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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Sie sind ein Kind Gottes. Wie klingt das für Sie? Freuen Sie sich darüber oder sagen Sie: nein, danke. Das ist mir eine Nummer zu groß.
Ihr seid alle Kinder Gottes durch den Glauben an Jesus Christus sagt die Bibel. Der Satz ist kurz und doch ist er eine gute Grundlage, mit der ich leben und mit anderen zusammen leben kann. Er hilft mir, mich und andere zu verstehen.
Das war nicht immer so. Es gab auch Zeiten, da wollte ich kein Kind mehr sein. Nicht einmal ein Kind Gottes. Das waren besonders die Jahre, als ich froh war, aus dem Elternhaus ausgezogen zu sein. Ich war froh, dass ich frei entscheiden konnte, wie ich meinen Tag gestalte, wann ich aufstehe und was ich esse. Alles was nach Kind klang, nach abhängig und angewiesen auf Vater und Mutter, das klang wie eine Bedrohung meiner Freiheit.
Heute sehe ich das anders. Gottes Kind sein macht Menschen nicht schwach und unmündig. Es stellt sie hinein in einen weiten Raum, in die alles umfassende Wirklichkeit, die wir Gott nennen. Das sehe ich als ein Geschenk. Es ist ein Privileg, göttliche Wurzeln zu haben, von Gott herzukommen und ihn als Ursprung meines Lebens zu sehen.
Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum mir dieser Satz so wichtig ist. Dieser Satz drückt auch die Verbundenheit zwischen mir und den anderen Menschen aus. Er legt somit eine Spur zu Gemeinschaft und Frieden. Durch Gott sind wir als Menschen miteinander verbunden. Von ihm kommen wir her. Diese Verbindung müssen wir nicht erst herstellen. Wir stehen schon mittendrin. Schade, dass wir sie im Alltag oft vergessen. Ich glaube, Gott hat diese Verbundenheit schon immer gewollt. Sein Sohn Jesus Christus lehrt uns beten: „Vater unser". Daher glauben wir Christen: Wie Jesus sind auch wir mit Gott verbunden wie Kinder mit ihrem Vater. Und ebenso mit unseren Schwestern und Brüdern rund um die Erde.
Darum kann mir das Schicksal der Textilarbeiterinnen in Bangladesch nicht egal sein. Es sind doch meine Schwestern, die da in einsturzgefährdeten Hallen arbeiten. Daran denke ich, wenn ich mir ein T-Shirt kaufe. Ich will, dass ihre Arbeit sie nicht krank macht und dass sie davon leben können. Auch darum ist für mich der Satz so wichtig, dass wir alle Gottes Kinder sind.

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Lieber Gott mach doch. So fangen viele Gebete an.
Lieber Gott mach doch...Und dann kommt, was wir uns wünschen, was wir brauchen. Was Gott tun soll, weil wir es nicht können. Er soll:
die Schwester von Krebs heilen
den Freund gesund vom Bundeswehr-Einsatz zurückbringen
machen dass der Krieg aufhört
und dass Mama und Papa wieder miteinander reden.
Lieber Gott mach doch. Wenn wir unsere Möglichkeiten ausgeschöpft haben und wir am Ende sind mit unserem Latein, dann ist Beten wie ein Leuchtturm. Da ist noch einer, der mich sieht in meiner Dunkelheit. Zu dem ich sagen kann: Gott, ich bin am Ende mit meinen Möglichkeiten, ich kann nichts mehr tun. Hilf du. Tu du, was ich nicht kann. Schenke du Heilung. Motiviere Menschen zum Frieden. Gib du Lebensmut.
Was immer es ist, wir dürfen bitten. Es tut gut, dass wir darauf vertrauen können, da ist einer, mit dem wir reden können, aussprechen, hinausschreien, weinen. Wir brauchen nicht allein bleiben mit unserer Krankheit, mit unserer Sorge, mit unserer Enttäuschung. Im Gebet verbinde ich mich mit einer Kraft, die wirken kann. Das stärkt meine Zuversicht und gibt mir Geduld auszuhalten und nach guten Lösungen zu suchen.
