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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Die Kinder werden es heute kaum erwarten können, endlich das letzte Türchen am Adventskalender zu öffnen - gespannt darauf, was sich dahinter verbirgt. Dieses nackte Datum "24. Dezember" verdeckt ja ein Geheimnis. Heute ist ein besonderer Tag, und dieser Morgen mündet in jenen Abend, den wir seit altersher den "Heiligen Abend" nennen. Die Christenheit feiert die Geburt Jesu in Bethlehem.

Wir werden heute abend zu Beginn der Christmette das Jesuskind in eine Krippe betten. Dort liegt es, das Kindlein, aber nicht auf Heu und auf Stroh, sondern auf zerknülltem Zeitungspapier, mitten in den Schlagzeilen von heute. Wir tun das zum Zeichen dafür, dass der Sohn Gottes hineingeboren ist auch in unsere Zeit - mit Mord und Totschlag, Lug und Trug, Flüchtlingselend und weltweiter Not. 

Wie kam Gott nur auf diese Idee? Aus Liebe zu uns Menschen, glaubt der Theologe Karl Rahner und sagt es auf seine Art: "Gott hat an Weihnachten sein tiefstes und schönstes Wort in die Welt hineingesagt. Und dieses Wort heißt: Ich liebe dich. Ich bin da, ich bin bei dir. Ich bin deine Zeit, ich weine deine Tränen. Ich bin deine Freude. Ich bin in deiner Angst. Ich bin da..."

Karl Rahner hat recht: Weihnachten ist eine Liebesgeschichte. Aber wie geht denn sowas? Können Menschen Gott lieben? Er ist uns eigentlich ein Rätsel. Nicht selten erscheint er auch in der Bibel als der ganz Andere - fremd, unnahbar und unverständlich in seinen Ratschlüssen. Zitternd und voller Furcht treten die Menschen vor ihn hin. Liebe geht anders.

Ich meine: Diese "Zitterpartie" mit Gott ist mit der Geburt Jesu zu Ende gegangen. Wir  dürfen Gott so lieben wie ein neugeborenes Kind, das wir liebevoll in die Arme schließen. Seine Hilfsbedürfigkeit rührt uns an und weckt in uns Gefühle der Zärtlichkeit und Hingabe. Ein erstes Lächeln verzaubert uns. Ja, so fühlt sich Liebe an.

So fühlt sich Gott an, denn Gott ist ja Liebe, sagt die Bibel. Das schätze ich an unserem Glauben am meisten, dass Gottes- und Nächstenliebe untrennbar miteinander  verschmelzen. Wer liebt, der ist in Gott. Er, der so ganz anders und unnahbar erscheint, hat uns sein Passwort verraten: Liebe.

Loggen Sie sich ein, wenn Sie heute abend Weihnachten feiern. Sie begegnen Gott in jedem Menschen, dem Sie in Liebe entgegen kommen. 

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"Richtet euch auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe" - dieses Wort aus dem Lukas-Evangelium (21,28), das die Kirchen im Advent verkünden, hat mich in diesem Jahr besonders berührt. "Kopf hoch", würden wir heute sagen.

Aber ist das nicht ein billiger Trost, zum Beispiel für die 60 Millionen Menschen in aller Welt, die gegenwärtig Krieg, Terror und materieller Not in ihren Ländern entfliehen und aufbrechen in eine ungewisse Zukunft? Welche Erlösung ist ihnen nahe? Und was hilft uns diese Vertröstung auf das Jenseits? Jetzt geht's erst mal darum, fast eine Million Menschen aus anderen Kulturen und Religionen aufzunehmen. Ob das gut geht, wenn immer noch mehr kommen?

Ich sehe in diesem Wort jedoch keine Durchhalte-Parole, sondern ein Handlungskonzept. "Richtet euch auf und erhebt eure Häupter" : Seinen Kopf zu erheben - das bedeutet, den Tatsachen offen ins Auge zu sehen. Es ist nun mal so: Korrupte Regierungen, fanatisierte und marodierende Banden treiben Menschen in die Flucht. Die aber haben wie wir ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben. Die Grenzen dicht - das läuft halt nicht, auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen.

Wer den Kopf hebt, sieht sich plötzlich Betroffenen gegenüber und blickt ihnen in die Augen. In ihnen flackern  Angst und Unsicherheit, noch mehr aber die Sehnsucht, endlich sicher und geborgen leben zu können. Ein kleiner Schritt nur, ein Entgegenkommen, ein freundliches Wort - und schon würden aus Fremden möglicherweise Freunde. Ich denke an zwei junge christliche Eritreer, die nun zum erstenmal weit ab von ihrer Heimat und ihren Familien Weihnachten feiern müssen. Wir laden sie in unsere Gemeinde ein.

Wer den Kopf hebt, der sieht aber auch viele Menschen, die sich als Haupt- und Ehrenamtliche für Flüchtlinge engagieren. Wir sind viele, das ist ein gutes Gefühl, das macht Mut und regt auch andere an, sich um Flüchtlingskinder zu kümmern, in Kleiderkammern mitzuhelfen oder Asylsuchende auf Ämter und Behörden zu begleiten.

Richtet euch auf, möchte ich an Weihnachten allen Helferinnen und Helfern zurufen.  Lasst euch nicht niedermachen. Ihr könnt stolz auf euch sein, und wir sind stolz auf euch. Durch eure Zuwendung haben Menschen aus Not, Verfolgung und Verzweiflung Trost, und damit ein Stück Erlösung erfahren.

