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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW


Heute. Was ist heute für Sie dran. Den meisten fällt wohl zuerst ein, was sie noch alles zu tun haben: mit dem Auto in die Waschanlage fahren, den Baum schmücken, den Rotwein aus dem Keller holen. Für den Briefträger eine Kleinigkeit richten.
Die Liste für heute ist lang.

Sie zieht sich und wird immer länger, wie sich der Weg für Maria und Josef in die Länge gezogen hat. Sie dachten, hoffentlich reicht es noch, bevor das Kind kommt.

Und dann war es plötzlich da. Das Kind.
Und die Engel haben gesungen: Euch ist heute der Heiland geboren. Der Retter ist da. Und wie die Engel das damals gesagt haben, gilt das ja auch für mich heute. Das soll zu einem Lied, zu einem Licht, zu einer Stimmung in meinem Herzen werden. Euch – und das heißt ja: für mich und für Sie und für uns alle – ist heute der Heiland geboren. 2000 Jahre ist dieses Heute alt. Es kommt in der Weihnachtsgeschichte vor und in vielen Liedern zu Weihnachten. Eine Frau hat mir von sich erzählt: Wenn ich dann heute Abend in der Kirche sitze - etwas abgehetzt vielleicht, aber Gott sei Dank, es hat gerade noch gereicht - und wenn wir dann singen: Uns zum Heil erkoren, ward er heut geboren. Und dann die Weihnachtsgeschichte hören – wie seit 42 Jahren. Dann ist für mich Weihnachten.

Das Heute der Engel an die Hirten, das Heute der Weihnachtslieder, sie veralten nicht, sie helfen uns, in dieses Heute hineinzukommen. Es ist das Heute Gottes. Der Augenblick, wo ich mich berühren lasse von der Botschaft, die sagt: Für dich wird Gott ein Mensch, damit du Mensch werden kannst, wie Gott dich gedacht hat. Damit dir aufgeht, dass der Himmel für dich offen ist und Christus, Gottes Sohn, gekommen ist, dir zu sagen, dass auch du zum Himmel gehörst.

Der Engel Gottes spricht auch noch heute. Sei mal leise, damit du hören kannst, was das Kind mit dir reden will. Fahr deinen PC runter. Schalt dein Handy aus. Hör auf, mit dir zu schimpfen, dass du schon wieder zu spät bist. Lass es gut sein jetzt. Du hast genug vorbereitet und genug eingekauft. Jetzt kannst du nur noch alles aus der Hand legen und gehen so wie die Hirten gehen. Du brauchst kein Navi. Hör einfach hin. Es ist auch zu dir gesagt: Heute ist Gott für dich geboren. Freu dich über das Kind. In ihm kommt Gottes Liebe auf die Welt. Für alle Menschen. Dann ist dieses Heute für dich.
Fröhliche Weihnachten.
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Keiner will den Josef spielen. Die Maria und den Engel, die hätten wir doppelt besetzen können in unserem Krippenspiel für den Heiligen Abend.

Als könnten sie meine Gedanken lesen, haben mir die Kinder eine Erklärung gegeben: Der sagt ja gar nichts, der steht nur so da, der ist ja gar nicht wichtig, der sieht alt aus.
Wie zäh sich dieses Bild von Josef hält. Das war schon so, als ich in den Kindergottesdienst ging.

Inzwischen sehe ich den Josef anders. Ich kann dem schweigenden Brummbär etwas abgewinnen. Er hat keine großen Worte gemacht, aber er ist dabei geblieben, drin in der Geschichte, die Gott mit den Menschen macht. Er hat sich nicht davongemacht, wie sich mancher davon macht, wenn ein Kind unterwegs ist, das so nicht geplant war.

In der Weihnachtsgeschichte wird erzählt, wie Josef mit sich ringt. Soll er gehen oder bleiben. Maria, seine Maria bekommt ein Kind. Er kann es fast nicht glauben. Auch nicht ihrer Erklärung. Das Kind sei vom Heiligen Geist.

Ich stelle mir vor: Das ging eine ganze Weile so. In der Werkstatt, auf dem Weg zum Gebet. Immer war da dieser Gedanke. Bis Josef von einem Engel träumt: Siehe, sagt der. Und wenn es in der Bibel heißt: Siehe, dann kommt etwas Neues. So war es auch bei Maria. Ein Engel hatte zu ihr gesagt: Siehe, du wirst ein Kind bekommen. Genauso jetzt bei Josef. Siehe… Was so aussieht wie ein Seitensprung, das ist Gottes Plan. Bleib bei ihr.

Und Josef hat seine eigenen Pläne und Vorstellungen zurückgestellt. Er ist bei Maria und dem Kind geblieben. Darum gehört Josef hinein in die Weihnachtsgeschichte.

Die Kinder haben recht: Josef macht nicht viel her. Er steht am Rand. Er sagt nichts. Aber: er bleibt dabei, läuft nicht weg, und er hat seinen Teil daran, dass Gott auf die Welt kommen kann und dass er überlebt, als Menschen ihn gleich wieder wegschaffen wollen.

