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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Jeder hat einen Namen. In der Regel suchen Eltern den Namen aus. Der Name begleitet uns meistens das ganze Leben lang. Namen sagen oft etwas über die Herkunft eines Menschen aus, über seine Familie, seine Heimat. Bei vielen Namen ist das offensichtlich, bei manchen weniger. Namen haben immer etwas mit Identität zu tun. Ein neuer Name kann auch eine neue Identität geben. Bei klösterlichen Gemeinschaften und religiösen Bewegungen ist es üblich durch einen Namen einen Neuanfang, die Entscheidung für eine bestimmte Lebensform auszudrücken. Manche Namen sind Programm. Zum Beispiel Künstlernamen. John Denver, Katja Ebstein und Brigitte Bardot. Das klingt anders als Henry Deutschendorf, Karin Witkiewicz oder Camille Javal.
Es gibt auch Beinamen. Die erklären eine bestimmte Eigenschaft oder beschreiben eine herausragende Fähigkeit: Hägar der Schreckliche, Conan der Barbar oder Karl der Große.
Die Bibel kennt dieses Phänomen der Beinamen. Johannes der Täufer ist der Johannes, der als Einsiedler in der Wüste lebte, Menschen aufgefordert hat umzukehren. Er hat den Beinamen der Täufer, weil er seine Anhänger am Jordan mit Wasser getauft hat. Einer davon war Jesus. Jesus von Nazareth. Durch die Ortsangabe wird die Herkunft deutlich. Jesus wird auch der Christus genannt: Jesus der Gesalbte. Der Titel Christus macht deutlich, dass er prophetische, priesterliche und königliche Würde besitzt. Durch die Taufe sollen auch die Christen Gesalbte sein, mit einer prophetischen, priesterlichen und königlichen Würde.
In den Evangelien wird berichtet, dass Jesus zu einem gewissen Simon Barjona sagt: Du bist der Fels. Auf diesen Felsen möchte ich meine Kirche bauen. Jesus nennt Simon Barjona einfach Petrus, oder Kephas, beides Begriffe, die im Deutschen Fels heißen. Jesus sieht in ihm den Fels, der seine Sache, seine Botschaft vom Reich Gottes weiterführen wird. Nomen est Omen, lautet ein lateinisches Sprichwort: Der Namen ist eine Verheißung, eine Ankündigung, er lässt etwas erwarten.
Auch Kosenamen drücken aus, in welcher Beziehung ich zu einer Person stehe oder was dieser Mensch für mich bedeutet: mein Bär, meine Maus, mein Schatz. Mein Stern, meine Prinzessin, mein Engel. Es ist schön, wenn wir den anderen wissen lassen, was er uns bedeutet, was wir in ihm sehen: Du bist ein leuchtendes Herz, du bist ein Sonnenschein, du bist ein Fels in der Brandung, Du bist eine Seele von Mensch.
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Unsere gemeinsame Währung ist der Euro. Reisen und Handeln geht ohne Grenzen. Der Lebensstandard, auch in ärmeren Regionen, hat sich stetig verbessert. Gegen Verbrechen und Terrorismus wird gemeinsam vorgegangen. Telefon und Flüge wurden billiger. Lebensmittel unterliegen Standards, der Umweltschutz ist vereinheitlicht. Ein Studium im Ausland? Kein Problem. Heute ergänzen sich die europäischen Länder und fühlen sich als gute Nachbarn. Jeder Mitgliedsstaat der EU verpflichtet sich zu Frieden und Solidarität.
Was heute selbstverständlich ist, wurde hart erarbeitet und hatte oft eine lange Vorgeschichte. Über Jahrhunderte hinweg wurde versucht Europa zu vereinigen. Es war aber immer ein Triumph von Sieger über Besiegte. Die Verlierer versuchten so schnell wie möglich ihre Freiheit wiederzugewinnen. Ein Krieg folgte dem nächsten. Schreckliche Tragödien, Leid, Hunger, Tod, Vertreibung. Viele können sich das heute gar nicht mehr vorstellen. Der Tiefpunkt war der Zweite Weltkrieg. Es gab keine Regeln oder Einrichtungen die das hätten verhindern können.
