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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Heute möchte ich an Hans und Sophie Scholl erinnern. Zusammen mit ihrem Freund, Christoph Probst, wurden sie am 22. Februar 1943 in München zum Tode verurteilt und hingerichtet. Alle drei waren Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Alle drei waren jung – Anfang 20.
Mit Flugblättern hatten sie mehrfach gegen das Nazi-Regime protestiert, dessen Greueltaten angeprangert und zum Widerstand gegen Hitler aufgerufen.
David gegen Goliath. Eine Gruppe von Studenten, Künstlern und Gelehrten gegen ein perfekt organisiertes Regime. Das konnte doch nicht gut gehen. Deshalb beschäftigt mich immer wieder die Frage, was hat diese klugen Köpfe dazu gebracht, den Aufstand zu proben und das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Sophie Scholl soll wenige Tage vor ihrer Verhaftung gesagt haben:

„Es fallen so viele Menschen für dieses Regime. Es wird Zeit, dass jemand dagegenfällt“- Dagegenfallen, widerstehen, aufrütteln wollten sie die breite Masse, Gewissen der Gesellschaft sein. Vielleicht weil sie einfach nicht anders konnten. Die Geschwister Scholl waren durch ein christliches Elternhaus geprägt. Bei einer letzten Begegnung im Gefängnis, kurz vor der Hinrichtung, sagte die Mutter zu ihrer Tochter: „Gelt Sophie – Jesus.“ – Ernst, fest, fast befehlend antwortet Sophie: „Ja, aber Du auch.“

Ihre Tagebuchaufzeichnungen zeigen, wie intensiv sie sich mit dem Christentum und dem christlichen Glauben auseinandergesetzt haben. Für sie war klar, dass sich Mystik (Glaube) und Politik nicht trennen lassen. Dass gelebtes Christentum auch heißt, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Aus dieser tiefen Überzeugung heraus schreibt Hans Scholl: „Es muss ein sichtbares Zeichen des Widerstands von Christen gesetzt werden. Sollten wir am Ende dieses Krieges mit leeren Händen vor der Frage stehen: Was habt ihr getan?“.

Und Sophie schreibt an einen Freund: „… im Grunde kommt es darauf an, ob wir bestehen, ob wir uns halten können in der Masse, die nach nichts anderem als nach Nutzen trachtet. Denen um ihr Ziel zu erreichen, jedes Mittel recht ist.

Wahrscheinlich hat es bisher auch nur ein Mensch fertiggebracht, ganz gerade den Weg zu Gott zu gehen. Aber wer sucht den heute noch? …“

Hans und Sophie Scholl sind für mich Sucher dieses Weges. Sie haben es gewagt, gegen den Strom zu schwimmen und ihrem Gewissen zu folgen.

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Von Jesus wird immer wieder erzählt, wie er Kranke geheilt hat.

Menschen, die nicht sehen, nicht hören, nicht gehen konnten oder mit Aussatz geschlagen waren.

Diese Menschen waren nicht nur durch ihre körperlichen Gebrechen beeinträchtigt, sie wurden auch noch von der Gesellschaft ausgegrenzt und geächtet. Wenn Jesus Kranke geheilt hat, dann hat er sie nicht nur körperlich geheilt. Er hat ihnen auch seelisch geholfen und ihnen einen Platz in der Gesellschaft zurückgegeben.

Bei all diesen Heilungsgeschichten finde ich eines sehr auffällig: Wenn Jesus einen Menschen geheilt hatte, dann sagte er häufig zu ihm: „Und jetzt geh nach Hause.“

So auch zu einem Mann, der gelähmt war. Seine Freunde hatten ihn angeschleppt und ihn Jesus buchstäblich vor die Füße gelegt. (Mk 2,11)

„Nimm deine Bahre und geh nach Hause.“ sagt Jesus zu ihm.

 Im griechischen Urtext des Neuen Testaments steht für dieses nach Hause gehen: „Eis ta idia“ - das heißt wörtlich übersetzt:  „geh in dein Eigenes, in das dir Eigene, ....“

Das find ich bemerkenswert. Geh zu dir nach Hause, komm zu dir. Vielleicht im Sinne von: „Begreif erst mal in aller Ruhe, was dir eben passiert ist, lass es sich setzen.

Für die Fastenzeit, die in dieser Woche begonnen hat, gibt dieser Satz noch einen besonderen Impuls:

Schau, wo Du bei Dir zu Hause bist, was zu Dir gehört, was dein Wesen ausmacht. Schau, dass du zu deiner Mitte kommst. Begreif, dass Du mehr bist als gelähmt. Dass du einmalig bist und in dir ein unantastbarer Kern ruht, eine Würde, die dir  nicht genommen werden kann. Sei du selbst und bleib dir treu.

