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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Bei der Weihe unseres neuen Bischofs Matthias war auch der Rabbiner Dr. Walter Homolka zu Gast. In seinem Grußwort am Ende der Feier erklärte er sein mitgebrachtes Geschenk. Es war eine Mesusa, ein kleiner, länglicher Behälter,
der Worte aus der Bibel beinhaltet und nach jüdischer Tradition an den Türpfosten geheftet wird.
Der Rabbiner erzählte, dass es zwischen jüdischen Gelehrten zu einer Auseinander­setzung kam, wie dieser Schriftbehälter anzubringen sei. Einer meinte, er müsse unbedingt waagerecht angebracht werden, ein anderer dagegen behauptete, er sei ganz klar senkrecht anzubringen.
Sie argumentierten eine ganze Weile hin und her und kamen dann zu einem salomonischen Entschluss: Die Mesusa solle künftig ganz einfach schräg angebracht werden, also nicht ganz waagerecht, aber auch nicht ganz senkrecht, und doch irgendwie ein bischen beides. Abgesehen davon, dass mich solche Geschichten zum Schmunzeln anregen, bin ich sehr berührt von der Weisheit, die darin steckt. Dann fallen mir Situationen ein, wo ich ganz korrekt und genau sein möchte, genau waagerecht oder genau senkrecht. Mir fallen auch Menschen ein, die keine Toleranz zeigen, wenn es um bestimmte Themen geht. Und ich spüre die Sehnsucht nach einer Welt, die zwar nicht unverbindlich ist, in der aber doch das Schräge, also das Unvollkommene seinen Platz hat. Ich denke daran, dass nicht nur das akkurat Waagerechte oder Senkrechte seine Berechtigung hat, sondern oft gerade der Kompromiss zwischen beiden. Wie lässt mich solch salomonische Urteil aufatmen! Wie sehr hat unsere Welt auch solche Kompromissbereitschaft verdient, die nicht nur eigene Rechte und Meinungen an die erste Stelle setzt. Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich, liebe Hörerinnen und Hörer. Vielleicht gibt es ja auch in Ihrem Alltag manchmal Situationen, wo das Schräge die beste Lösung darstellt. Ich finde diesen Gedanken sehr sympathisch und wünsche uns allen diese innere Weite, die uns mit Freude schräg sein lässt. Ich wünsche Ihnen für heute, dass Sie diese humorvolle Gelassenheit finden, die aufatmen und schmunzeln lässt. Im Bild gesprochen: Ob das Wort Gottes, das die Mesusa in sich birgt, schräg oder gerade hängt, ist eigentlich egal. Hauptsache, wir erkennen das, worum es dabei geht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Tag und keine Angst vor den schrägen Kompromissen, die uns der Alltag manchmal abverlangt.

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Unsere Kirche bekommt einen neuen Namen: Alt-Katholische Kirche St. Peter und Paul. Gemeint sind die beiden Apostel, von denen im Neuen Testament zu lesen ist. Beides ziemliche Dickköpfe, aber sehr überzeugend im Auftreten. Petrus, der im Gefolge Jesu gern gewichtig auftrat, sich dann aber hinter Lügen versteckte, um die eigene Haut zu retten: „Ich kenne diesen Menschen nicht...", sagte er bei der Gefangennahme Jesu aus Angst, er könne auch verhaftet werden. Paulus, der als beinahe schon zwang­hafter Christenverfolger bekannt war, dann aber eine Bekehrung erlebte, die alles ver­ändert hat: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir...", lautet sein Glaubensbekenntnis.
