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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

In einer Todesanzeige habe ich gelesen: „Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang - nur vor dem Tode derer, die mir nah sind" Und als Begründung: „Bedenkt, den eignen Tod, den stirbt man nur. Doch mit dem Tod der anderen muss man leben".
Der Tod der anderen, der Freunde oder der Verwandten, ist nicht leicht zu tragen, das habe ich auch schon erlebt. Aber ist deshalb der eigene Tod wirklich nicht zu fürchten?
Doch, sagen die einen. Ich fürchte den Tod. Ich weiß ja nicht, wie das ist.
Nein, sagen die anderen. Ich habe keine Angst vor dem Tod.
Wie man zum Tod auch steht, ob man ihn fürchtet oder nicht - er kommt, und er kommt für alle, und niemand weiß genau wann.
Auch prominente Menschen müssen sterben. Befragt ob sie sich vor dem Tod fürchten, geben sie ganz verschiedene Antworten, wie wir auch. Dabei scheint bei manchen so etwas wie Glaube oder Hoffnung auf das ewige Leben durch.
Die Geigerin Anne-Sophie Mutter sagt: Ich würde gerne unbemerkt verreisen, würde gern einfach einschlafen oder einen unauffälligen Adresswechsel vornehmen. Das wäre schön. Und sie fährt fort: Wir sind alle eingespannt, die Tage sind von Pflichterfüllung geprägt, aber trotzdem muss man sich immer wieder die Frage stellen: Was will Gott von uns? Was will ich in meinem Leben bewirken? Nehme ich meine Umwelt wahr? Wie geht es meiner Seele?
Und Tom Buhrow, vielen bekannt von den Tagesthemen, antwortet auf die Frage, ob er den eigenen Tod fürchtet: Ich fürchte ihn und hoffe zugleich, dass ich das eines Tages loswerde. Ich beneide Menschen, die dem Tod gelassen entgegenblicken. Und er gibt zu: Ich sage regelmäßig: ich glaube an das ewige Leben, aber wenn ich ganz ehrlich bin, ist das etwas, das im Dunkeln liegt und mir auch Angst macht.
Irgendwie ehrlich finde ich diese Antworten. Sie geben die Angst vor dem Tod zu. Ich höre aber auch so etwas wie Trost heraus, wenn die Rede ist vom ewigen Leben und von der Auferstehung. Was damit gemeint sein kann? Mir hilft das Bild von der Hand, in die ich falle und darin für immer geborgen bin. Aus dieser Hand Gottes kann ich nicht fallen, auch nicht, wenn ich sterbe. Woher ich das weiß? Aus der Bibel. Beweisen kann ich es nicht, aber ich glaube es.

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Wenn schon genießen dann richtig, habe ich eine Frau sagen hören. Sie hat in die Schokolade gebissen und gelacht. Ich konnte ihr ansehen, dass sie es herrlich findet, wie das schmilzt und schmeckt. Wenn schon genießen, dann richtig. Nicht an Kalorien denken, nicht vom Abnehmen sprechen. Jetzt nur kein schlechtes Gewissen haben, sondern einfach reinbeißen.
Wenn schon genießen dann richtig. Dabei denke ich auch an etwas anderes. Wenn schon genießen, dann fair. Nicht auf Kosten der Menschen, die Kaffee oder Kakao ernten oder Orangen pflücken und dabei Schwerstarbeit leisten. Oft sind es Kinder, die arbeiten.
Es nützt den Menschen im Süden wenig, wenn wir ein schlechtes Gewissen haben und dann alle keine Schokolade oder keine Bananen mehr kaufen. Die Kleinbauern im Süden haben viel mehr davon, wenn wir beim Einkaufen Waren aus gerechtem Handel nehmen. In den Weltläden und in den Regalen der großen Lebensmittelläden gibt es vieles aus fairem Handel. Kaffee, Reis und Kakao, Schokolade und Mangosaft - sogar Gummibärchen.
Der faire Handel achtet auf menschliche Arbeitsbedingungen und bezahlt gerechte Löhne. Deshalb ist gerechter Kaffee und faire Schokolade auch etwas teurer. Meistens haben sich die Menschen im Süden zu kleinen Genossenschaften zusammengeschlossen. Sie teilen sich den Gewinn. Gemeinsam bauen sie eine Schule oder richten eine Krankenstation ein. Andere schaffen sich zusammen einen Traktor an.
Beim fairen Handel kommt es nicht darauf an, Gewinn zu erzielen und diesen dann aus Mitleid wieder zu spenden. Es geht darum, die Menschen im Süden für ihre harte Arbeit fair und gerecht zu bezahlen und sie darin als Menschen mit Würde zu behandeln. Eine Frau vom Weltladen sagt: Es ist wichtig, dass wir die Menschen im Süden als unsere Mitmenschen sehen und ihnen als Partner auf Augenhöhe begegnen. Das passt ganz gut zu dem, was Jesus die Liebe zum Nächsten nennt.
Die Nächsten können auch 6000 km weit entfernt leben. Sie haben ein Recht zu essen, zu trinken und zu wohnen. Sie wollen ihre Kinder in die Schule schicken, und wenn sie Zahnschmerzen haben zum Zahnarzt gehen.  Wer Waren aus gerechtem Handel kauft, unterstützt das. Immer mehr Kantinen, Büros und Kirchengemeinden schließen sich an. Denn: Wenn schon genießen, dann richtig - und fair.