In sein Eigenes gehen, da gut hinschauen heißt für mich auch: versöhne dich mit dir und deiner Geschichte, damit du innerlich heil wirst und gut nach draußen gehen kannst. Ein Text von Martin Gutl drückt diese Erfahrung wie ich finde wunderbar aus: 

Sei deiner Tiefe treu 

Sei deiner Tiefe treu, lauf nicht fort von dir 

Bleib bei dir in allen Zeiten.

Sei ganz du, und sei es gern 

Hilf dir selbst!

Geh zu dir nach Hause.

Warte und horche 

Sammle dich

Zerstreu dich nicht 

Sei deiner Tiefe treu

So wird sich Gott

in Dir halten können

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Das Leben stellt einem manchmal anspruchsvolle Aufgaben. Kinder gut ins Leben zu begleiten. Oder damit klar kommen, älter und gebrechlicher zu werden. Die gehören für mich dazu. Besonders letztere beschäftigt mich zunehmend. Wie geht das weiter mit meinem Körper, mit meiner Gesundheit? Gleichzeitig nehme ich wahr, wie bewundernswert manche alte Menschen mit Ihren Gebrechen umgehen können. Indem sie nicht verbittert mit ihrem Schicksal hadern, sondern irgendwie damit klar kommen, dass es halt leider nicht mehr so geht wie früher.

„Weißt Du, das tut grad gleich weh, ob ich gut oder schlecht drauf bin“, meinte neulich eine ältere Dame, die ich sehr schätze – „da bin ich doch lieber gut drauf – das ist besser für mich und mein Umfeld“. Alle Achtung, wenn jemand so eine Haltung einnehmen kann – wohlwissend, dass das nicht für alle und jeden geht und es Schmerzen gibt, die zum Himmel schreien.

Wie komme ich zu so einer Haltung, wie kann ich mich gut einüben ins Älterwerden?

Bei Teresa von Avila, der großen Kirchenlehrerin aus dem 16. Jahrhundert habe ich zu diesem Thema einen Gebet gefunden, das mir gefällt und das ich mir hinter die Ohren schreiben möchte - als einen humorvollen Leitfaden fürs Älterwerden:

Erhalte mich liebenswert

O Herr, du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.

Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.

Lehre mich, nachdenklich, aber nicht grüblerisch,

hilfreich, aber nicht bestimmend zu sein.

Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade, sie nicht ständig weiterzugeben – aber du verstehst, Herr, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe  zu gelangen.

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden.

Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir Leidensberichte anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Einsicht, dass ich mich irren kann.

Erhalte mich so liebenswert wie möglich.

Ich möchte kein Heiliger sein – mit ihnen lebt es sich so schwer -,

aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken,

und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, es ihnen auch zu sagen.

                                                                                                       Teresa von Avila

 

(aus: Freude – Schätze aus 20 Jahren „Der andere Advent“, Hamburg 2014, S.31)

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Der Aschermittwoch setzt eine eindeutige Zäsur. Er markiert das Ende der närrischen Zeit. Mit ihm beginnt die Fastenzeit…oder die österliche Bußzeit.

Das hört sich ernst an. Ernüchternd und ernst sind auch die Worte und Zeichen, die zu diesem Tag gehören. In den katholischen Kirchen wird den Gläubigen im Gottesdienst ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet und jedem einzelnen gesagt: “Bedenke Mensch, dass du Staub bist, und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“

Das ist ein Brauch – das sind Worte, bei denen es mir ganz anders wird- Mitten im Leben werde ich daran erinnert, dass ich sterben muss. Das was sonst auch klar ist, dass Leben begrenzt ist und zerbrechlich wird an diesem Tag schonungslos ausgesprochen.

Passend zum heutigen Tag hat der Pfarrer und Maler Sieger Köder eines seiner Bilder „Aschermittwoch“ genannt. Links hängt ein buntes Narrenhäs. Es schwebt frei an einem Nagel, seine Ärmel lösen sich fast auf. Am Boden davor liegt ein Hut mit einer Rose. Beides eher im Dunkeln. Doch im Hintergrund rechts gibt es eine offene Tür im Licht, durch sie hindurch scheinen Sterne am Himmel.

