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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ab morgen sind endlich wieder andere Zeiten. Die dunkle Seite des Novembers geht zu Ende. Ab morgen ist Advent, und da gehen überall die Lichter an. Betrübte Seelen werden zwar nicht auf Knopfdruck hell. Aber auch ihnen tut es gut, dass wir der Dunkelheit mit Kerzen und Lichterketten zu Leibe rücken. Steht schon in der Bibel, das Motto für den Advent: „Mache Dich auf, werde Licht, denn Dein Licht kommt."
Gott ist da gemeint, mit dem Licht. Er kommt seiner Welt nahe. Es passt darum, dass Menschen auch Licht machen. Advent und Weihnachten sind andere Zeiten. Schön, dass man das auch sieht.
Allerdings: Könnte es nicht auch sein, dass wir beim Licht machen inzwischen ein bisschen über die Stränge schlagen? Wenn aus dem „schönes-Licht-Machen, eine Lichtorgie wird? Wenn's überall elektrisch blinkt und in allen Farben lichtert, dass man meinen könnte: Las Vegas ist jetzt auch in Lörrach oder Schwäbisch-Gmünd eingezogen. Gut, ich übertreibe jetzt auch ein bisschen.
Aber Hand aufs Herz, finden Sie nicht auch, weniger wäre manchmal mehr?
Ich bin ja schon sehr froh, dass wenigstens diese Fassadenkletterer - Nikoläuse wieder aus der Mode gekommen sind. Hoffentlich bleiben die eingemottet. Das ging doch irgendwie gar nicht, oder? Jedes Mal habe ich mich erschrocken, wenn ich an so einem rot und weiß blinkenden Ungetüm, das an einer Hauswand hing, vorbeigekommen bin.
Und ich fände es auch ganz schön, liebe Männer, wenn sich in diesem Advent nicht jeder von uns daran machen würde, den Balkon, den Gartenzaun oder das ganze Haus mit Lichterketten zu drapieren.
Ich weiß, man kann sich als Mann dabei sehr gut verwirklichen. Das ist ja ein Beitrag zur Erleuchtung im Advent, den uns keiner abnehmen kann. Ich weiß, es macht viele Männer stolz, wenn die eigenen Lichterketten heller und bunter leuchten als die vom Nachbarn. Aber vielleicht macht es Ihnen ja auch Spaß, sich an der Beleuchtung vom Nachbarn zu freuen. Und sich nebenher auszurechnen, was Sie dabei ökologisch Gutes getan haben. Wenn Sie sehen, wie stimmungsvoll ein einzelner beleuchteter Tannenbaum eine ganze Straße erstrahlen lassen kann.
Und damit Sie und ich nicht ganz untätig bleiben in Sachen Licht machen im Advent. Vorschlag: Wir setzen uns abends 10 Minuten mit unseren Lieben um den Adventskalender oder Adventskranz und lesen ihnen eine Geschichte vor. Bisschen mehr Licht innen machen, also mehr seelisch mein ich.
Lichter im Advent tun gut, aber bitte nicht zuviel des Guten

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„Ich schätze, an Ihnen, dass Sie eine Chefin sind, die danke sagen kann."
Der Satz steht wie ne Eins. Mitten in der Abteilungsklausur einer Firma ist er gefallen. Bei einer Feedbackrunde über die Zusammenarbeit im Team. Ein Satz wie ein Geschenk des Himmels. Der gelobten Chefin tut er gut, zumal die anderen Mitarbeitenden spürbar nicken. Gut, dass einer das ausspricht. „Ich schätze an Ihnen, dass Sie eine Chefin sind, die danke sagen kann." Ich hoffe, Sie können das von Ihrer Chefin oder Ihrer Vorgesetzten auch sagen.
Chefs und Vorgesetzte, die danke sagen können, die öffnen dem Himmel eine Tür ins Berufsleben. Ein Chef, der danke sagt, macht es nämlich ein bisschen wie der liebe Gott.
In der Bibel gibt es ja reihenweise lobende Feedbacks von Mitarbeitenden an den himmlischen Chef. Sie drücken aus, dass sie sich von ihm wert geschätzt und gut behandelt fühlen.
Nur ein Beispiel: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währt ewig.
Ein irdischer Chef, der freundlich danke sagt, macht deutlich, dass ihm die Mitarbeitenden wert und wichtig sind.
Allerdings fürchte ich, dass viele Chefs und Vorgesetzte sich mit dem „danke sagen" schwer tun. Man hört ja eher Geschichten, dass Mitarbeitende das Gefühl haben, „danke, nee, danke wird bei uns eher selten gesagt." Bei einer Verabschiedung in den Ruhestand, da auf einmal. Aber dabei kriegt der Dank leicht einen faden Beigeschmack.
Einen doppelten sogar:
Entweder muss man sich als Bedankter sagen: „Naja, zu einer Verabschiedung gehört das halt dazu."
Oder wenn man spürt: Es ist wirklich ernst gemeint und kommt von Herzen, dann fragt sich mancher und manche: Warum erst jetzt, um Himmels Willen? Das hätte ich auch früher schon mal gern gehört.
Eine Chefin, die danke sagt, zeigt, dass sie ihre Mitarbeitenden wahrnimmt. Den Einzelnen sieht. Und was er und sie tun. Und das schafft ein Klima, in dem Menschen sich anerkannt fühlen und geschätzt. Und davon leben wir doch, dass wir das spüren. Und ist es nicht auch in einer Firma oder einem Amt genau so: Die wahren Schätze sind die Menschen.
Man muss sich in einer Firma zwischen Chefs und Mitarbeitenden ja nicht gleich Ständchen bringen mit Harfen oder Gitarre. Aber man kann die Lob- und Dankkultur entwickeln und ausbauen.
In den nächsten 4 Wochen ist dafür ja reichlich Gelegenheit. Advents- und Weihnachtsfeiern gibt es ja in fast jeder Firma, in jedem Amt. Anlässe die für „danke schöns", wie geschaffen sind, um dem Himmel eine Tür zu öffnen.