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Ich hätte gerne 100 Gramm ewiges Leben, hat die Kundin vor mir im Teeladen gesagt. Die Verkäuferin nimmt eine der vielen silbernen Dosen, öffnet sie und wiegt 100 g ewiges Leben ab. Sorgfältig klebt sie das Etikett mit dem Namen darauf. Ewiges Leben. Die Kundin zahlt und geht.
Als ich an der Reihe bin, sage ich zur Verkäuferin: Jetzt machen Sie uns auch noch Konkurrenz. Bisher dachte ich, wir in der Kirche sind für das ewige Leben zuständig. Jetzt kann man das sogar 100grammweise bei Ihnen bekommen. Wir haben zusammen darüber gelacht und dann hat sie die Dose herunter geholt. Wollen Sie mal riechen? fragt sie. Riecht irgendwie himmlisch. Süßlich, aber nicht schwer.
Und warum heißt der Tee ewiges Leben? frage ich. Da ist ein Kraut drin, von dem die chinesische Medizin sagt, dass es zu einem langen Leben verhilft, erklärt sie. Aha: ewiges Leben wird verstanden als langes Leben, immer so weiter, eben ewig leben.
Stimmt denn das? Ich frage mich, warum wir das nicht aus den Köpfen bekommen können. Ewiges Leben als endloses Weiter so. Etwas anderes als das, was jetzt ist, können wir uns anscheinend nicht vorstellen. Da nehmen wir einfach das Bekannte und ziehen es lang wie einen Kaugummi.
Wenn ich an den Tee denke, der „Ewiges Leben" heißt, dann fällt mir ein, dass es nicht auf die Länge der Zeit, sondern auf die Qualität der Zeit ankommt. Das kann ich ja beim Teetrinken erfahren. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen da und trinken in Ruhe eine Tasse Tee. Sie haben Zeit. Dankbar blicken Sie auf den Tag zurück oder Sie gehen offen und heiter hinein in einen neuen Morgen. Sie spüren eine Kraft, die aus der Stille kommt. Sie fühlen sich hineingenommen in den Strom des Lebens, mit christlichen Worten gesagt: geborgen in Gott, umgeben von seiner Liebe.
Diese Bilder passen besser zum ewigen Leben, finde ich, als einfach nur weiter so. Nach der Bibel ist ewiges Leben ein anderes Leben, es ist in Gottes Gegenwart gelebtes Leben, von seiner Kraft durchdrungenes Leben. Die Grenzen, an denen wir uns jetzt reiben, sind weg, sie sind aufgehoben. Ewiges Leben ist nicht einfach die Fortsetzung von dem, was immer war. Vielleicht kann ich es umschreiben mit: im Frieden mit allen und allem und auch mit mir selbst. Für einen Augenblick bricht da die Ewigkeit in die Zeit ein, in so einem Augenblick können wir Gott erleben.