"Der Weltfriede kann nur durch schöpferische, den drohenden Gefahren angemessene Anstrengungen gesichert werden"...das wurde am 9. Mai vor 58 Jahren in Paris der internationalen Presse erklärt. "Wenn Frankreich, Deutschland und weitere Beitrittsländer ihre wirtschaftliche Grundproduktion zusammenlegen und eine Hohe Behörde einsetzen, wird dieser Plan die ersten konkreten Grundlagen für eine europäische Föderation schaffen, die zur Erhaltung des Friedens notwendig ist.“ Das schlug der französische Außenminister damals vor. Kohle und Stahl, Rohstoffe der militärischen Rüstung, sollten durch ein europäisches Organ verwaltet werden.
Heute ist der Gedenktag dieser Schuman-Erklärung. Die europäischen Staaten hatten sich zuvor in einem schrecklichen Krieg zerrissen. Es gab unzählige wirtschaftliche und moralische Ruinen. Zukünftig sollten nationale Alleingänge unmöglich sein.
Die EU umfasst inzwischen 27 demokratische Länder. Frieden, Wohlstand und Freiheit für fast 500 Millionen Menschen. Es funktioniert nach dem christlichen Prinzip der Subsidiarität: "Was besser auf Gemeinschaftsebene erreicht werden kann, soll auch gemeinschaftlich beschlossen und ausgeführt werden." heißt es in einer Jubiläumsrede.
“Die Europäische Union ist für ihre Bürger da“ liest man auf der Homepage der EU. Jeder Europäer soll die typischen Eigenheiten seines Landes, seine kulturelle Verwurzelung, seine Lebensgewohnheiten, seine Sprache bewahren und sich trotzdem in seiner "europäischen Heimat" frei bewegen und zu Hause fühlen können.
Es lebe Europa, Vive l’europe kann ich da nur sagen!
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In Frankreich, Tschechien und der Slowakei und in vielen anderen Ländern ist heute ein nationaler Feiertag. Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg.
Victory in Europe Day, sagen die Amerikaner. „Sieg-in-Europa-Tag“. Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Das Kriegsende wird in vielen Ländern als Tag der Befreiung gefeiert, der Befreiung vom Nationalsozialismus.
Vier Jahre nach Kriegsende, am 8. Mai1949, nach achtmonatigen Beratungen, beschließt der Parlamentarische Rat das deutsche Grundgesetz. Über Parteigrenzen hinweg geben Demokraten die Antwort auf Krieg und Gewaltherrschaft. Im Artikel 1 des Grundgesetzes heißt es: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das deutsche Volk bekennt sich zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
Zum 40.Jahrestag hielt Richard von Weizsäcker, der damalige Bundespräsident im Deutschen Bundestag eine vielbeachtete Rede. Er sagte:
“Es gibt keine endgültig errungene moralische Vollkommenheit - für niemanden und kein Land! Wir haben als Menschen gelernt, wir bleiben als Menschen gefährdet. Aber wir haben die Kraft, Gefährdungen immer von neuem zu überwinden.
Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Hass zu schüren.“ sagte von Weizsäcker. Und er fuhr fort mit einer Bitte an die jungen Menschen:
„Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander. ... Ehren wir die Freiheit. Arbeiten wir für den Frieden. Halten wir uns an das Recht. Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit. Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut wir können, der Wahrheit ins Auge.“
Seit der Rede von Weizsäckers sind inzwischen wieder 23 Jahre ins Land gegangen. Der 8.Mai ist in Deutschland kein Feiertag, aber ein Gedenktag, „ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten. Er ist zugleich ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte. Je ehrlicher wir ihn begehen, desto freier sind wir, uns seinen Folgen verantwortlich zu stellen.“ Sagte von Weizsäcker.