Ich lese daraus: Es kommt wirklich nicht darauf an, wie groß unsere Rolle ist, wenn Gott zur Welt kommt. Ob wir still dastehen oder laut das Kind willkommen heißen, ob wir mit leeren Händen und Herzen zur Krippe kommen oder ob wir ihm die Schätze unseres Lebens mitbringen. Hauptsache wir schleichen uns nicht davon. Denn Gott will uns dabei haben. Auch die in den kleinen Rollen, die nicht viel sagen und nicht viel zu sagen haben. Die dabeibleiben, auch wenn es manchmal zum Davonlaufen ist. Alle sind wichtig, damit Gott zur Welt kommen kann. Das ist seine Weihnachtsgeschichte live – mit uns.
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Geburtstag, zwei Tage vor Weihnachten, das ist ganz ungeschickt. Da hat keiner Zeit, so hat mir ein vorweihnachtliches Geburtstagskind erzählt. Jeder ist beschäftigt. Nicht mal zum Kaffee kannst du die Leute einladen. Die Leute – damit meint er seine Kinder, Enkelkinder und Freunde.

Schon als Kind hab ich das zu spüren bekommen, erzählt er weiter. Da war keine Zeit für meinen Geburtstag. Meine Mutter musste immer bei ihrem Bruder in der Bäckerei helfen. Ich habe mir immer gewünscht: hätte ich doch im Juni oder im Oktober Geburtstag. Aber das kann man sich halt nicht aussuchen. Jetzt lacht er darüber. Er hat gelernt, damit zu leben, und lädt einfach im Juli auf sein Gartengrundstück ein – und manche Gäste wissen gar nicht, dass er eigentlich zwei Tage vor Weihnachten Geburtstag hat.

Geburtstage so kurz vor Weihnachten führen meist ein Schattendasein.
Aber ich glaube, man kann - oder frau kann das auch anders sehen. Da ist auch etwas Schönes zu entdecken, so nah an Weihnachten Geburtstag zu haben. Das kann auch zuversichtlich stimmen, ja sogar trösten: Dieser Mensch, Jesus, der da zur Welt kommt an Weihnachten, der lässt alles in einem anderen Licht erscheinen, mein altes und mein neues Lebensjahr. Die Wege, die ich gestern gegangen bin und die Täler, durch die ich vielleicht morgen wandern muss - sie sind nicht ganz finster, wenn ich damit rechne, dass sein Licht mitgeht.

Und wie wäre es, wenn heute alle, die so ein vorweihnachtliches Geburtstagskind kennen, wenn sie anrufen und gratulieren oder sich Zeit nehmen und mit einer Kleinigkeit persönlich vorbeigehen. Denn der an Weihnachten auf die Welt gekommen ist, der hat die Menschlichkeit und Freundlichkeit unter die Leute gebracht. Es wäre schade, wenn unsere Geburtstagsvorbereitungen für ihn uns abhalten, das zu tun, was ihm wichtig ist. Deshalb: Herzlichen Glückwunsch allen, die heute ein neues Lebensjahr beginnen. Sie haben fast mit Jesus Geburtstag.

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Wie komme ich bei anderen an? Das ist eine wichtige Frage. Von der Antwort hängt viel ab. Wer mit Menschen zu tun hat, weiß das. Wenn eine Krankenschwester gut ankommt bei den Patienten, warten alle, bis ihre Schicht beginnt, weil sie über das Pflegerische hinaus den Kranken gut tut. Und wenn ein Lehrer in der Klasse gut ankommt, dann können die Jugendlichen auch trockenen Lernstoff besser schaffen. So macht die Arbeit mehr Freude. Darum kann es uns nicht egal sein: wie wir bei anderen ankommen.

Ich glaube, auch Gott ist es nicht egal, wie er ankommt. Er legt Wert darauf, dass er gut ankommt bei uns Menschen. Auf ganz menschliche Art hat er das versucht. Als Kind kam er zur Welt. Wir wissen, so ein neugeborenes Kind, das wir alle auch einmal waren, das ist angewiesen auf andere, das hat noch nicht alles im Griff, wehrlos liegt es da und verzaubert oft eine ganze Familie. Als so ein Kind – das Jesuskind – geboren wurde, da ist Gott auf die Welt gekommen. Das feiern wir an Weihnachten.

Darum ist die Zeit vor Weihnachten die richtige Zeit für die Frage: Wie kommt Gott an bei mir? Lasse ich ihn ankommen?

Wer sich Zeit nimmt und mit seinen Enkelkindern Weihnachtsbrötchen bäckt, wer bei weihnachtlicher Musik den Christbaum in den Ständer einpasst, wer beim Abendspaziergang ein kleines Päckchen vor die Tür legt oder einen Weihnachtsgruss in den Briefkasten steckt, der oder die wird etwas von der Freude spüren, davon, wie es ist, wenn Gott ankommt.

Und – wenn wir Gott bei uns ankommen lassen, dann kommen auch die anderen bei uns an. Auch die, denen wir meist recht wenig Beachtung schenken. Ich denke an die Männer, die für uns die Mülltonnen leeren, und an die Frauen, die Toiletten im Parkhaus sauber halten. Gerade für die, die sonst nicht so gut ankommen. Die Kleinen in der Welt der Großen, die, die keine Arbeit haben in der Stressgesellschaft, die von draußen in einer Gesellschaft, die meint, es seien schon genug gekommen, das Boot sei voll. Ganz besonders für sie ist Gott in Jesus Christus angekommen in der Welt.

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