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Mutig für Menschenwürde, so heißt das Motto für die Friedensdekade 2012, die nächste Woche beginnt. Auf den Plakaten steht es mit weißen Buchstaben auf schwarzem Grund. Davor viele bunte Hände, die sich mutig in die Höhe strecken. Mutig für Menschenwürde.
Menschenwürde klingt irgendwie feierlich. Man kann an unser Grundgesetz denken, wo es im 1. Artikel heißt: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Menschenwürde ist irgendwie kein Alltagswort wie Parkplatz oder Kaffeemaschine. Was es bedeutet, das ist aber für den Alltag. Es sagt: jeder Mensch, jeder Mann, jede Frau und jedes Kind hat einen Wert, hat Würde, weil er oder sie ein Mensch ist. Egal ob er in Miete wohnt oder in einer Villa, egal ob er privat oder pflichtversichert ist, ob er hier geboren ist oder von irgendwo anders her kommt.
Menschenwürde kommt einem Menschen zu, vom ersten bis zum letzten Augenblick. Deshalb ist Menschenwürde nicht zuerst etwas fürs Gesetzbuch oder für den Aktenschrank. Menschenwürde ist zuerst etwas für den Alltag.
Menschenwürde beginnt gleich um die Ecke.
Oder, wie hier bei mir, 100 m weiter, da wo das Alten- und Pflegeheim steht. Wo Frauen und Männer leben, die nicht mehr für sich selbst sorgen können. Sie wissen nämlich nicht mehr, wie das alles geht, was sie früher so selbstverständlich gemacht haben.
Im gleichen Haus arbeiten Männer und Frauen, die diese Menschen pflegen. Sie waschen, anziehen, ihnen das Essen reichen, mit ihnen zur Toilette gehen.
Marina ist so eine Altenpflegerin, wie viele ihrer Kolleginnen kommt sie aus Osteuropa. Sie erzählt: Wenn wir Zeit haben, fahren wir mit ihnen im Rollstuhl um den Block. Manches Mal sehen wir, wie Erwachsene verstört schauen, vielleicht weil der eigene Vater oder die Mutter auch in so einem Heim lebt. Oder Kinder bleiben stehen und fragen, warum der Opa so dick angezogen ist. Es gibt auch welche, die sich laut wundern, dass die Pflegenden heutzutage aus aller Herren Länder kommen. Ob sie die alten Leute überhaupt verstehen? Hoffentlich merken sie, wie liebevoll die Altenpflegerin aus Osteuropa dem alten Herrn im Rollstuhl die Wolldecke über die Knie zieht.
Menschenwürde beginnt gleich um die Ecke.
Im Altenheim. Oder an der Straßenbahnhaltestelle sein, an der Joschi jeden Morgen wartet, bis seine Bahn kommt. Er kann nur einsteigen, wenn ihm jemand dabei hilft. Und meist ist da jemand.
Menschenwürde beginnt gleich um die Ecke.

