemand gefragt: Was kann ich tun, um das ewige Leben zu finden?“ Da hat er dem Fragesteller die Geschichte vom dem Mann erzählt, der einen Überfallenen fand, ihn verbunden hat und in Sicherheit gebracht. Und dem, der nach dem ewigen Leben gefragt hat, hat Jesus gesagt: Geh hin und mach es genauso!
Ich bin froh, dass sich das viele zu Herzen nehmen. Nicht nur Christen. Aber die besonders. Gott sei Dank.

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Wie sieht Gott aus? Fragen einen manchmal die Kinder. Kann man ihn überhaupt sehen? Gott kann man nicht sehen, antworten wir klugen Erwachsenen dann meistens. Er ist überall, sagen manche noch, aber er ist unsichtbar.
Manche Kinder halten Gott dann für eine Art Geist oder Gespenst – die sind auch unsichtbar. Und vielen Erwachsenen gerät Gott über diesen klugen Erklärungen irgendwie aus dem Blick. „Droben über’m Himmelszelt muss ein guter Vater wohnen“, sagen und singen wir und viele fragen sich, ob der da oben womöglich schläft und gar nicht merkt, was hier unten bei uns vorgeht. Und dann passiert es leicht, dass einer sagt: So ein Gott, der ist mir zu weit weg, der kümmert sich ja doch nicht um mich und um unsere Welt – eigentlich ist es egal, ob es ihn gibt oder nicht.
Kann man Gott sehen?
Ja, man kann, antwortet die Bibel. Bald nach der Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu im Stall erzählt sie von Simeon. Der war ein alter, frommer Mann und wartete darauf, dass Gott endlich eingreifen würde und die Situation der Menschen verbessern. Dass es nicht mehr Arme und Reiche, Unterdrückte und Unterdrücker, Krieger und Flüchtlinge geben würde. Das war seine Hoffnung.
Und die Bibel erzählt: Dieser Simeon traf Maria und Josef mit ihrem Neugeborenen. Das hat er auf den Arm genommen und betrachtet und begriffen: „Meine Augen haben den Heiland gesehen!“ Später haben die Leute erzählt, Gottes Geist habe ihm die Augen geöffnet, so dass er erkannt hat: Dieses Kind wird es tun. Er wird den Menschen sagen und zeigen und vorleben, wie das Leben anders werden kann. Besser. An vielen Orten hat das geklappt. Wo Menschen sich an Jesus orientiert haben, da hat sich etwas verändert. Aber, leider: vielen war das zu ärmlich. Zu nachsichtig. Zu freigiebig. Die wollten lieber nach eigenen Ideen und mit eigener Macht die Welt verändern.
Trotzdem glaube ich: Ja, man kann Gott sehen. Denn er selbst hat sich gezeigt – in diesem Kind. Damit jeder ihn hören kann und sehen, betrachten und betasten. Wie die Hirten in der Weihnachtsgeschichte. Wie die Weisen, die später kamen. Wie Simeon, der Alte im Tempel. Gott hat sich gezeigt.
In diesem Kind, das Jesus heißt. Gott rettet. Oder Immanuel. Gott ist mit uns. Das ist nämlich der zweite Name, den die Eltern ihm geben sollten. An Jesus sollte man sehen können, wer Gott ist und wie er ist: Mit uns. Mit Ihnen. Mit mir. „Immanuel - Gott mit uns“ oder „Jesus – Gott hilft“ – diese Namen sollen mir in den Sinn kommen, wenn ich an Gott denke. Seit Weihnachten glauben Christen: Gott selbst hat sich in einem Menschen gezeigt, der Jesus heißt: Gott rettet.

