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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen...

Im neuen Jahr
Grüße ich
Meine nahen und
Die fremden Freunde
Grüße die
Geliebten Toten
Grüße alle
Einsamen
Grüße die Künstler
Die mit
Worten Bildern Tönen
Mich beglücken
Grüße die
Verschollenen Engel
Grüße mich selber
Mit dem Zuruf
Mut 

Diese Neujahrsgrüße der Dichterin Rose Ausländer mag ich einfach. Vielleicht,
weil sie die Tür so weit aufzumachen scheinen für ein noch ganz frisches Jahr, vielleicht weil die Palette derer, die sie bedenkt so breit ist, die Nahen, die Fernen, Lebende und Tote, auch Künstler, die ihr Herz erfreuen, sogar verschollene Engel haben einen Platz auf ihrer Grußliste. Die letzten Zeilen ihres Neujahrstextessprechen mich besondersan:

Grüße mich selbst
Mit dem Zuruf
Mut

Ich weiß nicht in welcher Verfassung Rose Ausländer dieses Gedicht geschrieben hat. Vielleicht vor dem Sprung in eine ungewisse Zukunft, vielleicht als eine schwierige Entscheidung anstand, vielleicht um der eigenen Verzagtheit ein Ende zu machen. Ich stell sie mir vor, wie sie in den Spiegel schaut und sich selbst Mut zuspricht. Pack es an, was auch kommen mag. Pack es an. Hab keine Angst. Sei mutig und geh beherzt in dieses neue Jahr. Das möchte ich mir selbst auch sagen. Treff klare Entscheidungen, hüte dich vor faulen Kompromissen. Verabschiede dich von Dingen, die es nicht mehr braucht. Wage Neues, trau Deinem Gespür. Das alles braucht Mut. Mut auch das anzugehen, was das Leben mir zumuten wird in diesem Jahr... und Demut, das was ich dabei nicht lösen kann, einem anderen (getrost) zu überlassen. Einem, der mir zusagt: Fürchte dich nicht. Ich bin bei Dir.
Das wünsch' ich auch Ihnen,dass Sie immer wieder die Erfahrung machen, dass jemand, mit Ihnen unterwegs ist, in diesem Neuen Jahr. Sei es ein Mensch der da ist wenn Sie ihn brauchen. Sei es dass Sie die Zusage Gottes spüren: Fürchte dich nicht - ich bin bei dir".

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Einen guten Silvester-Morgen wünsch' ich Ihnen...
Schon wieder ein Jahr vorbei.  Manchmal kann ich es kaum glauben. Doch ganz gleich in welcher Stimmung ich mich befinde. Es gilt abzuschließen mit dem Jahr 2010.
Für manche ist es ein ganz besonderer Tag, (auf den sie hinfiebern, na ja... ) dieser letzte Tag im Jahr. Ein Tag an dem man es krachen lässt, miteinander feiert und um Mitternacht das Glas hebt um auf ein Neues hoffentlich gutes Jahr anzustoßen.
Für andere ist Silvester ein Tag wie jeder andere, ein Tag, dem man keine große Bedeutung geben will, nach dem Motto „halt wieder ein Jahr vorüber."
Und für wieder andere ist es ein schwerer ja schwieriger Tag, an dem sie lieber früh zu Bett gehen und froh sind, wenn er endlich rum ist. Vielleicht weil das zurückliegende Jahr kein Gutes war, weilsie einsam sind und traurig, oder schwer krank und voll Sorge, ob sie das neue Jahr noch erleben. An sie möchte ich heute morgen besonders denken. Mit der Bitte um Segen für sie und uns alle, die wir nicht wissen, was uns im neuen Jahr erwartet möchte ich dieses Gebet sprechen: 

Der Herr segne dich
und erwarte dich
am Ufer des Lebens im Licht -
im Land, das dich nährt,
und im Kreis der Menschen,
die dich lieben.
Er schicke dir seinen Engel
entgegen, der dich führt
und mit goldenen Lichtern begleitet
durch das unbekannte Tor
des neuen Jahres.
Er nehme dich mit in das
unentdeckte Land der Seele,
wo die Sonne nicht untergeht.
Er lasse dich glücklich sein
auf seiner Erde
und unter seinem weiten Himmel,
ihm nahe und allen denen,
die mit dir leben
und die vor dir gelebt haben.

