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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Die evangelische Landeskirche in Württemberg hat heute etwas zu feiern, ihren Geburtstag: Vor genau 475 Jahren, am 16. April 1534, wurde in Stuttgart der erste offizielle evangelische Gottesdienst im damaligen Herzogtum Württemberg gefeiert.

Damals lag es in der Hand des jeweiligen Landesherrn, die Reformation der Kirche einzuführen oder auch nicht. Manche haben sich dafür entschieden, manche dagegen. Deshalb haben die evangelischen Landeskirchen auch heute noch die Grenzen der Fürstentümer von vor 500 Jahren. Hier im Südwesten gibt es allein drei: Die pfälzische, die badische und die württembergische Kirche. Jede mit ganz speziellen Eigenarten und Besonderheiten.

Die württembergische Landeskirche, die heute ihren 475. Geburtstag feiert, ist beispielsweise sehr stark von der Bewegung des Pietismus geprägt worden. In vielen Menschen ruft dieser Begriff eher negative Assoziationen hervor. Pietismus ist für Viele gleichbedeutend mit einer engen, strengen und altmodischen Art des Glaubens. Dabei war der Pietismus, als er im 17. Jahrhundert entstanden ist, eine fast schon revolutionäre Erneuerungsbewegung, die der alten Kirche neues Leben einhauchen wollte. Der Pietismus hatte ein großes Ziel: der Glaube sollte nicht nur in der Theorie sondern auch im täglichen Leben eine Rolle spielen, er sollte nicht nur etwas mit dem Kopf, sondern vor allem etwas mit dem Herzen zu tun haben. Emotionen haben im Pietismus deshalb eine große Rolle gespielt, außerdem die Nächstenliebe, und: eine große Ehrlichkeit den eigenen Schwächen gegenüber.

Herz und Hand gehören zusammen. Der Glaube muss Folgen haben für das Denken und Handeln eines Menschen. Aus dieser Idee des Pietismus sind die ersten diakonischen Einrichtungen entstanden. Und der Pietismus hatte nicht nur die Nöte der Menschen im Blick. Der Pfarrer Albert Knapp war überzeugt, dass zum christlichen Glauben auch der verantwortliche Umgang mit Tieren gehört. Deshalb hat er 1837 den ersten Tierschutzverein Deutschlands gegründet. Knapps Anliegen wurde begeistert aufgegriffen. Überall in Deutschland schossen weitere Tierschutzvereine wie Pilze aus dem Boden.

Ich denke, dass Kirche immer wieder dann überzeugt und Menschen gewinnt, wenn es ihr – wie damals dem Pietismus - gelingt, den Glauben und das wirkliche Leben zusammenzubringen. Dann können die evangelische Landeskirche in Württemberg und alle anderen Kirchen und Freikirchen zuversichtlich in die Zukunft schauen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5971
Morgen feiert die Evangelische Landeskirche in Württemberg mit einem Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche ihren 475. Geburtstag. Viele Männer und Frauen haben diese evangelische Kirche in den beinahe fünf Jahrhunderten ihrer Geschichte geprägt, darunter natürlich auch viele Pfarrer und Pfarrerinnen.

Einige von ihnen waren beeindruckende Persönlichkeiten, die viel geleistet haben. Aber, wenn ich ehrlich bin, interessieren mich Menschen besonders dann, wenn sie nicht nur als strahlende Vorbilder dastehen, sondern auch mit Krisen in ihrem Leben fertig werden mussten. So einer war der Pfarrer Christian Gottlob Pregizer, geboren 1751.

Er war ein guter Prediger, er konnte so reden, dass auch die einfachen Menschen ihn verstanden. Jeden Sonntag sind sogar Auswärtige in das kleine Städtchen Haiterbach im Nordschwarzwald gekommen, um den talentierten Pfarrer zu hören. Alles prima, doch mit fast 50 Jahren ist Christian Gottlob Pregizer in eine tiefe Lebenskrise geraten. Er konnte plötzlich keine Gottesdienste mehr halten, er fühlte sich außer Stande zu predigen und bekam furchtbare Angst vor dem Kontakt mit anderen Menschen. Er zitterte schon, wenn er jemanden auf das Pfarrhaus zukommen sah. Pregizer selbst sprach von einem „Trauergeist“, der ihn befallen habe – „Burne-out“ oder „Depression“ würde man seinen Zustand vermutlich heute nennen. Anderthalb Jahre hatte der Pfarrer darunter zu leiden.