Den 8. Mai ehrlich begehen heißt für mich, dankbar dafür zu sein, dass wir in Zentraleuropa seit 63 Jahren Konflikte nicht kriegerisch lösen. Den 8. Mai ehrlich begehen heißt für mich, daran zu glauben, dass eine gerechtere Welt möglich ist.
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Die Situation ist idyllisch. Ein sonnendurchfluteter Laubwald. Der Morgen ist lau, es zwitschern Vögel. Ein junger Mönch badet seine Füße in einem plätschernden Bach. Klick, klick, klick. Die Spiegelreflexkamera einer Journalistin hält Bilder dieser Situation fest. Es ist eine Situation aus dem Film: Vaya con Dios.
Die Photographin und der Mönch haben sich erst kürzlich kennen gelernt. Holzschnittartig begegnen sich Mittelalter und Neuzeit, die vortechnische Zeit und die Moderne. Der Mönch hat noch nie eine Spiegelreflexkamera gesehen. Neugierig geworden will er auch fotografieren. „Kannst Du mir bitte den Apparat erklären, mit dem Du die Bilder machst?“ Er beginnt die Umwelt und die junge Frau durch den Sucher zu beobachten. Er lässt sich Zeit. - Viel Zeit und drückt nicht ab.
“Jetzt drück doch mal ab.“ sagt sie ungeduldig. “Warum drückst Du nicht einfach ab?“ - “Ich weiß nicht, wann ich drücken soll.“ „ Drück einfach ab, wenn Du denkst, hey, wow, - dies ist genau der richtige Moment.“ - „Wie kann ich einem bestimmten Augenblick den Vorzug vor einem anderen geben? In allem was lebt, wirkt Gott in der Zeit.“
Eine fast schon philosophische Antwort. „Ich glaube nicht an Gott“ antwortet die moderne, aufgeklärte Journalistin. Aber die Haltung des jungen Mönchs beeindruckt sie. Ja, sie ist ein bisschen verwirrt.
“Wie kann ich einem bestimmten Augenblick den Vorzug geben? In jedem Augenblick wirkt Gott in der Zeit.“ Für unsere schnelllebige Zeit ein Affront. Für mediengewohnte Menschen schockierend. Augenblicke rauschen bedeutungslos vorbei oder es ist für uns selbstverständlich, dass ganz bestimmte Augenblicke festgehalten werden, als Foto oder als Film. Historische Augenblicke, gesellschaftliche oder private. Sie werden konserviert im Rechner, im Album oder im Archiv.
„Hier, das bist Du vor einer Minute“ sagt die junge Fotografin und gibt dem jungen Mann das Bild aus der Polaroid-Kamera, das sie eben von ihm geschossen hat. Er betrachtet das Foto: „In dem Augenblick waren meine Gedanken ganz bei Dir. – Sieht man aber nicht!“
Photos, Bilder, auch bewegte Bilder zeigen oft nur die Oberfläche. Die tiefere Wahrheit, die Gefühle können wir nur erahnen.
Bilder können zwar oberflächlich eine bestimmte Situation oder einen bestimmten Menschen zeigen. In der Tiefe rühren uns Bilder an, wenn wir sie betrachten, uns Zeit nehmen. Es ist die Achtsamkeit für den Augenblick, die Bilder zu Andachtsbilder machen.
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Es ist schon verrückt, wo die Zeit manchmal bleibt. Mit der Zeit angemessen umzugehen ist schwer. Der Tag hat 24 Stunden. Nicht mehr und nicht weniger.
Inzwischen ärgere ich mich, wenn ich merke, dass ich Zeit verliere. Verlorene Zeit sind für mich nicht die Minuten, die ich mit Warten verbringen muss. auf dem Bahnsteig, an der Bushaltestelle oder im Stau. In solchen Wartezeiten kann ich meinen Gedanken nachgehen, mich erinnern, Erlebtes nachklingen lassen oder mich innerlich auf das vorbereiten, was kommen wird. Verlorene Zeit ist für mich die Zeit, in der ich das Gefühl habe, nicht selbst zu leben. Denn meine Zeit ist wertvolle Lebenszeit.
