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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Eine Szene wie aus einem Krimi, steht aber in der Bibel. Jesus hat sie erzählt: Ein Mann wird an einer gefährlichen Stelle im Gebirge von Räubern überfallen. Sie schlagen ihn zusammen, rauben ihn aus. Als nichts mehr zu holen ist, lassen sie ihn halbtot liegen. Da kommt einer auf genau diesem Weg. Er sieht ihn liegen mit seinen Verwundungen, und als er ihn sieht - eilt er vorbei. Er hat einen wichtigen Termin. Er muss zum Gottesdienst in Jerusalem sein.

Nach dem ersten kommt noch ein zweiter. Der hat das gleiche Ziel. Nur ein wenig niedriger in der Stellung. Aber auch er geht vorbei. Und beruhigt sich damit, dass er zum Dienst im Tempel und das heißt zum Gottesdienst unterwegs ist. Wichtige Aufgabe, heiliges Ziel - und die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.

Zum Glück kommt noch ein dritter Reisender vorbei. Es heißt, er war ein Ausländer, heute würden wir sagen, ein Mensch mit Migrationshintergrund. Also keiner vom eigenen Volk, wie die beiden ersten. Und genau der hält an, versorgt seine Wunden, hievt ihn auf sein Reittier und bringt ihn zur nächsten Herberge. Dort lässt er den Überfallenen in der Fürsorge des Wirtes zurück und bietet an, später zu bezahlen, was die Versorgung kosten würde.

Ich weiß nicht, was in den Köpfen der beiden Männer vorgegangen ist, die vorbei gegangen sind. Vor lauter religiöser Pflicht haben sie die erste aller Pflichten vergessen: die Menschlichkeit. Oder hatten sie Angst, selbst überfallen zu werden oder wollten sie sich einfach nicht die Finger dreckig machen. Das lässt sich nur vermuten.

Ich spüre, wie diese Geschichte mich herausfordert. Sie stellt die Frage, wo ich weitereile und nicht helfe. Wo ich vor lauter Pflicht das Naheliegende vergesse. Oft scheint mir, ich hätte keine Zeit. Soll ich zu spät kommen, weil ich einem Lastwagenfahrer aus Litauen erkläre, wie er aus einer engen Gasse wieder auf die Bundesstraße findet?

Aber irgendwie finde ich es zu einfach zu sagen: ich habe keine Zeit. Der dritte Reisende, der sich gekümmert hat, der hatte auch ein Ziel wie die anderen. Für ihn war die Strecke genauso gefährlich. Aber er nahm sich Zeit und ließ sich seine Pläne durchkreuzen. Sein Mitgefühl war stärker als sein Pflichtbewusstsein.

Wie oft gibt es auch bei mir solche Unterbrechungen. Eine Frau eilt bei Regen zum Bahnhof und ich lasse sie in mein Auto einsteigen oder vor der Post bleibe ich beim Kinderwagen stehen, bis die Mutter zurück ist. Dafür nehme ich in Kauf, dass ich zu spät komme. Ich finde: für solche Augenblicke der Menschlichkeit muss Zeit sein.

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Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an. Wie wahr das ist, erlebe ich immer wieder. Hier ein Beispiel, das mich besonders beeindruckt hat:
Da standen ein paar junge Männer an der Haltestelle. Eine Flasche Bier in der Hand. Eine in der Hosentasche. Und vielleicht schon zwei im Magen. Die Gruppe debattiert recht lebhaft: wie das Spiel ausgehen und wer die Tore schießen wird. Ein kleiner Abstand zu den übrigen Fahrgästen hat sich gebildet. Alle warten auf die Straßenbahn.

Als die kommt, geraten alle in Bewegung. Jeder will einen Sitzplatz und alle drängen hinein. Jetzt ist eine Frau an der Reihe zum Einsteigen. Es ist nicht zu übersehen, dass sie ein Kind erwartet, und sie hat einen ziemlich großen Koffer dabei.
Da sagt der junge Mann mit der Bierflasche in der Hosentasche: Darf ich Ihnen helfen? Freundlich. Korrekt. Keine Anmache. Darf ich Ihnen helfen?
Ihre Antwort habe ich nicht gehört. Ich sehe nur, wie er sie vor sich einsteigen lässt und dann ihren Koffer nach oben hievt.
Gerade der, von dem ich das eher nicht erwartet hätte.  Er ist aufmerksam, er wendet sich zu und hilft.

Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an. Er blickt durch, lässt sich nicht blenden von einem sympathischen Aussehen. Er weiß um den wirklichen Wert der Menschen. Er sieht jeden und jede mit den Augen des Herzens, mit den Augen der Hoffnung.