Als er wieder gesund geworden war, mochten die Menschen ihren Pfarrer nicht etwa weniger, sondern mehr. Die Kirche wurde jetzt zu klein für die vielen Gottesdienstbesucher, die kamen. Die Zuhörer saßen sogar draußen vor der Kirche auf dem Friedhof. Ich glaube, dass Pregizer nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Krise noch mehr Menschen erreichen konnte als zuvor. Weil er es selbst erlebt hatte, konnte er jetzt auch die Müden, Traurigen und Ausgebrannten besser verstehen. Und er hat auch anders gepredigt: Vor seiner Krise wollte er seine Zuhörer vor allem moralisch auf Vordermann bringen. Nach seinem Burne-out war Gottes bedingungslose Liebe sein Thema Nummer eins. Denn diese Liebe hatte ihm selbst aus der Depression geholfen. Er hatte riesige Angst vor den Anforderungen anderer gehabt, bis er erkannte, dass Gott keine Anforderungen an ihn stellt, sondern ihm seine Zuneigung schenkt, ohne etwas von ihm zu verlangen.

Gott kann viele ganz unterschiedliche Menschen gebrauchen, um in seiner Kirche zu arbeiten. Mir gefällt, dass er auch für die – vielleicht sogar gerade für die – Verwendung hat, die nicht nur die Höhen, sondern auch die Tiefen des Lebens kennen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5970
Morgen beginnt in der Stadt Blaubeuren und Umgebung das Landesmissionsfest. Beim Wort Mission denke ich immer an einen wagemutigen Pfarrer oder Prediger, der sich mit Buschmesser und Bibel durch den Dschungel schlägt, um Eingeborenen im Lendenschurz vom christlichen Glauben zu erzählen. So ähnlich sah Mission vor 100 Jahren tatsächlich mal aus. Aber Mission heute bedeutet etwas anderes. Längst brauchen die Menschen in Südamerika, der Südsee oder Südostasien niemanden mehr aus Europa, der ihnen vom christlichen Glauben erzählt, längst gibt es dort selbstständige Kirchen mit eigenen Pfarrerinnen und Pfarrern.

Mission, das bedeutet heute deshalb vor allem Partnerschaft, Partnerschaft zwischen den Kirchen hier, aus denen die ersten Missionare kamen und den Kirchen in Übersee, die jetzt auf eigenen Beinen stehen. Diese Partnerschaft wird beim Missionsfest in Blaubeuren gepflegt, erwartet werden Gäste aus Argentinien, Indien, Kamerun und anderen Ländern.

Ich denke, so ein Blick über den Tellerrand ist eine gute Sache. Zum einen ermutigt er mich, denn während hier bei uns immer weniger Menschen mit dem christlichen Glauben etwas anfangen können und die Kirchen seit Jahren Mitglieder verlieren, ist es in Südamerika, Afrika oder China genau umgekehrt. In vielen Ländern herrscht eine regelrechte Aufbruchstimmung. Offenbar erleben die Menschen dort die Nachricht von der Liebe Gottes als ungeheuer ermutigende und frei machende Botschaft. Das gibt mir das Vertrauen, dass die alten Worte der Bibel längst nicht zum alten Eisen gehört, sondern immer noch Kraft haben, Menschen zu begeistern – auch hier bei uns.

Zum anderen macht mich dieser Blick über den eigenen Tellerrand auch nachdenklich. Ich finde es unglaublich, unter welchen Bedingungen viele Christen auf der Welt ihren Glauben festhalten. Oft fehlt das Geld für Kirchen, Gemeindehäuser oder Bibeln - Dinge, die für uns ganz selbstverständlich sind. Und: in vielen Ländern müssen Christen mit Druck und Feindseligkeiten beispielsweise von Seiten ihrer Regierung leben. Ich frage mich, wie ich mich in dieser Situation verhalten würde. Wäre mir mein Glaube das wert?

