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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Sie sah mich nicht an. Ich sah sie nicht an. So lernten wir uns kennen." So beginnt eine Geschichte von Regina Bollinger.
Wochenlang gehen zwei Frauen schweigend aneinander vorbei. Die Geschichte handelt davon, wie sich das ändert. Die beiden begegnen sich nämlich immer wieder. Und weil die eine dunkelhäutig ist und deshalb auffällt, riskiert die andere, die weißhäutige Deutsche, einen Blick. Aber sie sprechen nicht miteinander, noch nicht.
Dann, eines Tages, reißt der Afrikanerin der Henkel ihrer Einkaufstüte. Das Obst kullert heraus. Die Deutsche hilft ihr beim Einzusammeln und das verändert alles.
„Ich musste sie nun immer anlächeln und ihr zunicken, wenn wir uns im Treppenhaus trafen", steht in der Geschichte.
Und irgendwann, nach Wochen, wird aus dem Lächeln ein „schönes Wetter heute" auf Deutsch und ein zweiter Wetterbericht, vermutlich auf Swahili. Und schließlich eine Einladung zum Tee.
„Weißt du, es wird Zeit, dass wir miteinander reden", sagt die Deutsche." Und es ist mir egal, ob wir uns verstehen... Ich habe nicht geringste Ahnung, wer du bist, wo du herkommst, was du gelernt und gearbeitet hast. Lass uns einfach annehmen, dass du aus Afrika hierher gekommen bist. Vielleicht bist du ein politischer Flüchtling oder eine Künstlerin... Vielleicht schreibst du ein Buch über Deutschland?"
Die Afrikanerin sitzt da mit ihrer Teetasse in der Hand und hört aufmerksam zu. Die weiße Frau hatte schon fast vergessen, wie das ist, wenn jemand einfach nur dasitzt und ihr zuhört.
„Es war ein wunderbares Gefühl, jenseits aller Worte verstanden und angenommen zu werden. Ich erzählte ihr von meiner Kindheit,... meinen schlimmsten Geheimnissen und den jüngsten Erlebnissen. Auch sie redete inzwischen wie ein Wasserfall und vor meinem inneren Auge entstanden Bilder: von ihrer Heimat, den widrigen Umständen hier, dem großartigen Kerl, dem sie den ersten Job verdankte, der kranken Tante, ihrer Ausbildung,..."
So, schreibt Regina Bollinger, entstand die Freundschaft der beiden Frauen - die eine schwarz, die andere weiß. Keine spricht die Muttersprache der anderen. Und sie verstehen sich doch. Sie unterstützen sich gegenseitig. Sie geben sich Halt. Zwei Menschen, die sich nicht gesucht und die sich trotzdem gefunden haben. Ganz ohne Sprachtest und Arbeitserlaubnis. Eine Geschichte vom Himmel auf Erden.

Die Geschichte „Schneewittchen auf der Treppe" von Regina Bollinger erhielt im Rahmen des Literaturpreises Ruhr „Babylon Ruhr" den Förderpreis 2010.