Petrus, der sich von Jesus begeistern ließ und kurzerhand aus dem Boot ausstieg, um wie Jesus auf dem Wasser zu wandeln, dann aber seiner eigenen Courage nicht mehr traute und unterging. Paulus, der offen war für den Dialog mit den Hei­den, also mit den Menschen anderen Glaubens, aber mit dem eigenen Ge­fährten Barnabas nicht mehr klar kam. Er fing mit ihm auf einer Missionsreise einen Streit an mit dem Ergebnis, dass sie sich trennen mussten. Es ging nicht mehr miteinander. Petrus und Paulus - sie begegnen sich mit so unterschiedlichen Vor­stellungen von Kir­che, dass es zur offenen Aus­einander­setzung kommt: Wie hat Kirche eigentlich zu sein? Nach welchen Regeln funktioniert sie? Ihre Ansichten waren da sehr unterschiedlich, so sehr, dass Paulus sagt, Petrus habe sich mit seiner Meinung sogar ins Unrecht ge­setzt (Gal 2, 11). Petrus und Paulus - welche Typen! Für unsere Gemeinde, die nach einem jahrelangen Prozess aus drei Einzelgemeinden zusammengelegt wurde, sind gerade diese beiden ein hilfreiches Vorbild. Denn die Zusammenlegung unserer Gemeinden kam nicht als Verordnung von oben, vom Bischof, sondern ist das Ergebnis einer sehr offenen Auseinandersetzung um unser Verständnis von Gemeinde. Gewonnen hat am Ende das Zusammengehörigkeitsgefühl. Und das ist gerade durch die manchmal kontroverse Auseinandersetzung gewachsen. Genau wie bei Petrus und Paulus, die letztlich auch eine Einigung fanden und entschieden haben, dass die wichtigste Regel lautet: Niemand soll ausgegrenzt werden. Was sie uns zeigen ist, dass Offenheit und ehrliche Auseinandersetzung nicht nur sein dürfen, sondern ein Merkmal dafür sein sollen, wie wir miteinander umgehen. Gerade auch als Kirche. Der neue Name unserer Pfarrkirche, St. Peter und Paul, soll uns als Gemeinde genau daran erinnern. Und vielleicht sind diese Gedanken auch für Sie ein kleiner Anstoß.

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Was wäre unsere Erde ohne Wasser? Die vielen Wasserwelten prägen unseren Planeten. Der SWR widmet unter dem Motto, „Wasserwelten", in dieser Woche eine Reihe von Sendungen dem kostbaren Nass. Als ich davon erfuhr, erinnerte ich mich spontan an meine Jugendzeit. Lange bevor ich mich für ein Studium der Theologie und für die Priesterausbildung entschied, wollte ich nämlich Ozeanograph werden, Meeresforscher. Das Meer, das mich immer noch fasziniert, auch wenn ich inzwischen Pfarrer geworden bin, bietet einen fantastischen Lebensraum. Ich habe das Thema „Wasserwelten" also zum Anlass genommen und in meinem Umfeld mal nachgefragt, woran die Leute spontan denken, wenn sie das Stichwort Wasser hören. Die Antworten darauf waren sehr vielfältig. Unter anderem kam auch mehrmals eine Redewendung zur Sprache, die wir benutzen, wenn wir über jemanden sagen, dass er oder sie nicht gut genug für etwas ist. Die Redewendung lautet: Diese Person „kann mir nicht das Wasser reichen." Hintergrund für solches Reden sind Tischsitten, die schon in der Antike zu finden sind: Weil mit den Händen gegessen wurde und nicht mit Messer und Gabel, musste man sich nach dem Essen die Hände waschen. Dazu hielten Bedienstete, Sklaven oder Knechte, Wasserschalen hin, so dass man sich direkt am Tisch die Hände reinigen konnte. Im Mittelalter gab es die Sitte auch, doch der Adel duldete dafür keine einfachen Knechte, sondern wollte angemessenes Personal für diesen Dienst an den adeligen Händen haben. Billige Knechte konnten ihnen nicht das Wasser reichen. Es ging also eigentlich gar nicht um die Knechte, sondern um die Eitelkeit der Adeligen, die mit diesem Gehabe sich selbst aufwerten wollten. Dazu fällt mir die Begegnung Jesu mit einer Frau am Brunnen ein, von der das Neue Testament erzählt. Jesus bittet sie, eine fremde Frau, um Wasser. Eigentlich war das gegen die Regeln, zumal die Frau auch noch einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörte. Es entsteht dennoch ein Gespräch zwischen den beiden, das einerseits menschliche Begrenzungen aufzeigt, andererseits die Botschaft vermittelt, dass Jesus selbst Lebensquelle ist, dass er uns in Tiefen führt, die unseren Lebensdurst, unsere Sehnsucht nach Sinn und Erfüllung stillen können.