Es gibt aber Situationen, da habe ich kein gutes Gefühl zu beten: Lieber Gott mach doch.
Ich entdecke, dass dahinter eine Haltung stehen kann, die Gott zum himmlischen Versandhaus macht. So ein Gebet kann dann wie eine Ausrede sein. Wir Menschen drücken uns, das zu tun, was wir selbst  tun sollen: die Meere schützen, Luft und Wasser gesund erhalten. Anstatt selbst Hand anzulegen, bitten wir: Lieber Gott mach doch. Er soll dafür sorgen, dass alle Menschen zu essen haben. Er soll die Flüchtlinge aufnehmen. Wo doch Jesus uns in Gottes Namen sagt: gebt ihr ihnen zu essen. Schickt sie nicht fort, delegiert das nicht an andere und auch nicht an Gott. Euch hat er aufgetragen, die Güter der Erde gerecht zu verteilen, so dass es für alle reicht.
Lieber Gott mach doch. Gott kann helfen, dass wir tun können, was er uns aufgetragen hat, dass wir seine Hausverwalter in der großen Wohnanlage Erde sind, dass wir
seine Bäckerinnen sind, um die vielen hungrigen Menschen zu versorgen. Natürlich dürfen wir dafür um Kraft bitten, um gute Ideen und Mut. Eben: lieber Gott mach doch

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Im Juni hat sich Tom Buhrow von seinem Publikum verabschiedet. Sieben Jahre lang war er Moderator bei den Tagesthemen. Von daher ist er sicher vielen von Ihnen bekannt. Einfühlsam hat er seine Worte zum Abschied ausgewählt, und ganz am Schluss hat er seinen Zuschauerinnen und Zuschauern  Zuversicht gewünscht. Das hat mich berührt.
Ich kenne das Wort Zuversicht aus der Bibel. In den Psalmen ist es oft zu finden. Zuversicht ist das, was Menschen brauchen, wenn rein äußerlich nichts mehr geht,
wenn es nicht gut aussieht und vieles gegen eine glückliche Lösung spricht.
Die Bibel erzählt in vielen Geschichten von Menschen, die Rettung erlebt haben. Als alles verloren schien, gab es einen trockenen Weg durch die Fluten oder einen Ausweg aus dem Gefängnis.  Das hat die Menschen ermutigt auf Gott zu bauen. Sie hatten gute Erfahrungen gemacht und konnten nun  sagen: es lohnt sich, die Hoffnung nicht aufzugeben und immer wieder neu anzufangen. Die biblischen Geschichten werden nicht müde zu erinnern, dass Gott eingegriffen hat und dass es deshalb  ganz anders gekommen ist als zu erwarten gewesen wäre. So erinnern sie uns: Setzt eure Zuversicht auf Gott. Vertraut darauf, dass es besser werden kann als es jetzt aussieht. Denn da ist noch eine andere Hand im Spiel, da wirken noch andere Kräfte als eure eigenen. Das haben viele Menschen vor euch erlebt.
Ich weiß nicht, ob Tom Buhrow an biblische Geschichten denkt. Aber jedenfalls weiß er offensichtlich, was wichtig ist mitten in den  Schreckensmeldungen, Krisenherden und Überflutungen. Er hat mich erinnert: Gerade dann, wenn wir es mit den dunklen Seiten der Welt zu tun haben, wenn wir mit ansehen müssen, was Menschen einander antun, dann braucht es Zuversicht. Vertrauen auf Gott. Eine Sicht, die trotz allem die Welt und die Menschen nicht aufgibt. Die trotz vieler Widersprüche dabei bleibt: es lohnt sich dennoch, die Erde zu schützen und für den Frieden zu arbeiten.
Zuversicht erinnert an die guten Erfahrungen der Vergangenheit. Und Zuversicht hofft auf etwas, das größer ist als wir Menschen sind. Auf eine rettende Kraft und eine schützende Hand. Zuversicht ist die Kraftquelle, die uns schlechte Nachrichten aushalten lässt ohne zu verzweifeln.
Und weil wir das jeden Tag neu brauchen, darum wünsche ich Ihnen für heute Zuversicht.