Natürlich machen wir uns Gedanken über die Menschen, die mit uns und um uns leben. Das ist klar. Meine guten - aber auch die schlechten Erfahrungen brauche ich nicht zur Seite schieben. Sie können mir nützlich sein und dabei helfen, geschickter mit anderen Menschen umzugehen und mich auf neue Situationen einzulassen. Ich will ihnen aber nicht erlauben, dass sie mich festlegen. Ich will mich nicht verführen lassen zu urteilen und andere zu verurteilen, nur weil sie anders aussehen oder sprechen wie die meisten.

Weil Gott offen ist für jeden und jede, kann auch ich offen bleiben für das, was auf mich zukommt. Kann Ereignissen und Menschen immer neu begegnen und bereit sein für Überraschungen. Auch wenn der erste Eindruck nicht der beste ist, ist es nicht schlecht, noch eine Türe offen zu lassen. Denn manches Mal sieht man erst auf den zweiten Blick, was in einem Menschen steckt.

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Beweglich sein und fit bleiben ist ein Ziel, das viele Menschen haben. Es kommt ganz praktisch dem Leben und der Gesundheit zugute. Es gibt aber auch so etwas wie eine geistliche Beweglichkeit.

In einem Gebet aus der Bibel (Psalm 18) heißt es: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. Ich verstehe das so: ohne diese Beziehung zu Gott, der uns geschaffen hat, werde ich unbeweglich. Steif. Ich versteife mich auf meine eigenen Ansichten und Pläne. Ich setze meine Erfahrungen absolut und rechne nicht damit, dass es auch anders gehen könnte. Aber der Glaube an Gott hält mich beweglich. Mein Vertrauen auf Gott kommt der Gesundheit meiner Seele zugute. Sie bleibt lebendig. Sie wird nicht hart, sondern bleibt geschmeidig. Ich kann drüber springen, über meine Bedenken, über meine Resignation und Mutlosigkeit.
 
Nicht immer schaffe ich den eleganten Sprung. Manchmal denke ich schon vorher, dass es schiefgehen wird. Ich kriege Angst, dass ich es nicht packe. Das kann mich recht aus der Spur bringen. 

Eine Frau erzählt: Meinem Mann wurde eine Traumstelle in Perú angeboten. Wir hatten alles miteinander besprochen und geplant. Doch plötzlich bekam ich Angst, dass ich das nicht schaffe. Mit drei kleinen Kindern in der Fremde. Ohne die Unterstützung meiner Eltern und ohne Freunde. Außerdem konnte ich nicht gut Spanisch. Eine Freundin machte mir Mut: Schau in dein Leben, was hast du nicht schon geschafft. Du wirst auch Kraft bekommen, das zu meistern. Und du wirst auch dort Menschen finden, die dich unterstützen. Verlass dich darauf. Und so kam es. Wir gingen und es wurde sehr gut für uns alle.

Über Mauern springen, das kann auch heißen, dass ich einen großen Schritt mache über ein Unrecht, das ich ertragen musste. Ich kann Altes hinter mir lassen. Ich kann mir von Gott helfen lassen zu verzeihen Das befreit den anderen, der unter seinem Fehler leidet und nicht weiß, wie er ins Reine bringen kann, was geschehen ist. Das befreit auch mich selbst. Ich gewinne neuen Bewegungs- und Beziehungs-Spielraum. Ich kann unbeschwert auf den anderen zu gehen.

Ich sage nicht, dass das einfach ist und jeder Sprung gelingt. Aber ein Versuch lohnt sich. Einer der auch nicht wusste, wie er die nächsten Schritte schaffen sollte, war Dietrich Bonhoeffer. Er hat gebetet: Gott, ich verstehe deine Wege nicht, doch du weißt den Weg für mich. Das hat ihm geholfen. Und am Schluss war er bereit, mit Gott, wenn es sein musste, auch über die letzte Mauer zu springen.

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Ein Hammer kann eine recht nützliche Sache sein. Wenn ein Bild aufzuhängen ist oder wenn ein Pfosten wackelt. Ein Hammer ist ein kraftvolles einfaches Werkzeug. Der Schreiner braucht ihn, der Mechaniker auch, und in keiner Hobbywerkstatt darf er fehlen.

An einer Stelle in der Bibel wird Gottes Wort mit einem Hammer verglichen. Gottes Wort wie ein Hammer. Also gar nicht die sanfte Kraft, sondern eben wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt, so lese ich es im Buch des Propheten Jeremia (23, 29).