Lebendiges Wasser - das Bild in der Rede Jesu ist ein Symbol für sinnerfülltes Leben. Vielleicht bin ich darum kein Meeresforscher geworden, sondern Priester, weil ich - im Bild gesprochen - mit anderen den Weg zur Quelle gehen möchte, und weil ich weiß, wie gut es tut, wenn mir jemand das Wasser reicht, weil er meinen Durst erkannt hat.

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Die meisten Wohnungen, in denen ich bisher gelebt habe, befanden sich in Mehrparteienhäusern. Auch gegenwärtig ist das so. Wobei wir jetzt in einem kleineren Haus wohnen - zusammen mit zwei weiteren Familien. Da wissen wir recht gut voneinander Bescheid. Und wir vertrauen einander. Zumindest überlassen wir uns gegenseitig in Zeiten der Abwesenheit die Wohnungsschlüssel zwecks Blumengießen und Postsammeln. Und gelegentlich helfen wir uns gegenseitig aus, wenn dort mal die Milch fehlt und hier das Salz ausgegangen ist.
Ich habe es aber auch schon anders erlebt - in größeren Häusern mit mehr Parteien. Da kannte ich zwar ebenfalls irgendwann alle Bewohner, doch waren das vergleichsweise distanzierte und förmliche Kontakte. Nur mit ganz wenigen hatte ich einen näheren Umgang. Bis wir eines Tages auf die Idee kamen, für alle im Haus ein Fest zu veranstalten. Das trug dazu bei, die Hausgemeinschaft zu verbessern. Und so kam es, dass wir plötzlich mehr Anteil erhielten an dem, was jede und jeder von uns zu bewältigen hatte. Wenn wir einander trafen, sagten wir nicht mehr nur „Grüß Gott", sondern fragten auch nach Entwicklungen. Und manchmal wurde daraus die Frage: Kann ich irgendwie helfen?
Um das Bewusstsein einer solchen Hausgemeinschaft geht es auch in dieser Woche vor dem Pfingstfest. Da ist nämlich die Ökumene, das Miteinander der unterschiedlichen christlichen Kirchen, ein wichtiges Thema. In dem Wort „Ökumene" steckt das griechische Wort „oíkos - Haus". So verstanden wäre die Ökumene einer Hausgemeinschaft vergleichbar, in der die vielen christlichen Kirchen miteinander leben wie in einem Mehrparteienhaus. Die einen tun sich dabei leichter, weil sie bei aller Verschiedenheit doch vieles gemeinsam haben. Die anderen tun sich schwerer, weil sie sich fremd sind und das im Grunde Gemeinsame sehr unterschiedlich praktizieren. Aber das Pfingstfest als Geburtstag der Kirche führt sie alle an ihren Ursprung zurück. Und damit kann dann das beginnen, was auch in Mehrparteienhäusern so wichtig ist: Dass man mehr voneinander erfährt und mehr Anteil aneinander nimmt. Und dass auf diese Weise mehr Vertrauen zueinander wächst. Der Apostel Paulus hat dieses Miteinander Verschiedener einmal im Bild des menschlichen Leibes und seiner Glieder beschrieben. „Wenn ein Glied leidet", schreibt er, „leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm" (1. Korintherbrief 12,26). Ich finde, dass dieses Wort in Sachen Einheit viel bewirken kann, wenn die Kirchen sich davon leiten lassen. Vor allem die Basis.