Was will der Künstler mit dem Bild sagen? Er ist ja erst vor wenigen Tagen gestorben. Ich deute das Bild so:  Es kommt der Tag, an dem ich meine äußere Hülle zurücklassen muss, Ich muss den schützenden Hut ablegen und darauf blicken, was einmal mein Leben war. Ich habe aber auch die Hoffnung, dass es da eine offene Tür gibt. Einen Weg ins Licht und dass dabei ein Stern vorangeht und den Weg zeigen wird.

Dieser Stern, den der Künstler gemalt hat, ist der Stern aus Jakob. Er taucht in der Bibel an mehreren Stellen auf und steht zuletzt – für Jesus Christus. Mit seinem Zeichen, dem Kreuz, wird heute Asche auf meine Stirn gezeichnet. Das ist ein Zeichen für Tod aber auch für neues, ewiges Leben. Wir gehen zu Gott – das war auch der tiefe Glaube von Sieger Köder. Er hat sein Bild an anderer Stelle deshalb „A-Dieu“ –zu Gott – genannt.

In diesem Sinne tröstet mich die Segnung mit dem Aschekreuz. Und der Satz lässt mich innehalten, der dazu gesagt wird: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“

Mir wird bewusst, dass ich nicht endlos Zeit habe. Ich möchte mir heute eine Zeit gönnen, um zu überlegen, was für mich wirklich wichtig und wesentlich ist. Hinschauen, wo ich meinen eingefahrenen Kurs korrigieren möchte und was ich tun kann um meinen Tagen wieder mehr Leben zu geben.

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 Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen... an diesem Fastnachtsdienstag, mit dem die fünfte Jahreszeit zu Ende geht.

Heute sind sie noch einmal unterwegs die Narren oder bunten Mäschkerle, die letzten großen Umzüge laufen, der letzte Faschingsball oder Kehraus findet statt. Doch um Mitternacht ist Schluss. Dann wird die Maske abgenommen, hinter der man sich wunderbar verstecken konnte und einmal eine andere Rolle spielen durfte.

Von diesem Maskenablegen um Mitternacht hat mir meine Großmutter erzählt. Spannend sei es gewesen. Schließlich habe man sich mit großem Aufwand verkleidet um ja nicht erkannt zu werden. Dann der große Augenblick. Wer steckt hinter welcher Larve; so hat meine Oma die Masken immer genannt.

Das Aha-Erlebnis sei selten eine böse Überraschung gewesen. Eher ein freudiges Wiedererkennen. „Mensch, des bisch ja du!“

(Mensch das bist ja du.)

Wenn ich schaue, was sich hinter einer Maske verbirgt, dann entdecke ich etwas Neues. Ich sehe die gleiche Person auf einmal mit ganz anderen Augen. Damit könnte sich die Chance verbinden, von einem festgefahrenen Bild Abschied zu nehmen, in meinem Gegenüber mehr und anderes zu sehen als bisher.

Gleichzeitig ist es spannend, für den, der die Maske abnimmt. Was passiert, wenn er sich zeigt, wie er wirklich ist. Sich - ungeschützt und ungeschminkt den Blicken aussetzt? Wenn er, sozusagen entlarvt ist. Entlarven - ein Wort, das eher unbehaglich klingt - schwingt dabei zunächst ertappt oder überführt mit, wie im Krimi. Das klingt eher negativ.

 Dabei ist Larve schlicht das lateinische Wort für Maske. Und wenn ich daran denke, dass aus einer Larve ein wunderschöner Schmetterling werden kann… dann steckt in diesem Wort - entlarven - auchso was wie eine Verheißung:

Ich kann mich sehen lassen, so wie ich bin. 

Huub Oosterhuis, ein niederländischer Theologe und Dichter hat ein Gebet verfasst, in dem der Wunsch zum Ausdruck kommt, behutsam entlarvt zu werden: 

Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.
Wer mich entlarvt hat, wird mich finden.
Ich hab Gesichter, mehr als zwei.
Augen, die tasten vor im Blinden.
Herzen aus Angst die vor Angst vergehn.
Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.
Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.
Wer sich entlarvt sieht, wird gefunden
und wird ganz neu sich selbst verstehn,
wird leben, offen, unumwunden
und nirgends hin verloren gehn.
Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.    

Huub Oosterhuis

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Die Narren sind los. Landauf, landab wird Fasnet, am Rhein Karneval gefeiert. Bei Umzügen und Bällen herrscht munteres Treiben, die Menschen wirken heiter und losgelöst von dem, was sonst ihren Alltag prägt und bestimmt.