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Kennen Sie den? Ein Kind fragt seinen Vater: „Gell, Oma glaubt doch an Gott?“ Der Vater: „Ja!“ Das Kind fragt weiter: „Papa, gell, wir glauben aber nicht an Gott?“ „Nein,“ brummt der Vater. Darauf das Kind: „Du, Papa, weiß Gott, dass wir nicht an ihn glauben?“
Normalerweise kann ich mir Witze nicht gut merken. Aber dieser gefällt mir. Er zeigt, finde ich, dass man Kinder nicht religiös erziehen muss. Kinder sind religiös. Sie haben das ursprüngliche Bedürfnis, sich zu binden. Sie möchten vertrauen, darauf, dass einer sie hält und tröstet und ihnen beisteht.
Natürlich sind das zuerst einmal die Eltern, wenn es gut geht auch noch andere Erwachsene, Großeltern, Verwandte, Lehrer oder Lehrerinnen vielleicht. Wie gut, wenn Kinder solche Vertrauenspersonen haben, auf die sie sich verlassen können. Aber ich kenne viele Kinder, die macht es stark und mutig, dass sie auch wissen: Gott ist für mich da. Er passt auf mich auf – und auch auf meine Eltern, auf die Geschwister, Oma und Opa, Katze und Hund.
Warum ich Ihnen das heute erzähle? Weil für die Kinder heute die Schule wieder anfängt und damit gewissermaßen das neue Jahr richtig losgeht. Und weil ich den Kindern diese Sicherheit für das neue Jahr wünsche: Gott ist für mich da. Er steht mir bei. Auch wenn das Jahr vielleicht Enttäuschungen bringt, Kummer oder wenn mir etwas Angst macht.
Gott ist da, wenn ich ihn brauche. Und er ist großzügig. Er ist da und bleibt in meiner Nähe, sogar wenn ich nicht an ihn glaube. Darin steckt ja auch: Ich muss nicht besonders folgsam sein, auch nicht besonders gut in der Schule oder sonst wie erfolgreich. Gott bleibt bei mir, er findet Wege, mir zu helfen.
Ich finde, Eltern, Großeltern, Verwandte und Lehrer sollten Kindern solches Vertrauen möglich machen. Wer Vertrauen hat, kann dem Leben tapfer entgegen gehen. Wie macht man es Kindern möglich, auf Gott zu vertrauen? Am besten natürlich, wenn man ihnen vom eigenen Glauben erzählt. Von den Situationen im Leben, in denen Gott geholfen hat und getröstet und einen Weg gezeigt. Wenn ein Kind getauft ist, kann man ihm davon erzählen: Gott hat dir ganz speziell versprochen, bei dir zu sein. Bei deiner Taufe haben wir das gefeiert.
Aber, sagen sie jetzt vielleicht, aber es gibt doch so viel, was dagegen spricht, gegen das Vertrauen auf Gott? Ja, ich weiß, da kann man vieles nennen. Irgendwann werden die Kinder darauf stoßen. Dann werden sie Fragen stellen und Antworten finden müssen. Aber: wir Erwachsenen sollten nicht für sie entscheiden wollen, ob sie glauben sollen oder nicht. Kinder sind da manchmal klüger, als wir es sind. Kein Witz!

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In unsicheren Zeiten braucht man Zuversicht und wenn möglich Gottvertrauen, sonst verliert man den Lebensmut. Dann kriegt man Angst vor dem was kommt. Man versucht, sich zu schützen und abzusichern. Erst einmal muss ich sicherstellen, dass es für mich reicht und für die, die mir anvertraut sind. Da kann man sich nicht groß Gedanken machen wegen der Umwelt oder wegen der sozial Schwächeren, hat mir neulich jemand gesagt. Ich fürchte: In unsicheren Zeiten wird man leicht kurzsichtig und engherzig.
Ich möchte Ihnen heute Morgen eine alte Geschichte erzählen, die vielleicht Zuversicht geben kann. Sie handelt von einer Mutter, die nicht weiß, wovon sie und ihr Sohn morgen leben sollen. Sie wird ziemlich am Anfang der Bibel erzählt (1. Kö 17, 8-16).
Das Land wird von einem grausamen König beherrscht und Menschen müssen fliehen. Unter anderem der Gottesmann Elia. Dann kommt auch noch eine schlimme Dürre über das Land. Da geht Elia nach Sarepta ins benachbarte Ausland. Er hatte den Rat Gottes gehört: dort würde eine Witwe ihn versorgen. Als Elia ans Stadttor von Sarepta kommt, trifft er dort diese Frau. Der erschöpfte Elia sprach sie an: „Bring mir etwas zu trinken und bitte auch einen Bissen Brot!“ Nun waren Gastfreundschaft und Sorge für Fremde damals im Nahen Osten ein hoher Wert. Trotzdem hat die Frau geantwortet: Ich habe nur noch eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Daraus will ich für mich und meinen Sohn etwas backen. Dann werden wir wohl sterben müssen“. Aber Elia, der Gottesmann hat der Frau Mut gemacht: „Fürchte dich nicht!“ hat er ihr gesagt. Damit fängt es wohl an, wenn Gott eine Geschichte zum Guten wendet. „Fürchte dich nicht! Mach wie du es gesagt hast. Aber bring mir zuerst etwas. Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas backen. Und Gott verspricht dir: Das Mehl im Topf und das Öl im Krug werden nicht leer werden bis diese Not zu Ende ist.“
Die Mutter, die Angst hatte um ihren Sohn hat darauf wirklich vertraut, sich nicht gefürchtet und getan, was Elia ihr vorgeschlagen hat. Und das Mehl im Topf und das Öl im Krug war jeden Tag genug und sie hatten alle drei zu essen bis die Notzeit zu Ende war.
Die Erfahrung, die diese Frau damals gemacht hat, war den Menschen so wichtig, dass sie sie in der Bibel aufbewahrt haben. Sie haben wohl gespürt: Diese Erfahrung kann auch anderen Mut machen. Was wäre geschehen, wenn die Frau nicht mit dem Fremden geteilt hätte? Wenn sie gesagt hätte, ich habe nichts abzugeben, ich muss für mich und mein Kind sorgen? Gott sei Dank hat sie so nicht gedacht. Und sie hat erlebt: Es ist genug für alle da.

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