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Man kommt nicht mit anderen aus, ohne Rücksicht aufeinander. Das wissen Sie, wenn Sie in einer Partnerschaft leben. Oder bei der Arbeit, überhaupt. Nehmen Sie, was ein Bekannter erlebt hat:
In der Kinderklinik liegen zwei Kleinkinder in einem Zimmer. Und wie das heute zum Glück geht, sind auch die Eltern da, damit die Kinder nicht allein sein müssen. So weit so gut. Das Problem beginnt, als sich bei der einen Familie Mama und Papa in der Nacht abwechseln wollen. Und in der zweiten Nacht also ein Mann ins gemeinsame Kinder- und Elternzimmer im Krankenhaus einziehen will. Aber für die andere Mutter ist das unvorstellbar. Erst recht wo sie aus einem anderen Kulturkreis kommt, Migrationshintergrund hat.
Vielleicht wäre das auch vielen Frauen von hier nicht leicht gefallen, einen fremden Mann im selben Zimmer zu akzeptieren. Der Vater will auf jeden Fall bleiben. Er und seine Frau haben sich vorgenommen, die Verantwortung für die Kinder zu teilen. Für ihn gehört dazu auch, bei seinem Kind zu sein im Krankenhaus und das nicht seiner Partnerin allein aufzubürden. Er will als Mann seine Verantwortung übernehmen. Für ihn ist das was Grundsätzliches. Was hätten Sie gemacht?
Eigentlich müsste das Krankenhaus auf so eine Situation vorbereitet sein und den Konflikt lösen. Damit es Eltern und Kindern in dieser schweren Situation so gut wie möglich geht.
Und wenn das Krankenhaus keine Möglichkeiten dafür hat?
In der Bibel erzählt Paulus einen ähnlichen Konflikt und er weist einen Weg aus dem Konflikt: Stärke erweist sich durch Rücksichtnahme. Worum ging es: Zwei kulturelle Welten prallen in der Gemeinde von Korinth unversöhnlich aufeinander. Die einen sind sehr frei: Sie essen alles. Die anderen verzichten aus religiösen und ethischen Gründen auf bestimmte Speisen. Das geht gegen ihr Gewissen. Was soll man nun tun, wenn man an einem Tisch sitzt?
Paulus rät ihnen: Wenn Euch als Menschen aneinander etwas liegt, dann dürft ihr dem anderen Eure Lebenskultur nicht aufzwingen, wenn sie ihn verletzt. Nehmt Rücksicht! Stärke zeigt man auch dadurch, dass man die eigene Freiheit nicht unbedingt durchsetzt.
Vermutlich ist Rücksichtnahme der einzige Weg, wenn es zwischen verschiedenen Kulturen nicht zum Knall kommen soll. Auch für die Familien im Krankenhaus. Die eigenen Grundsätze nicht aufgeben, aber sie zurückstellen, wenn sie noch nicht gelebt werden können. Und den anderen mit seinem Gewissen nicht überfordern.