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„Wenn er nadelt, dann fliegt er raus", sagt meine Nachbarin. Und: „Eine Woche gebe ich ihm noch." Sie sieht das ganz praktisch. Solange der Christbaum nicht nadelt, kann er stehen bleiben.
Meine Nachbarn vis a vis, die machen es anders. Sie haben einen festen Termin. Pünktlich am Dreikönigstag wird der Christbaum abgeschmückt, denn in der Woche drauf ist die Weihnachtszeit vorbei. Das ist traditionell der evangelische Brauch. Katholischer Brauch ist es, wenn der Christbaum bis Maria Lichtmess stehen bleibt, also bis zum 2. Februar. Jedenfalls war das früher so. Und manche Leute pflegen die evangelische oder die katholische Tradition des Christbaumabschmückens auch heute noch.
Aber ganz egal, ob am Dreikönigstag oder an Maria Lichtmess. Ist der Baum erst einmal abgeschmückt, kehrt eine gewisse Ernüchterung ein. Nicht nur, weil jetzt die trockenen Tannennadeln weggekehrt werden müssen. Es fehlt auch etwas im Zimmer. Der Glanz, der Schmuck, die Kerzen. Die Weihnachtszeit ist vorbei. Es ist wieder Alltag.
Ich finde es wichtig, diesen Übergang in den Alltag genau so sorgfältig zu gestalten, wie ich auch die Festtage zu Weihnachten vorbereitet habe.
Deshalb bin ich gar keine Freundin von - „wenn er nadelt, fliegt er raus". Mir ist es wichtig, den Baum genau so sorgsam abzuschmücken, wie ich ihn am 23. Dezember herausgeputzt habe. Die Zeit nehme ich mir. Zusammen mit dem alten Weihnachtsschmuck lege ich dann auch ein paar neue Erinnerungen aus dem vergangenen Jahr in meine Weihnachtskiste. Die Strohsterne, die ich selbst als Kind gebastelt habe, gehören dazu und die, die meine Kinder dieses Jahr gebastelt haben. Alles wird sorgsam wieder eingepackt. Die geerbten Glaskugeln und die selbstgekauften Engel. Mit all den kleinen Dingen verbinden sich ja auch Erinnerungen an Menschen, an Orte, an unterschiedliche Lebenssituationen und an sehr unterschiedliche Weihnachtsfeste. Jedes Weihnachten war irgendetwas anders in meinem Leben. Und vieles davon fällt mir wieder ein, wenn ich mir die zwei Stunden Zeit nehme, den Baum in Ruhe abzuschmücken.
Das ist für mich dann fast so etwas wie im Tagebuch lesen, oder besser, im Lebensbuch. Und dafür bin ich dankbar. Auch dafür, dass das weihnachtliche Brauchtum mir die Zeit dafür einräumt. Und danach fühle ich mich ganz gut gerüstet für den Alltag nach Weihnachten.

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Es ist mir wichtig, dass die Kreidezeichen das ganze Jahr über dran bleiben. Aber heute Morgen habe ich sie vom Türrahmen unserer Haustür abgewischt. Heute ist Heiligdreikönig. Und nachher kommen wieder die Sternsinger. Es sind Kinder aus dem Dorf, evangelische und katholische, die den Segen Gottes in die Häuser bringen. Sie haben sich bunt und phantasievoll verkleidet, so wie sie sich eben die Heiligen Drei Könige aus der Bibel vorstellen.Und oft ist noch ein viertes Kind dabei. Es trägt den Stern von Bethlehem, dem die drei Könige auf ihrer langen Reise nach Bethlehem gefolgt sind.
Sie klingeln uns vor die Haustür. Sie werden singen und ihren Segensspruch aufsagen:
„Wir kommen aus dem Morgenland. Wir kommen geführt von Gottes Hand. Wir wünschen euch ein fröhliches Jahr: Caspar, Melchior und Baltasar."
Und dann holt einer die Kreide aus der Tasche und malt uns wieder neue Zahlen und Buchstaben an den Türrahmen: 20 +C+M+B+ 11. Die 20 und die 11 für das neue Jahr 2011. Und dazwischen die 3 Großbuchstaben C, M und B.
Das sind allerdings nicht die Anfangsbuchstaben der Namen Caspar, Melchior und Balthasar. Die Legende hat den 3 Weisen aus dem Morgenland diese Namen gegeben. Aber C M B über der Tür, das heißt etwas anderes. C, M und B, das sind die ersten Buchstaben eines Segenswortes in lateinischer Sprache.
Es heißt: Christus mansionem benedikat. Christus möge dieses Haus segnen.
C steht für Christus, M für mansionem und B für benedikat.
Wahrscheinlich haben die Heiligen Drei Könige, abgeleitet von diesem Segensspruch, erst ihre Namen bekommen, die genau dieselben Anfangsbuchstaben haben.
In der Bibel jedenfalls steht davon nichts. In der Bibel wird erzählt, dass drei Sterndeuter aus dem Orient einen ungewöhnlichen Stern am Himmel beobachtet haben. Sie deuten ihn als Zeichen dafür, dass irgendwo ein neuer König geboren ist, der die Welt verändern wird. Und diesen König gehen sie suchen. Unter dem Stern haben sie das neugeborene Jesuskind im Stall gefunden. Ihm haben sie ihre kostbaren Geschenke gebracht: Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Und solche Gaben erbitten die Sternsinger heute auch von den Leuten, bei denen sie an der Tür klingeln. In diesem Jahr sammeln sie für kriegsverletzte und behinderte Kinder in Kambodscha.
Und als Dank dafür bringen sie uns den Segen Gottes. Christus segne dieses Haus, segne die Menschen in diesem Haus. Ich freue mich, dass dieser Wunsch dann wieder das ganze Jahr über unserer Haustür steht.