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Andern hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen. Das hat einer gesagt, der miterlebt hat, wie Jesus gekreuzigt wurde. Diese Worte könnten auch über manch anderem Leben stehen. Manchmal denkt man das im Stillen. Manchmal wird es laut ausgesprochen. Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.
Ein Arzt wird im ganzen Ort geschätzt für seine warme Art, den Menschen beizustehen. Und dann wird bei ihm selbst eine schlimme Krankheit festgestellt, für die es keine Hilfe gibt.
Und eine Lehrerin, die sich über den Unterricht hinaus um ihre Schüler bemüht, die das Gespräch sucht mit den Eltern, die sich um jeden einzelnen kümmert: sie muss mit ansehen, wie eines ihrer eigenen Kinder die Schule abbricht und mit Freunden durch die Stadt zieht.
Da sind auch heutzutage die Spötter schnell dabei mit ihrem Kommentar. Der klingt dann wie in der Geschichte von Jesus: Anderen hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen.
Wie ging das aus? Wie wurde Jesus fertig mit diesem Vorwurf? Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten, auf solche Worte zu reagieren. Der eine wirft sich ins Zeug, um das Gegenteil zu beweisen. Ein anderer wird zornig, weil er diese Vorwürfe für ungerecht hält. Wieder ein anderer ist enttäuscht und fühlt sich einmal mehr nicht verstanden.
Vielleicht hat Jesus damals auch gedacht, ihr habt ja recht, anderen habe ich oft geholfen, aber für mein eigenes Leid weiß ich keinen Ausweg (Lk 23,39). Jedenfalls hat Jesus es geschehen lassen. Er hat die Worte stehen lassen und auch die, die sie gesagt haben. Er blieb seinem Weg treu. Er hat darauf vertraut, dass dies sein Auftrag war und dass auch dieser schwere Schritt zu seinem Leben gehörte. So wie er vorher unterwegs war, mal mit den Menschen, mal alleine. Wie er gesprochen hat mal mit seinen Freunden und mal mit seinen Gegnern. Als die ihn beleidigten und ihn klein kriegen wollten, als sie versuchten, ihn aus der Welt zu schaffen, da ging er weiter. Er hat anscheinend gewusst, das gehört zu meinem Weg, und er hat geglaubt, auch auf dieser schwierigen Wegstrecke bin ich mit Gott verbunden. Der hat mich ja auch bis jetzt begleitet.
Gott hat diesen Jesus auch dann nicht im Stich gelassen, als er sterben musste. Ich glaube, darum kann die Erinnerung an Jesus denen helfen, die sich selber nicht helfen können. Sie haben Grund zu hoffen, dass sie nicht allein sind. Gott steht bei ihnen.

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Brauchen Menschen Vorbilder? Wünschen Sie sich jemanden, von dem Sie sagen: so möchte ich sein - das möchte ich auch machen - so möchte ich leben?
Ich glaube, wir Menschen brauchen Vorbilder. Nicht so sehr, um genauso zu werden wie sie, sondern um die zu werden, die wir sein sollen.
Jesus war so ein Vorbild und ist es bis heute. Keine Angst, Sie brauchen jetzt nicht übers Wasser zu gehen, wie es die Bibel von ihm erzählt, oder mit fünf Broten und zwei Fischen ein kleines Dorf satt kriegen.
Für mich ist Jesus ein Vorbild dadurch, dass er die Liebe lebt. Er lehrt nicht nur das Gebot, sondern er lebt es: Du sollst lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit deiner ganzen Kraft. Gott und die anderen, die die Bibel die Nächsten nennt - und auch dich selbst sollst du lieben.
Mit dieser Liebe hat Jesus geliebt. Die Kinder und die Kranken, die auf die schiefe Bahn geraten waren und die niemand leiden konnte. Jesus hat sie angehört und angesehen, er hat auch mal ein kritisches Wort gewagt gegen die Selbstgerechten, das gehörte auch zu seiner Liebe.
Besonders in seiner Beziehung zu Gott ist Jesus ein Vorbild. Er hat ihn liebevoll seinen Vater genannt und ihm völlig vertraut, wenn er sagt: Nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.
Was dann passiert, wenn eine sich Jesus als Vorbild nimmt, das kann man an Schwester Karoline Meyer sehen. Das Größte, sagt sie, ist die Liebe, und das lebt sie auch. Sie lebt mit den Menschen in den Slums von Santiago de Chile. Sie arbeitet und kämpft mit ihnen. Einmal um eine Schule, dann um einen Wassertank, auch um Lehrstellen für die Jugendlichen. Und sie feiert mit ihnen, wann immer es einen Grund gibt zu feiern.
Wer Schwester Karoline trifft, begegnet einer Frau, die viel Liebe ausstrahlt und Begeisterung. Wie kann das sein inmitten von soviel Armut und Ungerechtigkeit, habe ich sie gefragt.
Und Schwester Karoline hat geantwortet: Ich lebe in enger Verbindung mit Gott. Er ist für mich eine lebendige Kraft. Ich rede mit ihm, ich frage ihn um Rat, ich bitte ihn um Hilfe. Und wie Jesus schaffe auch ich das nur in Verbindung mit Gott. Meine Kraft, meine Liebe, meine Hoffnung wären dafür viel zu klein. Mit Gott können wir Großes angehen und auch erreichen, sagt sie. Und sie muss es ja wissen.

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