Ich bin gespannt, was Gottes Wort in der Werkstatt meines Lebens fertig bringt und wie sich der Stein meines Lebens bearbeiten lässt. Schon oft habe ich erfahren: Gottes Wort macht mir Lust zu leben. Es fordert mich heraus, mit meinen Möglichkeiten etwas anzufangen. Es  bestärkt mich, meine Pläne in die Tat umzusetzen.

Manche Menschen spornt Gottes Wort und Wille an, den Dingen auf den Grund zu gehen, so dass  andere manchmal sagen: du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Sie stellen die entscheidenden Fragen z.B. wie die Tiere besser geschützt werden können, denn sie sind - wie die Bibel sagt - ja auch Gottes Geschöpfe. Oder die Frage, warum die einen immer mehr und die anderen immer weniger zum Leben haben. In der Bibel aber, in diesem Buch mit Worten und Geschichten von Gott, heißt es an vielen Stellen: Gott will für alle seine Menschen das Leben. Daher macht Gott uns Menschen dafür verantwortlich, dass auch geschieht, was in seinem Sinn ist. Wir sollen die Güter der Erde und die Chancen zum Leben miteinander teilen.

Dieses Wort zeigt mir, worauf es ankommt, was für ein Zusammenleben mit anderen Menschen beachtet sein will. Rücksichtslosem Verhalten erteilt Gottes Wort eine Absage, oder im Bild gesprochen: versetzt es einen Schlag.

Gottes Wort fordert mich auch heraus. Etwa wenn es nicht locker lässt, mich daran zu erinnern, dass ich die Fehler meiner Mitmenschen verzeihen soll anstatt nur darauf zu warten, bis ich es ihnen heimzahlen kann. Dass ich nicht verurteilen soll, sondern die andere so annehmen wie sie ist. Da erweist sich Gottes Wort als Werkzeug für den Frieden.

Gottes Wort - das ist wirklich der Hammer. Die alten Gewohnheiten werden aufgedeckt. Was nicht hält und trägt wird abgeklopft, so gibt es Platz für neue Worte und Taten.

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Ich mach das doch nicht zum ersten Mal. Fast gekränkt klingt seine Antwort. Dabei hat ihn seine Kollegin nur gefragt, ob sie ihm helfen soll. Ich mach das doch nicht zum ersten Mal.

Da ist einer stolz, dass er Bescheid weiß. Er kennt sich aus. Ihm ist sofort klar, wie der die Sache anpacken muss. Das gibt Sicherheit und Vertrauen in das eigene Können. Aber diese Selbstsicherheit hat auch eine negative Seite: Man gerät leicht in einen eingefahrenen Trott. Immer die gleiche Arbeit, jeden Tag dieselben Probleme, eine Woche wie die andere.Ein Hammer kann eine recht nützliche Sache sein. Wenn ein Bild aufzuhängen ist oder wenn ein Pfosten wackelt. Ein Hammer ist ein kraftvolles einfaches Werkzeug. Der Schreiner braucht ihn, der Mechaniker auch, und in keiner Hobbywerkstatt darf er fehlen.

An einer Stelle in der Bibel wird Gottes Wort mit einem Hammer verglichen. Gottes Wort wie ein Hammer. Also gar nicht die sanfte Kraft, sondern eben wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt, so lese ich es im Buch des Propheten Jeremia (23, 29).

Ich bin gespannt, was Gottes Wort in der Werkstatt meines Lebens fertig bringt und wie sich der Stein meines Lebens bearbeiten lässt. Schon oft habe ich erfahren: Gottes Wort macht mir Lust zu leben. Es fordert mich heraus, mit meinen Möglichkeiten etwas anzufangen. Es  bestärkt mich, meine Pläne in die Tat umzusetzen.

Manche Menschen spornt Gottes Wort und Wille an, den Dingen auf den Grund zu gehen, so dass  andere manchmal sagen: du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Sie stellen die entscheidenden Fragen z.B. wie die Tiere besser geschützt werden können, denn sie sind - wie die Bibel sagt - ja auch Gottes Geschöpfe. Oder die Frage, warum die einen immer mehr und die anderen immer weniger zum Leben haben. In der Bibel aber, in diesem Buch mit Worten und Geschichten von Gott, heißt es an vielen Stellen: Gott will für alle seine Menschen das Leben. Daher macht Gott uns Menschen dafür verantwortlich, dass auch geschieht, was in seinem Sinn ist. Wir sollen die Güter der Erde und die Chancen zum Leben miteinander teilen.