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„Wenn ich bloß wüsste, was ich darauf antworten soll." Das war mein erster Gedanke. Mitten in der Zugfahrt hat das Handy gebrummt. Eine SMS von Petra. Direkt aus dem Krankenhaus. Die Diagnose der Ärzte macht ihr große Angst, hat sie geschrieben. Versteh ich, wer möchte schon am Herzen operiert werden.
Was sollte ich da sagen? Irgendeinen Trost wollte ich versuchen. Auch wenn es im Moment nur eine SMS sein kann. Also habe ich gesmst und gehofft, dass was bei ihr ankommt. Ein paar Tage später hat sie gesagt: Gut, dass die Antwort gleich da war.
Trösten, wie geht das? Wenn jemand untröstlich ist. Wenn das Leben so ganz anders wird, als man es sich wünscht und als es gut wäre. Was tröstet so, dass die andere sich nicht ‚vertröstet' vorkommen muss? Oft kann man ja mit Trost die harte Wirklichkeit selbst nicht besser machen.
Trotzdem bin ich sicher, trösten hilft, auch wenn ich eine Krankheit nicht aus der Welt schaffen kann oder einen Verlust nicht ungeschehen machen. Trösten hilft, wenn ich zeige, ich stehe zu Dir, jetzt wo Du das brauchst. Du bist mit Dir und Deiner Angst nicht allein gelassen.
In der Bibel habe ich Sätze gelesen, da spür ich:
Wer das geschrieben hat, der hat Ahnung vom Trösten. Er hat Trost erlebt. Ein König, der todkrank gewesen ist, erzählt. „Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe." (Jes 38)
Seine Krankheit, das war tiefste Trostlosigkeit. Als er wider Erwarten gesund geworden ist, bedankt er sich, dass Gott sich „seiner Seele herzlich angenommen hat."
Wir sind nicht Gott und die meisten von uns auch keine Ärzte.
Aber ist das nicht trösten? Mich einer anderen Seele annehmen. Herzlich. Das können Sie und ich versuchen. Zeigen, wir sind mit ganzen Herzen bei Dir. Ich denke mit Dir und fühle mit Dir. Und wenn Du weinst, nehme ich Deine Hand. Sogar wenn ich nicht direkt da sein kann. Ich bin sicher, es tröstet, wenn man sich meldet. Trösten ist etwas Göttliches. Auch wenn es einem wenig vorkommt, was man tun und sagen kann: ich glaube, beim trösten kommt Gott ganz nah. Und gibt einer trostlosen Seele neue Kraft, damit sie sich einer schwierigen Situation stellen kann und auch kämpfen.
Trösten ist auch, leise auf Gott hinweisen, wenn man es kann. Vielleicht auch mit und für den anderen beten. Ich traue dem lieben Gott zu, dass er da ist und heilt, im Leben und drüber hinaus.

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Haben Sie einen Organspendeausweis? Aus irgendwelchen Gründen habe ich die Entscheidung immer wieder beiseite gelegt.
Bloß: wenn man sie immer wieder vor sich her schiebt, dann könnte es passieren, dass man damit seine Angehörigen in eine ganz ganz schwierige Situation bringt. Dass sie nämlich im Ernstfall gefragt werden, ob sie einer Organentnahme zustimmen. Und diese Entscheidung kann man niemand anderem zumuten. Mir ist klar geworden. Ich muss da jetzt selber dran.
Will ich das oder will ich das nicht? Bestimmen, dass mir im Fall meines Todes, meine Niere oder mein Herz, oder meine Hornhaut entnommen werden kann?
Vorschreiben kann einem diese Entscheidung niemand. Oder Druck machen: Etwa so, ‚wenn Du dich gegen die Organspende entscheidest, dann bist Du nicht menschlich oder christlich.' Ob ich meine Organe spenden will oder nicht, bleibt meine und Ihre Entscheidung
Und sie ist nicht leicht. Habe ich gespürt.
Auch für mich als Christenmensch liegt die Antwort nicht einfach auf der Hand: Ich muss Gedanken abwägen, die auch miteinander streiten. Mal abgesehen von den Gefühlen, die bei so einer Entscheidung auch stark mitreden.
Auf der einen Seite: Darf ich Organe von mir frei geben? Soll ich über meinen Körper einfach so verfügen? Ich habe ihn mir nicht selber gegeben. Gott hat mich als ganzen Menschen geschaffen. Mit Leib und Seele. Mein Körper ist ja kein Ersatzteillager. Und mancher fragt sich vielleicht auch: Wie ist das bei der Auferstehung? Werden dann die Organe fehlen? Ich glaube, darum brauchen wir uns nicht sorgen. Auferstehung bedeutet: Gott wird etwas Neues aus mir machen. Mich verwandeln. Dazu braucht er meinen irdischen Körper nicht.
Auf der anderen Seite ist es großartig, dass ich als Mensch anderen Menschen helfen kann. Wir können etwas von uns geben und damit anderen gut tun. Das gilt im Kleinen und im Großen. Wir können Leben teilen. Und das etwas sehr Schönes, was sehr Menschliches und vor allem auch etwas zutiefst Christliches. Und wenn das im Leben so ist, dann gilt das doch auch im Tod. Jesus hat mal gesagt: „Es gibt nichts Größeres als sein Leben zu geben für seine Freunde". Von daher: Wenn ich mit meinen Organen anderen Menschen etwas geben kann, das ihnen Leid erspart, ihr Leben verlängert, neue Lebensqualität schenkt. Dann darf ich das und sollte es vielleicht auch.
Aber wie gesagt: Niemand kann und darf Ihnen und mir diese Entscheidung vorschreiben. Aber abnehmen kann sie uns auch niemand. Ich glaube, es ist wichtig, dass man sie trifft.

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