(nach einer unbekannten Quelle)

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Noch zwei Tage und schon wieder liegt ein neues Jahr vor mir. Alle zwölf Monate gibt es diese Zäsur und jedes Mal ist sie für mich auchmit einem Zauber verbunden. Dem Zauber des Anfangs, wie es Hermann Hesse in seinem Gedicht Stufen in Worte fasst „Und jedem Anfangwohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben" Wenn ich an das neue Jahr denke, das vor mir liegt, kommt mir das Bild von einem Buch in den Sinn. Ein Buch mit lauter leeren Seiten. Weiß, leer, wie eine unberührte Schneelandschaft liegt es vor mir. Wie wohl es tut, dass es so unbeschrieben ist. Dass ich es füllen und gestalten kann nach und nach. Ich kann Pläne schmieden, Neues wagen, was vergangen ist auch mal gut sein lassen. BeimProphet Jesaja im Alten Testament der Bibel lese ich: „Denkt nicht mehr an das, was früher war, auf das Vergangene sollt ihr nicht achten. Seht, ich schaffe etwas Neues." (Jesaja 43,18f.) Denkt nicht mehr an das, was früher war. Klebt nicht an der Vergangenheit. Lebt nicht mit dem Blick zurück. Verharrt nicht in dem, was man nicht mehr ungeschehen machen kann. Was vorbei ist - ist vorbei. Schaut nach vorne. Seht, ich schaffe etwas Neues. Ich - euer Gott - schenke euch Zukunft. Denkt nicht mehr an das was früher war, das heißt für mich nicht, die Vergangenheit zu leugnen. Es steht da auch nicht, ich soll das was war, vergessen. Aber ich werde ermutigt, es gut sein zu lassen und nach vorne zu  blicken. Gott schenkt mir mit diesem Jahr 2011 einen neuen Anfang. Es steckt voll ungeahnter Möglichkeiten und wartet wie das leere Buch darauf, in die Hand  genommen und beschrieben zu werden. Ich kann mitwirken an meinem Drehbuch 2011. Persönliche Akzente setzen. Nicht alles wird von mir bestimmt - das ist klar. Aber ich bin schon daran beteiligt/es liegt (schon auch) an mir ob es fad oder bunt, leer oder gefüllt wird. 

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Ich mag sie gerne, diese Zeit zwischen den Jahren. Keine Termine, keine Schule, kein Feiertag.  Eine besondere Zeit. Eine Zeit, in der ich das vergangene Jahr gerne noch einmal Revue passierenlasse. Es bevor es vorüber ist noch einmal anschauen. Dieses Jahr fand ich in einem  Adventskalender eine schöne Anregung, diesen Rückblick zu gestalten. Die möchte ich Ihnen gerne weitergeben: Stellen Sie sich vor,  das vergangeneJahr läge vor Ihnen - wie eine Landkarte - Wo waren die Höhen, wo die Tiefen? Welche Orte spielten eine wichtige Rolle? Wo haben Sie etwas Schönes erlebt?  Wo Geborgenheit erlebt, so dass Sie gerne geblieben wären? Wo war eher dürres Land, eine Steppe oder gar Wüste, die durchquert werden musste. Über welchen Fluss sind Sie gegangen, welche Grenze haben Sie passiert, welche als wohltuend erlebt, weil sie Schutz geboten hat? An welchem Tränensee sind Sie gestanden, welche Quelle hat Sie zurück ins Leben gebracht und erfrischt? Gab es Weggabelungen an denen Sie sich für oder gegen etwas oder jemand entscheiden mussten? Galt es Berge zu überwinden, große Strecken zurückzulegen? Was liegt vor Ihnen? Wo stehen Sie gerade in dieser Landschaft? Bei mir entsteht dabei ein buntes Bild. Mit vielen Schattierungen, Höhen und Tiefen. Und mir wird bewusst, dass  ich in diese Landkarte neben all den Orten und Landschaften auch die Menschen einzeichnen möchte, die mich in diesem Jahr begleitet haben. Mit ihnen wird das Ganze erst richtig lebendig und kostbar. Von manchen musste ich mich trennen, andere sind neu dazugekommen, mit den einen konnte ich feiern und fröhlich sein, mit anderen galt esauszuhalten, dazubleiben in den Wüsten des Alltags oder an einem See von Tänen. Es gab Wege, die ich alleine gehen wollte und musste, andere auf denen ich mich gut begleitet gefühlt hab. Und während ich das so vor meinem geistigen Auge entstehen lasse, spüre ich, wie dankbar ich (doch) sein kann. Dankbar, für Menschen, die mich durch Höhen und Tiefen begleiten. Und dankbar, dass es in Gott den Grund meiner Lebenslandschaft gibt der mich trägt.