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Die erste Januarwoche ist der Testlauf für die guten Vorsätze aus der Silvesternacht. Bei Erich Kästner habe ich gelesen:
Man soll das Jahr nicht mit Programmen beladen wie ein krankes Pferd.
Wenn man es allzu sehr beschwert, bricht es zu guter Letzt zusammen.
Je üppiger die Pläne blühen, umso verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor, sich zu bemühen, und schließlich hat man den Salat.

Stimmt. Es nützt gar nichts, sich nur etwas vorzunehmen. Man muss es auch tun. Nur, es klappt meistens nicht. Leider.
In der Bibel steht ein Satz, der mir hilft, mit dieser Erkenntnis zu leben.  Er ist vom Apostel Paulus. Der hatte sich sein Leben mit Vorsätzen auch so vollgeladen wie ein krankes Pferd.  Und ist daran gescheitert. Damals schrieb er seinen berühmten Satz: „Ich wollte schon, aber ich habe es nicht geschafft. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, tue ich." Sicherlich hat er sich dieselben Fragen gestellt, die sich auch heute viele Menschen stellen. Tue ich eigentlich die richtigen Dinge in meinem Leben? Ist das, was ich tue , auch das Richtige, das Gute?
Paulus hat eine Antwort gefunden. Er schrieb sie in einem Brief an die Urchristen in Rom. Weil er wusste, auch andere kämpfen damit, dass sie ihre guten Vorsätze nicht durchhalten können. Er schrieb sinngemäß: Ich habe erkannt, ich muss überhaupt nicht vollkommen sein. Für Gott bin ich trotzdem in Ordnung, so unvollkommen wie ich bin.
Ich finde so eine Selbsterkenntnis ausgesprochen hilfreich. " Ich wollte, aber ich habe es nichtgeschafft. Dahin muss man kommen, glaube ich. Ich brauche dann meine Kraft nämlich nicht mehr zum Schummeln. Sie steht mir zur Verfügung, um es noch einmal zu versuchen. Anders vielleicht. Oder mit anderer Hilfe. Vielleicht reichen dafür schon ein paar Klebezettel am Kühlschrank oder am PC, die mich stärken gegen das, was mich verlockt. Ich kann fachkundige Hilfe suchen, um einen anderen Einstieg zu finden.  Ich kann Gott bitten, mir Kraft zu geben es noch mal zu versuchen mit dem guten Vorsatz, das ich mir vorgenommen habe.
Erich Kästner sagt das übrigens auch:
Es nützt nicht viel, sich rot zu schämen.
Es nützt nichts, und es schadet bloß, sich tausend Dinge vorzunehmen.
Lasst das Programm! Und bessert Euch - drauflos
.