Dieses Wort zeigt mir, worauf es ankommt, was für ein Zusammenleben mit anderen Menschen beachtet sein will. Rücksichtslosem Verhalten erteilt Gottes Wort eine Absage, oder im Bild gesprochen: versetzt es einen Schlag.

Gottes Wort fordert mich auch heraus. Etwa wenn es nicht locker lässt, mich daran zu erinnern, dass ich die Fehler meiner Mitmenschen verzeihen soll anstatt nur darauf zu warten, bis ich es ihnen heimzahlen kann. Dass ich nicht verurteilen soll, sondern die andere so annehmen wie sie ist. Da erweist sich Gottes Wort als Werkzeug für den Frieden.

Gottes Wort - das ist wirklich der Hammer. Die alten Gewohnheiten werden aufgedeckt. Was nicht hält und trägt wird abgeklopft, so gibt es Platz für neue Worte und Taten.

Bald kann dich nichts mehr überraschen. Da bleiben ganz viele Möglichkeiten ungenutzt.

Aber es könnte ja auch ganz anders gehen. Ich denke an eine Geschichte aus der Bibel. Da hat Jesus seinen Freunden, die Fischer waren, geraten, dass sie es noch mal anders probieren sollten. Sie hatten sich die ganze Nacht abgemüht. Umsonst. Die Netze waren leer geblieben.

Und da kommt Jesus und verlangt von den Männern, sie sollen tun, was eigentlich kein erfahrener Fischer tut: bei Tag fischen gehen. Dazu müssen sie allerdings für einen Augenblick ihre Erfahrung beiseite lassen. Jetzt können sie nicht sagen: Mensch Jesus, das machen wir doch nicht  zum ersten Mal. Wenn sie sich nur auf Routine und Erfahrung verlassen hätten, dann hätten sie ihre Chance verpasst.

Die Männer, das muss ich ihnen lassen, hatten ein gutes Gespür. Jetzt war nicht der Stolz auf die Erfahrung dran. Jetzt zählte nur die Chance. Die Möglichkeit, dass es anders vielleicht besser wäre. Jesus öffnet ihnen die Augen für das, was sie noch nie so gemacht hatten. Darauf haben sie sich eingelassen. Und es hat funktioniert. Sie machten das, was sie immer gemacht hatten. So als machten sie es zum ersten Mal. Sie vertrauten darauf, dass es heute anders werden kann.

Wenn ich das heute in meinen Dienstag nehme, dann lädt mich die Geschichte ein: Geh in deinen Tag und an deine Arbeit, so als ob du sie zum ersten Mal machen würdest. Halte dich nicht zu sehr an deinen Erfahrungen fest. Schon gar nicht an den schlechten. Sag nicht: Das hat keinen Sinn. Das wird sowieso nichts. Vertrau darauf, dass es heute anders werden kann, als es bisher immer war. Vielleicht zeigt sich ja eine neue Chance? Vielleicht taucht eine ungeahnte Möglichkeit auf? Warum sollte das nur damals bei den Fischern klappen und nicht bei mir heute?

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Es gibt Menschen, die gehören allen. Dass sie auf die Welt gekommen sind, hat der ganzen Menschheit etwas gebracht. Ich glaube Gott hat sie uns geschenkt. Sie haben Spuren hinterlassen, die die Zeit nicht verwischt hat, und ein Feuer angezündet, das ihre Gegner nicht auslöschen konnten. Was sie gesagt und getan haben, hat die Welt menschlicher und gerechter, ja  freier gemacht.

An wen denken Sie? Vielleicht an Albert Schweitzer und Martin Luther King. Sie sind in den Fußspuren von Jesus gegangen. Sie waren Vorbilder der Menschlichkeit und Streiter für Gerechtigkeit.

Zu diesen Menschen gehört für mich auch  Mahatma Gandhi. Er gilt als Begründer des gewaltlosen Widerstandes. Heute vor 63 Jahren, am 30. Januar 1948 ist er gestorben. Er wurde ermordet.
Mahatma Gandhi wuchs in einer vornehmen indischen Familie auf. In England hat er Rechtswissenschaft studiert. Nach Jahren ohne berufliches Glück wurde er nach Südafrika gerufen. Er sollte einem indischen Geschäftsmann zu seinem Recht verhelfen. Dort sieht er die schreiende Ungerechtigkeit der südafrikanischen Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Ja, er hat sie am eigenen Leibe erfahren. Einmal war Gandhi im Zug unterwegs. Er reiste erster Klasse. Der Schaffner fordert ihn auf in das Abteil der dritten Klasse zu wechseln. Das sei das richtige Abteil für  die nicht weißen Fahrgäste. Gandhi weigerte sich und zeigte sein Ticket erster Klasse vor. Da warfen sie ihn aus dem Zug.
 