Ich glaube, dass für viele diese Unterbrechung des Alltags etwas Schönes und Befreiendes ist: Einmal nicht alles bierernst nehmen zu müssen, auf den Straßen tanzen und singen, vielleicht sogar einmal über die Stränge schlagen dürfen…

Warum nicht – solange andere dadurch nicht zu Schaden kommen. Vielleicht braucht es diese fünfte Jahreszeit auch, um einmal all dem, was an schlimmen und furchtbaren Nachrichten uns Tag für Tag erreicht, entfliehen zu dürfen.

Wenigstens für ein paar Stunden – denn jeder Narr weiß, dass das nicht von Dauer sein kann und uns die nüchterne Realität am nächsten Morgen, spätestens aber am Aschermittwoch einholt.

Dann stellt sich die Frage, was bleibt von der Heiterkeit, war sie nur aufgesetzt oder gibt es einen tragenden Grund für meine Lebensfreude?

Der humorige Kabarettist vom Niederrhein, Hanns Dieter Hüsch,   begründet seine Heiterkeit und Lebensfreude damit, dass er sich von Gott getragen weiß. Er schreibt: 

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit,
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit. 
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin,
vom Kindbett bis zur Leich. -
Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen. -
Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt. -
Ich bin vergnügt, erlöst befreit,
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.      

Hanns Dieter Hüsch

(aus: Ders. /Uwe Seidel. Ich stehe unter Gottes Schutz, Düsseldorf 1996) 

An so einen Gott glaube ich – nicht nur in der Fasnet. An einen, der uns das Lachen lehrt und durchs Leben trägt. Und dass er das weiterhin tun möge, dass wünsch ich uns allen, nicht nur an diesem Morgen.

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„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“ – an diesem alten Spruch ist was Wahres dran. Und noch mehr stimmt er für mich, wenn ich ihn ergänze: „Gemeinsam essen und trinken hält Leib und Seele zusammen. Gemeinsame Mahlzeiten sind mehr als reine Nahrungsaufnahme, Kontakte werden dabei geknüpft und gepflegt und den meisten Menschen schmeckt es, wenn man zusammen am Tisch sitzt, einfach besser.
Das bestätigen mir auch Menschen, die in Trauer sind. Sie sitzen notgedrungen zu Hause plötzlich allein am Tisch und bekommen kaum etwas runter. Wenn wir bei unseren Treffen in der Gruppe für Trauernde miteinander eine Kleinigkeit essen sind sie überrascht, welch guten Appetit sie plötzlich mit anderen zusammen entwickeln.

Gemeinsam Essen kann etwas Heilsames haben.  

Auf dieser menschlichen Grunderfahrung baut auch ein Projekt auf, das mich fasziniert. Es nennt sich „Cuisine sans frontieres“ – Küche ohne Grenzen. Der Verein versucht verfeindete Menschen in Krisengebieten der Welt an einen Tisch zu bringen – Mit Essen und Trinken. (SZ vom 3./4. Jan 2015, S.64)

 Verrückt dachte ich - Wie soll das gehen? David Höner, einer der Initiatoren dieses Projekts, das vor 10 Jahren in der Schweiz entwickelt wurde, sagt: „Wir wollen Orte schaffen, an denen sich Menschen austauschen und wieder Gemeinsamkeiten finden.“

Cuisine sans frontieres hat zum Beispiel im Dreiländereck Uganda, Kenia und Südsudan  ein Lokal eröffnet, in einer Wellblechhütte: Zehn Tische, drei Gerichte, dazu die geniale Lage an  einer der wichtigsten Fernstraßen Afrikas. Hier treffen sich fremde Menschen auf der Durchreise und wenn es gut geht, reden sie ein paar Takte freundlich miteinander. Ehrenamtliche Mitarbeiter, wie Köche, kommen aus Europa. Sie schulen das einheimische Personal, das sich zum Teil aus miteinander verfeindeten Stammesangehörigen zusammensetzt.

Ziel ist es, nach einigen Jahren, wenn alles soweit gut läuft, die Lokale der einheimischen Bevölkerung zu übergeben. David Höner ist Idealist, manche Rückschläge musste er einstecken, das eine oder andere Lokal weltweit schließen. Denn ein Lokal aufmachen und dann ist Frieden, das funktioniert nicht so einfach. Aber unterm Strich bleibt die positive Erfahrung, dass gemeinsam Essen und Trinken nicht nur Leib und Seele zusammenhält sondern die Menschheitsfamilie zusammenführen kann, weil sie Menschen dazu einlädt, sich wieder miteinander an einen Tisch zu setzen.

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