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Der Weg durch das Neue Jahr kann ganz schön lang sein. Und anstrengend .Vielleicht sogar gefährlich für Leib und Leben. Wer weiß, was da auf uns zukommt. Deshalb empfehle ich, erst einmal gut zu frühstücken. Viele haben in dieser Woche dazu ja die Gelegenheit. Weil noch Ferien sind oder weil der Resturlaub abgefeiert werden muss.
Da kann man das tun, wozu sonst oft nicht die Zeit ist: in Ruhe frühstücken. So lange und so gut, dass man danach vielleicht gar kein Mittagessen mehr braucht. Man ist satt für viele Stunden des Tages. Manche Leute sagen, das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des ganzen Tages. Sie gibt Kraft. Der ganze Körper kommt in Schwung - und die Seele mit.
Wer gut gefrühstückt hat, der ist bereit, es mit dem Leben aufzunehmen. Ich finde, so müsste man das auch mit dem neuen Jahr machen. Sich stärken, bevor es losgeht. satt aufbrechen und dann auch eine Durststrecke locker durchhalten, ohne gleich auf der Strecke zu bleiben.
In der Bibel gibt es auch so eine Szene. Sie ist vielleicht die berühmteste biblische Frühstücksszene. Im Mittelpunkt steht der Prophet Elia. Nach seinem unermüdlichen Einsatz ist er am Ende seiner Kraft. Er legt sich schlafen. Er will nicht mehr und er kann nicht mehr. Am liebsten würde er sterben.
Und was tut Gott? Er verordnet Elia ein Frühstück.
„Ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel Gottes kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss, denn du hast noch einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise 40 tage  und 40 Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb (1Kö 19,5-8).
Der Weg durch das neue Jahr ist für uns hoffentlich nicht so mühsam wie die Besteigung des Berges Horeb. Aber wenn, dann brauchen wir Kraft dafür.
Es ist gut, sich zu Beginn eines neuen Jahres gut zu überlegen, woher wir diese Kraft dann nehmen. Für den Körper ist es vielleicht ein gutes Frühstück. Und für die Seele - ein Gottesdienst, eine stille Zeit am Morgen, eine Meditation - jedenfalls Gelegenheiten, an denen wir Kräfte auftanken können für das neue Jahr.
Der Weg liegt vor uns. dafür brauchen wir Kraft. Darum: steh auf und iss, du hast noch einen weiten Weg vor dir.

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Was macht Ihr nach Neujahr? Erst mal ausschlafen, sagen viele. Genug gearbeitet das ganze letzte Jahr. Genug gefeiert die letzten Tage an Weihnachten und an Silvester. Jetzt brauchen wir erst mal ein paar Tage Ruhe. Jetzt wird ausgeschlafen.
Und die Anstöße und die Morgengedanken im Radio kann man sich ja auch um 10 Uhr noch im Internet anhören oder nachlesen.
Kein Mensch kann immer nur aktiv sein und arbeiten. Wir brauchen den Schlaf, um wieder zu Kräften zu kommen nach den Anstrengungen des letzten Jahres.      Und wir brauchen den Schlaf, um genügend Kräfte zu sammeln für alles, was auf uns zukommt im Neuen Jahr.
Es ist einfach schön, sich wohlig ins Bett zu kuscheln und sich die warme Decke über die Ohren zu ziehen. Abends früher als sonst ins Bett zu gehen und morgens länger liegen zu bleiben. Nichts wollen, nichts planen. Ich glaube, das kann man sogar genießen, wenn man im Alter nicht mehr so viel Schlaf braucht wie früher.
Der französische Schriftsteller Charles Peguy hat Gott einmal eine Lobrede auf den Schlaf in den Mund gelegt. Da sagt Gott:
„Der Schlaf ist ein Freund des Menschen. Der Schlaf ist ein Freund Gottes.    Der Schlaf ist vielleicht meine schönste Schöpfung... Man sagt mir, dass es Menschen gibt, die gut arbeiten und die schlecht schlafen. Die nicht schlafen. Welch ein Mangel an Vertrauen in mich. ...Ich beklage sie. ... Ein wenig. Sie vertrauen mir nicht. Wie sich ein Kund unschuldig in die Arme seiner Mutter bettet, so betten sie sich nicht unschuldig in die Arme meiner Vorsehung. Sie haben den Mut zur Arbeit. Sie haben keinen Mut zum Nichtstun. Sie haben die Tugend der Arbeit. Sie haben nicht die Tugend des Nichtstuns. Sich zu entspannen. Sich auszuruhen. Zu schlafen."
Ich finde, das sollten wir uns nicht zweimal sagen lassen. Und ruhig so mutig sein und diese Tage so richtig ausschlafen.
Und wenn Sie nicht schlafen können, dann ärgern Sie nicht. Denken Sie nicht, der Schlaf muss doch jetzt kommen. Manchmal hilft auch hier der Mut zum Nichtstun. Machen Sie das Licht an, lesen Sie ein paar Seiten, auch wenn der Schlaf nicht gleich kommen sollte. Und denken Sie daran, auch wenn Sie nicht schlafen können, Sie sind gut behütet, ob Sie nun wachen oder schlafen. Denn, wie es im Psalm heißt: Gott, der dich behütet, schläft und schlummert nicht. " (Psalm 121)