Inzwischen geht mir beim Fernsehen so, dass ich denke, Zeit zu verlieren. Oft schaue ich da anderen beim Leben zu, statt selbst zu leben. Für mich ist der Fernseher dann ein Lebenszeitfresser. Sogar die Nachrichten schaue ich nur noch ganz selten an. Da werden mir Bilder aufgezwungen, muss ich so und so viele Sekunden oder Minuten meine Aufmerksamkeit einem Thema widmen, ob ich es will oder nicht, ob es mich interessiert oder nicht, ob es mich betrifft oder nicht.
„Neben der edlen Kunst, Dinge zu tun,“ sagt ein Sprichwort, „gibt es auch die edle Kunst, Dinge nicht zu tun. Die Weisheit des Lebens besteht darin, Unwichtiges zu unterlassen.“
Der frühere amerikanische Präsident Eisenhower soll täglich entschieden haben, was wirklich wichtig und dringend in seinem Leben und in seiner Arbeit ist. Nur diese Dinge hat er selbst erledigt. Und das am besten sofort. Alles andere hat er vertagt, aufgeschoben, delegiert oder einfach unerledigt gelassen.
Nie genug Zeit um alles zu erledigen, was ich tun will? Seit ich mir bewusst bin, dass meine Lebenszeit das Kostbarste ist, was ich besitze, gehe ich viel behutsamer damit um. Es hat mir geholfen, mir vorzustellen, wie mein Leben in 5 oder 10 Jahren wohl aussehen könnte und um was es in meinem Leben wirklich gehen soll. Die Weisheit des Lebens besteht darin, Unwichtiges zu unterlassen. Also vermeide ich Lebenszeitfresser wo es geht. Ich erlebe eine große Freiheit wenn ich Zeitung lese: ich entscheide selbst, ob und wie lange ich mich mit einem Thema beschäftige.
Ich entscheide selbst, in welchem Tempo ich ein Buch lese oder wann ich E-mails beantworte. Ich verspreche, innerhalb von 48 Stunden zu reagieren. Ich nehme mir die Freiheit, wenigstens ein paar Minuten täglich meine Trompete zu spielen.
Ohne Lebenszeitfresser bin ich mit meinem Leben viel zufriedener. Ich habe zunehmend mehr Zeit für das, was mir wirklich wichtig ist.
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Der heutige Tag, erinnert an die Gründung des Europarates
Grundrechte und Grundfreiheiten. In der Zeit nach 1945 gab es dafür in Europa einen großen politischen Willen. In der Europäischen Konvention für Menschenrechte wurden zum Beispiel Folter, Sklaverei und Zwangsarbeit geächtet.
Viele Grundrechte sind für uns heute fast selbstverständlich: Keine Strafe ohne Gesetz, Recht auf ein faires Verfahren, Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, das Recht auf freie Meinungsäußerung um nur einige zu nennen.
Um für ganz Europa gemeinsame demokratische Prinzipien zu entwickeln wurde der Europarat gegründet.
Heute umfasst er 47 Mitgliedsstaaten. Der Vatikan gehört zu den Beobachterstaaten wie die USA, Kanada, Japan und Mexiko.
Der Europarat, das sind über 300 Parlamentarier und ihre Stellvertreter aus den nationalen Parlamenten. Die Außenminister der Mitgliedsstaaten bilden das Ministerkomitee.
Es gibt den Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarats.
Im Sekretariat des Generalsekretärs in Straßburg arbeiten fast 2000 europäische Beamte.
So viel Gremien und Bürokratie. Wozu das eigentlich?