Ich denke, in der Partnerschaft zwischen Christen weltweit, liegt eine große Chance, nämlich: einander abzugeben von dem, was der andere nicht hat: Wir können den Christen in Übersee etwas abgeben von unserem immer noch großen Wohlstand und uns dafür eine Scheibe abschneiden von ihrem Mut, ihrer Begeisterung und ihrem Gottvertrauen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5969
Manchmal ist es richtig gut, wenn man Mitspieler hat.
Ich habe das mit meinem Sohn zusammen gelernt, als der vor ein paar Wochen sein erstes Fußballturnier hatte: Große Sporthalle, viele Mannschaften, eine Menge Zuschauer auf der Tribüne - das alles war für meinen Sohn so aufregend, dass er sich gar nicht auf das Spielfeld getraut hat. Zwei Spiele lang hat er mit einem „blöden Gefühl“, wie er es nannte, auf der Bank gesessen. Bis ein Junge aus seiner Mannschaft auf ihn zu gekommen ist und gesagt hat: „Komm, du stürmst jetzt mal mit mir“. – Da ist mein Sohn aufgestanden und losgestürmt.

Das wär’s doch, wenn’s das nicht nur im Fußball bei den Bambinis, sondern auch im Alltag von uns Erwachsenen gäbe: Vor Situationen, die mir Angst machen, kommt jemand und sagt: „Komm, du stürmst mit mir. Das packen wir gemeinsam“?

In der Bibel wird der Glaube manchmal mit einem sportlichen Wettkampf verglichen (z.B. 1 Kor 9,24-27). Ich denke, wenn schon Sport, dann ist der Glaube in jedem Fall ein Mannschaftssport. Denn wer glaubt, der erlebt, dass es so einen Mitspieler für das Spiel des Lebens tatsächlich gibt. Ich denke, Gott ist so einer: einer, der mich begleitet; einer, der mich motiviert, Situationen zu meistern, in denen ich auch als Erwachsener ein „blödes Gefühl“ habe.

Dass Gott mein Mitspieler ist, bedeutet aber nicht, dass ich die Hände in den Schoß legen kann. Ums Selber-Spielen komme ich nicht herum. Gott nimmt mir nichts ab, aber er gibt mir die Kraft, es selbst zu packen. Es wäre für meinen Sohn ja auch nicht besser gewesen, wenn sein Mannschaftskamerad zu ihm gesagt hätte: „Bleib sitzen, ich mach die Tore für dich“. Nein, dass er die Angst überwunden hat und selber spielte, darauf kam’s an.

Mein Sohn hat sein Spiel damals übrigens knapp verloren. Aber das war nicht so wichtig, wichtig war, dass er auf dem Platz stand. Ich denke, genau so ist es auch für uns Erwachsene im Alltag: Auch da gewinnt man nicht immer, auch nicht wenn Gott dabei ist. Aber es kommt auch nicht immer darauf an, dass alles zu meinen Gunsten ausgeht, sondern, darauf, dass ich die Herausforderung annehme und nicht vor ihr wegrenne. Und da macht es für mich oft den entscheidenden Unterschied, ob ich darauf vertrauen kann, dass ich nicht allein bin.

Neben dem einen unsichtbaren Mitspieler gibt es übrigens noch viele sichtbare. Männer und Frauen, die auch angefangen haben, darauf zu vertrauen, dass sie das Spiel des Lebens nicht alleine spielen müssen. Diese Mitspieler können sich auch gegenseitig unterstützen und dem anderen, den grade der Mut verlassen hat, sagen: „Komm, du stürmst jetzt mal mit mir“. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5968
„Druckvorgang gestartet“, was habe ich mich über diesen Satz aufgeregt, genauso über „Druckvorgang abgeschlossen“ und manchmal auch über den Befehl: „Papier nachlegen“.