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In unserer Gemeinde in Stuttgart gibt es zurzeit einen „Runden Tisch". Wir haben ihn eingerichtet, um unser Orgelprojekt, das wir zusammen mit der Anglikanischen Gemeinde betreiben, voranzubringen. Neben Vertretern beider Kirchenvorstände sitzen an diesem Tisch ein Orgelsachverständiger, ein Professor der Stuttgarter Musikhochschule und der Architekt unserer Kirche. Seit etwas mehr als einem Jahr kommen sie regelmäßig zusammen, um alle anstehenden Fragen zu besprechen. Mit Erfolg, denn inzwischen ist die Orgel auf dem Weg.
Runde Tische dienen dazu, verschiedene Interessenvertreter ins Gespräch zu bringen und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Die Idee ist nicht neu. Es gibt das Bild eines westfälischen Meisters aus dem 14. Jahrhundert, das ebenfalls einen runden Tisch zeigt. Er vereinigt die zwölf Apostel und Maria, die Mutter Jesu. Und es erinnert an eine Stelle aus dem Neuen Testament, in der berichtet wird, dass diese nach den österlichen Ereignissen und der Himmelfahrt Jesu in einem Jerusalemer Haus „einmütig im Gebet verharrten" (Apostelgeschichte 1,12-14). Die Ruhe vor dem großen Sturm des Pfingstereignisses.
Die christlichen Kirchen haben diese Szene aufgegriffen und in dieser Woche - der Woche vor Pfingsten  - zum Gebet für die Einheit der Christen aufgerufen. Wo man sich darauf einlässt, hat dies den Effekt eines „Runden Tisches": Angehörige verschiedener Kirchen - wenn möglich, nicht nur evangelische und katholische - kommen zusammen, um zu beten. Sie vertrauen dabei auf die einigende Kraft des Heiligen Geistes. Doch das ist nicht alles. Zuvor ist es nötig, dass Vertreter der beteiligten Kirchen die Gebetsstunden vorbereiten. Wo sollen sie stattfinden? In welcher Weise sind sie möglich? Wie können sie musikalisch gestaltet werden? Das Gespräch über solche Fragen ist mehr als nur eine Vorbereitung. Und das Gebet selbst ist mehr als nur eine Gebetsstunde. Für die einzelnen Christen ist es auf jeden Fall etwas Zusätzliches in ihrem Alltag, für das sie Zeit und nicht selten auch einen inneren Ruck brauchen. Wenn dann nach den Gebetsstunden noch Begegnungsmöglichkeiten angeboten werden und es einen kleinen Imbiss gibt, hat etwas Wichtiges stattgefunden auf dem Weg zur Einheit der Christen. Denn diese kommt vor allem durch Begegnungen und Gespräche, auch über geistliche Themen, zustande. Vielleicht wäre das auch mal was für den Freundeskreis oder die Nachbarschaft...

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Frisch geduscht zur Arbeit - so wünscht man sich den Tagesbeginn. Ob er dann wirklich so zustande kommt? Mir jedenfalls reicht es nicht immer zum Duschen am frühen Morgen. Dabei hat das Duschen was wirklich Erweckendes; es lässt mich gewissermaßen im Tag ankommen. Und nach körperlicher Ertüchtigung, die mich so richtig zum Schwitzen gebracht hat, fühle ich mich wie neugeboren, wenn ich aus der Dusche heraus steige.
Solche Erfahrungen schwingen auch in der Taufe mit. Wer ihr auf die Spur kommen will, kann ja bei einem Schwimmbadbesuch mal bewusst unter- und wieder auftauchen. Denn so wurde in der frühen Kirche getauft. Und so ist es bis heute noch in den orthodoxen und in vielen Freikirchen üblich. In anderen Kirchen dagegen wird den Taufbewerbern etwas Wasser über den Kopf gegossen. Die meisten sind noch sehr klein und haben später kaum eine Erinnerung daran. Deshalb ist es nicht schlecht, das Taufen - der Begriff bedeutet nichts anderes als „tief eintauchen" - in einem Schwimmbad oder einem See mal nachzuempfinden. Und sich dabei vorzustellen, was in der Bibel vom Auszug aus Ägypten erzählt wird (Exodus 13,17 - 14,31). Es ist der Auszug aus einem Leben in Abhängigkeit und Unterdrückung. Die, die dafür stehen und sich die Vorzüge der Sklaverei bewahren möchten, werden von Wasser überflutet. Und die, die Gott auf den Weg in ein freies und erfüllendes Leben gerufen hat, werden durch das Wasser hindurchgeführt in ein Land, in dem Milch und Honig fließen.