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Wer offen ist, kann mehr erleben. So hieß das Motto für die Interkulturelle Woche 2013. Vor gut einer Woche ist sie zu Ende gegangen. Sie hat Werbung gemacht für Toleranz und ein menschliches Miteinander, das niemanden ausschließt, weil er anders ist.
Wer offen ist, kann mehr erleben. Zahlreiche Vorträge und Konzerte, Mitmach-Aktionen und Gottesdienste hat es in dieser Woche gegeben. Man konnte wirklich eine Menge erleben. Vielleicht waren Sie auch irgendwo dabei.
Das Wichtigste aber, finde ich, passiert nicht bei den Mega-Veranstaltungen, von denen die Medien berichten.  Das Wichtigste geschieht in den Köpfen und Herzen. Es lebt von vielen kleinen Schritten, die in unserer Stadt, in unserem Dorf, an unserer Schule, im Kindergarten, in meinem Frauentreff und in der Laufgruppe gemacht werden.
Wer offen ist, kann mehr erleben. Wir brauchen nicht immer zuerst das Trennende zu  betonen. Das gibt es schon, aber es gibt auch vieles, was uns als Menschen verbindet. Wir brauchen nicht zu urteilen, wie sie sich kleiden, was sie essen oder wie sie beten. Wir können anfangen sie zu grüßen und ihre Kinder mitnehmen, wenn wir unsere zum Fußball fahren. Von einer Mutter weiß ich, dass sie einem Jungen, der mit seinen Eltern vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen ist, bei den Hausaufgaben hilft. Sie sagt: Ich bin nachmittags meist zu Hause. Da kann ich doch ab und zu in zwei Hefte schauen und - wenn nötig - weiterhelfen, vor allem in Deutsch.
Mehr erlebt auch eine Frau, die  seit Jahren eine gehbehinderte Frau aus Togo abholt und zum Sprachkurs für ausländische Mitbürgerinnen fährt. Sie erzählt: Während Eli in der Klasse ist, kaufe ich ein, mache meine Erledigungen: Bank, Post, Weltladen. Schnell ist die Stunde um. Auf der Heimfahrt erzählt sie mir, was sie heute gelernt haben. Am Anfang war das schwierig, denn ich kann nicht Französisch, nur einige Brocken Englisch. Da habe ich gemerkt, wie anstrengend es ist, wenn man etwas sagen will und es fehlen einem die Worte dafür. Das kann richtig Stress machen, ja das kann wehtun. Von Zeit zu Zeit essen wir zusammen. Dann erfahre ich etwas über ihre Heimat, über ihre Kirche und die Frauen dort.
Die Begeisterung der Frau ist zu spüren. Durch ihre Offenheit kommt sie mit einer ganz anderen Welt in Berührung. Wer offen ist, kann mehr erleben.

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Du bist mein Engel.
Vielleicht sagen Sie das auch manchmal. Zu dem Mann, den Sie lieben. Oder zu der Frau, ohne die sie nicht mehr leben wollen. Du bist mein Engel. Manches mal höre ich, wie das eine Frau zu ihrem Enkelkind sagt: du bist mein Engel, und ich kann nachempfinden, welches Glück ein Kind in das Leben von Großeltern bringen kann.
Menschen können für andere ein Engel sein. Können rettend eingreifen und zu Schutzengeln werden. Denn - wie es in einem Gedicht heißt - es müssen nicht Männer oder Frauen mit Flügeln sein, die Engel. Es können ganz normale Menschen sein. Auch Kinder können zu Engeln werden. Davon habe ich vor einigen Wochen in der Zeitung gelesen. Melina, ein zehnjähriges Mädchen aus Karlsruhe, hat einem 89jährigen Mann das Leben gerettet hat. Er war gestürzt bei einem Spaziergang im Park und konnte sich selbst nicht helfen. Erwachsene gingen vorbei. Das Mädchen hat auf dem Handy seine Mutter angerufen. Diese verständigte einen Krankenwagen. So konnte dem Mann geholfen werden. Durch seine Aufmerksamkeit und sein Mitgefühl ist das Mädchen zu einem Schutzengel geworden. Aufmerksam  sein und  rettend eingreifen kann Menschen zu Engeln machen.