Von da an gehörte seine Leidenschaft dem Kampf für gleiche Rechte, die wollte er für seine indischen Landsleute in Südafrika.
Später ging er nach Indien in seine Heimat zurück.
1920 kam er ins indische Parlament und führte die Partei an, die sich für ein  unabhängiges Indien einsetzte. Er baute den gewaltlosen Widerstand gegen die Kolonialmacht England auf. Als eine besondere Aktion ist der Salzmarsch bekannt geworden. Da führte Gandhi viele Menschen gegen die militärisch überlegenen Engländer. Sie wollten Salz gewinnen, doch das war nur der Regierung erlaubt. Es waren einfach nur Menschen, alle ohne Waffen, aber mit dem gemeinsamen Willen etwas zu bewegen. Unbeirrbar und stark im Vertrauen, dass Gott auf der Seite der Unterdrückten steht. Viele wurden dabei festgenommen - auch Gandhi selbst. Dennoch war es ein erfolgreicher Schritt auf dem Weg in die Unabhängigkeit.

In seinem Elternhaus war Mahatma Gandhi als Hindu aufgewachsen. Er verehrte jedoch auch Jesus und hielt große Stücke auf das, was er lebte und sagte.
Zu seinen hinduistischen Freunden sagte er einmal: Wenn es nur um die Bergpredigt ginge, hätte ich kein Problem, mich einen Christen zu nennen.

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Ich finde Sonntag ist eine tolle Sache. Wenn es ihn nicht gäbe, müssten wir ihn erfinden. Sonntag ist anders. Wenn wir den Sonntag nicht hätten, gäbe es nur noch Werktage. Das wäre schade, denn erst im Wechsel von Arbeiten und Ausruhen kann man spüren, wie viel Leben in beidem steckt: in der Arbeit und in der Ruhe

Ich jedenfalls brauche den Sonntag. Nach 6  Arbeitstagen freue ich mich auf diesen Tag. Da stimmen mir auch andere Menschen zu. Und geben dann ganz verschiedene Antworten, was für sie am Sonntag Besonderes dran ist: da kann ich ausschlafen, da kann ich mit meinen Kindern spielen, da kann ich meine alten Eltern besuchen, da kann ich einfach mal nichts tun, da kann ich meinen Krimi fertig lesen.

Da kann ich einfach sein und sein lassen. Und es Gott nachmachen, von dem es heißt: An sechs Tagen hat er gewirkt und geschafft und am siebten Tag hat er ausgeruht von seinen Werken. Und dann schaute er sich an, was er zustande gebracht hatte, und er fand es sehr gut.

Jede Zeit hat ihre eigene Weise, den Sonntag zu feiern.
Als Kind hat mir meine Großmutter davon erzählt, wie das war mit dem Sonntag, als sie noch ein Mädchen war. Sie sagte: wir haben unsere Sonntagskleider angezogen. Wir gingen in die Kirche. Am Sonntag wurde in der Stube gegessen, mit der weißen Tafeldecke und dem guten Service. Und da es unter der Woche wenig Fleisch gab, schmeckte der Sonntagsbraten besonders  gut. Für uns Kinder aber war der Nachtisch wichtiger als der Braten. Und auch den gab es nur sonntags.

Die Zeiten der Großmutter sind vorbei. Die Frage aber bleibt: Wie können wir dem Sonntag ein erkennbares Gesicht geben? Wodurch kann er etwas von diesem besonderen Glanz bekommen, den Gott ihm gegeben hat, damit wir leben und nicht bloß arbeiten?

Für mich bekommt der Sonntag seinen Glanz vom Gottesdienst. Oft halte ich ihn selbst. Aber auch, wenn ich keinen Dienst habe, mache ich mich gerne auf den Weg zur Kirche. Ich setze mich zu den anderen in die Bank. Ich höre Worte, die meiner Seele gut tun, Worte, mit denen ich leben kann. Dort kann ich singen, das befreit die Seele. Mir gefallen die Lieder, wo es ums Danken geht und um Gottes Kraft zum Leben. Am Schluss dann der Segen, der mich einlädt: mach dir keine Sorgen, du gehst nicht allein. Gott geht mit dir, auch in der neuen Woche.

Ich brauche den Sonntag. Diese beste Erfindung der Woche. Und je besser mein Sonntag ist, desto mehr freue ich mich wieder auf den Alltag.

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