“Ziel des Europarats ist, die Menschenrechte, die parlamentarische Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit in Europa zu schützen,“ steht auf der homepage. „Ziel des Europarats ist, die Entwicklung und das Bewusstsein für die kulturelle Identität und Vielfalt Europas zu fördern;“ Ein weiteres Ziel ist es gemeinsame Lösungen zu finden bei Herausforderungen wie zum Beispiel Diskriminierung von Minderheiten, Fremdenfeindlichkeit, Bioethik und Klonen, Terrorismus und Menschenhandel, organisierte Kriminalität und Korruption, Computerkriminalität und Gewalt gegen Kinder; Und schließlich ist „Ziel des Europarats, die demokratische Stabilität Europas durch die Unterstützung politischer, gesetzlicher und verfassungsrechtlicher Reformen zu konsolidieren.“
Wenn also heute an die Gründung des Europarates am 5. Mai 1949 erinnert wird, dann geht es nicht nur darum, zurückzublicken und Jubiläen zu feiern.
Sondern es geht darum die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden und in die Zukunft zu blicken. Als Christ und überzeugter Europäer wünsche ich mir einen starken Europarat, der es weiterhin schafft, auch gegen kleinkariertes Nationalstaatentum ein Europa zu schaffen, in dem die christlichen Werte die Grundlage für Toleranz, Freiheit und Gerechtigkeit bleiben. Und ich wünsche Europa den Segen Gottes.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3614
„Vergiss es nie: Dass du lebst, war keine eigene Idee, und dass du atmest, kein Entschluss von dir. Vergiss es nie: Dass du lebst, war eines anderen Idee, und dass du atmest, sein Geschenk an dich. Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du, das ist der Clou - ...“ Anm.

Ein modernes Kirchenlied. Ich singe es gerne. Zuletzt habe ich es bei einer Erstkommunion gesungen. Beliebt ist das Lied auch bei Jugendlichen, die sich auf die Firmung oder Konfirmation vorbereiten. Jugendliche überlegen sich heute sehr genau, ob sie im christlichen Glauben leben wollen, ob sie bereit sind, auch als Erwachsene auf die Kraft des Glaubens zu vertrauen.
Nicht nur Kinder und Jugendliche packt manchmal der Zweifel, ob sie so wie sie sind o.k. sind, mit allen Macken und Liebenswürdigkeiten. Konfirmation heißt Bestärkung. Jungen Menschen tut Bestärkung gut und deshalb singen sie mit Begeisterung dieses Lied:
„Vergiss es nie: Niemand denkt und fühlt und handelt so wie du, und niemand lächelt, so wie du’s grad tust. ... Niemand sieht den Himmel ganz genau wie du, und niemand hat je, was du weißt, gewusst. Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur... Du bist ein Gedanke Gottes,....“
In einer Welt, in der die Wissenschaft erklärt, wie Leben entsteht, scheint diese Sichtweise fremd: Jeder Mensch ein Gedanke Gottes? Mir gefällt dieses Bild, weil es ausdrückt, dass jeder Mensch einmalig ist. In jedem einzelnen von uns verdichtet sich ein Gedanke Gottes, wird Fleisch und Blut.
Wenn also alle Menschen als Söhne und Töchter Gottes jeweils ein genialer Gedanke Gottes sind, muss das Auswirkungen auf den Umgang miteinander haben.
Für mich bedeutet es, jeden Menschen, auch denen die offensichtlich ganz anders sind als ich, mit großem Respekt gegenüberzutreten, ihre Art zu leben nicht abzuwerten. Manchmal ist das gar nicht so einfach. Dieses Lied erinnert mich daran, nicht zu vergessen, dass wir alle einmalig sind. Selbstbewusstsein und Selbstwert sind eine Grundvoraussetzung dafür, dass wir auch anderen ihre Einmaligkeit zusprechen können: „Vergiss es nie: „Dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt, und solche Augen hast alleine Du... Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu...“

Anm: Slezak Musikverlag, Hamburg; Text (und Musik): Paul Janz; Deutscher Text: Jürgen Werth.
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