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Ich möchteIhnen heute eine Geschichte von Marie-Luise Kaschnitz erzählen. Weil sie mich nachdenklich stimmtund hoffnungsvoll zugleich, dass etwas bleibt von Weihnachtenüber Weihnachten hinaus. Sie handelt von einem kleinen Jungen, der offenbar keine Ahnung von Weihnachten hat. Eines Tages findet er in einer alten Schachtel neben Nähseide und anderem Kleinkram einen silbernen Stern. „Was ist das?" fragt er seine Mutter?  „Etwas von früher, antwortet sie, von einem Fest. „Was war das für ein Fest?", will der Junge wissen - Ein langweiliges sagt die Mutter schnell. Die ganze Familie stand in der Wohnstube um einen Baum herum und sang Lieder. Es war eine Tanne, die man mit brennenden Lichtern besteckte und an deren Zweige man bunte Kugeln hängte. Das kann nicht wahr sein, sagt das Kind. „Doch, sagt die Mutter, und an die Spitze des Baumes befestigte man den Stern, der sollte an den Stern erinnern, dem die Hirten nachgingen bis sie den kleinen Jesus in der Krippe fanden." „Den kleine Jesus?!" sagt das Kind völlig aufgeregt, wer soll das nun wieder sein? „Das erzähl ich dir ein andermal" weicht die Mutter aus. Doch der Junge lässt nicht locker:  „Das muss doch ein sehr schönes Fest gewesen sein?" „Nein", erwidert die Mutter heftig - „es war langweilig, alle hatten Angst davor und waren froh wenn es vorbei war. Ich schalt dir jetzt den Fernseher ein." „Ich will nicht Fernsehen", tobt der Junge, „ich will so einen Baum und ich will wissen was mit dem kleinen Sowieso war". Es war, sagt die Mutter unwillkürlich, zur Zeit des Kaisers Augustus, als alle Welt geschätzet wurde...doch dann erschrickt sie über sich selbst und all die Emotionen die in ihr hochsteigen und setzt dem Ganzen ein Ende indem sie dem Jungen den Stern in die Hand drückt und ihn einlädt diesen in den Müllschlucker zu werfen. „Du darfst ihn hinunterwerfen und aufpassen, wie lange Du ihn noch siehst." Das Kind wirft den Stern in die Röhre und lacht, als er verschwindet. Doch als die Mutter nach einiger Zeit wieder nach ihm schaut, steht das Kind immer noch über den Müllschlucker gebeugt. „Ich seh´ ihn immer noch", flüstert es, „er ist immer noch da.

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Heute, direkt nach den Weihnachtsfeiertagenfeiern die christlichen Kirchen das Fest des Evangelisten Johannes. Seine Botschaft beginnt nicht mit dem Stall in Bethlehem, mit Hirten, Maria und Josef und dem Kind in der Krippe. Er schreibt ziemlich verschlüsselt, fast philosophisch: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott, alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen." (Johannes, 1,1-4) Man kann nur ahnen, dass es dabeium Jesus Christus geht und wie der der Schreiber dieses Evangeliums darum ringt, das Verhältnis von Gott und Jesus, von Vater und Sohn, deutlich zu machen. Für mich war es schon immer spannend zu fragen: Wie kann ich dieses „Wort"  verstehen, wie übersetzen, es in der heutigen Spracheausdrücken? Für mich heißt dieses Wort, von dem Johannes spricht, ganz einfach - Ja -.
Ein kleines - großes Wort. Kein Ja-aber, kein ja, wenn das und das erfüllt ist, dann, kein Ja-vielleicht. Nur Ja. Eindeutig Ja. Gottes Ja zu den Menschen, der Welt. Im Anfang - alsoschon immer war das Ja-Wort Gottes. In diesem Ja steckt seine schöpferische Kraft. Es heißt: Ich will Dich, Du Welt und Du Mensch. Von Anfang an hat er sich auf unsere Seite gestellt. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt geht der Text weiter. Dadurch, dass Jesus Christus Mensch ist! bekommt dieses Ja-Wort Gottes Hand und Fuß, wird zur Liebeserklärung Gottes an uns Menschen. Als solche hat sie auch der Theologe Karl Rahner gesehen als er schrieb: „Wenn wir sagen: Es ist Weihnacht, dann sagen wir: Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort im fleischgewordenen Wort in die Welt hineingesagt. Und dieses Wort heißt: Ich liebe dich, du Welt und du Mensch." Dieses unbedingte Ja Gottes zum Mensch, zu mir, hilft mir, meinen Alltag zu bestehen. Auch/Weit über Weihnachten hinaus. Es trägt mich, wenn ich zweifle, ob das so passt, wie ich bin, wie ich lebe. Es ist die Zusage, du darfst sein. Du darfst leben. Du darfst sogar Fehler machen. Weil Du geliebt wirst (ganz einfach geliebt wirst) (so wie Du bist...).

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