Wer das zu mir gesagt hat? Mein Computer-Drucker, jahrelang jeden Tag, mehrmals. Es war zwar eine freundliche Frauenstimme, die da aus den Lautsprechern kam, wann immer ich irgendetwas ausgedruckt habe, aber ich fand es trotzdem nervig. Seit einigen Wochen spricht mein Drucker nicht mehr mit mir. - Nein, ich hab ihn nicht aus dem Fenster geworfen. Es war viel einfacher: ich musste gar nicht lange im Druckermenü suchen, um die entsprechende Einstellung einfach auszuschalten.

Ich wundere mich über mich selber, warum ich das nicht schon viel früher gemacht habe. Aber ich war aus irgendeinem Grund davon überzeugt, dass man das nicht ändern kann, dass das halt so ist bei meinem Drucker.

Ich glaube, dieses kleine Erlebnis ist typisch - für mich und vielleicht für andere Menschen auch. Es gibt viele Dinge, die ich eigentlich ganz leicht ändern könnte, aber aus irgendeinem Grund tue ich das nicht.

Vielleicht weil ich immer nach den großen bedeutenden Veränderungen Ausschau halte, dabei bringen manchmal schon ganz kleine Veränderungen eine Menge. Zum Beispiel war ich immer unzufrieden, weil ich es nur sehr selten geschafft habe, Gitarre zu üben. Meine Fähigkeiten auf der Gitarre haben sich deshalb immer im bescheidenen Rahmen gehalten, und ich habe mich über mich selbst geärgert. Damit das aufhört, habe ich an zwei ziemlich große Veränderungen gedacht: Entweder Unterricht nehmen und die Sache so richtig ernst angehen, oder mein Instrument verkaufen, weil es ja doch keinen Sinn hat und damit ich mich nicht weiter ärgern muss. Aber es war viel einfacher. Statt wie früher im Koffer auf der Bühne oder im Keller steht meine Gitarre jetzt im Wohnzimmer und ich greife ganz von alleine viel öfter danach. Eine kleine Veränderung nur – und sie zeigt schon Wirkung.

Vielleicht kennen Sie auch dieses sehr bekannte und weise Gebet:

„Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine von dem andern zu unterscheiden.“

Das passt nicht nur bei den ganz großen, sondern auch bei den ganz kleinen alltäglichen Veränderungen im Leben. Die Ideen für solche Veränderungen kommen bei mir eigentlich nie durch angestrengtes Nachdenken, sondern meistens einfach so aus heiterem Himmel. Ab und zu einen Einfall für eine kleine Veränderung, das wünsche ich Ihnen auch. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5967
Ich bewundere Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen.
Und ich weiß: Ohne Ehrenamt geht nichts, in keinem Fußballverein, in keiner Musikkapelle - und auch nicht in der Kirche. Zwar gibt es in den Kirchengemeinden auch Pfarrer, Priester oder Pastoren, die nichts anderes tun als sich um die Gemeinde zu kümmern, aber die schaffen – trotz großem Einsatz – oft nicht mehr als ihre Kernaufgaben: Gottesdienste, Taufen, Trauungen, Bestattungen und Unterricht. Alles, was es darüber hinaus gibt, gibt es nur, weil sich Männer und vor allem Frauen ehrenamtlich engagieren.

Deshalb bewundere ich die Ehrenamtlichen. Und ich denke, das geht vielen so: Ehrenamtliches Engagement flößt Respekt ein. Aber – ehrlich gesagt - diese Anerkennung bringt mich noch lange nicht dazu, mich selbst zu engagieren. Warum eigentlich nicht? Zum einen, weil ich insgeheim denke, wenn es die anderen machen, brauche ich es ja nicht zu tun. Nur, was ist wenn alle so denken würden? Und zweitens: Viele Menschen denken, dass ehrenamtliches Engagement einfach nicht in ihre derzeitige Lebenssituation passt. Das kann ja auch oft stimmen. Wer eine Familie mit kleinen Kindern hat, kann sich nicht so einbringen wie jemand, dessen Kinder schon aus dem Haus sind.