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Die stillste Zeit im Jahr - manche sagen, das ist der Advent. Für mich sind die ersten Tage eines neuen Jahres die stillste Zeit.
Dann, wenn alles geschafft ist alten Jahr .Wenn die Weihnachtsfeiertage vorbei sind mit den vielen Vorbereitungen und den Verwandtenbesuchen. Wenn Silvester vorbei ist und das Haus wieder geputzt,- dann beginnt für mich die stillste Zeit im Jahr. Die Aufgaben, Termine, Verpflichtungen - alles liegt hinter mir. Die Sorgen, der Ärger - das meiste ist schon wieder Schnee von gestern.
Im Neuen Jahr ist vieles noch ganz offen. Noch gibt es kein „du musst" und „du sollst". Der Kalender für das Jahr 2011 liegt vor mir. Ganz leer. Ich fülle ihn nicht. Noch nicht. Bevor ich wieder neu in das Alltagskarussell der Verpflichtungen von 2011 einsteige, brauche ich die stille Zeit zwischen dem alten und dem neuen Jahr. Für mich ist das wie die Pause zwischen dem Einatmen und Ausatmen. Ich habe gemerkt, wenn ich mir diese Stille nehme, dann gehe ich anders, bewusster und auch gelassener in das Neue Jahr.
Die Meditationslehrerin Silvia Ostertag sagt -sich Kraft holen aus der Stille, das kann jeder. Es reicht, wenn man sich ruhig hinsetzt und die Stille zwischen dem Einatmen und dem Ausatmen einfach geschehen lässt. Und sich erinnert an die Momente, an denen man wohltuende Stille erlebt hat. Die unglaubliche Stille, wenn ein Presslufthammer aufhört zu hämmern. Die Stille an einem Wintertag im Wald. Die Stille in einer großen Kirche oder am Bett eines schlafenden Kindes. Wir haben alle Erfahrungen mit der Stille. Und wenn wir uns an sie erinnern, dann ist sie plötzlich wieder da, diese Stille. Das ist eine eigenartige Erfahrung. Aber ich finde, sie stimmt. Und sie hilft mir selbst still zu werden.
Die schönste Erinnerung an eine Stille, die habe ich im 131. Psalm gefunden.
Stille - das ist das Gefühl, das ein gestilltes Kind hat an der Brust seiner Mutter.
„Wirklich, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein gestilltes Kind an der Brust seiner Mutter; wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir".
Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen. Deshalb ist der Psalm auch so kurz. Er hat nur 3 Verse. Für das gestillte Kind ist alles gut. Es liegt ja an der Kraftquelle seines Lebens. In der Stille spüre ich manchmal, bei Gott ist es für mich immer noch so. Und darum ist mir die stille Zeit „zwischen den Jahren" so wichtig:- als Kraftquelle und als Ruhepunkt, bevor es wieder losgeht mit dem neuen Jahr.

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