In dieser sehr bildreichen Geschichte klingt an, was die Taufe bedeutet: Das alte, unerlöste Leben ist beendet - symbolisiert im Untertauchen. Und das neue, erlöste Leben beginnt - symbolisiert im Wiederauftauchen: ein Stück Auferstehungserfahrung. Der Apostel Paulus schreibt: „Wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden" (Römerbrief 6,7f). Christen können daran denken, wenn sie Wasser sehen - ganz gleich, ob es sich dabei um eine Flasche Sprudel handelt oder um eine Wanderung an einem rauschenden Wildbach entlang. Auch das sind „Wasserwelten", von denen in dieser Woche überall im SWR zu hören und zu sehen sein wird.

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„Die Welt zu Gast bei Freunden": So lautete das Motto der Fußballweltmeisterschaft 2006. Ein sehr harmonisches Motto. Und harmonisch ging es tatsächlich auch zu - damals vor vier Jahren. Ob es in den Stadien war, beim Public Viewing oder in den Mannschaften selbst: Überall war ein großer Zusammenhalt spürbar. Man freute sich, umarmte sich, tauschte sich aus. Man blieb nach den Spielen zusammen und gönnte einander den Erfolg. Und wenn sich der nicht einstellen wollte, dann teilte man auch schon mal die Trauer darüber.
Tatsächlich: Die Welt rückte damals, wie es schien, zusammen. Auch wenn das nur für einen verhältnismäßig kurzen Moment war. Und wenn es bei weitem nicht die ganze Welt betraf. Die gab sich nach wie vor unruhig. Schade eigentlich, dass Ereignisse wie Olympiaden oder Fußballweltmeisterschaften - Ereignisse, bei denen sich so viele Nationen friedlich begegnen - nicht mehr bewirken als solche Momentaufnahmen. In mir lösen sie eine Ahnung aus, wie das wohl sein mag, wenn Menschen einander verbunden sind, statt gegeneinander zu stehen.
An diesem Sonntag geht in München der zweite Ökumenische Kirchentag zu Ende. Für mich haben Kirchentage eine ähnliche Wirkung wie Fußballweltmeisterschaften und Olympiaden. Zwar sind sie mehr nationale Ereignisse, auch wenn die Welt durch die eine oder andere Gruppe vertreten ist. Wichtiger aber ist, dass die Menschen zusammenrücken. Dass sie den Kirchentag wie ein großes Fest miteinander feiern. Dass sie das Gefühl vermitteln: Es geht doch. Es ist möglich, die sonst so sehr im Vordergrund stehenden Grabenkämpfe auszusetzen oder - besser noch - zum Gesprächsthema zu machen mit dem Ziel einer Überwindung. Das gilt auch - und bei diesem Kirchentag speziell - für die konfessionellen Grabenkämpfe. Die werden zwar weitergehen, aber möglicherweise anders. Das ist die Hoffnung, die sich mit einem ökumenischen Kirchentag verbindet. In einer Zeit, in der so viele Konflikte herrschen - im Großen wie im Kleinen -, in der beinahe täglich neue Gräben aufgerissen werden, bis hinein in Nachbarschaften und Familien, ist es ein wichtiges Signal, zusammenzurücken und über alles Trennende hinweg das Gemeinsame zu pflegen. Nicht nur bei Kirchentagen und Fußballweltmeisterschaften.

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