Deshalb finde ich es übrigens auch gut, dass es in einem alten Bekenntnis heißt: „Die Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen“ und nicht „die Gemeinschaft der Engagierten“. In der Kirche hat jeder einen Platz, und wer gerade nicht so viel Kraft hat, dass er sich irgendwo einbringen kann, der findet dort einen Ort um aufzuatmen und vielleicht andere, die ihm helfen.

Die Kirche ist eine Gemeinschaft von Menschen, die für einander da sind. Deshalb ist es gut, dass es Ehrenamtliche gibt. Und ich staune manchmal wie viele sich engagieren, die doch eigentlich auch sonst genug zu tun haben. Aber vielleicht wissen die: Wer wartet, bis alles passt und sich das Ehrenamt sozusagen von alleine aufdrängt, der wartet unter Umständen lange. Es werden sich immer Gründe finden, den Schritt nicht zu tun. Ich denke, das Ehrenamt drängt sich nie von alleine auf, man muss sich immer einen Ruck geben.

Und was habe ich davon, wenn ich mich ehrenamtlich engagiere? Ich glaube mehr als die Ehre, die schon im Namen steckt: vor allem die Befriedigung die es bringt, gemeinsam mit anderen etwas Sinnvolles anzupacken. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5966
„Betet ohne Unterlass“ (1 Thessalonicher 5,17) empfiehlt der Apostel Paulus den Christen in einem seiner Briefe. Ohne Unterlass, also ständig beten - Diese Aufforderung scheint zunächst ziemlich weltfremd. Schließlich haben Menschen ja auch noch andere Dinge zu tun.

Aber was sich zunächst wie eine Zumutung anhört, ist beim näheren Hinschauen kein schlechter Tipp, finde ich. Denn das griechische Wort, das in der deutschen Bibel mit „ohne Unterlass“ wiedergegeben wird, meint wörtlich übersetzt „beständig“. „Betet ohne Unterlass“ heißt also: „Betet immer wieder“, „betet kontinuierlich“. Und dieser Ratschlag macht Sinn.

Denn was man nicht immer wieder tut, das bringt’s oft auch nicht. Ich gehe beispielsweise schon seit Anfang des Jahres ins Fitnessstudio. Neulich habe ich mich gewundert, warum ich keine Fortschritte mache. Ich stemme noch immer die gleichen nicht sehr schweren Gewichte wie am Anfang. Nach einem Blick auf meinen Trainingsplan war alles klar: Ich habe immer wieder große Lücken zwischen den einzelnen Trainingsterminen, einmal sogar einen ganzen Monat. So wird das nichts mit den Fortschritten, es fehlt die Beständigkeit, die Kontinuität.

Ohne Kontinuität komme ich nicht weiter, nicht beim Sport, nicht beim Lernen eines Instruments und auch nicht beim Beten. Das Gebet, das Reden mit Gott, bleibt mir dann immer irgendwie fremd, ich fühle mich unwohl, wie wenn ich mit einem Fremden spreche.

Wenn das so ist, dann ist beständig Beten also keine Zumutung, sondern ein guter Tipp, um Gott besser kennen zu lernen. Sonst beginne ich mit meinem Gottvertrauen immer wieder bei null, genau so wie ich bei meinem Training nach einer langen Pause im Grunde wieder bei null anfange.

„Betet ohne Unterlass“, das soll auch keine Überforderung sein. Denn kontinuierlich kann ich eine Sache nur dann machen, wenn ich mich gerade nicht damit überfordere. Im Fitnessstudio z.B. kann ich, wenn ich mich anstrenge, auch Gewichte heben, die eigentlich viel zu schwer für mich sind. Aber ich kann das eben nicht sehr oft und ich verliere sehr schnell die Lust daran. Nur wenn ich mich nicht überfordere, kann ich auch am Ball bleiben.

„Betet ohne Unterlass“ heißt also nicht: betet stundenlang, sondern sucht euch ein Maß, das für Euch ok ist und mit dem ihr euch auf die Dauer nicht überfordert. Wie lange und wie oft das ist, muss jeder selbst rausfinden, aber die Wirkung bleibt mit Sicherheit nicht aus: Wer beständig betet, entwickelt ein Vertrauensverhältnis zu Gott. Und das tut gut. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5965