Ein Engel sein für andere. Das gilt auch für Menschen, die in ihrem Beruf für andere da sind. Die durch ihren Einsatz Menschenleben retten oder deren Häuser vor Feuer und Wasser schützen. Das tun die Feuerwehren und die Polizei. Wirklich zu Engeln werden können auch Menschen, die pflegen und begleiten. Kinder trösten. Patientinnen während der Chemo Mut machen, wenn sie aufgeben wollen, weil sie am Ende ihrer Kräfte sind. Das sind Engel.
Ein Engel, das ist ein Mensch, den mir der Himmel schickt. Frauen und Männer, die nicht bloß ihren Job machen, sondern noch etwas anderes. Eben etwas, was mit dem Himmel, mit Gott zu tun hat. Sie verbreiten Zuversicht, Licht und Wärme. Durch sie wird es wieder heller.
Ein Mann hat mir erzählt, dass er nicht so recht an Gott glauben kann. Aber dass es Engel gibt, das glaube ich, hat er gesagt. Das habe ich selbst schon erlebt, sonst wäre ich heute nicht mehr hier. Und dann hat er von einem Rettungssanitäter erzählt, dem er sein Leben verdankt.
Vielleicht können manche Engel auch den Weg zu Gott weisen, denn sie sind ja seine Boten. In seinem  Auftrag sind sie unterwegs - auch heute.

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Danke sagen ist nicht nur eine Sache der Erziehung. Danken ist wie Antwort geben auf Dinge, auf Ereignisse und Begegnungen, die mir das Leben schenkt. Es sagt etwas darüber, wie ich mich und mein Leben verstehe. Als Gabe, die nicht selbstverständlich ist. Als Geschenk, auf das ich kein Recht habe, das ich mir nicht verdienen kann. Bewusst  zu empfangen gibt meinem Leben Sinn und Tiefe. So gesehen ist Danken auch eine Folge des Nachdenkens.
Als Kind war das Danken manchmal eine ungeliebte Pflicht für mich. Hast du auch danke gesagt. Vielleicht erinnern Sie sich auch an diesen Satz. Er hat aufgefordert zu Diener oder Knicks, Hand geben, in die Augen schauen - und eben danke sagen.
Bei Verwandten oder Paten, die weit weg wohnten, musste man einen Brief schreiben. Da war ein großer Teil der Freude über das Geschenk schon futsch, denn jeden Abend wurde gefragt: hast du deinen Brief geschrieben und danke gesagt.
Wenn ich heute sage, dass das Danken dem Leben Sinn und Wert gibt, dann meine ich natürlich nicht diese Pflichtübung aus Kindertagen. Ich finde Danken so wertvoll, weil es mich einführt in das Geheimnis des Lebens. Es lässt mich erkennen, dass ich mein Leben nicht selbst machen kann. Das Glück geliebt zu werden,  das Gefühl gebraucht zu sein, das Erlebnis gesund zu sein, alles Dinge, die ich nicht selbst hervorbringen kann. Natürlich ist mein Beitrag gefragt, ich kann etwas dazu tun, aber ich kann es nicht machen. Je tiefer wir graben, umso mehr finden wir uns eingewurzelt in einen tiefen Grund, der uns versorgt und unser Leben nährt und trägt. Dies zu erkennen macht mich dankbar.
Wenn ich höre, wie ein Mann sagt: warum soll ich für mein Essen danken, ich habe doch hart dafür gearbeitet, dann ist das zu kurz gesprungen. Er übersieht, dass er gesund ist, und arbeiten kann, dass er einen Arbeitsplatz hat, dass es Menschen gibt, die Salat pflanzen und Brot backen, damit er essen kann.
Ich glaube, wir leben immer von anderen und letztlich von Gott. Von uns allein können wir nicht leben. Davon singt auch ein Lied von Hans-Dieter Hüsch, wo es heißt:
Wer mich ansieht, sieht viele andere nicht, die mich genährt, gelehrt, gekleidet haben, die mich geliebt, gepflegt, gefördert haben. Mit jedem Schritt gehen viele Schritte mit.
Mit jedem Dank gehen viel Gedanken mit.

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