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Bei der Geburt Jesu in Bethlehem ging's nicht gerade komfortabel zu. Statt im kuschligen Strampler zappelt der Säugling in einer Futterkrippe auf Heu und auf Stroh. Mehr als peinlich! Um dieser Geschichte die Dramatik zu nehmen, kleidet man sie gerne in ein "Krippenspiel" und bestäubt den Stall von Bethlehem mit ein wenig Glanz und Lametta. Wohlklingende und fromme Melodien hüllen ein, was aber dennoch nicht zu verbergen ist: Armer Leute Kind wird unter elenden Umständen geboren.

Die Christenheit erblickt in diesem Kind den Messias, den Erlöser. In wenigen Tagen feiern wir seine Mensch-Werdung. Wir glauben: Jesus ist als der Sohn Gottes aus Liebe zu uns hineingeschlüpft in ein solch armseliges Geschöpf. Er will uns Menschen gleich werden und ganz nahe sein.

Dass Jesus nicht in einem Palast, sondern arm in einem Stall zur Welt kommt, verrät die Parteilichkeit Gottes für die Armen. Schon die Geburt Jesu ist eine Kampfansage gegen die Armut. Armut grenzt Menschen aus und raubt ihnen ihre Würde. Leben verkümmert zum Kampf ums Überleben. Strukturelle, das heißt politisch verursachte oder bedingte Armut, ist Sünde. Und das gilt erst recht für die  Armut in einem reichen Land.

Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, hat nach der Bundes- nun auch die Landesregierung einen "Armuts- und Reichtumsbericht" vorgelegt. Wie zu erwarten: Neben den Langzeitarbeitslosen knabbern vor allem alleinerziehende Mütter am Existenzminimum.

Ich denke an Anja, die sich mit ihren beiden Kindern allein durchkämpfen muss, nachdem ihr Mann sie verlassen hat. Max und Laura sind nun ihr Ein und Alles. Doch wenn sie abends schlafen, pocht die Trauer an die Tür, und Anja fühlt sich manchmal schrecklich allein. Die alten Wunden wollen einfach nicht heilen. Enttäuschte Liebe - das steckt niemand einfach weg, auch Anja nicht. Vom ständigen Kampf mit ihrem "Ex" um die Unterhaltszahlungen ganz zu schweigen.

Wer Weihnachten nicht nur feiern, sondern seine Botschaft wirklich leben will, der findet das Kind nicht in der Krippe, sondern im Buggy nebenan. Vielleicht ist die alleinerziehende Mutter dankbar für Baby-Kleidung oder ein wenig Spielzeug. Man könnte ihr auch anbieten, die Kinder zu hüten, dann kann sie eine Freundin besuchen, einkaufen oder zum Arzt gehen. Ganz sicher aber tut ihr gut, dass man sie wahrnimmt, mit ihr spricht und sie fühlen lässt: Du gehörst zu uns.

 Bethlehem ist überall.

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Das Christkind spielt in diesem Jahr verrückt. Nein - nicht das in Bethlehem, sondern "El Niño" - auf deutsch: Das Kind. So nennen die Pazifik-Anrainer in Südamerika ein Wetterphänomen, das meistens um Weihnachten herum in Erscheinung tritt. In diesem Jahr, so glauben die Wetterfrösche, stehen die Zeichen heftig auf Sturm. Man rechnet mit extremen Hurrikans, sintflutartigen Regenfällen an den Küsten Süd-Amerikas und sengender Dürre in Indonesien. Doch das Christkind kann wirklich nichts dafür.

Die Erd-Erwärmung ist schuld. Sie heizt die Wasseroberfläche der Ozeane dermaßen auf, dass sich die Luftströmungen umkehren - mit verheerenden Folgen!

Der Klima-Wandel hat sich endlich auch bei den Regierungen herumgesprochen. Es scheint, dass nun beim Pariser Weltklima-Gipfel ein Durchbruch gelungen ist. Die Staaten wollen sich verpflichten, die künftige Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Wird diese Marke überschritten, werden die Pol-Kappen abschmelzen und die Meeresspiegel steigen. Millionen von Küstenbewohnern würde gar nichts anderes übrig bleiben, als Reißaus zu nehmen. Dann pochen zusätzlich auch noch "Klima-Flüchtlinge" an unsere Tür.

Um eine solche Klima-Katastrophe abzuwenden, müssen vor allem die Menschen in den reichen Ländern ihr Verhalten ändern. Denn rein statistisch trägt jeder von uns mit jährlich zehn Tonnen Kohlendioxid zur Erderwärmung bei.

Höchste Zeit für einen "Klima-Gipfel" - zuhause am heimischen Küchentisch, mit verbindlichen Vereinbarungen bitte! Würden wir im Jahr nur tausend Kilometer weniger Auto fahren -  schon wären fünf Zentner des Treibhausgases eingespart, so zeigt es  ein CO2-Rechner im Internet. Es tut eigentlich gar nicht weh, den Thermostat geringfügig runterzudrehen, den Stromverbrauch zu drosseln und weniger Fleisch zu essen. Und ab sofort kommt nichts mehr in die Plastik-Tüte! Beispiele genug - wählen Sie doch für sich was Passendes aus!

Vielleicht verliert dann auf lange Sicht "El Niño" seine Schrecken. Das Christkind verdient es wirklich nicht, als Schmuddelkind mit Klima-Katastrophen in Verbindung zu kommen. Es steht für Frieden unter den Menschen und auch für den Frieden mit der Schöpfung. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=21152